Forum: Panorama
Ihre Meinung: Reden übers Gehalt?

In anderen Ländern reden die Menschen offen über ihr Gehalt. In Deutschland nicht - wie kommt's? Wie sehen Sie es: Wäre es wünschenswert?

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JLPicard 15.02.2006, 09:42
1.

Über Gehälter allgemein öffentliche Diskussionen führen, halte ich für sinnvoll. Genauso wie ich es für sinnvoll halte, gross angelegte Statistiken zu führen, welche Berufsgruppen wieviel verdienen, um bei Entscheidungen (z.B. und vorallem in der Politik) nicht die Bodenhaftung zu verlieren!

Diskussionen über das gehalt im privaten Rahmen lehne ich absolut ab! Zu 99 % verfallen dabei die "Gesprächsteilnehmer" in einen Selbstverherlichungsrausch und jeder versucht sich zu überbieten (egal ob es stimmt oder nicht). Die eine oder andere Freundschaft habe ich daraufhin umgehend beendet.

Es gibt allerdings auch Gespräche im privatem Rahmen, die sich um das Thema Gehalt drehen, und recht konstruktiv und informativ sein können.

Zurück zur Öffentlichkeit:
Warum wird in anderen Ländern mehr über das Gehalt gesprochen. Vielleicht gibt es dort mehr Kontrast? D.h. die Maxima und Minima in verschiedenen Bereichen und zwischen verschiedenen Bereichen unterscheiden sich nicht so extrem wie beispielsweise im Ausland. D.h. wir brauchen diese Diskussion nicht unbedingt. Andererseits könnte im Ausland auch die Transparenz der Gehälter höher sein.

Ich finde:
Diskussion um und über Gehälter ist wichtig, jedoch im entsprechenden Rahmen und sie muss einen Sinn ergeben (also keine "Muskelshow").

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DJ Doena 15.02.2006, 10:31
2.

Das hat zwingend und primär mit der Neidkultur zu tun. Vielen Menschen, die hart arbeiten und viel verdienen, dabei aber nicht "schaffen" (sprich Fabrikarbeiter sind), werden gleich angeguckt, als würden sie sich ungerechtfertigt bereichern wollen, nur weil sie mehr verdienen, als der Tischlergeselle.

Viel verdienen in Deutschland heißt fast immer automatisch: Da kann was nicht mit rechten Dingen zugehen.

Eine Kassierin erzählt frei heraus, dass sie 1500€ brutto kriegt. a) ist das nicht "zu viel" und b) hat sie ja einen "ehrlichen" und nachvollziehbaren Job.

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thingamajig 15.02.2006, 10:43
3. Wie es kommt?

Vielleicht, weil es die Führungsriege nicht wünscht, um nicht zu sagen: weil es ein "von oben" verordnetes Tabu ist?

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MrTT20 15.02.2006, 10:51
4. Statistiken...

Also manchmal frage ich mich, wo diese Zahlen in den Statistiken eigentlich herkommen. Aus Deutschland können sie jedenfalls nicht sein. Vielleicht wollen sich einige der befragten Personen bzw. Firmen ja doch in einem besseren Licht darstellen, als es tatsächlich ist.

Wenn durchschnittliche Akademiker-Einstiegsgehälter von >40.000 Euro (auch in der IT-Branche) suggeriert werden, dann ist das einfach mal an der Realität vorbei - zumindest im Osten Deutschlands.

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Umberto 15.02.2006, 10:56
5.

Zitat von sysop
In anderen Ländern reden die Menschen offen über ihr Gehalt. In Deutschland nicht - wie kommt's? Wie sehen Sie es: Wäre es wünschenswert?
Mit meinem Gehalt halte ich es wie mit meiner Religion. Ist absolut meine Angelegenheit und geht niemanden etwas an.

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ferion 15.02.2006, 11:19
6. Wer will der soll

Gehalt ist ein Privatrecht. Jeder der will kann darüber reden, ganauso wie über seine Religion, seine politischen Ansichten,seinen Medikamentenkosum oder Drogenabhängigkeit.
Es muus aber zwingend gelten, wer das nicht will muss es nicht und das egal ob Fliessbandarbeiter oder Manager.
Missgunst, Neid und andere Verhaltensweisen sorgen für ein vergiftetes Klima und sorgen sicherlich nicht für soziale Gerehtigkeit.

