Forum: Panorama
Lädierte Streitkultur: Wir schweigen die Demokratie zugrunde
Kay Nietfeld/DPA

Ziehen Sie sich immer häufiger aus Debatten in Ihrer Familie, im Freundeskreis oder im Sportverein zurück? Das ist durchaus nachvollziehbar - aber gefährlich. Zum Glück gibt es einen Ausweg.

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spon-facebook-10000012354 21.07.2019, 17:28
180. Ein kleiner Test zur Streitkultur

Ich frage mich ob der Autor seine Vorschläge schon einmal praktisch ausprobiert hat. Ich habe vor längerer Zeit Studien zusammengestellt, die zwar von Autoren stammen, die sich eher dem "linken Spektrum" zuordnen, aber eher problematische Aspekte der Migration diskutieren. Autoren sind z.B. Prof. Julian Nida-Rümelin und Prof. Ruud Koopmans vom WZB . Die Reaktion ist eigentlich in "linken" und "rechten" Kontexten sehr ähnlich: entweder wird man automatisch der AFD zugeordnet (von linken Kontexten), die Methodik dieser Studien angezweifelt, die Reputation der Personen bestritten oder schlicht ignoriert da bedeutungslos, weil man es ohnehin schon besser zu glauben meint. Eine rationale Diskussion - wenn man dies einmal so nennen will - ensteht weder in "linken" oder "rechten" Kontexten. Offensichtlich besteht nur ein sehr geringes Interesse an Studien die die Komplexität der Positionen beleuchten und keine einfachen Lösungen liefern.

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mostly_harmless 21.07.2019, 17:29
181.

Zitat von hru
Es geht darum mit Leuten zu diskutieren, die Ihre Meinung im Bauch bilden und für Fakten nur schwer zugänglich sind. Die sich z.B. über dunkelhäutige junge Männer aufregen, die untätig auf der Straße herumstehen und den Fakt ignorieren, dass der Staat es ist, der sie nicht arbeiten lässt.
Ach wissen Sie, jeder der schon mit Konservativen diskutiert hat (und das dürfte wohl jeder Erwachsene Mensch in diesem Land sein) kennt die Unterschiede. Es gibt genau EINE Sorte Leute, die diese Unterschiede nicht kennt. Und das sind Leute, die rechtsradikale Positionen vertreten, sich aber für Konservative halten. Üblicherweise also AfD-Anhänger

Das beste Beispiel war mal ein Forist, der (kommt leider zu selten vor) offen zugab, beim Wahlomat neben der AfD noch NPD und "die Rechte" ganz weit vorn zu haben. Hielt sich aber selbst tatsächlich für einen Konservativen. Und ich wette, bei diverse AfD-Anhängern hier im Forum verhält sich das ganz ähnlich.

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5Minute 21.07.2019, 17:30
182. nene

Zitat von Peer Pfeffer
Deshalb mein Aufruf: kommentiert nicht nur hier, bei ZON und in ähnlichen Blättern, wo wir sowieso auf Leute unserer Meinung treffen. Kommentiert auch auf Welt Online u.ä., dort wo wir allein gegen die Masse in der Brandung stehen! Tragt Eure Meinung auch in ungemütliche Gegenden, denn da sind die Leute, die wir überzeugen wollen!
Sie sind auf die gesteuerte Echoblase reingefallen.
Abweichende Meinungen werden auf Spon viel seltener online geschaltet d.h.. wegmoderiert.

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mostly_harmless 21.07.2019, 17:37
183.

Zitat von Tatsache 2011
. Sie sollte zum Ziel haben, nach Wegen zu suchen, die für möglichst alle akzeptabel sind. Dazu gehört im Falle der AfD, dass man deren Wähler und ihre Befindlichkeiten als Teil unserer Gesellschaft akzeptiert - [...]
Ganz gewiss nicht. Dazu gibts ein wunderbares 50 Jahre altes, aber hochaktuelles Essay von Herbert Marcuse. Dieses Essay trifft den Nagel auf den Kopf

https://www.marcuse.org/herbert/pubs/60spubs/65reprtoleranzdt.htm

Kutz zusammenegfasst:
Toleranz gegenüber Intoleranten bahnt den Weg für deren Intoleranz.

