Forum: Panorama
Hinrichtung in Texas: Gouverneur Perry auf Mission Todesstrafe

Er hält den Spitzenplatz bei den Todesurteilen in den USA: Kein Gouverneur hat mehr Hinrichtungen durchgesetzt als der Texaner Rick Perry, Favorit im Republikaner-Wahlkampf. Jetzt droht dem Häftling Steven Woods die Vollstreckung - dabei gibt es erhebliche Zweifel an seiner Schuld.

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oberallgaeuer 09.09.2011, 19:36
40. Hinrichtuing in Texas

Zitat von Shaft13
Ich bin für die Todesstrafe. Aber wirklich nur bei absolut eindeutigen und sicheren Fällen. Gibts gewisse Zweifel? Dann darf es keine Todesstrafe geben. Deswegen sollte die Todesstrafe auch nur ein sehr selten angewendete Strafe sein. In Amerika wird mir sie einfach zu schnell vergeben.
Es gibt leider genügend Fälle, bei denen zur Zeit der Urteilsverkündung keine Zweifel bestanden. Es gibt auch viele falsche Geständnissse. Eine Todesstrafe kann man nicht revidieren. Dumm gelaufen - für den Hingerichteten.

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hannespiefke 09.09.2011, 19:43
41. US Justiz

Also der Eine macht einen "Deal" mit der Staatsanwaltschaft und gesteht die Morde allein begangen zu haben, dies deckt sich mit der Aussage des Anderen der in einem sepparaten Verfahren eben dies ausgesagt hat.

Der Eine wird "belohnt" und entrinnt der Todesstrafe, der Andere wird obwohl er die Wahrheit gesagt hat zum Tode verurteilt. Was stimmt daran nicht?
Gerechtigkeit sieht anders aus.

Der Täter bekommt eine mildere Strafe als der "Komplize".
Dann, zynisch formuliert ist doch jedem Komplizen anzuraten einen Deal anzubieten und gestehen obwohl es eine Lüge ist. Justiz-Konfuss.
Der Komplize sollte ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt werden.

Wer sich aber so manch amerikanischen Prozess anschaut den verwundert ein solcher Schwachsinn nicht.

Aber mal hier ein paar Daten:
http://www.deathpenaltyinfo.org/documents/FactSheet.pdf

Man schaue sich die Exekutionswut von Texas an.

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der.bergamann 09.09.2011, 19:48
42.

Zitat von scotchibotchi
SEHR RICHTIG! Der Artikel ist ohne Zweifel voreingenommen, ich habe die entsprechende Debatte im Original gesehen.
Haben sie mir da einen Link? Ich finde bloß Ausschnitte der Debatte.
Zitat von scotchibotchi
Perry sagt NICHT er hätte kein Problem damit "auch mal Unschuldige hinzurichten", er sagt vielmehr er könne nachts ruhig schlafen, weil durch das texanische Rechtssytem und die zahlreichen Möglichkeiten zur Berufung, bis hin zum Supreme Court sichergestellt sei, das eben KEINE Unschuldigen hingerichtet werden! [...]
Womit Perry aber unterschlägt, dass er als Gouverneur eine wichtige Rolle in diesem Rechtssystem spielt. Es liegt in seiner Macht und Verantwortung zu prüfen und zu entscheiden, ob eine Hinrichtung rechtmäßig ist oder nicht, ob sie vollzogen wird oder nicht.

Unter Perry wurde Cameron Todd Willingham exekutiert, dessen Täterschaft bereits vor der Hinrichtung mehr als zweifelhaft war. Perry hätte die Zweifel würdigen und die Exekution verhindern können, doch er ließ die Tötung eines vermutlich Unschuldigen zu, schläft dennoch gut und scheint damit kein Problem zu haben.

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az75 09.09.2011, 19:49
43. ...

Das primärste Problem mit der Todesstrafe in den USA ist nicht die generelle An- sondern Verwendung.

Sie dient einfach hauptsächlich der Abschreckung und unter diesem Aspekt ist die Frage, ob der Delinquent schuldig oder unschuldig ist, nur zweitrangig.

