Forum: Panorama
Jugend und Alkohol - wie groß ist das Problem wirklich?

Immer öfter landen Jugendliche extrem alkoholisiert im Krankenhaus. Werden hierbei Einzelfälle dramatisiert? Oder sind scharfe Maßnahmen gegenzur Eindämmung des Missbrauchs von Alkohol dringend erforderlich?

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Dieter 58 03.08.2009, 11:17
620.

Zitat von Polyantha
Guter Witz. Bier und Wein darf an Jugendliche ab 16 verkauft werden. Alle anderen Alkoholika (beinhaltet sogar Cognac-Bohnen) erst ab 18. Und Sie glauben, wenn man dieses Verbot auf Bier und Wein ausdehnt, würde das problem eingedämmt?
In diesem Land und in unserer Zeit werden von viel zu vielen Leuten Verbote aller Art für die ultimative Lösung aller Probleme angesehen, leider!
Wer glaubt eigentlich noch an den gesunden Menschenverstand?
Dabei sollte doch eigentlich der die Lösung aller Probleme sein. Ist aber anscheinend zu unbequem...

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Rolf K. 03.08.2009, 13:59
621. Wischiwaschi

Zitat von Dieter 58
In diesem Land und in unserer Zeit werden von viel zu vielen Leuten Verbote aller Art für die ultimative Lösung Probleme angesehen, leider! Wer glaubt eigentlich noch an den gesunden Menschenverstand? Dabei sollte doch eigentlich der die Lösung aller Probleme sein. Ist aber anscheinend zu unbequem...
Wischiwaschi dieser Art hilft auch nicht weiter. Der gesunde Menschenverstand ist keine Sache des Glaubens, sondern man muss leider feststellen, dass manche ihren gesunden Menschenverstand nicht gebrauchen. Das gilt speziell für den Alkoholmissbrauch. Sonst wäre das Problem nicht so groß.

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Dieter 58 03.08.2009, 19:59
622.

Zitat von Rolf K.
Wischiwaschi dieser Art hilft auch nicht weiter. Der gesunde Menschenverstand ist keine Sache des Glaubens, sondern man muss leider feststellen, dass manche ihren gesunden Menschenverstand nicht gebrauchen. Das gilt speziell für den Alkoholmissbrauch. Sonst wäre das Problem nicht so groß.
Die Gesellschaft mit ihrem Wust von Verboten und Reglementierungen für "jeden Scheiß" hat den Bürgern das selbständige Denken doch regelrecht abgewöhnt!
Der zivilisierte Mensch ist hilf- und ratlos, wenn er auf Dinge im Leben trifft, für die es kein spezielles Gesetz, bzw. Verbot gibt!
Im übrigen: Niemand weiß so genau wie ein Alkoholiker, daß Alkohol im Übermaß schädlich ist.
Aber wenn man erst mal so weit ist, hilft das nichts mehr.
Für die Jugendlichen um die es hier wohl eigentlich gehen sollte, gibt es das "Gesetz zum Schutz der Jugend in der Öffentlichkeit", und zwar schon seeehr lange!
Was deutlich zeigt, daß Gesetze und Verbote sinnlos sind, wenn der gesunde Menschenverstand außen vor gelassen wird.

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Thomas Müntzer 03.08.2009, 21:27
623.

Zitat von Dieter 58
Die Gesellschaft mit ihrem Wust von Verboten und Reglementierungen für "jeden Scheiß" hat den Bürgern das selbständige Denken doch regelrecht abgewöhnt! Der zivilisierte Mensch ist hilf- und ratlos, wenn er auf Dinge im Leben trifft, für die es kein spezielles Gesetz, bzw. Verbot gibt!
Ich bin wie Sie der Meinung, dass Verbote nur entmündigen, wie sie es ausdrücken, sogar verblöden, entfremden.
Gut zum Ausdruck gebracht.

