Forum: Panorama
Hinrichtungen in den USA: Mit allen Mitteln
DPA

Giftstoffe für Hinrichtungen sind kaum noch lieferbar; US-Bundesstaaten suchen nach neuen Methoden, um Todesurteile zu vollstrecken. Utah hat nun wieder Erschießungen erlaubt, Oklahoma setzt auf Stickstoff.

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dimarei 25.03.2015, 09:41
130. Tötung durch Stickstoff - sachlich eigentlich nicht korrekt.

Zunächst einmal möchte ich ganz klar sagen, dass ich ein absoluter Gegner der Todesstrafe bin, möchte aber zum Thema "Tötung durch Stickstoff" einmal mehr aus technischer Sicht Stellung beziehen, da mich eine ähnliche Thematik permanent begleitet. Als technischer Taucher, der sich in Wassertiefen teils von über 100m bewegt, kommt der Wahl des korrekten Atemgases eine ganz besondere Bedeutung zu. Wenn dieses nicht zur getauchten Tiefe passt, erleiden wir ggf. genau das, was man in den USA jetzt plant... Grundsätzlich benötigt der Mensch zum Atmen einen Sauerstoff-Partialdruck von ca. 0,18 bis 1,4 Bar. Wobei die Zeit, in denen er dem höheren Bereich dieser Spanne ausgesetzt ist, auch eine entscheidende Rolle spielt. Unter dem Sauerstoff-Partialdruck versteht man den Anteil Sauerstoff im Atemgas multipliziert mit dem Umgebungsdruck. Da Luft aus ca. 21% Sauerstoff und 79% Stickstoff besteht, wären das somit 0,21 Bar im normalen Leben auf der Erde. Steigt man auf Berge, so sinkt der Umgebungsdruck und man kommt irgendwann an die untere (oben genannte) Schwelle und benötigt zusätzlichen Sauerstoff. Da man auf dem Berg am (geringeren) Umgebungsdruck nichts ändern kann, muss man also den Sauerstoffanteil im Atemgas erhöhen, um den Partialdruck wieder in einen atembaren Bereich zu bringen. Taucht man unter Wasser, nimmt der Druck zu und man muss den Sauerstoffanteil im Atemgas entsprechend verringern, taucht man wieder auf, muss ggf. schon unter Wasser wieder erhöhen. Als Ergängung sei noch gesagt, dass bei zu höhem Sauerstoff-Partialdruck der Körper mit Krämpfen reagiert. Wie schon erwähnt, atmen wir generell einen 79%igen Stickstoffanteil in unserer Luft ein, der uns auch nicht schadet, ganz im Gegenteil, der Stickstoff als "Verdünnungsgas" für den Sauertoff hilft unserer Lunge. Reiner Sauerstoff würde auf längere Zeit zu Reizungen führen. Den Stickstoff als Inertgas atmen wir so wieder aus, wie wir ihn eingeatmet haben. Wie kann man mit diesem uns eigentlich friedlich gesinnten Stickstoff nun jemanden töten? Direkt gar nicht! Sehrwohl kann man aber jemanden schädigen, indem man den Sauerstoffanteil im Atemgas verringert, also statt einer Mischung von 21/79 hin zu 0/100 übergeht. Dann sinkt der Sauerstoff-Partialdruck und es kommt zunächst zur Bewußtlosigkeit und dann zum Tod. Schuld ist aber nicht der Stickstoff, sondern der fehlende Sauerstoff. Dieser Vorgang soll auch (so habe ich es gelernt) völlig schmerzfrei verlaufen. Da unser Atemreiz (Erstickungsgefühl z.B. beim Luftanhalten) nicht durch fehlenden Sauerstoff, sondern durch CO2-Überdosis in den Atemwegen ausgelöst wird, entsteht beim Atmen eines Gases mit zu wenig Sauerstoff auch kein Erstickungsgefühl. Die "Lichter" gehen einfach irgendwann aus.
Wie eingangs erwähnt, soll all das, was ich vorstehend geschrieben habe keine Rechtfertigung dessen darstellen, was in den USA geplant wird.

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Immanuel_Goldstein 25.03.2015, 09:43
131.

