Forum: Panorama
Kriminalität: Viel Schuld, wenig Sühne
Getty Images

Die volle Härte des Gesetzes wird oft beschworen - und kommt bei vielen Delikten selten zur Anwendung. Ein ernüchternder Blick auf den deutschen Rechtsstaat.

Seite 2 von 7
Hagbard 11.05.2018, 10:03
10.

Zitat von olliver_123
Wer immernoch online einen Artikel unter der Bedingung Vorkasse wesentlich unter Marktpreis kauft, der tut aus meiner Sicht damit zurecht etwas für den Ausgleich zwischen Arm und Reich in Europa... Für sowas finde ich dann auch die Arbeit der Ermittlungsbehörden zu Schade. Oder auch irgendwelchen Wildfremden 1000e Eur zu geben, weil diese angeblich einem Verwandten in Not helfen wollen. Das kann ich wirklich teilweise nicht nachvollziehen.
Die Arbeit der Ermittlungsbehörden ist niemals zu schade.
Gerade dann, wenn Unerfahrenheit, Naivität oder Angst beim Opfer ausgenutzt wurden, ist es besonders verwerflich.

Wie sieht Ihr Ansatz denn aus Täter-Sicht aus?
"Ja klar, Betrug ist in Deutschland verboten - aber wenn Ihr Euch die Unerfahrenen und Naiven als Opfer sucht, ist es nicht so schlimm. Dann lassen wir Euch davonkommen. Macht ruhig."

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Rodini 11.05.2018, 10:05
11. Chapeu, ein mutiger Bericht

zu milde Strafen animieren die Täter geradezu weitere Straftaten zu begehen. Siehe z. B. Intensivtäter.
Die Gerichte und Staatsanwaltschaften machen die Rechtsprechung durch dieses laxe Verhalten zu einem Papiertiger. Schade, daß die Gerichte nicht in Haftung genommen werden können.
Kein Wunder wenn viele Wähler nach rechts rücken, weil sie kein Vertauen in ihren Staat haben.
Gerade das Jugendstrafrecht ist ungenügend. Insofern gilt meiner Meinung nach: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Übergriffe auf Polizisten häufen sich, vor Gericht feixende Angeklagte, Übergriffe auf Sanitäter sind Zeichen eines erschlafften Staates, der keine Kante mehr zeigt.
Nein ich bin kein Rechter, im Gegenteil.
Aber ich habe mehr und mehr Verständnis für deren Positionen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
keinblattvormmund 11.05.2018, 10:09
12. Ich sehe die Zahlen kritisch

Ein kritischer Blick auf diese Zahlen ist durchaus angeraten. Es ist zwar richtig, dass viele wirkliche Taten nicht zur Anzeige gebracht werden, Tatsache ist aber auch, dass jeder Ebay Käufer, der sich in irgendeiner Form vom Verkäufer enttäuscht sieht, zur Polizei rennt und Anzeige wegen Betrugs erstattet. Da der vom Käufer "gefühlte" Betrug im strafrechtlichen Sinn aber meist keiner ist, enden solche Anzeigen, völlig zu Recht, in einer Einstellung. Inwieweit die nicht unerhebliche Anzahl von augenscheinlich völlig unberechtigten Anzeigen berücksichtigt wurden, ist nicht erkennbar und wird von mir auch angezweifelt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Mesi0013 11.05.2018, 10:22
13. Sie sagen es!