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Olepinelle 15.02.2006, 11:27
7. In Deutschland nicht offen über das Gehalt reden...

Ich denke, dass es erstens keine spezifisch deutsche Erscheinung ist und dass es den Menschen offenbar peinlich ist, wenn das Gehalt höher oder niedriger liegt, als man aufgrund der selbst angesteuerten sozialen + materiellen Positionierung annehmen soll (es ist ja bekannt, wieviele Familien "auf schön machen" und tatsächlich nur "auf Pump" leben).

Daneben ist es doch wohl für den einzelnen Menschen auch eher verfänglich offen darüber zu reden, weil - vielleicht speziell in Deutschland - Karriere-Neid eine
ausgeprägte Form angenommen hat; dies im Spektrum zwischen 5 Mill. Arbeitslosen, bankrotten Sozialämtern und unübersichtlich hohen "Ackermann"-Gehältern.

Zudem hat sich der Kommerz in Deutschland so sehr ausgebreitet, dass Intellekt verdrängt wurde (es geht - grob gesagt - nur noch um: f....., fressen, fernsehen) und in der Gesellschaft um: Schnauze halten, zahlen und wählen. Es fehlt inzwischen eine den gesellschaftlichen Übersinn des Kommerzes angreifende, intellektuelle und akzeptierte Stimme mit Kraft. Weiterhin werden Berufsgruppen, deren Ergreifen Intellekt und Kreativität voraussetzt, vom Staat mit steuerlichen Mitteln ausgegrenzt.

Das Ergebnis ist bekannt (wie gesagt: f..., fressen, fernsehen)und logisch, jenseits der Wohnungstür agiert nur noch Testosteron mit der Zielsetzung der kollegialen Verdängung, der Arbeitgeber will 20jährige mit Havard-Abschluss und 30jähriger Berufserfahrung, umsonst natürlich, - dazwischen muss der Mensch sehen, dass er irgendwo noch einen abgelegenen Ast findet, auf dem noch niemand sitzt und der nicht brüchig ist.

Es wird mit anderen Worten kaschiert, die Menschen reden nicht mehr darüber, was sie denken, sondern was man - wie sie irgendwo aufgeschnappt haben - so denkt in den angepeilten Kreisen - ERGO: Man redet auch nicht über sein Gehalt, tue ich auch nicht offen, man weiss ja auch letztlich nicht, "wem" man es erzählt und so lässt man es - das ist auch richtig.

Auch weiß man nicht, wie die Menschen darüber denken, ob einem das Gegenüber diese Offenheit gar als Dummheit auslegt - man gibt sich schliesslich bankermäßig und verschlossen, immer ein bisschen größer, als man ist -
ein eventuell entstehendes Defizit wird bei der Domina, an der Flasche oder auf der Couch des Analytikers kompensiert. Aber dadurch wird man bekanntlich ja auch nicht offener.

Ich mache meine Arbeit gerne, arbeite ca 350 - 360 Stunden im Monat, freue mich, dass ich schwer kündbar sein dürfte, muss am Arbeitsplatz täglich "die Peitsche Schwingen", damit alles im grünen Bereich bleibt und ich meinen doofen Vorgesetzten keine Angriffsfläche biete, erhalte einen Netto-Stundenlohn von ca. 7,00 Euro, haue meiner Alten abends den Arsch voll, wenn die Kinder schlechte Noten nach Hause brachten, fahre mit meiner Staatskarosse übern "Jungfernstieg", natürlich die dicke Bella Cubana im Anschlag und fröhne dem Spieltrieb Nr. 1 in dieser Gesellschaft: Beachtung finden - zahlen, schweigen, mitmachen - aber Beachtung muss sein.

Man muss unbedingt beachtet werden. Was man denkt, was man fühlt, was man macht - alles egal, Hauptsache die ausgiebige Show mit einer Anhäufung von Persönlichkeitsprothesen, die müssen natürlich gekauft werden.