Zitat von karlsiegfried
Ich habe den Eindruck, dass den Mördern mehr Mitgefühl entgegen gebracht wird, als den Ermordeten. Wo ist das Problem, wenn ein Mörder aus dem leben verabschiedet wird?
Es ist lediglich ein moralisches Problem. Schon in der Steinzeit wurden vermutlich Mörder auch erschlagen. Das Problem ist nur: wir bezeichnen uns heute als "Zivilisation" auf Basis einer Religion, genannt Christentum, die auf Feindesliebe, Vergebung und Nächstenliebe gründet und nicht auf bestialischen Rachegefühlen.

Man kann natürlich eine Gesellschaft auf Rache aufbauen, nur sollte man sie dann nicht als "zivilisiert" oder gar "christlich" bezeichnen.

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huddi03 25.03.2015, 09:59
132. Gern gebe ich Ihnen Recht

Zitat von oidahund
Wennn ich die vielen Kommmentare lese, deren Tenor ist, wie schlecht, moralisch verkommen etc. _die_ USA sind, weil es dort die Todesstrafe gibt, dann frage ich mich, ob diese Kommentatoren auch nur einen Funken Ahnung von _den_ USA haben. Die einzelenen Staaten unterscheiden sich teilweise mehr von einander als die Staaten der EU! Es gibt in den _verkommmenen_ USA genug Staaten, die die Todesstrafe nicht praktizieren bzw. ganz abgeschafft haben! Ich hoffe, es überfordert hier niemeanden eine etwas größere Differenzierung zu treffen. ...
dass das Thema Todesstrafe in den USA einer differerenzierteren Betrachtung Wert ist. Auch die Gleichstellung von Mord und Todesstrafe ist natürlich falsch. Allerdings ist es keine "Moralüberstülpung" wenn man seine Ablehnung der Todesstrafe versucht moralisch zu begründen. Wenn Sie allein hier im Forum die Beiträge pro Todesstrafe lesen hoffe ich schon wenigstens etwas moralischer zu denken als die meisten der Verfasser. Dass es vielleicht Gründe für die Todesstrafe gibt, die ich nur nicht zu sehen vermag halte ich nicht für unmöglich - so wie man eben immer irren kann. Für sehr wahrscheinlich halte ich dies aber nicht.

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asentreu 25.03.2015, 10:01
133.

Zitat von Immanuel_Goldstein
Es ist lediglich ein moralisches Problem. Schon in der Steinzeit wurden vermutlich Mörder auch erschlagen. Das Problem ist nur: wir bezeichnen uns heute als "Zivilisation" auf Basis einer Religion, genannt Christentum, die auf Feindesliebe, Vergebung und Nächstenliebe gründet und nicht auf bestialischen Rachegefühlen. Man kann natürlich eine Gesellschaft auf Rache aufbauen, nur sollte man sie dann nicht als "zivilisiert" oder gar "christlich" bezeichnen.
Auge um Auge, Zahn um Zahn? Die Zauberkundigen sollt ihr nicht am Leben lassen? Wer seinen Sohn liebt nimmt ihn früh in die Zucht?

Ich möchte in keiner christlichen Gesellschaft leben!

Trotz Ihres süßlichen Feindesliebe- Geredes wäre ich durchaus für die (Wieder-) Einführung der Todesstrafe. Und zwar exklusiv für Verbrechen mit Todesfolge die sich durch absolut herausragende Schwere und Bösartigkeit auszeichnen.

Mögliche Szenarien die ich mir da vorstellen könnte, bei denen ich eine Todesstrafe völlig angemessen fände, wenn die Schuld zweifelsfrei bewiesen ist:

- die Drahtzieher von Terroranschlägen, bei denen viele Menschen umkamen
- somalische Piraten, wenn diese durch ihr Handeln den Tod von Bordbesatzungsmitgliedern oder Militärangehörigen verursacht haben
- Mehrfach- Mörder, wenn die Mordmerkmale jeweils erfüllt sind
- politisch motivierte Mehrfach- Morde (NSU, Breivik...)

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thomas.b 25.03.2015, 10:03
134.

