Forum: Panorama
Ist die Mitte der Gesellschaft Verliererin der Reformen?

Liegt der Autor mit seiner Einschätzung richtig: Ist die Mitte der Gesellschaft Verliererin der Reformen? Der Artikel zum Thema:

Seite 1 von 61
Peter Sonntag 20.02.2007, 13:52
1. Es brodelt in den "mittleren Mittelschichten" ?

Zitat von sysop
Liegt der Autor mit seiner Einschätzung richtig: Ist die Mitte der Gesellschaft Verliererin der Reformen?
Ich weiß nicht, ob es "brodelt", ich glaube eher, es verzichtet auf die Mitwirkung in der sogenannten Demokratie.

Wenn die Mittelschicht gut genug ist, für den Dilettantismus der Macht-Inhaber und Umverteiler zu malochen und zu zahlen, sich aber kaum noch politisch vertreten sieht, muss man doch ihre Resignation verstehen.

Wenn ihre sozialen und kulturellen Ansprüche von den Meinungsmachern verspottet oder verachtet werden, kann man doch nur noch hoffen, dass sie den Mut aufbringt, wenigstens in ihrer "Diaspora" an ihren Idealen festzuhalten.
Irgendwann wird die Stimmung in Deutschland auch wieder umkippen, und dann will es jeder schon immer gewusst haben, dass da was falsch gelaufen war.....

Beitrag melden
SaT 20.02.2007, 14:45
2. Wo holt sich der Staat sein Geld?

Ohne jetzt den Artikel in Gänze gelesen zu haben, so sehe ich den Stand der Mittelschicht (zu der ich mich selbst zähle) ebenfalls als problematisch. Wo holt sich der Staat sein Geld wenn er aufgrund von Bürokratie und Misswirtschaft bereits alles ausgegeben hat? Bei der Unterschicht ist wenig zu machen – die haben ja nichts – und die Oberschicht ist schlau genug sein Geld in Sicherheit zu bringen. Bleibt also die Mittelschicht, die obwohl die Mehrheit, über keine eigene Lobby verfügt. Da aber die Gesellschaft hauptsächlich vom Bürgertum getragen wird ist die immer größere Belastung dieser Schicht verherrend.

Beitrag melden
peccato 20.02.2007, 14:50
3. Wen wundert´s?

Nie wurde der Mensch, derbei den Politikern nur als potentieller Wähler wahrgenommen wird, dermaßen verhöhnt und missachtet wie unter dieser Regierung. Wen wundert es da, dass Mensch/Wähler sich abwendet von der aufgeblasenenen Lügen-Show, die er tagtäglich über sich ergehen lassen muss, oder eben nicht (mehr)?

Beitrag melden
heiße Luft 20.02.2007, 14:52
4. schöner Artikel

Ich muss zugeben ich finde mich in diesem Artikel wieder.
34 Jahre, Mittelschicht. Schon immer gewesen. Gut ausgebildet. Diplomiert. Projekthopperdepp mit begrenztem Anstellungshorizont. Ehemals sehr politikinteressiert. Idealistisch. Damals.

Und jetzt?

Müde. Müde von den ganzen Lügen in der Politik und in meinem direkten beruflichen Umfeld.
Müde, von der Erkenntnis, dass ein Hochschulstudium nicht reicht, nur um auf den Standard zu kommen, den mein Vater als Alleinverdiener erreicht hat. Von weiterem "Aufstieg" ganz zu schweigen. Ich verdien ja nichtmal soviel wie er an Rente bekommt.
Familie, Eigenheim, Auto, Urlaub, Lebensunterhalt, private Alterssicherung, Ausbildung der Kinder. Das alles aus einem Portemonnaie finanzieren oder ansparen/abzahlen? No way. Früher ging's komischerweise.

Müde von dem Geseier manipulierender, verdummender Medien. Müde von dem Geschrei immer nervtötenderer Werbung.
Ich habe seit 12 Jahren nichtmehr gewählt. Wen auch? Und wenn man sich die Politik der letzten 12 Jahre anschaut: Was hätte es genützt?
Was bleibt? Weitermachen, bis die Projekthoppingserie reisst und man zu alt ist, um vor ALG1 und 2 davonzukommen. Und dann geht alles, was man sich erarbeitet hat oder noch wollte den Bach runter.

Aber jedenfalls hab ich mir nichts vorzuwerfen. Ich mach nicht mit bei dem allgegemwärtigen Ausbeutungs- und Lügenchor. Ich bescheiße nichts und niemanden. So bin ich nämlich erzogen worden. Das wird mir zwar zum Verhängnis werden und mich zum Sozialfall machen. Aber jedenfalls hab ich mir nichts vorzuwerfen. Ich will nur meine Ruhe.
Müde.

Beitrag melden
boam2001 20.02.2007, 14:55
5. Volle Zustimmung für Herrn Walter !

Die Mitte hat allen Grund dazu, Abstiegsängste zu haben: Wenn man nach einem Jahr Arbeitslosigkeit in Hartz 4 hängt, kommt man zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedenfalls nicht so leicht dort heraus. Wenn man aus irgendwelchen Gründen als normaler Facharbeiter mit 45 oder 50 Jahre den Job verliert, kann man sich getrost schon mal auf ein Leben in Armut einrichten. Wird man dann in dieser Phase auch noch krank wird ( siehe vermurkste Gesundheitsreform ), sieht es schlecht aus.

