Forum: Panorama
Im Heimatort des Kapitäns : "Er hat sich vernavigiert"

Fast ganz Italien schimpft über den "Capitano dilettante" - im Dorf Meta di Sorrento nimmt man Francesco Schettino in Schutz. Im Heimatort des "Concordia"-Kapitäns klagt man stattdessen über die Niedertracht der Medien. Ein Besuch.

Seite 1 von 8
tutmosis 21.01.2012, 08:04
1. Wenn Sie wüßten....

Wenn Sie wüßten, Frau Stanek, wie Sie den Nagel auf den Kopf treffen mit Ihrem Titel: 'Im Heimatort des Kapitäns : "Er hat sich vernavigiert".'
Das hat er allerdings. Alle Nautiker auf dieser Welt schauen fassungslos auf die Blamage, die Herr Schettino seinem Vaterland bereitet hat. Wenige Nautiker aber verfügen über so präzise Ortungs- und Steuerungssysteme wie die auf der Costa Concordia vorhandenen.
Dank seiner Unfähigkeit wird jedenfalls das Buch über italienische Helden, das ein anderer Forist schon mal als dünn zu bezeichnen wagte, deutlich dicker.
Ich spreche von den todesmutigen, unverdrossenen Versuchen, JEDEN, tot oder lebendig da rauszuholen.

Grande Rispetto, Signori!

Grüße, tutmosis

Beitrag melden Antworten / Zitieren
peter.hartung@hamburg.de 21.01.2012, 08:37
2. Schuldigensuche oder Ursachensuche?

Zitat von sysop
Fast ganz Italien schimpft über den "Capitano dilettante" - im Dorf Meta di Sorrento nimmt man Francesco Schettino in Schutz. Im Heimatort des "Concordia"-Kapitäns klagt man stattdessen über die Niedertracht der Medien. Ein Besuch.
Und wieder einmal tobt die Meute durch das globale Dorf auf der wilden Suche nach dem oder den Schuldigen.

Das zu lösende Problem ist aber, eine Ölpest vor Ort zu verhindern und anschließend das Wrack dort weg zu bringen.

Die italienischen Staatsanwälte werden ihre Arbeit schon machen, ob es auch die Gerichte tun werden, bleibt abzuwarten. Und das kann dauern.

Eine schuldunabhängige objektive Untersuchung des Unfallhergangs ist zugleich notwendig. Da hört man bisher wenig. Und bleibt auch abzuwarten.

Ansonsten hören wir eben so lange dem internationalen Seemannsgarn zu. Und das wird man hinnehmen müssen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kht56 21.01.2012, 08:45
3. Fragen

Zitat von sysop
Fast ganz Italien schimpft über den "Capitano dilettante" - im Dorf Meta di Sorrento nimmt man Francesco Schettino in Schutz. Im Heimatort des "Concordia"-Kapitäns klagt man stattdessen über die Niedertracht der Medien. Ein Besuch.
Es ist schon erstaunlich, dass Italien von heute. Menschen verteidigen Berlussconi und Schettiono, obwohl die ihr Schiffe auf Grund gesetzt haben. Zudem verfaehrt man sich nicht bei diesem Wetter mit einem 122000t Schiff einfach mal so. Es stand ja ein Befehlsempfaenger am Steuer. Der hat sich nicht geweigert. Und die Reedereien sollten fuer die Hotelseite einen Direktor einsetzen und der Kapitaen ist der Schiffsfuehrer. Dann haette er keine Doppel- oder Dreifachbelastung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Sapientia 21.01.2012, 09:04
4. Blöse Theorie

Zitat von sysop
Fast ganz Italien schimpft über den "Capitano dilettante" - im Dorf Meta di Sorrento nimmt man Francesco Schettino in Schutz. Im Heimatort des "Concordia"-Kapitäns klagt man stattdessen über die Niedertracht der Medien. Ein Besuch.
Es ist doch letztlich ganz egal, wie stark ausgestattet die Brücke mit navigatorischen Hilfsmitteln ist - dann fahre ich entsprechend vorsichtig, auf einen anderen Gedanken komme ich doch gar nicht erst.

Hin und wieder ist übrigens ein Blick aus dem Fenster ganz nützlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wohlmein 21.01.2012, 09:13
5. Der ANDERE Blickwinkel ..

Zitat von sysop
Fast ganz Italien schimpft über den "Capitano dilettante" - im Dorf Meta di Sorrento nimmt man Francesco Schettino in Schutz. Im Heimatort des "Concordia"-Kapitäns klagt man stattdessen über die Niedertracht der Medien. Ein Besuch.
Es ist schlichtweg gut, daß eine Journalistin im Heimatort des Francesco Schettino war und dort im Prinzip ein LOKALreportage gemacht hat. Durch die Gespräche mit den beiden Nautik-Fachleuten
erfährt dieser Schiffbruch die durch die emotionale Berichterstattung
verloren gegangene Bodenhaftung und wird relativiert.

Sicherlich ist die bisherige Sensationspresse auch den Emotionen der Angehörigen und deren menschlichem Leid geschuldet und insofern notwendig.
Aber der nicht emotionale Blickwinkel kam verständlicherweise zu kurz.
Die Presse schoß sich auf den Capitano ein. Sicher gibt es noch sehr viele Widersprüche in den Aussagen, der kommende Prozess wird auch diese nur teilweise klären können. Aber durch diesen Lokalbericht
wird deutlich, daß man einen Angeklagten doch bitte nicht abkanzeln sollte, bevor ihm nicht der Prozess gemacht wurde.

Und e i n Fehler in der vergangenen Berichterstattung wird gleich mit aufgedeckt:

WIE hätte Schettino vom Boot denn wieder an Bord kommen sollen?
Dies übersah vermutlich der Hafenkommandant tatsächlich.

