Forum: Panorama
Im Heimatort des Kapitäns : "Er hat sich vernavigiert"

Fast ganz Italien schimpft über den "Capitano dilettante" - im Dorf Meta di Sorrento nimmt man Francesco Schettino in Schutz. Im Heimatort des "Concordia"-Kapitäns klagt man stattdessen über die Niedertracht der Medien. Ein Besuch.

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kellitom 21.01.2012, 11:00
20. Imponiergehabe

Wahrscheinlich ist der Kapitän deswegen so nahe an den Felsen herangefahren, um seinem Oberkellner zu imponieren.
So ein Fehlverhalten ist unentschuldbar. Welche Rolle die Frau spielte, die nebenan war, muss auch noch geklärt werden.

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Trondesson 21.01.2012, 11:05
21.

Zitat von vostei
Ich hab mal 'ne Frage an juristisch gebildete: Einschätzung bitte - gibt es in ganz Italien noch einen Richter, der unbeeiflusst über den Skipper urteilen kann? Müssen noch Ermittlungen geführt werden, oder ist jetzt schon klar, dass der Fehler eines Skippers nur ihm anzulasten ist und das Gesamtsystem "Sicherheit" in der modernen Kreuzfahrt zur See voll OK ist so? ^^
Das "Gesamtsystem Sicherheit", wie Sie es nennen, ist technisch gesehen in der Seefahrt "voll OK", wenn man es mal so ausdrücken will. Der verbleibende Risikofaktor ist der Mensch, und da sieht es gar nicht mehr so rosig aus, zum Teil weil die Anzahl der zu besetzenden Schiffe schneller wächst als Steuerleute ausgebildet werden können. Schiffsoffizier ist wohl ein Beruf mit Zukunft, aber persönlich bin ich froh, in der heutigen Zeit nicht mehr zur See fahren zu müssen.

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Trondesson 21.01.2012, 11:13
22.

Zitat von adam68161
der Mann hatte nicht nur eine fachliche, sondern eine grandiose charakterliche Fehlleistung gezeigt. Er ist (- und bleibt! siehe seine kläglichen Entschuldigungsversuche) ein Feigling! Da hilft auch nicht, dass man dies hinter einer Raybanbrille und einer Operettenuniform kaschiert. Was nützen Tests im Simulator usw, wenn diese Schwäche nicht bei der Auswahl des Personals erkannt wird? Das war der Fehler der Reederei, einen charakterlich völlig ungeeigneten Gockel auf die Kommandobrücke eines 4000-Mann Schiffs zu setzen!
Das passiert leider immer wieder, und nicht nur in Italien. Auch hierzulande ist Vitamin B gelegentlich das ausschlaggebende Auswahlkriterium für die Besetzung eines Kapitänspostens.

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gittef 21.01.2012, 11:13
23.

[QUOTE=rockstar84;9485970]Nicht nur "emotional geladene Landratten" sind der Ansicht, dass da eine Leiter war, der Kommandant der Küstenwache hat laut Abschrift des Telefonats sogar dem Kapitän explizit die Anweisung gegeben "Fahren Sie rechts um den Bug herum, da ist eine Leiter" - und damit meinter er vermutlich diese, in dem Bild mehr als deutlich erkennbare Leiter:


Nun, ich denke mal dass diese Leitern in die Richtung nach unten alle benötigt wurden und zwar absolut VORRANGIG!!
Weiters ist mir logischerweise klar, dass der Weg zurück nicht gut funktionieren KANN, und wenn man noch so gerne wollte!!!! Die „Hauptverkehrsstraße” ging vom Schiff weg in RICHTUNG UFER!! Auch dieses „Zahlen nennen”, die sich minütlich ändern, klingt absurd, und Beschuldigen des Hafenkommandanten, der nicht mal zuhört, was Schettino sagt.

Im übrigen gebe ich Ihnen recht mit ihrem Artikel. Gut!

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theodorheuss 21.01.2012, 11:16
24. Meiner

Zitat von sysop
Fast ganz Italien schimpft über den "Capitano dilettante" - im Dorf Meta di Sorrento nimmt man Francesco Schettino in Schutz. Im Heimatort des "Concordia"-Kapitäns klagt man stattdessen über die Niedertracht der Medien. Ein Besuch.
Meinung nach gibt es bei dieser Katastrophe 2 Hauptaspekte zu beachten. Zum einen das nicht zu entschuldigende Fehlverhalten vor dem crash, hervorgerufen durch Machotum und eigene Überhöhung. Und das was nach dem crash passierte. Und hier denke ich das der Mann in der Tat, wie ja schon einige Mitfortisten schrieben, nicht wirklich zurechnungsfähig war. Solche "Entrücktheiten" sind durchaus nichts neues. Da werden Unfallopfern Gliedmaßen vom Körper getrennt und sie stehen da, wollen sich nicht helfen laßen " ist alles OK, mir geht es gut, ich will nur nach Hause, wirklich es ist alles in Ordnung". Das bekannte Stockholm Syndrom fällt wohl in die ähnliche Richtung. Leider kann man solche Extremstsituationen nicht trainieren, und dafür kann weder die Reederei noch der Betroffene.