Zitat von hollaonboard
Nur noch beim Steuereintreiben, Knöllchen und sonstigen Ordnungswidrigkeiten entfalktet unserer Staat die volle Härte. Geld ist bei denen zu holen die Arbeiten gehen und dort wird jeder Cent staatlich erpresst.
Mit welcher Härte der nichtprominente Steuerstraftäter justiziabel abgeurteilt wird... Aber Sie müssen es vielleicht so sehen. Der Steuerstraftäter, oder die Bußgelder in Ordnungswidrigkeitsverfahren, bringen da ja Geld in die Staatskasse, sichern somit dem System den Erhalt bzw. werden andere beim Steuerbetrug durch hohe Strafen davon abgehalten. Richter, Staatsanwälte, das gesamte Justizsystem, sind darauf angewiesen dass Straftaten geschehen. Der Gewaltstraftäter kostet im Gefängnis nur viel Geld aber wenn man ihn recht schnell wieder laufen lässt, dann spart man Kosten und er wird erneut straffällig und hat die Chance Kinder zu bekommen, die aufgrund miserablem Vorbild möglicherweise ebenso kriminell werden. Das System der Gewohnheits-Straftäter und der Justizsystem muss sich selbst nachzeugen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
je_pense 11.05.2018, 10:27
14. Sühne???

"(...)Doch auch von den 840 Millionen Euro vermochte der Staat lediglich 61 Millionen Euro sicherzustellen, den Rest konnten die Kriminellen behalten. (...) "
Zumindest auf mich wirkt es als solle mit dieser Formulierung suggeriert werden der Staat lasse den Kriminellen einfach das Geld. Wahrscheinlich es aber tatsächlich so, dass der Großteil des Geldes einfach nicht zurückzuholen ist, weil es im Ausland liegt, längst abgehoben oder gewaschen wurde.

Die Überschrift des Artikels zielt aber wohl eher auf den strafrechtlichen Aspekt des Staats. Hier ist es tatsächlich gefühlt so, dass viele Täter mit viel zu geringen oder gar ohne Strafe wegkommen. Wobei hier die Schuld nicht ausschließlich bei der Justiz liegt, sondern auch bei der Politik, die die Gesetze beschließt. Und im deutschen Strafrecht hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass es nicht vornehmlich um die Strafe (Sühne) geht, sondern um die Resozialisierung des Täters.
Aus meiner Sicht wird letzteres allerdings zwischenzeitlich viel zu hoch gewichtet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cvdheyden 11.05.2018, 10:29
15. Zeit

Zitat von Rodini
zu milde Strafen animieren die Täter geradezu weitere Straftaten zu begehen. Siehe z. B. Intensivtäter. Die Gerichte und Staatsanwaltschaften machen die Rechtsprechung durch dieses laxe Verhalten zu einem Papiertiger. Schade, daß die Gerichte nicht in Haftung genommen werden können. Kein Wunder wenn viele Wähler nach rechts rücken, weil sie kein Vertauen in ihren Staat haben. Gerade das Jugendstrafrecht ist ungenügend. Insofern gilt meiner Meinung nach: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Übergriffe auf Polizisten häufen sich, vor Gericht feixende Angeklagte, Übergriffe auf Sanitäter sind Zeichen eines erschlafften Staates, der keine Kante mehr zeigt. Nein ich bin kein Rechter, im Gegenteil. Aber ich habe mehr und mehr Verständnis für deren Positionen.
Sie vergessen, dass es oft viel zu lange dauert, bis es mal zur Verhandlung kommt. Sie vergessen die Zeit, die Polizisten verschwenden, damit solche Leute dingfest gemacht werden und dann kommen diese Richter und blasen alles ab. Es ist wirklich lächerlich. Ganz oft waren früher für Jungendstraftäter die Ansagen gemacht worden: "Zuwarten". Also nichts machen.
Manchmal denke ich, dass das Summerhillmodell hier immer noch aktiv ist.
Als Täter kann man Deutschland nicht ernst nehmen. Es wunder mich, dass nicht viel mehr Leute hier Unfug treiben. Ach Moment, ich vergas ja Berlin, da kann man die Konsequenzen beobachten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
SasX 11.05.2018, 10:31
16.