Als emotional "geladene" Landratte geht man bei solchen Berichten spontan davon aus, daß da irgendwelche Strickleitern hängen - wie bei "Piraten der Südsee".
Die Medienvertreter waren vermutlich ähnlich naiv.
Insofern ist dieser Artikel schon dieser Richtigstellung wegen nützlich.

Für die Familie des Kapitäns ist es überlebenswichtig, wenigstens im Alltag der dräuenden Sippenhaft zu entkommen.
Schon insofern ist die Loyalität der Kleinstadt mit ihrem Bewohner
wichtig und beachtenswert.

Unterstellung:
Für die nationale und internationale Presse war der Schiffbruch auch eine willkommene Abwechslung im wirtschaftlichen Chaos dieser Monate. Und endlich hatte man mal einen ganz real greifbaren Schuldigen, den man dingfest machen konnte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
vostei 21.01.2012, 09:23
6. Frage:

Ich hab mal 'ne Frage an juristisch gebildete:
Einschätzung bitte - gibt es in ganz Italien noch einen Richter, der unbeeiflusst über den Skipper urteilen kann?
Müssen noch Ermittlungen geführt werden, oder ist jetzt schon klar, dass der Fehler eines Skippers nur ihm anzulasten ist und das Gesamtsystem "Sicherheit" in der modernen Kreuzfahrt zur See voll OK ist so?

^^

Beitrag melden Antworten / Zitieren
adam68161 21.01.2012, 09:30
7. Ist doch ganz einfach...

der Mann hatte nicht nur eine fachliche, sondern eine grandiose charakterliche Fehlleistung gezeigt. Er ist (- und bleibt! siehe seine kläglichen Entschuldigungsversuche) ein Feigling! Da hilft auch nicht, dass man dies hinter einer Raybanbrille und einer Operettenuniform kaschiert. Was nützen Tests im Simulator usw, wenn diese Schwäche nicht bei der Auswahl des Personals erkannt wird?
Das war der Fehler der Reederei, einen charakterlich völlig ungeeigneten Gockel auf die Kommandobrücke eines 4000-Mann Schiffs zu setzen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Stelzi 21.01.2012, 09:30
8. Was redest du da!?

Zitat von wohlmein
Und e i n Fehler in der vergangenen Berichterstattung wird gleich mit aufgedeckt: WIE hätte Schettino vom Boot denn wieder an Bord kommen sollen? Dies übersah vermutlich der Hafenkommandant tatsächlich. Als emotional "geladene" Landratte geht man bei solchen Berichten spontan davon aus, daß da irgendwelche Strickleitern hängen - wie bei "Piraten der Südsee". Die Medienvertreter waren vermutlich ähnlich naiv. Insofern ist dieser Artikel schon dieser Richtigstellung wegen nützlich.
Wo hast du den Unsinn her? Da hing eine Strickleiter, auf die hat ihn der Hafenkommandant sogar mit klarer Positionsangabe hingewiesen. Oder glaubst du, er erfindet einfach eine Leiter?

Der Stellvertretende Bürgermeister von Giglio hat sich selbst an Bord begeben als der Kapitän schon lange an Land war - wie soll er das geschaft haben, ohne Leiter? Ist er etwa rauf geflogen?

Es war dunkel. Das macht es nicht einfacher. Aber über solche Leitern kommt man sogar bei Fahrt und unruhiger See, wenn es sein muss.

Und das du dann noch die ungeheuerlichen Aussagen der Bekannten ("es sind ja nur maximal 1% ums Leben gekommen, das ist ja nicht so viel" oder "er hat sich eben vernavigiert, das passiert einem beim Autofahren schliesslich auch mal") in deiner Lobpreisung für die Unterstützung des Dorfes einfach unter den Teppich kehrst , das ist bezeichnend.

Zitat von
Unterstellung: Für die nationale und internationale Presse war der Schiffbruch auch eine willkommene Abwechslung im wirtschaftlichen Chaos dieser Monate. Und endlich hatte man mal einen ganz real greifbaren Schuldigen, den man dingfest machen konnte.
ja, das ist in etwa das Niveau, dass man nach der Lektüre deines Postings erwartet...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Stelzi 21.01.2012, 09:38
9. Denk mal nach

Zitat von vostei
Ich hab mal 'ne Frage an juristisch gebildete: Einschätzung bitte - gibt es in ganz Italien noch einen Richter, der unbeeiflusst über den Skipper urteilen kann? Müssen noch Ermittlungen geführt werden, oder ist jetzt schon klar, dass der Fehler eines Skippers nur ihm anzulasten ist und das Gesamtsystem "Sicherheit" in der modernen Kreuzfahrt zur See voll OK ist so? ^^
Der Kapitän ist die höchste Instanz auf einem Schiff. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen, er trägt für ALLES die Verantwortung.

Wenn er zudem noch auf der Brücke war als er seinen Kahn auf den Felsen gefahren hat, dann stellt sich die Frage *ob* er verantwortlich ist gar nicht erst. Es stellt sich nur die Frage, welche seiner Offiziere mitverantwortlich sind für das Unglück, weil sie nicht eingegriffen haben.

Es wird sich wohl auch kaum herausstellen, dass das Schiff plötzlich manövrierunfähig geworden ist, denn das hätte er umgehend dem Hafenkommandant melden müssen. Davon war bislang aber nicht die Rede.

Ausfall bzw. Fehler der Navigatinscomuter? Die sind redundant. Und ein Kapitän muss auf Sicht fahren können - und dann eben nicht an der Küste entlangschrammen.

Bleibt nur Eitelkeit und Fahrlässigkeit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 8