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Patrik74 21.07.2019, 17:37
184. @166 Lächerlich

Zitat von
So gibt es bei vielen eine absolute Weigerung mal über den Tellerrand hinaus zu schauen, eine neutrale oder positive Sichtweise zu ergreifen, Gedankenspiele zu wagen, unorthodoxe/unangenehme Argumente zu hören und sich offen mit der Gedankenwelt des Gesprächspartners auseinanderzusetzen. Diese intellektuelle Selbsteinschränkung ist in sofern bedauerlich, dass sie zuweilen dogmatische Züge annimmt und nicht gezögert wird Gesprächspartner die andere Meinungen vertreten, jede Art Menschlichkeit oder Tugend abzusprechen und als "Widersacher oder Gesellschaftsfeinde" via Netz öffentlich an den Pranger zu stellen.
Diejenigen, die so tugendhaft daherkommen (wollen), sind die selben, die andererseits fordern, dass man Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen soll, um einer "Sogwirkung" vorzubeugen (die neuere "humanitäre" Variante: In lybische Folter- und Sklavenlager zurückführen), oder an der Grenze notfalls auf Frauen und Kinder schießen zu lassen.

Das sind keine "Gedankenspiele" und "unorthodoxe/unangenehme Argumente", sondern pervertierte Entgleisungen, die diametral ALLEM entgegenstehen, was eine aufgeklärte (wenn wir schon bei Voltaire sind) demokratische rechtsstaatliche Gesellschaft ausmacht - und in der Tat kann man Leuten, die solches auch nur erwägen, Menschlichkeit und Tugend absprechen. Da gibt es nichts (mehr) zu diskutieren.

Das ganze auch noch als neutral bis positiv zu umschreiben, ist an Zynismus kaum noch zu überbieten.

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lathea 21.07.2019, 17:41
185. Wir schweigen die Demokratie .....

...... nicht zugrunde, sondern moderieren sie weg - insbesondere dann, wenn sich jemand nicht eindeutig einer Gruppe zuordnen lässt und nicht in das selbstgesteckte Schwarz-Weiss-Schema passt.

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Tatsache 2011 21.07.2019, 17:48
186.

absolut richtig! Des Themas sollte sich die Spiegel-Redaktion auch einmal annehmen. Häufig genug werden Beiträge, die sachlich die vielfach gepflegte hysterische Beschuldigungen einzelner Personen, Gruppen oder Firmen in ein korrektes Verhältnis setzen wollen, nicht einmal veröffentlicht. Auch dieser Post würde in bestimmten Foren bei Spon nicht durchkommen - Selbstkritik ist dort unzulässig. Dabei sind sachliche Auseinandersetzungen in vielen Bereichen lange überfällig, sei es bei der Energiegewinnung, der Mobilität oder Umwelt- und Tierschutz (wobei Sachauseinandersetzung nicht bedeutet, alles schlecht zu reden!!!). Wir haben in D sehr viel Sachkompetenz und eigentlich eine lange gut gepflegte Diskussions- und Konsenskultur. Sie muss wieder gestärkt werden - auch der Spiegel sollte da konsequent mitmachen, selbst wenn mancher - mit Fakten unterfütterter - Diskussionsbeitrag der Meinung einzelner Redakteure klar widerspricht!
@Moderation: Gilt der Aufruf, andere Meinungen zuzulassen und auch für Selbstkritik offen zu sein, mal wieder nur für "die anderen"? Wer gehört ihrer Ansicht nach zur Gesellschaft und sollte gehört werden und wer nicht? Aus welchem Grund haben sie offenbar panische Angst, ihrem Weltbild und Selbstverständnis widersprechende Aussagen zuzulassen? Trauen sie ihren Argumenten nicht?

