Forum: Panorama
Kinderpornografie-Vorwurf gegen Metzelder: Haltet ein!
Revierfoto/ DPA

Die Staatsanwaltschaft Hamburg führt ein Ermittlungsverfahren. Das Ergebnis ist offen. Es geht nicht um Mord und Totschlag, sondern um einige Bilder, die niemand kennt. Wo genau liegt der Skandal?

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vera gehlkiel 15.09.2019, 19:31
420. @Thomas Fischer (#416)

Ich sprach insofern von "Steuerung", als dass "Bild und Co." gemeint waren, bei der klassischen Emma, die es so natürlich auch nicht mehr gibt, von "Infragestellung". Aufgrund dessen, dass es für mich, anders als für Sie, darum geht, dass wir alle sowieso mit beiden Armen und bis zum Hintern in demselben Sumpf stecken, den wir aufklaererisch beschreiben, kann ich ziemlich viel an unreiner Selbstherrlichkeit als Handlungsmotivation, wovon die Person Schwarzer umgeben ist wie ein eitler heiliger Sebastian, ohne Weiteres zugestehen. Was bleibt, wenn man technisch neutral darauf blickt ist, dass Umweltbewegung und Feminismus jene beiden linksliberalen Energiezentren sind, die heute federführend aktiv um die Essenz der offenen Gesellschaft im Sinne etwa eines Karl Popper kämpfen. In der nunmal ALLES davon abhängt, dass wir erkennen, wie allumfassend bestimmend unsere Sprache dafür ist, dass wir uns gegenseitig, mit Fug und Recht, als "Erwachsene" ansprechen können. Insofern speziell intellektuelle Männer, sobald Feminismus "als Stichwort" genannt wurde, sofort mit der Faust in der Tasche in eine Art Hells Angels -Solidarisierung überzutreten scheinen, frappiert es mich immer wieder... Was nicht speziell auf Sie gemünzt sein soll, Sie aber irgendwie auch mit meint.

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michiflumm 15.09.2019, 20:11
421. Wer sonst noch

außer Bild und Co malen uns den Teufel an die Wand? Wobei der Teufel offenbar jener wahre Teil ( Faust) 1) von i uns ist, der ausgelebt/ unausgelebt in uns sein Unwesen treibt und uns , ja Verführen will. Bild erinnert uns immer wieder daran. Und jedes mal sind wir erleichtert , wenn es jemand anderen trifft und nicht uns. Solange wir andere den Teufel für uns an die Wand malen lassen wirrd es Bild und Co geben, mit Erfolg

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vera gehlkiel 15.09.2019, 20:18
422. @ambulans (#418)

Erst mal: wenn Tyler für Sie ein Künstler von Relevanz ist, sollten Sie ihn bitte nicht dafür hernehmen, um eigene Bestrebungen in Richtung "exakt" zu untermauern. "Exakt" sollte doch echt der Steuerbehoerde und ggf. Beerdigungsinstituten vorbehalten bleiben. Zweitens ist es ziemlich anstrengend, in einem solchen Blog in Permanenz Trennlinien zwischen "Privat und Persönlich" als Vorbedingung aufrechterhalten. In irgend einem klassisch linken Sinne "immanent" ("das Private ist immer auch politisch, das Politische privat") ist das sowieso nicht... Wieso dann aber bloß zuerst Steve Tyler?! Drittens: Vorbedingung für alles, was den Feminismus als postmoderne linksliberale Bewegung ausmacht, ist die "Erfahrung von Geschichte", anstatt nur Herleitung derselben als Theorie vom Schreibtisch aus. Nach dieser schlichten Maßgabe versuche ich mich hier in den Blogs, und zwar aus tiefster Überzeugung, zu richten. Wer dem Erfinden von Menschenzoos nach Rousseau oder auch Modephilosoph Sloterdijk heute noch entgehen will, muss die Trennlinie zwischen "Drinnen" und "Draußen" anvisieren und präzise pulverisieren. Wie gesagt, meine ganz tiefe Überzeugung!

