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Hetzjagd, Migration und Maaßen: Offenkundig außer Kontrolle
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Der Wort-Streit um die Hetzjagd in Chemnitz ist ein sensationeller kommunikativer Erfolg der rechtsradikal-nationalsozialistischen Minderheit und eine deprimierende kommunikative Insolvenz des von ihr bekämpften "Systems".

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grodel 14.09.2018, 16:45
10. Sehr pointierter Beitrag

Chapeau Herr Fischer!
(Eine Kleinigkeit hat mich kurz stutzen lassen: Der Umstand, dass ein renommierter Strafrechtler, dem die Aufgabe zukommt, Rechtsbegriffe zur Begrenzung von Straftatbeständen möglichst exakt zu definieren, die Notwendigkeit der Definition des Begriffs Hetzjagd als belanglos abtut. Allerdings: Der Begriff Hetzjagd ist kein strafrechtlicher Rechtsbegriff und dient nicht z.B. als strafrahmenerhöhende Qualifikation eines Straftatbestands. Daher: Einverstanden! Im Übrigen, damit das ganz klar ist: Auch eine kleine und kurze Hetzjagd (und die sehe ich im Video) ist nach meinem Dafürhalten eine Hetzjagd, die ich auf deutschen Straßen nicht sehen will. Dass es keine größere gegeben hat, könnte an der mangelnden Verfügbarkeit potentieller Opfer gelegen haben.)

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berther 14.09.2018, 16:45
11. Danke

Die Kolumne bringt es sarkastisch auf den Punkt.

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pudelentkerner 14.09.2018, 16:46
12. Elefant im Raum

Wenn der Deutsche um den Elefanten im Raum, die fortdauernde Xenophobie und ihre gewaltsame Schmuckfassade, herumzureden gezwungen ist, dann debattiert er gerne darüber, ob der Elefant nicht doch recht eigentlich nur eine Maus sei, welches Zaumzeug dieser am besten stünde etc. Warum die rechten Parteien Zulauf haben? Weil ihr Rezept zur Komplexitätsreduktion einfache Lösungssimulationen für einfache Gemüter sind. Die Linke steckt in dem Dilemma, entweder mit ähnlicher Simplifizierung zu arbeiten und sich so unmöglich zu machen oder komplexe Antworten auf komplexe Probleme zu geben, die dann keiner hören will. Also reden wir über den Nagellack der Maus.

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fraenki999 14.09.2018, 16:46
13. Danke für diesen Beitrag Herr Fischer

Sie sprechen bzw. schreiben mir aus der Seele...!!!

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Pokusmus 14.09.2018, 16:46
14. Vielen Dank dem Autor!

Der Kommentar ist wie direkt aus meinem Herzen geschrieben! Schade, das sich nicht mehr vernünftige Menschen so gut und pointiert ausdrücken können (mich eingeschlossen)...

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blubbi-blupp 14.09.2018, 16:46
15. Danke Herr Fischer!

Warum veröffentlich SPON einen so wichtigen Artikel wie diesen und gleichzeitig wird einem bei SPON Woche für Woche der rechte, zermürbende Unsinn eines Fleischhauers angetan? Was will SPON dem Leser damit sagen? Dass SPON mit allem was Geld bringt arbeitet? Oder dass SPON keine Haltung hat? Beides? Werft bitte endlich diesen süffisanten rechten Hetzer raus und beweist endlich, dass man Journalismus auch mit Würde und Haltung betreiben kann. Danke.

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d45gts 14.09.2018, 16:47
16. Hier Aufmarsch, da Demo

"Es gibt in Deutschland schon seit längerem eine bemerkenswerte Schieflage zwischen der Stärke der extremistischen Szenen und ihrer Wahrnehmung. Rechtsextremismus wird, zumal in öffentlichrechtlichen Medien, mitunter hoch-, Linksextremismus dagegen eher heruntergespielt.