Zitat von Dieter 58
Was deutlich zeigt, daß Gesetze und Verbote sinnlos sind, wenn der gesunde Menschenverstand außen vor gelassen wird.[/QUOTE]
Ob gesund auf Menschenverstand überhaupt anwendbar ist, bezweifle ich ein wenig.
Auf Psyche ist es aber anwendbar, und wenn die nicht gesund ist, ist Linderung der inneren Spannung erst mal wichtiger, und auf diese Weise wieder vernünftiges Verhalten, weil Linderung vom Belohnungssystem als vorrangiges Ziel als richtiges Verhalten bewertet wird.
Gruss

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Anthrophilus 04.08.2009, 01:37
624. Wieder NICHTS verstanden?

Zitat von aktenzeichen
Offenkundig eine Spätfolge der antiautoritären Erziehung der 68er - Deutschland scheint hier mit der Gleichstellung schon weit zu sein.
Antiautoritäre Erziehung habe ich als Alt-68er nicht als Nicht-Erziehung verstanden, sondern keine Erziehung zum (Kadaver-)Gehorsam, sondern Erziehung zur Selbsterziehung. D.h. Aufstellung und Befolgung eigener Verhaltensnormen nach eigener Einsicht. Das führte u.a. dazu, daß ich fast nie (außer Silvester-Champagner!) Alkohol trinke, schon weil ich zu viele unwürdige Szenen unter Alkoholeinfluß gesehen habe.

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Anthrophilus 04.08.2009, 01:41
625. Welche Freude...!

Zitat von billy pilgrim
Hmh, ich weiß ja nicht. Ich wurde auch 'antiautoritär' erzogen. Was bedeutet das? Meine Eltern haben mir beigebracht für mich selbst zu denken, mich nicht kritiklos anzupassen, nicht mit dem Strom zu schwimmen, zwanghafte Verhaltensweisen in Frage zu stellen, skeptisch gegenüber einfachen Wahrheiten zu sein und mein eigenes Konsumverhalten zu kritisieren. Wenn ich diese 'Errungenschaften' jetzt den kollektiven Rauschbedürfnissen von Jugendlichen entgegenhalte, erkenne ich da eher ein Zuwenig an 'antiautoritärer' Erziehung. Oder meinen sie damit: "denen sollten die Eltern öfter mal eine reinhauen, dann lösen sich die Probleme von selbst?" Wo lernt man denn in Deutschland kollektiv saufen? Im Sportverein, im Kerbejahrgang, bei den Pfadfindern, bei der Freiwilligen Feuerwehr, bei jeder x-beliebigen Jugendfreizeit, im Fernsehen etc. Das sind die Grundpfeiler der bürgerlich-deutschen Gemeinschaft und dort hat der 'antiautoritäre' Wind von 1968 offensichtlich noch nicht stark genug geweht!
Endlich noch einer, der es verstanden hat. Vielen Dank für Ihre Stellungnahme!

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Anthrophilus 04.08.2009, 02:10
626. Verbieten? Nein, anders vorleben und Alternativen bieten!

Zitat von mitbürger
wenn man am 1. Mai mit seinen vier Kindern durch Horden gröhlender Jungendlicher, jeder mit einem Sixpack bewaffnet, Spießruten laufen muß, dann verdirbt einem das den Genuss dieses eigentlich wunderschönen Frühlingstages. Ich werde meinen eigenen Kindern dieses Verhalten verbieten. Es ist eine Schande für unser Land und ein unglaublich schlechtes Vorbild für unsere Kinder. Das Niveau ist nicht mehr zu unterbieten. Wie wär's mit einer Selbstbeteiligung bei den Behandlungskosten einer (freiwillig herbeigeführten) Ethanolvergiftung?
Verbote helfen auf lange Sicht überhaupt nicht. Leben Sie es Ihnen anders und besser vor, weisen Sie Ihre Kinder bei sich bietender Gelegenheit auf die Häßlichkeit dieser Szenen hin. Zeigen Sie keine Entrüstung, sondern trauriges Bedauern über diese Irregeleiteten. Versuchen Sie, solche Gröhlhorden weiträumig zu umgehen, sagen sie Ihren Kindern, wie widerlich Sie das finden, aber gefaßt. Und erleben Sie mit Ihnen stattdessen schöne Natur, gemeinsame Radtouren, Konzerte, Spiele, lustige Familienfeiern, alkoholfrei. Erlauben Sie ihnen Gruppenerlebnisse mit Gleichaltrigen, von denen Sie annehmen können, daß es dort keinen Alkohol gibt. Fördern Sie die Interessen Ihrer Kinder so gut Sie können. Wenn sie es doch mal mit Trinken versuchen, meckern Sie nicht, sondern fragen sie, wie es war/ist und ob sie das wirklich gut finden. Zeigen Sie dann ruhig Ihre Bekümmernis. -
Meine ersten frühen Alkohol-Erlebnisse fand ich so widerlich, daß ich Alk schon deswegen ließ: Ich dachte mir was und wollte es sagen, erreichte aber meine Sprechwerkzeuge kaum, und raus kam nur Gequirltes! Diese Erfahrung habe ich bis heute als unwürdigst in der Erinnerung bewahrt. Das hilft gegen Alkohol-Lust!