Denken - habe ich richtig gehört - denken, ich bitte Sie! Das lässt sich mit unserer FDGO doch nun wirklich nicht vereinbaren - "Nein, Sie dürfen alles tun, aber bitte nichts sagen und schon gar nicht etwas kritisieren(sonst müssen wir doch ggf. mal den Dreher/Tröndle zücken, ob sich da nicht strafrechtlich was machen lässt),
aber kommen Sie doch zu uns in die Partei und gestalten Sie die Demokratie mit (aber bitte erwarten Sie nicht, dass Ihre Ideen gehört werden oder dass Sie hier Karriere machen können - was machte der Vater beruflich? War er auch in der Partei? Herr "Schulze-Meier", (mittlere Reife im 3. Anlauf) unser Spezialist für Ihr Profil wird Sie bei uns einführen, er macht das schon 25 Jahre). Und dann werden wir Sie mal zu einem Assessment schicken, damit sie anschliessend an dem Coaching teilnehmen können, denn seitens des Managements sind weitere Outsourcing-(oder wie sich das schreibt)Ideas in der Planung, damit wir sie vielleicht dort gemäß Ihrer Skills besser platzieren können - na gehen Sie mal!"
usw., usw., usw., bla-bla-bla

Hauptsache, die Menschen kaufen, kaufen, kaufen, alles andere - und insbesondere Intellekt und Talent - wirkt störend, "das mögen wir ja nun gar nicht", unsere Lobbies wissen sich schon zu wehren gegen den klaren und einfachen Menschenverstand, "wo kommen wir denn dahin, wenn hier jemand was zu sagen hat, der nicht die 30jährige Ochsentour in der Partei hinter sich hat?"

- In Deutschland nicht offen über das Gehalt reden..., wen wundert es eigentlich? -

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orkvomborg 15.02.2006, 11:52
8.

Die Zahlen sind im Fall der Software-Entwickler vollkommen aus der Luft gegriffen. Zumindest die Honorare fuer freiberuflich taetige Programmierer liegen dank der Firmenfluchten in Billiglohnlaender (schoengeredet "Globalisierung") derzeit etwa beim Stundensatz einer Putzfrau, Spezialist hin oder her. Da ist es nun im wahrsten Sinn des Wortes kein Luxus mehr, solche "Jobangebote" abzulehnen.

Aber die BWLer wird's schon auch noch treffen, wenn dann mal alle anderen Mitarbeiter im Unternehmen wegrationalisiert und outgesourct wurden.

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Constantinopolitana 15.02.2006, 11:53
9. Na aber sicher doch!

Hallo,
aaalso, das mit dem Gehalt, das sehe ich GANZ anders!
Wenn ich wenig verdiene, rede ich darüber, um ein bißchen zu jammern, meine Enttäuschung loszuwerden und solidarische Antworten zu bekommen.

Und wenn ich VIEL verdiene, dann will ich meine Freude darüber teilen! Natürlich ist es völlig überzogen, wenn mir ein Auftraggeber für einen Arbeitstag 550 Euro + Spesen zahlt. Es ist auch nicht gerecht, und wert ist die Arbeit es erst recht nicht. Um so ERFREULICHER, wenn jemand trotzdem soviel blechen will!

Als ich das erste Mal im Leben einen gutbezahlten Auftrag an Land gezogen habe, schrieb ich sofort ein Jubel-e-mail an alle meine Freunde und die Familie, herrlich, ich arbeite für UNDP und bekomme einen fürstlichen Lohn!!! Sollte wer neidisch gewesen sein, haben sie's zumindest nicht merken lassen.
Armut ist keine Schande, und Reichtum ist's auch nicht.
Bei uns Selbständigen geht es ohnehin mal auf und mal ab, und jedesmal, wenn's aufwärts geht, freut man sich drüber.

Ich habe auch kein Problem damit zu sagen, daß ich mir dies oder jenes nicht leisten kann, wenn mal wieder eine Durchhängephase kommt. Wenn einer meiner Kollegen für dieselbe Arbeit mehr Geld bekommt als ich, soll er doch. Entweder hatte er mehr Glück, oder er konnte besser verhandeln, oder aber er arbeitet wirklich besser. Alles kein Grund zum Neid, oder?

Mit freundlichen Grüßen,
Eva

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