Auf der einen Seite ist euphemistisch vielfach von «Linksradikalen» und «linker Militanz» die Rede (dies entspricht weithin dem Selbstverständnis der einschlägigen Gruppen), auf der anderen Seite von «Rechtsextremisten» und «Menschenfeindlichkeit». Linksextremismus wird kaum je beim Namen genannt, weil «links» angeblich nicht extremistisch sein könne. So erklärte im Juli 2017 nach den wüsten Ausschreitungen gegen den G-20-Gipfel der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, links und Gewaltanwendung schlössen sich gegenseitig aus. Rechtsextremismus wiederum wird vielfach auf «rechts» reduziert, vielleicht deshalb, um den Kreis der moralisch Suspekten auszuweiten.

...

Die Erosion des antiextremistischen Konsenses ist weit fortgeschritten: in Medien und in der Öffentlichkeit deutlich stärker als in der Judikative, bei der SPD und den Grünen stärker als bei der Union und der FDP. "

https://www.nzz.ch/feuilleton/hier-aufmarsch-da-demo-ld.1419140?mktcid=nled&mktcval=107&kid=_2018-9-12

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Steffen Gerlach 14.09.2018, 16:47
17. So kompliziert ist das nicht

Sobald alle genau wissen, was vorgefallen ist, ist es tatsächlich egal, welchen Namen man der Sache gibt. Das ist aber nicht die Situation, in der sich Medien typischerweise befinden. Sie informieren Menschen. Deshalb sollten sie für die Ereignisse treffende Namen wählen. Eine "Hetzjagd" beginnt genau da, wo die Bilder, die sich in den Köpfen der Leser/Zuschauer bei diesem Begriff bilden, dem zumindest nahe kommen, was tatsächlich vorgefallen ist. Ein paar wütende Schritte sind, glaube ich, von dieser Grenze weit entfernt. Ich finde die Diskussion überhaupt nicht lächerlich. Es geht um die Qualität von Information und um die Vertrauenswürdigkeit der Medien.

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fflorian 14.09.2018, 16:51
18. Danke! Sie nehmen Ihre Pflicht als Demokrat (und Journalist) ernst

Auf den Punkt gebracht. Gut geschrieben mit sehr persönlichem Bezug. Manche Sätze etwas lang und sperrig zu lesen. Aber insgesamt: Ein excellenter Kommentar. Sehr sehr lesenswert. Und wenn jetzt aus der "rechten Ecke" (ich meine: nicht aus dem demkratischen Spektrum - gibt es überhaupt (noch) eine demokratische Rechte?) den Autor als links(-radikal/-"versifft"/-versponnen) hinstellt, kann ich nur sagen: Dann beweist diese(r) damit, dass der Autor recht hat. Denn dieser hat sich in der Kolumne weder als links oder demokratisch oder mittig positioniert, sondern ganz einfach seine Pflicht als Demokrat (und Journalist) wahr- und ernstgenommen. Mehr nicht. Und darauf könnte ein Teil des Diskurses auch hinauslaufen, endlich zu erkennen, dass es die Pflicht von Demokraten nicht etwa (nur) ist, immer wieder einen Wahlzettel auszufüllen, sondern seine Stimme zu erheben gegen die, welche die Demokratie einfach nicht wollen oder nicht aushalten.

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fraenki999 14.09.2018, 16:52
19. Liveaufnahmen

Zitat von bammbamm
Der Wortstreit um Hetzjagd und Chemnitz im Ganzen zeigt leider auch das BEIDE Seiten populistische Verallgemeinerungen und Übertreibungen nutzen und keiner Seite mehr zu trauen ist. Wenn man wissen will was auf Demos so abgeht sollte man inzwischen möglichst Livestreams schauen (die es zum Glück inzwischen gibt). Eine nicht nach eigenen interessen verdrehte Realität findet man inzwischen weder bei den Medien noch den Politikern noch bei den alternativen "Medien". Leider ist es so weit gekommen das man nur noch ungefilterten Liveaufnahmen trauen kann
Und auch sog. Liveaufnahmen sind nicht immer Liveaufnahmen. Ich für meinen Teil vertraue da noch immer den Qualitätsmedien und auch den von den Rechten Mob verunglimpften „Staatsfernsehen“ (ÖR).

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