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Islam in Deutschland: Gleiche Freiheit heißt gleiche Verantwortung
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Muss der Staat Muslimen mehr Rechte einräumen? Justizminister Heiko Maas beschreibt in einem Gastbeitrag, was sich in Staat und Gesellschaft ändern müsse, um Gleichberechtigung unter den Religionen zu erreichen. Und was Muslime dazu beitragen können.

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opriema 04.06.2015, 06:56
10.

"Religion ist nicht "generell Blödsinn", wie Jan Böhmermann findet. Zum Evangelischen Kirchentag kommen hunderttausend Teilnehmer." - Das ist ja keine Begründung. Es gehen auch Hundertausende zu McDonalds und das macht das Essen dort auch nicht gesünder.


"Kirche und Glauben haben weiter für viele Menschen eine große Bedeutung." - Ja, aber welche eigentlich? Welche unerfüllten Wünsche verspricht der Glaube zu befriedigen?

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akeley 04.06.2015, 07:00
11.

Beim Stichwort Kirchenglocken hat Heiko Maas Unrecht. Er zählt das Läuten unter "Religionsausübung" auf, aber es gibt kein biblisches Gebot, Glocken (die gab es damals noch nicht) oder auch lautes Schreien oder andere extreme Geräusche zu verwenden.

Die Glocken sind ein Jahrhunderte später erfundener Kniff, damit alle Bürger pünktlich in der Kirche gesehen wurden und sich niemand drücken konnte. Es gab keine Religionsfreiheit, und man konnte Strafen und soziale Ausgrenzung erwarten, wenn man sich nicht dem Befehl, guter Christ zu sein, unterordnete.

In Opposition zur Religionsfreiheit beinhalten Landesverfassungen noch heute den Auftrag, Kinder christlich zu machen und nichts anderes.

Kirchenglocken werden mancherorts schon leiser gestellt, da zumindest vermutlich, hoffentlich, auch unter Predigern eine gewisse Empathie gegenüber Anders- und Nichtgläubigen eingekehrt ist.

Aber Letzteren die Freiheit, außerhalb der Arbeitszwänge über ihre Aufwachzeit und Morgenruhe selbst zu entscheiden, abzusprechen, ist keine Religionsfreiheit sondern ein Überbleibsel des Absolutismus. Ich finde es betrüblich, dass einem deutschen Justizminister, wohl aufgrund seiner katholischen Einübung, das volle Verständnis von säkularen, fairen Rechten und Freiheiten mit und gegenüber Religion abgeht.

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ichbinmalweg 04.06.2015, 07:02
12. Die ...

... "Vernunft" einer Religion über die mengenmässige Erfassung von Anhängern zu erklären, halte ich für hanebüchen.

Des Weiteren denke ich, dass ein Wachsen der jüdischen Gemeinde verdient ist und nicht unverdient. Es kann doch wirklich nur über eine vernünftige Aufarbeitung entstehen, dies scheint zu funktionieren.

M. E. geht es auch nicht um eine Toleranz der Religionen untereinander, sondern um die gegenseitige Toleranz der Menschen. Deswegen halte ich eine laizistische Grundhaltung nicht unbedingt für abträglich.

Die Intoleranz von Nichtgläubigen? Nun, es gab und gibt mehr Religionskriege, als Kriege die Laizisten gegenüber Gläubigen geführt haben.

Die religiöse Zweiklassengesellschaft entsteht durch erst durch eine Verquickung von Staat und Kirche. Der Sonderstatus von kirchlichen Trägern, die dadurch das Individuum im eigenen Glauben beschneidet ist doch offensichtlich. Oder kann man sich nach geltendem Recht eine islamgläubige Person in einem katholischen Kindergarten vorstellen?

Ein Justizminister soll sich um das Recht kümmern, nicht um Philosophie.

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Schweigbrecher 04.06.2015, 07:02
13. Altertümliche Religionen überwinden

Ich nehme den Prozess der Religionsentwicklung in der Geschichte des bereits aufgeklärten Teils der Menschheit zunehmend wahr, als einen Prozess der Befreiung von religiösen Vorstellungen, Vorgaben und Dogmen, die von Menschen des Altertums mit altertümlichen Weltbildern geschaffen und in "heiligen Schriften" dokumentiert wurden.

Was von den Religionen noch übrig bleiben sollte, wenn sie endlich vom Ballast der Phantasien und Weltanschauungen unreiferer Geister (als der heutigen) befreit wurden ist das, was mit den Verfassungen der fortschrittlichsten freiheitlich, demokratischen und sozial entwickelten Staaten dieser Welt vereinbar ist.

