Forum: Panorama
Höchster Kirchenvertreter bei Schützenverband: "Mithat Gedik soll Schützenkönig bleib
DPA

Im Streit um den muslimischen Schützenkönig aus Werl hat sich der höchste Kirchenvertreter im Bund der Schützenbruderschaften zu Wort gemeldet. Mithat Gedik solle sein Amt behalten, sagte Monsignore Robert Kleine - verteidigte aber auch die strikten Regeln der Vereine.

Seite 2 von 3
Ecres 06.08.2014, 14:12
10. Was soll das jetzt alles?

Gut, bezüglich des muslimischen Schützenkönigs: Ok, da wäre es besser gewesen, die Klappe zu halten. Natürlich hat der Verband da ein Eigentor geschossen, denn eine Überprüfung der Mitglieder bezüglich der Kirchenzugehörigkeit, Scheidung etc. pp. würde die Mitgliederzahl gewaltig schrumpfen lassen. Es ist übrigens egal, ob man katholisch, evangelisch, Pfingstler oder koptischen Glaubens ist. Hauptsache Christ! Was die Mitgliedschaft angeht: Natürlich dürfen sich Vereine ihre Mitglieder selber aussuchen. Wieso auch nicht. Und da zieht auch die Diskriminierungskarte nicht. Vereinen wird dieses Recht zugestanden. Übrigens finde ich es anmaßend, wenn Leute, die für Schützenvereine nichts aber auch gar nichts übrig haben, meinen, sie könnten diesen Vorschriften bezüglich ihrer Mitglieder machen. Würde mich mal interessieren, ob sie genau so auf die Pauke hauen würden, wenn einem Deutschen die Mitgliedschaft in einem türkischen Kulturverein verweigert wird.

Beitrag melden
mm71 06.08.2014, 14:27
11.

Zitat von novoma
Die Macht der Kirchen in diesem Staate lassen leicht den Eindruck entstehen, wir seien ein "christlicher Gottesstaat". Es ist an der Zeit, endlich die völlige Trennung von Staat und Kirche zu vollziehen, und den Kirchen sämtliche(!) Privilegien zu entziehen, diese vollständig unter den Geltungsbereich der Gestze zu Stellen und sämtliche Sonderrechte abzuschaffen. Dann wäre endlich solche Satzungen, wie die dieses Schützenbundes, wegen Vertoßes gegen das Diskriminierungsverbot unwirksam.
Was hat das mit diesem Thema zu tun? Erstens, ist in die Kontroverse ein Schützenverein und keine Kirche involviert. Zweitens, beträfe eine Trennung von Kirche und Staat das Verhältnis eines Schützenvereins zu seinem Schützenkönig wohl kaum.

Beitrag melden
M. Thomas 06.08.2014, 14:32
12. Die

wurde zumeist vor mindestens hundert, oft auch vor hunderten von Jahren per Statut von Mitgliedern gefordert. Sie ist meiner absoluten Überzeugung nach niemals ernsthaft explizit gemeint gewesen - das "christliche" sollte lediglich einen "nicht liderlichen", allgemein akzeptierten und vielleicht gewünschten, allgemeinen Lebenswandel beschreiben.
Zu der Zeit, als man diese "Christlichkeit" in die Vereinsstatuten aufnahm, wussten die wenigsten Vereinsmitglieder in Hintertupfingen und Kleinkleckersdorf, wie denn Alternativen hierzu aussähen, wie sie wohl heißen mögen und was diese so den ganzen Tag treiben. Heute auf dem Wort zu bestehen zu wollen, verrät m.E. die Intention hinter einer solchen Ausgrenzung, die daraus resultieren würde.....

Beitrag melden
wortfunken 06.08.2014, 14:37
13.

Damit hat der Monsignore in salomonischer Herzensweite klargestellt, das der muslimische Schützenkönig einem lässlichen Bürokratieversagen an der Basis des Bundes Heiliger Deutscher Schützenbruderschaften geschuldet ist. Alle Waffenbrüder dürfen aufatmen: Das christliche Abendland ist gerettet!

Beitrag melden
curieuse 06.08.2014, 14:40
14. Satzungen fallen nicht vom Himmel ...

... sie werden von Menschen gemacht. Die Satzung des Schützenvereins wurzelt wohl im 19. Jahrhundert, und damals spielte die Religion noch eine zentrale Rolle bei der Selbstvergewisserung. Zwischenzeitlich hat sich unsere Gesellschaft enorm verändert, das zeigt sich doch darin, dass der Schützenverein ganz selbstverständlich einen Muslim aufgenommen hat, ohne dabei einen Gedanken an die Satzung von anno dunnemals zu verschwenden. Skandalisiert wurde das Ganze ja erst durch den übergeordneten Verband. Der Schützenverein hat jetzt die Möglichkeit, seine Satzung zu überdenken, zu überarbeiten und den gewandelten Verhältnissen anzupassen. Der Dachverband könnte das Gleiche tun - in absehbarer Zeit und nicht erst in 400 Jahren!