Empfehlenswert ist hierzu die "BBC-Exclusiv"-Reportage "Die Wissenschaft des Tötens"... der Reporter sucht nach einer möglichst "humanen" Methode, stellt dabei die Brutalität der etablierten Verfahren (Hängen, elektrischer Stuhl, Giftspritze etc.) vor und findet diese tatsächlich auch in der Asphyxie durch Stickstoff (Keine Schmerzen, keine Panikzustände, eher Euphorie durch Sauerstoffmangel).

Als er diese Erkenntnis jedoch einem (republikanischem) Abgeordnetem präsentiert reagiert dieser entsetzt... sie ist nicht brutal genug, um abschreckend zu wirken! Diese letzte Sequenz des Filmes allein sagt da schon alles.

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rincewind 1111 09.09.2011, 19:50
44. @death_warrant

Zitat von death_warrant
sie nehmen den mund ziemlich voll. ich bitte namen von delinquenten, die erwiesenermaßen zu unrecht exekutiert wurden, seit der wiedereinführung der todesstrafe in den 70ern.
Cameron Todd Willingham am 17. Februar 2004 nur mal so als Beispiel. Anstatt eine so grosse lippe zu riskieren sollten Sie es mal mit google probieren, unglaublich aber wahr da werden Sie fündig. Keine Ahnung haben aber andere Forumsteilnehmer angehen, so was finde ich voll daneben.

Das hätten Sie übrigens noch in Wikipedia zum Thema gefunden.Nach Angaben von Amnesty International wurden im Zeitraum von 1900 bis 1985 in den USA 350 Menschen zum Tode verurteilt, deren Unschuld später bewiesen wurde. Bei 23 von ihnen wurde erst posthum die Unschuld festgestellt. Bis 2007 wurden in den USA insgesamt 15 Todeskandidaten aufgrund neuer DNA-Beweise freigesprochen.

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polonez 09.09.2011, 19:51
45. Maßstäbe

Seit 1976 wurden in Texas laut Wikipedia 400 Menschen hingerichtet. Das entspricht ca. 12 Hinrichtungen pro Jahr.
In Deutschland werden jährlich ca. 100.000 Abtreibungen vorgenommen.
Dass ein Mensch ein besonders grausames Verbrechen mit seinem Leben bezahlt empfindet man bei uns als inhuman und abstoßend. Das werdendes menschliches Leben - das so unschuldig ist wie es ein Mensch nur sein kann - niemals das Licht der Welt erblickt, wird als traurig aber ansonsten völlig in Ordnung betrachtet. Für mich eine völlig bizarre Deformation moralischer Maßstäbe.

Zu behaupten Rick Perry "habe keine Bedenken, auch mal Unschuldigen die Giftspritze zu versetzen" ist eine ziemlich einseitige Verkürzung dessen was er gesagt hat.
http://www.youtube.com/watch?v=pXB8avpzMyI

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der.bergamann 09.09.2011, 19:53
46. .

Zitat von heitjer
"Woods' Anwälte hatten seine Anwesenheit am Tatort nicht bestritten, aber Rhodes als tatsächlichen Mörder benannt." "Selbst, wenn er weder den Abzug betätigt noch die Messer geschwungen hätte, wäre er nach texanischem Recht als Komplize so schuldig wie der eigentliche Täter." Wo sind hier denn dann die Zweifel an seiner Unschuldigkeit?
In Bezug auf seine 'Unschuldigkeit' bestehen kaum Zweifel. Aber an seiner Täterschaft.
Wenn texanisches Recht die Anwesenheit bei einer Tat, der Tat gleich setzt, warum wird dann der Untätige getötet und der Mörder nicht? Weil der eine seinen Mord gestanden hat und der andere, wahrheitsgemäß, den nicht begangenen nicht?

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tetaro 09.09.2011, 19:55
47. ..

Ich kann eigentlich nur gegen die Todesstrafe sein, wenn ich es wirklich und konsequent ablehne, Menschen gewaltsam ins Jenseits zu befördern.

Fängt man an, aufzurechnen "der hat es aber verdient", kriegt man einfach ein Loch in die moralische Logik, das letztendlich nach Bedarf ausweitbar ist.

"Der hat es aber verdient" denkt sicher auch so mancher Straftäter über sein Opfer, daher sollte man sich auf solche Argumente nicht einlassen.

