Forum: Panorama
Lädierte Streitkultur: Wir schweigen die Demokratie zugrunde
Kay Nietfeld/DPA

Ziehen Sie sich immer häufiger aus Debatten in Ihrer Familie, im Freundeskreis oder im Sportverein zurück? Das ist durchaus nachvollziehbar - aber gefährlich. Zum Glück gibt es einen Ausweg.

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Afro-Mzungu 21.07.2019, 13:27
120.

Zitat von uhrentoaster
Warum sollte ich mit einem "Menschen" diskutieren, der eine menschenfeindliche Ideologie geil findet? Meine Zeit verbringe ich lieber mit schöneren Dingen. Beispielsweise mit Menschen, die mit mir auf einer Wellenlänge sind. Wer sich gerne mit Menschenfeinden unterhalten möchte, möge das gerne tun.
Das bedeutet nichts anderes, als dass Sie die Schmutzarbeit anderen überlassen, um selbst nicht aus der Komfortzone bzw. der eigenen Meinungsblase heraus zu müssen.
Im Prinzip haben Sie meiner Meinung nach damit intellektuell abgeschaltet, so wie es bei der breiten Masse der Schafe der Fall ist.
Kann ich menschlich gerade noch verstehen, ist aber gesellschaftlich extrem kontraproduktiv.

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A.Leine 21.07.2019, 13:28
121.

Es geht nicht darum, welche Missstände in welchem "Lager" herrschen, auch nicht um ein "wir hier" und "ihr dort", sondern darum, grundsätzlich wieder die eigene Meinung zu äußern und zwar frei und im offenen Diskurs miteinander. Gegenseitige Bezichtigungen rechtfertigen ein Untätigbleiben ebenso wenig wie Frustrationen. Die Zahl der Änderungen von Zuständen zum Positiven durch reines Nichtbeteiligen dürfte überschaubar sein. Dabei ein bisschen mehr Menschlichkeit im Umgang miteinander, auch in der Kontroverse, bringt die Dinge eher voran, als es sie hemmt. Wir müssen, gerade in der Kontroverse und Durchsetzung von Interessen, wieder zu einem anderen Umgang miteinander zurück finden.

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lutzi-lange 21.07.2019, 13:32
122. Vorbilder ?

" Aber ist es zu viel verlangt, einem halbwegs zivilisierten Gegenüber erst mal zuzuhören und gegebenenfalls sachlich zu widersprechen? "
Nein, es ist nicht zuviel verlangt. Wenn ich mir aber eine der vielen politischen Talkshows ansehe dann kann ich nur den Kopf schütteln. Politiker die zu allem eine Meinung haben, die ständig dazwischenreden ( ganz schlimm: Anna-Lena Baerbock ), für die Disziplin ein Fremdwort ist. Für viele von ihnen gibt es nur ihre eigene Meinung, sonst zählt nichts. Armes Deutschland.

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don’tlet 21.07.2019, 13:33
123. Alles gar nicht so schwer,

wenn man mal versucht, die „durchschlagende Kraft der Vernunft“ ( s. Adorno nach SZ/Feuilleton von Sa/So ) gegen diesen inhaltlich einfältigen, aber geschickt triggernden Populistenkram einzusetzen. Z.B.:
Kann denn irgendwo zweifelhaft sein, dass man Menschen nicht beim Sterben zusehen darf, wenn man helfen kann?? Und dass die auch hier zu lesenden Relativierungen jeglichem „abendländischem Verständnis„ widersprechen und völlig unchristlich sind??

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Omegatrust 21.07.2019, 13:33
124. Was nicht passt wird passend gemacht

eine Debatte ist witzlos solange demokratisch gewählte Parteien bzw. deren Wähler ausgegrenzt werden. Geht wohl eher darum sich mit der Mainstream Meinung bisschen auszutauschen und dann zu bekunden was wieder eifrig diskutiert wird.

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Carbonslider 21.07.2019, 13:36
125. Streitkultur ist nutzlos, wenn

wenn sie in der Gesellschaft keine Ergebnisse zeigt. Die Parteien wollen unsere Meinungen vertreten, tun es aber nicht oder sehr schleppend. Ergebnis ist Gruppenbildung bzw. Parteiengründung, ein demokratischer Prozess. Wenn ich mit meiner Ansicht in eine extremistische Richtung gedeutet werde, resigniere ich, oder ich wende mich irgendwann wirklich dorthin. Nur wenige Bürger sehen Meinungsbildung als fortlaufenden Prozess an, sondern bestätigen ihre bestehende Sicht immer wieder. Eine Diskussion verhärtet nur die Fronten. Seine Meinung zu ändern bedeutet, selbst zu denken.