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v44 21.01.2012, 11:40
25. Natürlich

Zitat von sysop
Fast ganz Italien schimpft über den "Capitano dilettante" - im Dorf Meta di Sorrento nimmt man Francesco Schettino in Schutz. Im Heimatort des "Concordia"-Kapitäns klagt man stattdessen über die Niedertracht der Medien. Ein Besuch.
hat der Kapitän einen grob fahrlässigen Navigationsfehler begangen, sonst würde das Schiff noch schwimmen. Das bestreitet auch niemand in seinem Heimatdorf und der in der jetzigen Diskussion wichtigere Punkt, das moralische Versagen, wurde ja kaum angesprochen. Nur, wie soll eine Reederei ihre Kapitäne denn sonst auswählen? Ein langjähriger Sicherheitsoffizier, dem man Umsicht und Sorgfalt zubilligen muß, entspricht damit recht gut dem Profil eines ordentlichen Kapitäns. Was in einem Notfall passieren wird, kann man vorher nicht erkennen. Panik ist keine angemessene und akzeptable Reaktion, aber es gibt auch keine Methode, potentielle Helden vor diesem Notfall zu erkennen. Dass es hier noch nicht einmal einen Helden gebraucht hätte ist nebensächlich, für den Betroffenen war das subjektiv so. Vielleicht hat die Reederei sich bei der Auswahl zu wenig um Führungsqualität und selbständiges Handeln gekümmert, wahrscheinlich auch ein Mensch mit weniger Selbstvertrauen als er vorgeführt hat, wenn er sich mit solchen Manövern Anerkennung und Bewunderung holen will. Das ganze Geschrei, das den Mann jetzt zu einem Verbrecher machen will ist maßlos, halt eine gute 'Story', insofern stimmt es wohl, dass alles bald vergessen ist. Hier ist ein Mensch gescheitert an einer Situation, die zu groß für ihn war, dabei trägt er Schuld, aber das macht ihn nicht zu einem Verbrecher oder fachlichen Vollidioten, es ist einfach eine Tragödie für die Opfer und auch den Kapitän. Es gibt einige Berufe, die zu 99% aus Routine bestehen, aber es bleibt z. B immer unvorhersehbar, ob der Pilot ein Flugzeug auf dem Hudson River sicher landet oder nach unterschiedlichen Anzeigen zweier Instrumente aus Panik in einen Berg fliegt.

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Trondesson 21.01.2012, 11:54
26.