Zitat von a34
Russland hat übrigens die Todesstrafe vollständig abgeschafft.
Selbst die DDR hatte es damals (1987) abgeschafft, letzte Vollstreckung wegen Verrat und Spionage im Jahre 1981 (Werner Teske).

Zitat SPON-Artikel:
"Erst sechs Jahre nach Teskes Erschießung sah die DDR-Führung ein, dass die Todesstrafe politisch nicht mehr tragbar war. Wie wollte man die Theorie von der moralischen Überlegenheit der DDR und der Friedfertigkeit des Sozialismus aufrechterhalten?"

http://www.spiegel.de/einestages/todesstrafe-in-der-ddr-abschaffung-durch-erich-honecker-1987-a-947648.html

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Mister Stone 25.03.2015, 10:20
135.

So sehen sie aus, unsere gemeinsamen Werte, die es auf Teufel komm raus zu "verteidigen" gilt, gerne auch durch Angriffskriege, Drohnenexekutionen, Folter, Ausspähung...

Es ist der Preis dessen, was uns unsere Regierung und unsere amerikanischen Freunde als "Freiheit" verkaufen.

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wiseguyno1 25.03.2015, 12:43
136.

Zitat von karlsiegfried
Ich habe den Eindruck, dass den Mördern mehr Mitgefühl entgegen gebracht wird, als den Ermordeten. Wo ist das Problem, wenn ein Mörder aus dem leben verabschiedet wird?
Ihr 'Eindruck' in allen Ehren, aber es ist eben nur ein Eindruck, welcher durchaus trügt. Denn es darf bei der Frage nach staatlichem Handeln eben nicht nach Gefühl gehen, sondern nach objektiven Gesichtspunkten.
Er soll also weder aus Mit- noch Rachegefühl handeln, sondern zum Schutz der staatlichen Gemeinschaft!

Sie fragen weiter nach den Problemen der Todesstrafe?
Diese wurden hier mehrfach aufgeführt:
1) Das Problem von Fehlurteilen, deren Konsequenzen nicht rückgängig zu machen sind. Was ist, wenn Ihr 'Mörder' eben nicht der Mörder ist?
2) Das moralisch/rechtliche Paradoxon: Wie kann ein Staat solch drastische Maßnahmen als Strafe gesetzlich festlegen, die er eigentlich sich selbst (per Verfassung) wie auch seinen Bürgern (Mord/Totschlag) verboten hat? Wie verhindert man eine mögliche spätere Erweiterung (Aufweichung) auf andere 'verwerfliche' Taten, wenn diese 'Büchse der Pandora' erst einmal geöffnet ist? Ein ähnliches Problem, das es übrigens zB auch bei der VDS (wie auch bei vielen anderen Grundrechtseingriffen) gibt.
3) Der zweifelhafte Nutzen: Welchen objektiven Vorteil hat man von dieser Strafe gegenüber der lebenslangen Haftstrafe? Das Ziel (Schutz der Gemeinschaft vor dem verurteilten Mörder) wird ja damit auch erreicht.
Der finanzielle Aspekt ist es kaum, wie ein reiner Kostenvergleich zeigt.
Auch eine Abschreckung gibt es lediglich sehr bedingt.
Denn Mord ist (wie oben bereits gesagt) eine ebenso drastische Tat. Die vermeintlich abschreckende Strafe wird also meist 'ausgeblendet'; auch weil der Täter stets davon ausgeht, nicht erwischt zu werden. Aber selbst dann kann die zu fürchtende Strafe sogar kontraproduktiv sein. Wenn man nach einem Mord die Todesstrafe als ultima ratio fürchtet ... warum nicht weitere Folgemorde (zB bei der Flucht) in Kauf nehmen, wenn man nichts mehr zu verlieren hat?
Ein prominentes US-Beispiel waren Bonnie & Clyde, die nach Ihrem ersten Raubmord auf der Flucht auch nicht mehr vor Polizistenmord zurück schreckten.

Und zum Schluss kehren wir ihre Frage daher einmal um:
Wo ist das Problem, wenn ein Mörder NICHT aus dem Leben verabschiedet wird, sondern eine lebenslange Haftstrafe verbüßt?

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