Zitat von keinblattvormmund
Ein kritischer Blick auf diese Zahlen ist durchaus angeraten. Es ist zwar richtig, dass viele wirkliche Taten nicht zur Anzeige gebracht werden, Tatsache ist aber auch, dass jeder Ebay Käufer, der sich in irgendeiner Form vom Verkäufer enttäuscht sieht, zur Polizei rennt und Anzeige wegen Betrugs erstattet. Da der vom Käufer "gefühlte" Betrug im strafrechtlichen Sinn aber meist keiner ist, enden solche Anzeigen, völlig zu Recht, in einer Einstellung. Inwieweit die nicht unerhebliche Anzahl von augenscheinlich völlig unberechtigten Anzeigen berücksichtigt wurden, ist nicht erkennbar und wird von mir auch angezweifelt.
Ach ja, das erinnert mich an die Ebay Zeiten, in denen sehr oft Dinge wie "Handy XY, OVP" verkauft wurde. Dann folgten einige Seiten intensive Produktbeschreibung des Handys und irgendwo unten stand dann "Sie bieten hier nur auf den Karton", weil der Verkäufer unter "OVP" nicht "Originalverpackt", sondern "Originalverpackung" verstanden wissen wollte.

Oder 40 Versteigerungen mit immer dem gleichen Produkt vom gleichen Verkäufer. Natürlich alle als Privatverkauf und unter Ausschluß der Sachmängelhaftung.

Oder die zahlreichen, plötzlich kaputt gegangenen Dinge, die der Verkäufer dann nach einer Auktion, die zu einem niedrigen Preis beendet wurde, leider deswegen nicht mehr liefern konnte und die dann einige Tage später wie durch ein Wunder wieder heile waren und vom Verkäufer wieder angeboten wurden.

Von Ebay habe ich mich seit diesen Zeiten verabschiedet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
C.Rainers 11.05.2018, 10:34
17. Ich verkaufe auch viel bei ebay

Zitat von Sibylle1969
Ich verstehe die hohe Zahl von Warenbetrug nicht. Man kauft sich im Internet grundsätzlich niemals auf Vorkasse, sondern mit Zahlungsarten, die ein nachträgliches Bezahlen oder das Zurückholen bei Nichtlieferung ermöglichen (Paypal, Lastschrift, Kreditkarte, Rechnung). Bietet ein Internethändler keine dieser Zahlarten an, sondern besteht auf Vorkasse, dann Finger weg!
und nie mit Paypal oder anderen Bezahlforrmen außer Vorkasse, denn Sie vergessen es gibt auch viele betrügerische Kunden. Wie oft versucht bei mir jemand zu erreichen,daß ich die Ware los schicke bevor der bezahlt hat, nach dem Motto "Geld ist unterwegs, oder ich bezahle morgen". Ha ha. Einmal hat sogar einer einen Fall aufgemacht bei ebay, weil er seine Ware nicht erhalten hat, die er nie bezahlt hatte. Nein nein, diese Medaille hat auch zwei Seiten. Außerdem kostet der Mist wie Paypal Gebühren , für den Verkäufer wohlgemerkt

Beitrag melden Antworten / Zitieren
gnagflow81 11.05.2018, 10:34
18. Traurig, aber guter Artikel

Finde schön, die Zahlen dargestellt zu bekommen. Spannend fände ich auch, welche Hebel politisch zu Verfügung stehen um die Situation zu verbessern: effizientere Strafverfolgung, Gesetze, mehr Mittel...?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
C.Rainers 11.05.2018, 10:40
19. In dem Artikel wird der viel häufiger Fall

des Warenkreditbetrugs durch Kunden geflissentlich unterschlagen. Die Kunden im Internet sind was die Ehrlichkeit angeht keine Unschuldslämmer.
Wirtschaft basiert auf Vertrauen und irgendwo ist ja nun mal der Gefahrenübergang für Käufer und Verkäufer. Eine Restunsicherheit bleibt immer. Wenn dies Vertrauen weg ist, geht die Wirtschaft in die Knie. Aber man sollte gar nicht bei den Internetbetrügern aufhören. Die Firma VW und andere Autohersteller haben auch Autos verkauft, wo die Käufer darauf vertaut haben,daß sie a.) mit den Autos überall hin dürfen und b.) sie nach ein paar Jahren für einen bestimmten Preis los werden! Und?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 7