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423. zu # 421 (vera gehlkiel)

Zitat von vera gehlkiel
Ich sprach insofern von "Steuerung", als dass "Bild und Co." gemeint waren, bei der klassischen Emma, die es so natürlich auch nicht mehr gibt, von "Infragestellung". Aufgrund dessen, dass es für mich, anders als für Sie, darum geht, dass wir alle sowieso mit beiden Armen und bis zum Hintern in demselben Sumpf stecken, den wir aufklaererisch beschreiben, kann ich ziemlich viel an unreiner Selbstherrlichkeit als Handlungsmotivation, wovon die Person Schwarzer umgeben ist wie ein eitler heiliger Sebastian, ohne Weiteres zugestehen. Was bleibt, wenn man technisch neutral darauf blickt ist, dass Umweltbewegung und Feminismus jene beiden linksliberalen Energiezentren sind, die heute federführend aktiv um die Essenz der offenen Gesellschaft im Sinne etwa eines Karl Popper kämpfen. In der nunmal ALLES davon abhängt, dass wir erkennen, wie allumfassend bestimmend unsere Sprache dafür ist, dass wir uns gegenseitig, mit Fug und Recht, als "Erwachsene" ansprechen können. Insofern speziell intellektuelle Männer, sobald Feminismus "als Stichwort" genannt wurde, sofort mit der Faust in der Tasche in eine Art Hells Angels -Solidarisierung überzutreten scheinen, frappiert es mich immer wieder... Was nicht speziell auf Sie gemünzt sein soll, Sie aber irgendwie auch mit meint.
Tja, da kann man nichts machen. Ich hatte zwar "Feminismus" weder nicht "als Stichwort" noch sonst genannt, sondern nur einen kleinen Hinweis auf + Scherz betreffend eine besonders fromme Bekämpferin von Kinderpornografie gegeben. Ich hab auch weder eine Faust in der Tasche noch wüsste ich im Moment, mit wem ich mich hier "unter Männern" und Hell's Angels solidarisieren sollte. Die Assoziations-Kunststücke, die Sie darbieten, sind zwar wesentlich elaborierter, aber nicht zwingend überzeugender als diejenigen der meisten sonstigen Kolumnistendeuter.

Aber was soll's: Sie haben ja, neben anderen, auch das Wort "IRGENDWIE" verwendet. Und das ist eine Sprachsteuerung, die einfach irgendwie alles möglich macht und vor allem auch irgendwie alles mit allem verbindet, und deshalb auch irgendwie gewissermaßen einen rundum sozusagen schönen Ausklang.

So dass ich mich jetzt, nach interessanten Erkenntnissen, vom dieswöchigen Forum verabschieden kann.

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DorianH 15.09.2019, 21:14
424.

Zitat von cybernic
Ich bin weiß Gott für investigativen Journalismus, keine Frage, aber oft würde ich mir wünschen, dass sich die Presse nicht schon bei den ersten Anzeichen eines unter Umständen vorhandenen Verdachtes auf eine Sache oder Person stürzt.
Ich auch, nur hat dieser Fall nichts mit dieser Art Journalismus zu tun.
Genaugenommen hat das sogar nicht einmal überhaupt etwas mit Journalismus zu tun....sondern nur mit der Gier nach Auflage.

Investigative Journalisten recherchieren erst, und wenn es etwas zu berichten gibt, wird das getan.
Das hier ist nur Sensationsgeilheit, ohne überhaupt etwas in der Hand zu haben.

Aber das ist man von diesem Drecksblatt ja nicht anders gewohnt.

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joesylver 15.09.2019, 21:56
425. Ja, was will uns der Autor wohl sagen...

