Forum: Panorama
Love Parade in Duisburg - fataler Fehler?

Die Entscheidung war umstritten, es gab Zweifel am Konzept, dann kam es zur Katastrophe - war es ein Fehler, die Love Parade auf diesem Gelände in Duisburg abzuhalten?

Seite 129 von 635
gisu 26.07.2010, 00:54
1280. Ganz ehrlich

bei einigen Foristen bekomme ich das kalte Grausen, die mit ihrem Begrenzten Horizont alle Jugendliche als Asoziale Drogenjunkies beschimpfen. Das waren Menschen unter den Opfern, Menschen die Angst hatten, Menschen die ursprünglich fröhlich feiern wollten.

Toleranz ist wohl nicht bei allen Menschen angekommen hier in diesem Land, gerne auf den Hohen Roß sitzen wollen und von oben herab urteilen. Wenn einem die Musik nicht gefällt, gut Geschmack ist immer unterschiedlich mir gefällt auch keine Schinderassa Bumbum Musik aus dem Musikantenstadl.

Das bei der Musik Drogen konsumiert werden, ist kein Geheimnis nur nimmt nicht jeder der die Musik mag gleich Drogen, geht wohl nicht in jedermanns Hirn. Ich hör diese Musikrichtung seit 1986 und das ohne Drogen, weil man stelle sich vor mir gefällt sie, genauso wie mir Metal, Rock, Punk, Klassik gefällt.

Immer diese Sprüche von wegen "die heutige Jugend", die eigene Jugend wohl vergessen? Das Problem der Jugend war schon immer das die Erwachsenen sie mit ihren eigenen Maßstäben gemessen haben. Die Jugend ist nun mal nie so wie sie die älteren gerne hätten, gefällt wohl einigen nicht.

Ich bin 34 Jahre alt, und dieses Moralisten sind mir immer mehr zuwider.

Fakt ist, die Loveparade, wo der Name alleine schon Millionen von Menschen aus aller Welt anlockt, auf dem Gelände abzuhalten war nicht nur gewagt, sondern ein Fataler Fehler.
Fakt ist, das die Stadt Duisburg die Loveparade als Aufhänger für ihre Weltkulturstadt wollte, als Werbung und als Einnahmequelle.
Fakt ist, es gab im Vorfeld schon genügen Warnungen, die nicht berücksichtigt worden sind um das Event nicht noch einmal kippen zu lassen.
Fakt ist, das man gehofft hat das über eine Millionen von Menschen zu Party erscheinen.
Fakt ist, aber auch das das Gelände für viel weniger Menschen zugeschnitten war.

Das es soweit kommt hat sich somit im Vorwege schon angekündigt, war nur eine Frage der Zeit. Menschen zusammengepfercht wie Sardinen, da wird bei vielen die Angst langsam hochgekrochen sein, und bei einigen die "Flucht nach vorn" ausgelöst haben. Es gibt vielerlei Ängste die in solchen Situationen entstehen können, und solche Ängste muss man von bei der Planung einkalkulieren. Wer dazu nicht fähig ist und das Event dennoch startet gehört angeklagt, Fahrlässige Tötung und Fahrlässige Körperverletzung.

Aber ich seh das eh schon kommen, am Ende wird es auf die Teilnehmer geschoben. Eventuell rollen noch einige Köpfe der Polizisten vor Ort die als zusätzliche Sündenbock dienen, und die Obere Etage macht munter weiter. Diese Tendenz ist jetzt schon erkennbar.
Hätte der Oberbürgermeister wenigstens Charakter, würde er seinen Posten räumen und sich der Verantwortung stellen, er ist derjenige der das OK gibt.

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Tigerthegambler 26.07.2010, 01:00
1281. Der eigentliche Skandal... die Polizei vor Ort!