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linkesocke68 09.09.2011, 19:56
48. der ewige Kampf...

Oh, es werden in den USA sicherlich einige Menschen zu Unrecht getötet worden sein. Im Übrigen zähle ich persönlich auch schon die zu Unrecht Verurteilten dazu und davon kommen ja auch immer mal wieder welche raus.

In Georgia steht nun der Hinrichtungstermin für Troy Davis.
https://www.amnesty.de/2011/9/8/usa-...ion=startseite
Hier soll nicht nur ein Mensch getötet werden (schlimm genung), die Tatsache, dass "seit dem Gerichtsverfahren [...] sieben der neun Hauptbelastungszeugen ihre Aussagen geändert oder zurückgezogen [haben]" (Quelle steht oben).
Nach 'Im Zweifel für den Angeklagten' sieht mir das nicht aus.

Alle Humanisten unter den Foristen sind natürlich herzlich dazu aufgerufen die Petition zu unterstützen alle anderen sollten sich Flugtickets nach Georgia kaufen, so ein Spektakel darf man sich doch nicht entgehen lassen!

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death_warrant 09.09.2011, 19:57
49. Sinnig

Zitat von bosemil
Wie kann der Tod als "Strafe" angesehen werden? Das ist einfach Widersinnig.
Für mich ist es vor allem "widersinnig" wie man kaltblütige Mörder ein Leben lang auf Kosten der Allgemeinheit Kost und Logis gewähren soll, wo sie sich doch durch ihre abscheulichen, ruchlosen Verbrechen freiwillig aus der Gesellschaft verabschiedet haben.

Auch ein lebenslang verurteilter Mörder (LWOP = Life without the possibility of parole) kann sein Leben im Gefängnis noch einigermaßen erträglich gestalten, bspw. seine Kinder noch aufwachsen sehen, den Superbowl schauen, lachen usw...die Opfer von Mördern und deren Hinterbliebene können ebendies gerade nicht! Und genau das ist es, was die Amerikaner unter Gerechtigkeit in Bezug auf die Todesstrafe verstehen. Dem kann ich mich nur anschließen, ich empfinde ähnlich.

Auch meine Familie lebt zum Teil seit mehr als 5 Jahrzehnten in den USA, wenn auch in einem Staat ohne Capital Punishment. Jedenfalls steht mir das US-Justizsystem deutlich näher als die deutsche 68er Kuschel-Gutmenschjustiz, die es quasi per Gesetz verbietet, jemanden ohne Aussicht auf Bewährung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen. Ein schlechter Witz ist das, und ein Schlag für alle Opfer und Hinterbliebenen. Mörder gehören gerichtet, im Ausnahmefall eventuell lebenslang ohne Bewährung. Aber eine Aussicht auf Freiheit nach einem Mord? Das dürfte es meiner Ansicht nach nicht geben.


Zitat von
Übrigens verhängt die "USA" gar keine Todesstrafe. Wie ein Forist richtig bemerkte sind es nur einzelne Staaten der USA, unter anderem in Texas..
Sie könnten vom Staat (Federal) und vom Militär (Military) auch dann zum Tode verurteilt werden, wenn Sie in einem Bundesstaat Ihre Verbrechen begangen haben, welcher offiziell die Todesstrafe nicht anwendet. Allgemein bleibt auch festzuhalten, das die Todesstrafe eher selten verhängt wird, wenn man sich die Zahl der Mordfälle vor Gericht zum Vergleich heranzieht. Und dann gibt es auch noch solche Staaten wie eben bspw. Florida und vor allem California. Letztere haben mittlerweile im Todestrakt von St. Quentin mehr als 714 Insassen einsitzen, die letzte Hinrichtung fand nach meiner Kenntnis im Jahre 2006 statt.

So werden Todesurteile auch zur Farce. Texas ist als einer der wenigen Staaten konsequent...sind die Appelle ausgeschöpft, wird auch ein Hinrichtungstermin vom Richter, der über den Fall eins richtete, festgesetzt. Auf nahezu allen Death-Row Homepages der einzelnen Staaten kann man die kommenden Hinrichtungstermine einsehen.

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