Zitat von thea.tralisch
Zitat "Die Vorstellung, jede Missbrauchstat führe zwangsläufig zu lebenslangem Leiden des Tatopfers, ist falsch" - Was genau möchte der Autor uns damit sagen? Dass Missbrauch gar nicht so schlimm ist? Dass Opfer, die tatsächlich lebenslang zu leiden haben, sich nur nicht genug zusammenreißen?
Er sagt damit wohl einfach exakt das, was er gesagt hat. "Die Vorstellung, jede Missbrauchstat führe zwangsläufig zu lebenslangem Leiden des Tatopfers, ist falsch". Alles was Sie dann noch schreiben hat er nicht gesagt. So einfach ist das.
(btw: wenn Sie Fischers Satz lesen: die Betonung liegt da auf "JEDE" und auch auf "zwangsläufig". Er sagt damit übrigens auch, dass es natürlich Missbrauchstaten gibt, die zu lebenslangem Leiden führen.)

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Artur1970 15.09.2019, 22:36
426. Unglaublich

Man muss diesen Artikel bis zum Ende lesen. Die Kritik an vorverurteilender Medienberichterstattung kann ich teilen. Soweit so gut. Was er aber damit verknüpft, ist eine Relativierung von Verbrechen gegen Kinder (Missbrauch, Kinderpornografie). Auch schon im Teaser („Es geht nicht um Mord und Totschlag, sondern um einige Bilder“), aber vor allem am Ende. Wenn er schreibt „Die Vorstellung, jede Missbrauchstat führe zwangsläufig zu lebenslangem Leiden des Tatopfers, ist falsch“ - was soll das aussagen, wenn nicht eine Relativierung von Verbrechen? Das ist Täterdenken. Und wie er betont, dass es ja leichte und nicht nur schwere Straftaten gibt, ist ein weiterer Teil seines Relativierungsversuchs. Also wenn man zwischen Zeilen liest, dann schreibt er, Sexualverbrechen gegen Kinder sind pille palle, sofern sie nicht wirklich schwer sind. Hier solidarisiert sich ein Richter mit den Tätern. Oder wenn er schreibt „Die "Reinheit", Unschuld und extreme Verletzlichkeit, die Kindern heute zugeschrieben und angedichtet wird, ist vielfach nur die psychologisch verdrehte Kehrseite von Selbstbespiegelung, Identifikation mit einer idealisierten Kindlichkeit und hemmungsloser Sexualisierung des gesamten Lebenskontexts.“. Verletzlichkeit von Kindern ist also eine psychologisch verdrehte Kehrseite... er sollte vielleicht Anwalt der katholischen Kirche gegenüber Missbrauchsopfern werden. Als Opfer von frühkindlichem Sexualmissbrauch, und ich bin mir sicher auch für viele schlicht empathische Menschen sind solche Äußerungen furchtbar, untragbar.

Was nun Metzelder angeht: so lange nichts bewiesen ist, sollten sich die Medien zurückhalten. Und ich denke jedes Sexualverbrechen ist eines zu viel. Ganz egal ob ein Promi beteiligt ist. Wenn die Medien das ganze nur interessiert, wenn es um Promis oder die katholische Kirche geht, ist das ebenso traurig. Denn die Sorge um die Opfer geht dabei völlig verloren. Es ist ein gesellschaftliches Problem, dem man sich ganz unabhängig von Metzelder und co widmen muss.

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Der_schmale_Grat 16.09.2019, 09:08
427. Kritische Anmerkungen eines ansonsten wichtigen Kommentars