Dann ist es allerdings aus meiner Sicht sinnvoller lieber gleich an diese Verfassungen "zu glauben". - Und eine (männliche) Gottesfigur brauche ich dafür auch nicht (mehr).

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baghdady 04.06.2015, 07:02
14. Endlich, einer der Ahnung hat

Er bringt es auf dem Punkt. Wir sollen mehr auf das Grundgesetz achten und weniger auf 1400 bzw. 2000 Jahre alte Bücher. Auch der Punkt mit den Imamen finde ich gut. Ich war maximal 3 Mal in Moscheen seit 15 Jahren. Für mich sind die Imame Fremd und haben weniger Ahnung von der Deutscheng Gesellschaft.
Ich bin froh, dass unseren Justizminister so denkt.

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messmeup 04.06.2015, 07:10
15. Theoretisch richtig...

... leider praktisch nicht umsetzbar. Bislang wurde es niemandem verboten, anderen Menschen unabhängig von deren Religion, sexuellen Orientierung oder allgemeiner Lebenseinstellung Respekt und Toleranz entgegenzubringen. Nur ist es in der langen Menschheitsgeschichte noch nie vorgekommen, das fundamentale Glaubens- und Lebenseinstellungen durch gutes Zureden geändert wurden. Das passiert allenfalls schleichend und nur dann, wenn der Staat dem Bürger durch konsequentes Handeln das Gefühl vermittelt, er wacht über Einhaltung der notwendigen Grundregeln, die dazu notwendig sind. Die viel zitierten Sozialromantiker, die an die Einsicht der Fundamentalisten glauben, sind zu Bedauern und verschlimmern die Situation durch ihr Untätiges Staunen darüber, dass es doch so nicht funktioniert.

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hanssss 04.06.2015, 07:17
16. Vergleich der Religionen wäre ein guter Anfang

"Wir brauchen auch Kritikfähigkeit; Religionen, die das soziale Leben prägen wollen, müssen akzeptieren, dass kritisch hinterfragt wird, wie sie es mit der Gleichbehandlung von Frauen oder Homosexuellen halten."

Noch dringender als das wäre ein Vergleich aller Religionen auf ihre Vereinbarkeit mit dem deutschen Grundgesetz. Dazu reicht schon, wenn man liest: z.B. im Koran. Schnell wird klar, dass die Frau dort nur die Hälfte wert ist und in diesem Buch wird auf jeder zweiten Seite zur Verachtung und Vernichtung der Ungläubigen aufgerufen.

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bhavasvabhavana 04.06.2015, 07:19
17. Danke Herr Maas,

dass war ein schöner und ausgewogener Artikel.

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barbarine 04.06.2015, 07:22
18. Mir ist eines ganz wichtig: Vielfalt ist ein Zeichen der Freiheit.

Diesen Satz teile ich uneingeschränkt. Freiheit ist aber niemals grenzenlos, sie bedeutet gleichzeitig auch die Verpflichtung zur Toleranz, zur Akzeptanz der Gleichwertigkeit von unterschiedlichen Lebensentwürfen. Erst Vielfalt, die jedem Einzelnen den größtmöglichen Raum zur eigenen Entfaltung einräumt, ist ein Zeichen der Freiheit. Diese Freiheit wird m.E. besonders deutlich im Artikel 3 Abs.3 unseres Grundgesetzes, wo es heißt: - Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. - Dieser Artikel begründet nicht nur das Recht auf die eigene Religion, sondern auch die Pflicht jedes Einzelnen zur Toleranz gegenüber dem Glauben oder Nichtglauben jedes Anderen. Leider herrscht daran oft Mangel bei den ultraorthodoxen Vertretern der verschiedenen Glaubensrichtungen.

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Carll 04.06.2015, 07:22
19. Unlogisch und naiv

Leider nimmt Herr Maas hier weder eine klar durchdachte noch eine realistische Position ein.

Etwa sein Argument für die Beibehaltung der Kirchensteuer "Die Annahme, man könnte ausgerechnet durch die Verbannung von Religion aus dem öffentlichen Raum das tolerante Miteinander der Religionen fördern, finde ich wenig überzeugend." Triebt der Staat tatsächlich für alles Steuern ein, was im öffentlichen Raum stattfindet? Unlogische Argumentation, Herr Justizminister.

Oder generell die Erwartung, gerade bei uns werde es zu einer friedlichen und toleranten Ausprägung des Islams kommen: wieso denn? Ist es nicht wahrscheinlicher, dass der Islam sich in seinen politisch-gesellschaftlichen Zielen hier so gebärdet wie in praktisch allen anderen Ländern auch: je mehr Macht, desto intoleranter?

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