Forum: Panorama
Heimat statt Arbeit: Die Berufung des Florian Fritsche
Benjamin Maack

Florian Fritsche findet einfach keine Arbeit. Seit mehr als einem Jahr ist der junge Historiker auf Jobsuche. Warum es nicht klappt? Die Antwort ist simpel - und wirft wichtige Fragen auf.

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geddon 26.05.2016, 13:56
60. Richtige Strategie?

Qualifizierung:
"Universitätsabschluss in Geschichte"
Bewerbungen:

"Sozialarbeiter in einem Flüchtlingsheim, als Projektmanager für kulturelle Jugendbildung, bei einer Touristeninformation"
Ob hier wirklich das Thema "Ortsbindung" als Ursache im Focus stehen sollte, wage ich doch argh zu bezweifeln.
Nichts desto trotz herzlichen Glückwunsch zur befristeten Anstellung bei der BfA.

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bergeron 26.05.2016, 13:56
61. Berufswahl

Ich kann absolut nachvollziehen, dass jemand in der Heimat bleiben will. Dafür gibt es viele gute Gründe und es ist m. E. auch nicht zu anspruchsvoll.

Wenn man diesen Wunsch allerdings hat, dann sollte man wenigstens die Berufswahl an diesen Wunsch anpassen. Ich bin kein Experte, würde aber wetten, dass es Berufe gibt, die in Weißensee eher gebraucht werden als Historiker. Man kann nicht erwarten mit jeder Ausbildung überall in Deutschland einen Arbeitsplatz zu finden. Ein Hochseefischer in den Alpen wird es vermutlich schwer haben.

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wolfgangvh 26.05.2016, 13:58
62. Flexibilität, kein Problem

Jaja. Habe ich auch lernen müssen: es ist sehr gut möglich, ein erfolgreiches und lukratives Leben in diesem Land führen zu können, ohne auch nur einmal über den Tellerrand geschaut zu haben, der von den Geisteswissenschaften definiert wird.

Einsermagister in kürzester Zeit: mein erster Job nach dem Studium war Schweißer bei einem Heizkesselhersteller, dann LKW-Fahrer, Dreher, jetzt Q-Techniker. Verachtet werde ich wegen meines Studiums immer noch. Seids doch konsequent, liebe Regierungsleut, spart das Geld und sperrt die Geisteswissenschaften zu. Falls wir dann mal wieder in die Richtung eines historischen Fehltritts schlittern, gibt's ja noch die US-Armee, die uns dann wieder von uns selbst befreit (hoffentlich: St. Exupery, Brief an die Amerikaner).

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kitty 26.05.2016, 13:58
63. Ein Sozialromantiker!

Zitat von nine1011
Und warum sollte Fritsche BWL studieren oder KfZ Mechaniker lernen, wenn seine Talente woanders liegen?! Ich finde seine Haltung lobenswert, gerade in Zeiten, wo sich scheinbar jeder selbst nur noch der nächste ist. Mit dem BGE (Bedingungslosem Grundeinkommen) würde diesen engagierten Menschen geholfen werden und gleichzeitig auch unserer Kultur und Geschichte und Gesellschaft. Das beste Beispiel.
und wer soll die Mittel für ein BGE erwirtschaften? Das BGE führt dazu, dass viele Menschen ihre unterbezahlten oder ungeliebten Jobs aufgeben und sich lieber von Vater Staat unterhalten lassen um ihren mehr oder weniger sinnvollen Hobbys nachgehen. Die jungen Menschen sollten dazu befähigt werden, sich nach dem Abi bewusst zu entscheiden, womit sie zukünftig ihren Lebensunterhalt verdienen wollen. Entweder ein Studium oder eine Ausbildung in einem Beruf, bei dem man in seinem Heimatort bleiben kann oder eines, bei dem ein Wegzug unvermeidlich ist. Dann muss man vielleicht auch auf ein eigentlich bevorzugtes Fachgebiet verzichten.

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gruebi01 26.05.2016, 14:03
64. Selbst schuld.

Wenn er in seinem Kaff (sorry: in seiner Stadt) hocken bleiben möchte, darf er sich nicht über seine Arbeitslosigkeit wundern.