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Europa! 21.07.2019, 13:39
126. Haltung allein genügt nicht

Zitat von Immanuel K.
...die Leib und Leben anderer Menschen (erstmal verbal) bedrohen, sind die Spalter - denn die stellen unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat in frage.
Mag sein. Aber Infragestellen ist die wichtigste Methode und das eigentliche Wesen von Wissenschaft und Diskussion. Ohne Infragestellen geht gar nichts. Deshalb ist "Haltung" so problematisch. Sie macht das Denken unmöglich.

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Hamberliner 21.07.2019, 13:43
127. 1.) Facebook ist nicht das Internet, 2.) unter Kollegen keine Politik

Zitat von Peter Maxwill
Doch stattdessen, seien wir ehrlich, bestätigen die meisten sich lieber unter ihresgleichen gegenseitig in ihren Ansichten - sei es im Freundeskreis, im Sportverein oder in der WhatsApp-Gruppe. Dieser Mechanismus ist nicht ganz neu, soziale Medien und das Internet als Medium haben ihn aber augenscheinlich verstärkt.
Nein, das Internet nicht, sondern nur Facebook und ähnliches. Im Usenet, dem ältesten polydirektionalen Diskussionsmedium des Internet, war das - als es noch viel benutzt wurde - diametral anders. Nicht nur in de.soc.politik, sondern in vielen Newsgroups. Wo Extremisten mit Pöbeleien und Drohungen eine Newsgroup unbrauchbar zu machen drohten, stellte man diese eben auf "moderiert" um, z.B. in de.alt.fan.tabak .

Im übrigen muss ich Peter Maxwill in einer Hinsicht widersprechen: Im Beruf, unter Kollegen, sollte man auf gar keinen Fall seine politischen Überzeugungen offen legen und in Kaffeepausen oder beim Mittagessen mit Kollegen über Politik diskutieren. Der Schaden am Betriebsklima, den das anrichtet, ist ein zu hoher Preis. Im Smalltalk mit Kunden, auch und gerade Industriekunden, meide man Politik und Religion erst recht, sonst kann es passieren dass man sehr gute Kunden vergrault.

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tilldossantos 21.07.2019, 13:44
128. Der Titel...

... vielen aus der Seele sprechen dürfte, so erwartbar waren die im Text enthaltenen Relativierungen. Auch das ist zeittypisch: Das Problem benennen und dennoch verkennen. Die Sprache, die wir verwenden, um zu debattieren, ist ihrerseits schon verwanzt, vermint und beschnitten, sodass ein Gedanke bereits während seiner Entstehung eingehegt oder aber wegen erwartbarer Empörungsautomatismen erst gar nicht geäußert wird.
Ein kleiner Anfang wäre es, wenn man etablieren könnte, dass Begriffe wie ***-istisch und ***-phob als maximal uncool gelten und den Dauergetriggerten selbst erdachte Formulierungen abverlangt werden.
Aber, da sage ich zu mir selbst: Träum weiter.

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xxgreenkeeperxx 21.07.2019, 13:44
129. Es geht immer um Menschen!

Zitat von claus7447
Unterteilen sie nach Hautfarbe - Rasse oder Herkunft?
Nein, denn dann wäre ich wohl schon längst arbeitslos. Und ich hänge an meinem Job. :) Ich beurteile Menschen also grundsätzlich nach ihrer Meinung zu Sachthemen, wenn sie fundiert sind und ich sie nachvollziehen kann ist es mir egal welche Hautfarbe, welches Geschlecht oder welche politische Einstellung derjenige hat. Ich muss diese Meinung dann ja trotzdem nicht für mich übernehmen.
Ich habe auch nichts dagegen wenn man dabei auch mal emotional überreagiert und sich dann nicht "politisch korrekt" ausdrückt, denn was ich selber tu gesteh ich auch jedem andern zu. Für mich ist eine Frau eine Frau und wenn sie den Beruf eines Piloten ergreift, dann bleibt sie für mich natürlich eine Frau, ist aber dann auch ein PILOT und nichts besseres oder schlechteres. Wenns drauf ankommt kann ich mich natürlich in der Ausdrucksweise diesem "Neusprech" anpassen, privat werde ich das aber nicht ändern. Ich bewundere die Engländer, dass sie solchen in meinen Augen Unsinn in ihrer Sprache nicht erdulden müssen, ist mir da jedenfalls noch nicht aufgefallen, sondern sich auf das Wesentliche beschränken können. Ich würde gerne auch in einem anderen Land Asyl beantragen bin mir aber ziemlich sicher dass ich dann dort hochkantig rausgeschmissen werden würde, also lass ich es bleiben. Und ich habe auch nichts gegen Asylanten wenn die Quote stimmt. Überall wird neuerdings darauf geachtet dass sich die Anzahl von Männern und Frauen im Job, in der Regierung und was weiß ich wo noch, im Gleichgewicht befinden, aber bei der Asylpolitik spielt das keine Rolle. Wenig Frauen und noch weniger Kinder kommen an Land. Schauen sie sich die Fotos auf den Schiffen an. Da wundere ich mich jedesmal drüber.

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