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Interview mit Sachsens Integrationsministerin: "Aus Demütigung entsteht Wut"
AFP

Wie sind die Vorgänge in Chemnitz zu erklären? Was hat die Wut mit dem Mauerfall zu tun? Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping über ein kollektives Gefühl der Kränkung in Ostdeutschland.

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mac4me 08.09.2018, 16:01
210. Das mit dem Mickeymouse-Geld...

Zitat von nixus_minimax
dann haben ja die Renter nach der Wiedervereinigung ihre Renten auch in Leichtmetall Micky Maus Geld ausgezahlt bekommen und zwar in der wertlosen Währung in der sie vorher eingezahlt haben und nicht etwa in echtem Geld mit Kaufkraft und so. Das war der größte Raub am westdeutschen Steuerzahler und an den Sozialkassen, den es je gegeben hat und wenn es schon, wie zu erwarten war, keine Dankbarkeit gibt dann doch vielleicht wenigstens das bisschen Anstand die Klappe zu halten und nicht auch noch rumzujammern. Die Leute die wirklich was dafür getan haben das die DDR scheitert, die in den Kirchen unter hoher eigener Gefahr tatsächlich etwas getan haben. Dise Menschen wollten es mit einem eigene Staat versuchen und was eigenes schaffen, Macher halt. Die blökende Herde wollte nur schnellstmöglich einen Uraltastra fahren und bei Aldi einkaufen und 30 Jahre später waren alle beste Kumpels von Wolf Biermann und alles sollte ganz anders sein. Ist schon klar.
...stimmt trotzdem nicht, denn von dem selben MM-Geld wurden ja die Rentner im Osten finanziert. Also kann es nicht wertlos gesesen sein. Der Wert misst sich an den Lebenshaltungskosten der Rentner, auch im Osten, nicht am Umrechnungskurs Ost-West an der damaligen West-Berliner Sparkasse. Sie haben das Umlagesystem immer noch nicht verstanden: es geht nicht um vorher und nachher, es ist ein aktueller Austausch: von den aktuell Arbeitenden zu den aktuell von Rente Lebenden. Die Rentner im Osten haben sich also ihr Anrecht dadurch verdient, dass sie die damals in Osten lebenden Rentner finanziert haben.

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srinivasa.r.aiyangar 08.09.2018, 16:09
211.

Zitat von wunderlichewelt
Liebe Mitbürger der westlichen Bundesländer, die Sie hier angeekelt, angewidert, bestenfalls verstört hemmungslos Ostbashing betreiben - es ist mir persönlich unangenehm, dass wir im Osten Ihre hochgesteckten und uneigennützigen Erwartungen nicht erfüllen können. Es tut mit Leid um die schönen Milliarden, die Sie sich vom Munde abgespart haben. Ich möchte mich geiseln ob der Tatsache, dass wir es nicht schaffen, uns nach Ihrem Sinne in Ihrem Staate zu integrieren. Ich möchte weiterhin um Nachsicht bitten für die weinerlichen Versuche einer Erklärung unserer Widerspenstigkeit. Ich versichere Ihnen: Nichts wäre uns unangenehmer, als wenn Sie sich in Ihrer Selbstgefälligkeit gestört fühlten. Aber, liebe Mitbürger, eine Diktatur abgeschüttelt haben die Menschen im Osten, während Sie Ihr Selbstverständnis auf geschenkten Geldern gründeten. Es sei Ihnen gegönnt, aber bedingungslosen Gehorsam - bedingungslosen Gehorsam können Sie vom Osten nicht erwarten.
Die Selbstgefälligkeit sehe ich eher in einer Minderheit von 15% Neufünfländern, die meint, mit ihrem larmoyanten Gejammere den öffentlichen Diskurs dominieren zu können. Und was meinen Sie mit "geschenkten Geldern"? Den Marshallplan, der auch kaufkraftbereinigt ein Fliegenschiss gegen die zwei Billionen Euro, die in den Aufbau Ost geflossen sind, war?

Und was das Abschütteln einer Diktatur betrifft: Die couragierten Bürgerrechtler der DDR, welche dies schon waren, als das noch ein echtes persönliches Risiko darstellte, wurden in Rekordzeit marginalisiert, denn sehr schnell ging es der Mehrheit der demonstrierenden Ossis nur noch darum, am Konsum des "goldenen Westens" zu partizipieren. Ich erinnere mich jedenfalls noch sehr gut an die skandierten Sprechchöre "Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr".

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GeMe 08.09.2018, 16:14
212. @_gimli_ Heute, 13:12: Sektkorken knallen lassen