Beitrag melden
c.PAF 06.08.2014, 14:43
15.

Zitat von Larnaveux
Manchmal ist die Abgrenzung nach außen auch etwas, um etwas zu bewahren, was einem wichtig ist. Um so ein Bewahren scheint es den Erstellern der Satzung im konkreten Fall gegangen zu sein.
Wenn man bedenkt, daß viele (dieser) Vereine die Satzung in der ersten Hälfte des 20. Jahunderts dahingehend geändert haben, daß nur (noch) Katholiken aufgenommen werden, frage ich mich ernsthaft, was da bewahrt werden soll.

Beitrag melden
mattoregiert 06.08.2014, 14:44
16. Darauf haben wir gewartet

auf ein klares Wort unserer Kirche . Endlich hat sie ihre Wichtigkeit und Daseinsberechtigung unter Beweis gestellt

Beitrag melden
Racer77 06.08.2014, 15:26
17. Interessante Rechtsauffassungen

Ich finde es immer wieder befremdlich, was nach Meinung mancher Foristen hier alles Verfassungsrang hat. Da wird ein Passus in einem Verein als verfassungswidrig und als Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz dargestellt. Dabei ist die Satzung eines Vereins sehr frei wählbar und muss eben nicht darauf ausgerichtet sein, dass wirklich jeder Vereinsmitglied werden kann. Als Frettchenzückter werde ich nicht Mitglied im Karnickelzüchterverein werden können. Die beiden Tierarten sind ein wenig unterschiedlich. Und genauso kann ein Verein auch den Glauben als Aufnahmekriterium haben. Ich werde als Christ auch nicht im muslimischen Moscheeverein aufgenommen, ohne dass ich vorher dreimal das muslimische Glaubensbekenntnis runterleier und damit offiziell Muslim werde. Aus meiner Sicht dürfen gerne Atheisten, Buddhisten, Muslime ihre eigenen Vereine gründen und nur Menschen aufnehmen, die das jeweils als Gemeinsamkeit haben. Vielleicht sollte ich mal die Mitgliedschaft in einem muslimischen Moscheeverein beantragen um dann zu schauen, ob es auch zu einem Shitstorm wie in diesem Fall kommt, wenn ich dann nicht Imam werden darf.

Beitrag melden
Savryn 06.08.2014, 15:27
18. ...

Also habe ich das jetzt richtig verstanden? In der Satzung steht, es handele sich um eine "Gemeinschaft von Menschen mit christlicher Tradition"?

Wenn das so da drin steht, verstehe ich das Problem nicht so richtig. Dann steht da nirgends was ausdrücklich davon, dass man explizit "katholisch" oder "Christ" sein muss um da mitzuspielen. Man muss lediglich ein "Mensch mit christlicher Tradition" sein. Was das genau heißt ist mE Auslegungssache. Im Kern würde ich das aber runterbrechen auf "man geht mit den Werten christlicher Tradition konform". Nicht mehr und nicht weniger.

Sollte das tatsächlich da so drinstehen, dann ist der Verbandsmensch der vorgeschlagen hat das lesen hilft aber mal ein ganz gewaltiger Tölpel.

Beitrag melden
uncle scrooge 06.08.2014, 16:25
19.

Zitat von mm71
Was hat das mit diesem Thema zu tun? Erstens, ist in die Kontroverse ein Schützenverein und keine Kirche involviert...
Naja, die Kirche kann sich nicht so ganz aus ihrer Verantwortung stehlen.
Der Sprecher der Bundes Historischer Deutscher Bruderschaften, Herr Rolf Nieborg, verweist auf Folgendes:

„Wir sind ein katholischer Verband, der lt. Statut im Sinne der Ökumene auch andere Christen aufnimmt, aber eben keine Muslime, ansonsten verlieren wir unseren Status als katholischer Verband nach dem kanonischen Recht.“ (Kirchenrecht der römisch-katholischen Kirche).

Deshalb ist es auch zu begrüßen, dass ein Kirchenvertreter nun dem ganzen Spuk ein Ende setzt. Dabei wurde offenbar das kanonische Recht (sinnvollerweise) ein klein wenig gebeugt ;-)

Beitrag melden
Seite 2 von 3
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!