Zitat von vostei
Ich will doch auf etwas anderes hinaus: Eigentlich wollte ich es vom aktuellen Fall abkoppeln, aber bitte: Zum einen hat er unmittelbar nach seinem Fehler auch sehr positives geleistet. Zum anderen - es besteht die Möglichkeit, dass er einen Schock erlitt, er könnte auch krank sein, Drogen, psychisch - was auch immer - alles Dinge, die es zu ermitteln gilt. Darüber hinaus, war der Hafenmeister, wie das berühmte Telefongespräch beweiszt ebenso fixiert, wie Sie, er hatte es ganz offensichtlich mit einem Verwirrten zu tun und fragt nicht einmal nach der nächsten Instanz, dem 2. oder 3. Offizier - also wer dann noch in der Hierarchie an Bord ist, erreichbar und somit zuständig? Kann es das sein? ;) Und btw - hätte er gefragt, wäre gleich klar gewesen, dass der 2. neben dem Skipper im Rettungsboot saß :D Dann noch das schnelle Urteil seines Arbeitgebers, dann vor kurzem das Statement ihn nicht verteidigen zu lassen - Hallo? In Kombination mit dem Medienbahoo lenkt das Ganze von Kernproblematiken ab, die offensichtlich durchbrochen werden müssen. Selbst in der Luftfahrt ist man da lernfähiger. Nach dem Zusammenstoß zweier Boeing 747 am Boden, einem der schlimmsten Unglücke der ziv. Luftfahrt überhaupt, wurde u.a. eben genau dieses Hierarchische in der Aufgabenverteilung und Macht der Piloten und Cos ziemlich aufgelöst - aus gutem Grunde. Und dann noch das Thema Recht und Gesetz, sowie Ermittlungen unter Druck der Öffentlichkeit..... verstehen Sie jetzt, worauf ich hinaus will - ohne Schettino verteidigen zu wollen?
Sie machen den Fehler, das Ganze nach Maßstäben zu beurteilen, die an Land gelten mögen, auf See aber eben nicht. Der Kapitän war psychisch krank oder unter Drogen? Das würde nicht nur seine sondern auch die Situation der Reederei dramatisch verschlechtern. Der Hafenmeister hat es mit einem Verwirrten zu tun? Wieso hat das keine der für solche Untersuchungen zuständigen Behörden bzw. Personen vorher feststellen können?
Und wenn der Kapitän, auf den es in solchen Situationen mehr als auf alle anderen ankommt, einen Schock erleidet, während sich nicht nur die Besatzung sondern auch ein paar tausend Passagiere auf ihn verlassen MÜSSEN? Nein, tut mir leid, so kann man sich das ganze nicht zurechtbiegen. Der Kapitän ist und bleibt die oberste Instanz in der Hierarchie an Bord eines Schiffes; bei ihm laufen alle Fäden zusammen, und er kann und darf sich der Verantwortung nicht entziehen, solange er an Bord ist.
Alles was Sie als angebliche Rechtfertigungen hier angebracht haben, sind Gründe, diesem Kapitän ERST RECHT alle Befugnisse, je wieder ein Schiff führen zu dürfen, zu entziehen. Wie gesagt, an Land mag so etwas angehen (obwohl mir keine Beispiele dafür einfallen), auf See nicht.

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Systemrelevanter 21.01.2012, 12:01
27. Unglaublich!

Dieser inkompetente Typ ist für den Tot von mehreren Menschen verantwortlich und hier wird er bereits zu einem Helden umgedeutet.

Fakt: Er und NUR er ist für Leib und Leben seiner Passagiere letztlich verantwortlich. Er und NUR er hat das Schiff dorthin gesteuert, wo es nicht hingehört. Er konnte nicht schnell genug vom Schiff runterkommen, was an sich alles über Fähigkeiten und Charakter dieses windigen Typen aussagt.

Letztlich beweist dieses Unglück, zu was tradierte Korruption und "Regeln-nicht-so-genau-nehmen" führen können. So lange es Vertrauensverlust auf den Finanzmärkten ist, ist es diffus und schwammig genug, um die Schuld immer schön auf andere zu verteilen. Wenn aber jmd. trotz Inkompetenz ein Schiff dieser größe Steuern darf, dann führt dieses Gebahren unmittelbar zu Gefahr für Leib und Leben.

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uinen_osse 21.01.2012, 12:03
28. Jetzt reichts aber

[QUOTE=wohlmein;9485772

Und e i n Fehler in der vergangenen Berichterstattung wird gleich mit aufgedeckt:

WIE hätte Schettino vom Boot denn wieder an Bord kommen sollen?
Dies übersah vermutlich der Hafenkommandant tatsächlich.
[/QUOTE]

Himmeldonnerwetter noch mal: Er hätte den havarierten Kahn gar nicht verlassen!!! dürfen. Der Kapitän und seine 2 Stellvertreter sitzen im Rettungsboot während Hunderte Passagiere noch auf dem lecken Kahn sitzen und nicht wissen wie sie runterkommen sollen.

Kommen Ihnen Ihre Zeilen eigentlich nicht selbst schäbig vor?! Der Mann und seine Stellvertreter haben versagt, versagt auf ganzer Linie. Basta. Ein Kapitän hat bei seinen Passagieren auf dem Schiff zu bleiben bis alle gerettet sind und sich nicht feige davon stehlen und jeden Tag neue Ausreden zu suchen WARUM er während der Rettungsbemühungen der Passagiere schon an Land in Sicherheit saß!

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uinen_osse 21.01.2012, 12:14
29. Und noch einige Worte zu seinen Freunden

in seiner Heimatstadt. Natürlich waren sie stolz dass es EINER von ihnen "geschafft" hatte - um so grösser jetzt wohl die uneingestandene Enttäuschung. Aber am Fehlverhalten des Kapitäns gibt es nichts zu deuteln und nichts zu rütteln. Er hat versagt auf ganzler Linie. Dass die Mitbürger seiner Heimatstadt das nicht zugeben können/wollen kann ich sogar verstehen. Es ändert aber nichts an den Tatsachen.

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