Zitat von _gimli_
70km Anfahrt zur Arbeit im Callcenter in Bautzen. Bezahlung knapp über dem Mindestlohn. Saisonkündigungen auf dem Bau an der Tagesordnung. Zahl der Arbeitgeber sinkt bereits heute und in Zukunft mit dem Wegfall der Braunkohlekraftwerke und Tagebaue noch viel krasser. Bezahlung unter dem Mindestlohn, wer aufmuckt darf gehen. Zusammenbruch der öffentlichen Strukturen, da nahezu alle jungen Leute weggehen. ... Jetzt kann man natürlich argumentieren, diese Strukturprobleme betreffen nicht nur den Osten sondern auch Teile NRWs, Oberfrankens etc. Völlig richtig. Und auch dort werden wir diese Radikalisierung erleben (und erleben sie schon heute). Kommt dann noch in den kommenden Jahren ein Konjunkturabschwung dazu, kann die AfD den Sekt kaltstellen.
Wer sich ca. 5 Minuten mit der "Sozialpolitik" und den geforderten Änderungen am Steuersystem der AfD beschäftigt hat, weiß, dass die AfD all die von Ihnen geschilderten Probleme (Mindestlohn, befristete Arbeit, öffentliche Strukturen usw.) noch deutlich verschlimmern wird, sollte sie an die Regierung kommen.
Sollte das AfD Programm umgesetzt werden, fehlem dem Staat pro Jahr mindestens 130 Milliarden an Steuereinnahmen. Als Gegenfinanzierung will die AfD bei Renten und Sozialleistungen kürzen. Ob das die Lage der "Abgehängten" verbessern wird? Ich wage das zu bezweifeln.

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nimue15 08.09.2018, 16:26
213. So richtig verstehe ich die Klagen nicht

"Wenn jetzt eine Veränderung kommt und mir wieder alles weggenommen wird, schaff ich das nicht noch mal." Es gibt die Abgehängten, die sich bemüht und neue Berufe erlernt haben, aber dennoch gescheitert sind. Die haben sich aus ihrer Sicht viele Jahre angestrengt und kriegen jetzt eine Rente von 500 Euro. Die fühlen sich betrogen. "

Ja, denke die die denn, im Westen sei das anders?
Das mag mich ärgern, aber nicht 'demütigen'. Deshalb hänge ich mich doch nicht an Gruppierungen an, die Deutschlands schlimmste Zeiten glorifizieren. Die suchen doch kein Selbstbewusstsein, sondern eine Überhöhung als Herrenrasse.
Selbstbewusstsein kommt nicht von außen und hat auch eher wenig mit Erfolg zu tun, sondern damit, wie ich mein Leben gemeistert habe.

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eunegin 08.09.2018, 16:38
214. Keine Entschuldigung, keine Ausreden bitte!

Nein, diese Dame liegt falsch. Schon bei Kindern kann und darf man nicht jedes aus Wut, Trotz oder gefühlter Demütigung geborene Fehlverhalten entschuldigen. Ungehobeltes Benehmen und gegen andere gerichtete Gewalt darf es nicht geben. Fehlende Bildung und/oder mangelhafte Erziehung sehe ich als Problem an. Mit den Argumenten aus dem Artikel kann ich auch die Taten der IS irgendwie entschuldigen. Zivilisierte und gut erzogene Menschen reißen sich zusammen und benehmen sich wie Erwachsene. Man kann deren Kritikpunkte an der jetzigen Politik auch anders äußern. Brüllen diese Herrschaften denn auf der Arbeit, in der zu vollen Straßenbahn oder zu Hause auch herum, wenn es ein Problem gibt?

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Thurin 08.09.2018, 16:41
215. Separatismus

Separationsbestrebungen ernsthaft als „Gefahr“zu bezeichnen, ist ein Witz, oder? Für mich würde eher ein Wunsch in Erfüllung gehen, wenn der Freistaat frei von der BRD wäre, vermissen würde die Sachsen in der BRD wohl kaum jemand, und die Quote an brauner Gesinnung würde deutlich sinken.

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fördeanwohner 08.09.2018, 16:42
216. -

Zitat von interstitial
Jupp. Kleiner Nachsatz: Ein Grund für die total schiefe Alterpyramide ist in meinen Augen nicht die angeblich bessere Medizinische Versorgung, sondern eine Politik, die bereits Jahrzehnte vor der Wende im Westen das Kinderkriegen und Familiengründen für nicht privilegierte Haushalte zu einer wirklich logistisch und ökonomisch schwierigen Herausforderung gemacht hat. Wenn in den siebzigern oder achtzigern ein Paar von Arbeitnehmern der unteren Mitte, die beide keine Erbschaft zu erwarten hatten und keinen Immobilienbesitz hatten, entschlossen, eine Familie zu gründen und Kinder zu kriegen, war damit eigentlich klar, dass sie niemals reich werden können. Alle gegenteiligen Maßnahmen waren pure Augenwischerei.
Stimmt, und im Osten wurde man reich, wenn man viele Kinder bekam. Ach, überhaupt waren alle reich im Osten. Und alle hatten Arbeit ... Während im Westen nur alle Drogen nahmen und arbeitslos waren und auch keine Kinder hatten.
Bis zur Wende war es im Westen üblich, dass die Frau die Kinder hütete. Das finde ich zwar auch nicht so super für die Frauen rückblickend, jedoch waren die Kids versorgt, so dass man noch relativ "normal" Kinder kriegte. Ich bin so aufgewachsen. Erst nachdem immer Frauen wieder in ihre Berufe zurückkehren wollte bzw. dann später (nach Einführung der Agenda 2010) mussten, änderte sich das. Da war die Wende bereits fast zehn Jahre durch.
Die DDR-Bürger konnten nichts für das Regime, weshalb ich u.a. noch immer für die Beibehaltungdes Soli bin. Aber man sollte nicht alles verdrehen und so tun, als hätten die DDR-Bürger alles ohne finanzielle Hilfe selbst in Schuss gebracht. Das war de facto nicht so.

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