Erstens, dass sich Hr. Reul einschaltet und engagiert, spricht für ihn - und vielleicht gegen den Justizminister Biesenbach? Hr. Reul hat Dinge gesagt, die ich bis davon von einem CDU-Politiker für unmöglich gehalten hätte, im positiven Sinne. Zweitens, "Horrorjob" Fahnder von zweidimensionalen Abbildungen. Hierüber gibt es bereits einschlägige Dokumentationen, dass Menschen, die sich täglich über viele Jahre mit schrecklichen Bildern beschäftigen. Dies verändert jeden Menschen in bestimmter Weise und nur die Tatsache, dass Rettungsmediziner usw. auch einen schweren Job haben, relativiert diese nicht. So eine Arbeit "macht immer etwas mit einem Menschen", wie ein befreundeter Psychologe, der seit 15 Jahren mit Pädokriminellen arbeitet. Ich behaupte mal, dass ich die Arbeit nur machen könnte, wenn mir Tod oder Folter drohen würden. Drittens, Epstein war bereits einschlägig vorbestraft und ein Termin zur Verhandlungseröffnung angeblich 2020 bereits terminiert worden. Die Indizien gegen ihn erscheinen mir erdrückend, aber auch hier gilt noch eine Unschuldsvermutung, doch wird er sich der Verantwortung nicht mehr stellen können. Das Problem ist hier die mutmaßlich organisierte sexuelle Gewalt und Ausbeutung von Minderjährigen, keine "Massagen". Viertens, Sodomie kann u.U. wohl doch strafrechtlich verfolgt werden, ist aber wohl nur Ausnahme bei ausgeprägten Handlungen. Es gilt m.W. als Ordnungswidrigkeit hierzulande. Herr Fischer, ich bin trotzdem immer wieder begeistert, dass Sie sich gegen die Hysterie bei jeder Art von Verdachtsfällen im Bereich Pädokriminalität entgegenstellen. In meinem Bekanntenkreis zitiere ich sie häufig und mit Verve.

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intercooler61 16.09.2019, 10:52
428. @vera gehlkiel: Was ist daran links_liberal_?

Zitat von vera gehlkiel
[...] Was bleibt, wenn man technisch neutral darauf blickt ist, dass Umweltbewegung und Feminismus jene beiden linksliberalen Energiezentren sind, die heute federführend aktiv um die Essenz der offenen Gesellschaft im Sinne etwa eines Karl Popper kämpfen. In der nunmal ALLES davon abhängt, dass wir erkennen, wie allumfassend bestimmend unsere Sprache dafür ist, dass wir uns gegenseitig, mit Fug und Recht, als "Erwachsene" ansprechen können. Insofern speziell intellektuelle Männer, sobald Feminismus "als Stichwort" genannt wurde, sofort mit der Faust in der Tasche in eine Art Hells Angels -Solidarisierung überzutreten scheinen, frappiert es mich immer wieder... Was nicht speziell auf Sie gemünzt sein soll, Sie aber irgendwie auch mit meint.
Ihr Selbsbewusstsein in Ehren, aber inwiefern sind Unweltbewegung und Feminismus liberal? - Dass Sie auf sachliche Widerrede in der hier zitierten Weise immer wieder ad hominem gehen, zeugt m.E. eher vom Gegenteil.

Mich interessiert jetzt nicht, was Sie für "falsch verstandene Liberalität" halten, sondern was für die aus Ihrer Sicht "richtige": In welchen aktuellen Fragen fordert grüne und/oder lila Politik mehr Freiheit für das Individuum gegenüber dem Staat respektive der Gesellschaft?

Bezogen auf das hiesige Thema: Wie bewerten Sie z.B das Urteil des EGMR (45330/99) von 2013, das einem Minderjährigen Schadenersatz zusprach, weil der damalige §209 öStGB Sex zwischen ihm und älteren Erwachsenen verbot?

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Bondurant 16.09.2019, 10:56
429. In

Zitat von oloh
In der Belle Époque (Fin de siècle vor WW I) war eine gewisse progressive Einstellung gegenüber Erotismen aller Art und auch mit durchaus juvenilen Kokotten in Paris ja sozusagen Paideuma.
"Glanz und Elend der Kurtisanen" von Balzac (geschrieben 1838, Handlung spielt 1824), immerhin wirkliche Weltliteratur, beschreibt Pariser Lebemänner, die mit 12jährigen "Ballettmädchen" liiert sind. Das war anscheinend auch Zeitgeist. Und nun?

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