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henryb_de 26.05.2016, 14:07
65. Nachwendejahre

Zitat von Wayne2000
Zwangsansiedlung größerer Unternehmen irgendwo in der Provinz? Wie haben sie sich das vorgstellt mit: "Die Bundesregierung muss dafür Sorgen...."
Dieser unwiederbringliche Schaden wurde in den Nachwendejahren von Bundesregierung, Treuhand und Ganoven aus West aber auch Ost angerichtet und seit dem wurde nichts unternommen das zu reparieren.

Denen, die damals die schnelle D-Mark aus dem Staatssäckel gemacht haben, ist das freilich egal.
Aber es fällt ja nun auf unsere gesamte Gesellschaft zurück.
Von daher Glückwunsch an jeden der sich den "Anforderungen" unserer nunmehr wieder frühkapitalistischen Wirtschaftsordnung zu widersetzten im Stande ist.
Auch dir Wurzeln von Pegida und Co. sind in diesen Jahren zu finden.

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einszweidreivierfünf 26.05.2016, 14:08
66. diese einseitigen kommentare immer

als politologe mit 10 jahren mehr auf dem buckel bin ich in einer ähnlichen situation wie hr. fritsche. für mich galt, dass ich kein studium mit reinem bzw. eindeutigem berufsbezug gewählt und beendet hätte. zuvor war ich 10 jahre als eventmanager unabhängig und gutverdienend. ich kenne demnach beide welten; viel arbeit & wenig muße & viel geld; weniger arbeit & viel muße & weniger geld. am ende meines diplomstudienganges erkrankte meine grossmutter und wurde zum pflegefall. ich nahm mich der sache an und bin nun arbeitslos und vermögend zu gleichen teilen; haus in attraktiver lage & kleines sparvermögen geerbt, aber ohne attraktives einkommen geblieben.
wenn hr fritsche nicht dumm ist, wird er intergenerativ planen und sehen wie er zu was kommt. meine prüfer meinten ich solle in frankfurt/main als randberliner promovieren. hätte ich das getan, so fehlte mir nun frau & kind. man kann nicht alles haben, aber mit einiger geschicklichkeit doch vieles. antithetiker halte ich für dummköpfe. stadt vs. land usw.

viel glück!

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janix_ 26.05.2016, 14:12
67. Etwas Sinnvolles hat er studiert

Dass Geschichte gesellschaftlich sehr sinnvoll ist, ist klar. Es ist auch eine Wissenschaft, was man beides von, sagen wir, BWL, Finanzzocken und Immobilienmakeln wohl nicht immer behaupten kann. Ich habe da großen Respekt. - Dass es jedoch dazu keinen direkten Brotberuf gibt außer Archivar, Geschichtslehrer, Stadtführer oder Journalist, sollte doch auch in Weissensee bekannt sein. Dass Herr Fritsche jetzt bei der Arbeitsagentur geparkt wird, ist schade für unsere Gesellschaft. Als Dozent oder Lehrer könnte er seine Stärken wohl besser für sich und andere ausspielen, sofern man das denn von außen einschätzen kann. Dass die Wirtschaft für den Menschen da ist und nicht umgekehrt, sollte übrigens trotz neoliberaler Gehirnwäsche immer noch selbstverständlich sein, liebe Freunde.

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LorenzSTR 26.05.2016, 14:13
68. Wow

Zitat von Wunderläufer
Ich kann den Mann nicht verstehen und habe auch kein Mitleid. Ich war selbst in der gleichen Situation als Politologe: die Arbeit kommt nicht zu mir, also gehe ich zur Arbeit. Letztendlich sind rausgekommen mehr als 23 Jahre als Wochenendpendler, bis ich dann doch relativ wohnortnah eine Arbeit finden konnte. Jammern? Nö
Ganz toll, wie Sie da geackert haben und gependelt sind. Herzlichen Glückwunsch! Ob Sie das mit der Politik und der Gesellschaft und so richtig verstanden haben, ist natürlich eine andere Frage.

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Wayne2000 26.05.2016, 14:14
69. ganz klare Antwort

Zitat von Sennover
...mit über 200.000 EW ist ca. 30km entfernt. Dort gibt es keine Jobs für Historiker?
Nein. Stepstone liefert deutschlandweit gerade mal 12 Stellenangebote für den Suchbegriff "Historiker".

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