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dw_63 21.07.2019, 17:49
187. Moral

Zitat von dieter-ploetze
nicht nur die tat selbst, am besten noch losgeloest von den taetern, so wie es Maxwill hier vorschlaegt. auch vor gericht spielen die hintergruende eine grosse rolle. wie wuchs der taeter auf,, welche vorbilder hatte er. und das alles soll ploetzlich in diskussionen darueber keine rolle spielen? dann muss man auch gar nicht darueber reden. es reicht, die tat zu betrachten, dass es was verbotenes war, weiss ja jeder. warum gross darueber sprechen? es ist etwas anderes, was die streitkultur zerstoert. seit einiger zeit spielt vermehrt die moralische betrachtungsweise eine grosse rolle. ab da wirds schwierig, moral gegen nuechterne betrachtung. daran hat auch merkel einen anteil, sie hat schliesslich den moralischen imperativ vor logische ueberlegungen gestellt. dass es dann zwei lager mit grundverschiedenen meinungen gibt, ist absehbar. ausserdem hat man zu schweigen sobald die moral ins spiel kommt.
Aus Wikipedia:
"Daneben wird mit der Rede von Moral auch ein Bereich von praktischen Wertvorgaben (Werte, Güter, Pflichten, Rechte), Handlungsprinzipien, oder allgemein anerkannter (gesellschaftlicher) Urteile verbunden."

Also haben wir zwei Anker, das Eine ist das Grundgesetz, das uns vorgibt, wie unsere Gesellschaftliche Ordnung aussieht und welche Werte wir haben. Als weiterer Baustein des GG sind die verschiedenen Gesetzbücher, die unser zusammenleben regeln.

Und dann haben wir die Moral, die sich aus allgemeinen anerkannten gesellschaftlichen Urteilen zusammensetzt, und da ist eben die Grauzone. Unterlassene Hilfeleistung ist ein Straftatbestand laut Gesetz, unterlassene Hilfeleistung bei Bootsflüchtlingen ist moralisch anerkannt, oder doch nicht?

Die Moral bestimmt die Mehrheit, werden Handlungen, die hier bei uns Gesetzeswidrig wären wo anders durchgeführt, dann kann durch Akzeptanz der Mehrheit die Moral durchaus bedeuten, dass der Tod von Flüchtlingen moralisch in Kauf genommen wird. Da kann dann durchaus der Menschenretter für die Gesellschaft unmoralisch sein.

Und da sitzt der Knackpunkt, um "Moral" muss man kämpfen, mit den Flüchtlingen war es nur ein Beispiel um es anschaulich zu machen, es geht Tag täglich darum, was "Moral" in unserer Gesellschaft für alle Lebensbereiche ist.

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cave68 21.07.2019, 17:50
188.

Zitat von 5Minute
Sie sind auf die gesteuerte Echoblase reingefallen. Abweichende Meinungen werden auf Spon viel seltener online geschaltet d.h.. wegmoderiert.
stimmt...anscheinend wurde meine Meinung heute mittag auch nicht zugelassen...so viel zum Thema Streitkultur.
Zum Thema (und diesmal hoffentlich mal wieder veröffentlicht):
Dass man Menschen nicht einfach ertrinken lässt dürfte selbstverständlich sein....und Leute denen dies egal ist bedienen das eine Extreme...dass man aber im Gegenzug alle Flüchtlinge hier aufnimmt und zwar dauerhaft ist eine andere Extreme.
Ich befürchte nur,dass der Autor dies gar nicht erkennt...

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Menschundrecht 21.07.2019, 17:54
189. So wollen wir debattieren*

'Lädierte Streitkultur: Wir schweigen die Demokratie zugrunde.'

Spiegel online macht wieder einmal das, was er am besten kann, eigentlich nämlich zeigt er mit schmutzigem Finger auf die anderen.

Bei der Selektion politisch zuverlässiger Meinungen, die Sie in Wahrnehmung Ihres Hausrechts vornehmen, schweigen Sie kontroverse Argumente und Standpunkte mindestens so sehr zugrunde und zu Tode, wie die Menschen, denen gegenüber Sie den entsprechenden Vorwurf erheben, und das dann auch noch mit dem unter den gegebenen Umständen reichlich anmassend - vermessenen Anspruch, sachlich und mit sogenanntem Mut zur Wahrheit und zur Meinungsvielfalt zu informieren, mit einem Anspruch, dem die Mediendemokratie insgesamt in Wirklichkeit immer weniger gerecht wird.

* Zitat Spon ohne Anführung, weil Beitragstitel

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