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hjg 04.08.2009, 12:27
627. Ganz einfach

Zitat von Rolf K.
Schreiben Sie halt mal, wie mit dem Problem umgehen bzw. es lösen würden. Verbote einfach ablehnen ist billig. Wohin das Laissez faire führt, sieht man allenthalben. Also was tun???
Die im Vollrausch auf der Intensivstation zu betreuenden Kandidaten werden auf Video aufgezeichnet, während sie sich bekotzen und einsch... und vom Personal gereinigt und gewindelt werden. Anschließend im Freundes- und Verwandtenkreis vorführen. Und 'ne Rechnung für den Aufwand in der Klinik sollte es als Sahnehäubchen obenauf geben.

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Dieter 58 04.08.2009, 12:43
628.

Zitat von Anthrophilus
Antiautoritäre Erziehung habe als Alt-68er nicht als Nicht-Erziehung verstanden, sondern keine , sondern . D.h. Aufstellung und Befolgung Verhaltensnormen nach Einsicht.
Schade daß das offensichtlich in die Hosen gegangen ist - aber was hat bei den "Alt-68ern" schon funktioniert...

Zitat von Anthrophilus
Das führte u.a. dazu, daß ich fast nie (außer Silvester-Champagner!) Alkohol trinke, schon weil ich zu viele unwürdige Szenen unter Alkoholeinfluß gesehen habe
Bäh - was haben Sie für schlechten Umgang!
Ich kenne solchen unwürdigen Szenen nur vom Hören-Sagen... :-)

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fpa 04.08.2009, 12:58
629. "Denn was verboten ist, das macht uns gerade scharf!"

Zitat von Dieter 58
Die Gesellschaft mit ihrem Wust von Verboten und Reglementierungen für "jeden Scheiß" hat den Bürgern das selbständige Denken doch regelrecht abgewöhnt! Der zivilisierte Mensch ist hilf- und ratlos, wenn er auf Dinge im Leben trifft, für die es kein spezielles Gesetz, bzw. Verbot gibt!
Naja. Ich würde sagen, die Hilflosen sind hier die Verbieter und ihr öffentlicher Verbots-Forder-Chor.

Gerade bei Jugendlichen spielt doch die Grenzüberschreitung, also gerade sich einem Verbot zu widersetzen, eine nicht unbedeutende Rolle. Oder wie es Wolf Biermann einst so schön besang: "Denn was verboten ist, das macht uns gerade scharf!"

Neben der zweifellos auch mitspielenden Rolle der persönlichen "Chemie der Psyche" des einzelnen Menschen selbst, wie sie hier Thomas Müntzer zurecht immer wieder hervorhebt, dürfte gerade das Entsetzen und die Verständnislosigkeit der Alten ein Hauptgrund mit dafür sein, dass Komasaufen unter Kindern und Jugendlichen sich zu einem akzeptierten Gruppen-Ritus entwickeln konnte.

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