Von dem derzeit in fast allen Medien postulierten Aufschwung profitieren nur gewisse Kreise in Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Am normalen Arbeitnehmer geht dieser Aufschwung vorbei. Trotz Mehrarbeit bei gleichzeitig geringerem Verdienst bleibt für die hart arbeitende Bevölkerung in der Mittel- und Unterschicht am Ende des Monats nicht allzu viel Geld übrig.

Diese Menschen merken halt nur noch nicht, daß sie von vorne bis hinten über den Tisch gezogen und ausgebeutet werden. Dies zeugt von einer gewissen Naivität und Gleichgültigkeit.

Die Menschen werden es dann richtig merken, wenn dem derzeitigen Wirtschaftsaufschwung wieder eine Phase der Stagnation und Rezession folgt. Das dieser irgendwann einmal folgt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Beitrag melden
mws 20.02.2007, 14:57
6.

Ungefähr 150000 Auswanderer pro Jahr sprechen eine deutliche Sprache und eher für eine Abstimmung mit den Beinen.

Beitrag melden
VorwaertsImmer 20.02.2007, 15:02
7. Wo soll es den brodeln?

Wer richtig arbeitet, sich nebenher weiterbildet, vielleicht noch eine Familie hat, der hat doch gar keine Zeit für irgendetwas anderes. So kommt es, das Leistungsträger in der Politik unterrepräsentiert sind und in nur geringem Umfang ihre Interessen wahrnehmen können. Schon von daher wird es schon nicht zum "brodeln" anfangen.

Dafür haben mobile Leistungsträger die Möglichkeit, zu fliehen, wenn man mit den Verhältnissen hierzulande nicht einverstanden ist. Wie viel viel einfacher ist, einfach die Koffer zu packen und in ein anderes Land zu ziehen, als zu versuchen, die Verhältnisse durch aktives Mitwirken hierzulande zu verändern? Und wer nicht mehr in Deutschland ist, der wird auch nicht in Deutschland das "brodeln" anfangen.

Beitrag melden
Sjaunja 20.02.2007, 15:02
8.

Der Artikel zeigt auf, dass es in Ost und West immer mehr Menschen gibt, die unzufrieden sind. Meine Lebensgefährtin
(Ost) und ich (West) haben selbst in unserem Bekanntenkreis
viele Menschen, die sich die Mauer (als Sinnbild misslungener Poitik) zurückwünschen.
Diese Menschen wollen, das nehme ich an, eigentlich keine Mauer, aber sie wollen eine Perspektive, die Möglichkeit das Leben zu geniessen.
Wie sieht es denn aktuell für uns Mittdreißiger als "Experimentalist" aus?
Die Rente ist nichts anderes als eine zweite Lohnsteuer, genannt Rente. Für uns ist das ein Negativgeschäft.
Die Nebenkosten (Energie, Müll usw,) steigen unaufhörlich.
Als Akademiker in München gehen 44% meines Nettoeinkommens für eine 52qm-Zwei Zimmer Wohnung drauf. Da bin ich alles andere als ein Einzelfall.
Im Falle einer Arbeitslosigkeit könnte ich gerade mal meine monatlichen Fixkosten decken, dann hätte ich noch ca. 200€ über.

Die Kosten des Gesundheitswesens steigen streng monoton.
Eltern zu werden ist mehr und mehr eine Frage des Geldes geworden. Viele Bekannte schicken ihre Kinder auf Privatschulen (mit entsprechenden Kosten), da eine gute schulische Ausbildung in den normalen Grundschulen nicht mehr garantiert werden kann. Ursachen gibt es dafür viele.

Auch höre ich immer mehr das Wort "Ausland" oder gleich "Auswanderung". Soweit ich informiert bin, ist die Abwanderungsrate unter den Akademikern so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Warum? Vielleicht wegen o.g. Gründen.

Als Wenigverdiener wird man vom Staat unterstützt, als Vermögender geschützt. Aber was machen die, die aufgestiegen sind? Die sich selber das (lange) Studium verdient haben, und dafür Langzeitstudiengebühren gezahlt haben?
Und jetzt als Akademiker arbeiten gehen?
Die dürfen auch weiterhin zahlen.
Und das macht wenig Spaß.

Es muss was geschehen. Sonst stimmen immer mehr mit den Füßen ab.

Beitrag melden
Inuit 20.02.2007, 15:10
9.

Zitat von mws
Ungefähr 150000 Auswanderer pro Jahr sprechen eine deutliche Sprache und eher für eine Abstimmung mit den Beinen.
Die ehemalige DDR hat das Abwanderer-Problem mit einem Zaun plus Toteszone bzw. einer Mauer gelöst. Apropos Zaun, unsre G8-Clowns haben sich vom Steuerzahler einen Zaun um ihr Konferenz-Zentrum in Heiligendamm bezahlen lassen. Dass ihnen ja keiner in ihrer Schein-Demokratie-Welt in die Quere kommt.
.

Beitrag melden
Seite 1 von 61
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!