Zitat von Nils74
In einem auf Youtube kursierenden Video sieht man eine Menschenmasse im Tunnel, die von einer Phalanx von Polizisten daran gehindert wird, diesen zu verlassen. ... Die FAZ schreibt zudem von dem am Sicherheitskonzept beteiligten Panikforscher Michael Schreckenberg, dass dieser sein Sicherheitskonzept verteidigt. Wie man einen Tunnel ohne jede Fluchtmöglichkeit als Zwei-Richtungen-Weg für eine Million Menschen auslegen kann, das wird der Herr Proffessor jetzt zu erklären haben. Halb besoffene Raver haben jedenfalls schon 30min vor der Katastrophe gesehen, dass sich der Tunnel zu einer Todesfalle entwickelt und haben versucht, die Polizei zu warnen, die aber scheinbar genervt abgewunken hat.
GANZ GENAU!!! Obige Aussage mit der Polizei kann ich nur bestätigen, genau das habe ich so erlebt. Ich war dort und habe auf mehrfaches Nachfragen bei der Polizei nur Antworten bekommen wie "wollen Sie das organisieren?" bzw. "sprechen sie mit dem Veranstalter" Wie zynisch, die Polizei, dein Freund und Helfer. Die Polizei hatte es in der Hand, diese Katastrophe zu verhindern. Ich hatte z.B. vorgeschlagen, daß sie einfach diese verfluchten Bauzäune aufmachen sollen, damit sich der Tunnel entstauen kann. Keine Reaktion.
Die Planung und Organisation war das erste Versagen, sowas habe ich als Besucher jeder Loveparade seit 2000 noch nicht erlebt (außer in Essen, als man dort auch versuchte, hunderttausende nach der Veranstaltung in der Innenstadt "einzusperren", was zu Randale führte), aber daß die Polizei erst dann versuchte einzugreifen, als es längst zu spät war ist für mich der eigentliche Skandal.

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Tigerthegambler 26.07.2010, 01:01
1282. Der eigentliche Skandal... die Polizei vor Ort! (Teil 2)

Als ich endlich auf dem (halbvollen) Gelände war (gegen 16.30, hatte selbst über 2 Stunden gebraucht) und ich die riesigen Freiflächen (Autobahn A59 und die Wiese über dem Gelände) sah, bin ich echt wütend geworden und hatte die Beamten angesprochen, mit oben genannten Antworten!
Als ich dann von den Toten gehört habe (gegen 20 Uhr), ist mir schlecht geworden... Durch die Dummheit von Befehlsempfängern vor Ort mußten (mal wieder) Menschen völlig unnötig sterben. Von Beamten, die Schadensbegrenzung im Vorfelde betreiben oder "helfen" wollten, keine Spur. Was haben die 1400 Beamten dort eigentlich gemacht? Zum einen Bauzäune bewacht, damit die nicht umgestoßen werden. Klar Objektschutz, gehört zur Ausbildung dazu. Super, das haben die ganz toll hingekriegt! Ein statisches Ereignis. Dazu noch Taschenkontrollen, von erwarteten 1,4 Mio. Leuten. Wußte nicht, daß man zwei Tage Zeit hatte, aufs Gelände zu kommen... Leider fand hier eine dynamische Entwicklung statt und die Sicherheitsleute und Beamten waren wohl intellektuell völlig überfordert damit, oder wollten es einfach ignorieren (was ziemlich menschenverachtend wäre).
Daß die Polizei jetzt behauptet, sie hätte alles richtig gemacht und es hätte nie hier stattfinden und sollte nie bla... no comment
Der "Witz" war ja auch, daß der Durchgang zum Gelände auch nochmal verengt war (wegen Kontrollen oder was sollte das?). Ein Nadelöhr im Nadelöhr, gehts noch?
Alles andere ist hinreichend bekannt, daß Duisburg zu klein war, daß man die Loveparade nicht einzäunen kann und dadurch nur EINEN Zu- und Abgang erschafft. Daß dieser eine Durchgang VIEL zu unzureichend war etc. Daß man hätte die Autobahn nehmen MÜSSEN als zusätzlichen Zugang, die Leute teilweise direkt vom Bahnhof dahin schleusen hätte müssen und den Rest dann außen rum. Und was war mit dieser Wiese durch den kleinen Wald hinter der kleinen Bühne? Warum wurde die nicht genutzt als Weg? (Bin leider kein Duisburger, aber das sah mir verdammt nach "guter direkter und breiter Weg in die Stadt" aus. Man durfte aber nicht da durch.)
Ich wollte nur nochmal den Aspekt mit der Polizei klarstellen, da daß in den Medien bis jetzt noch gar nicht wirklich aufgetaucht ist und viele immer noch von einem nicht verhinderbaren, tragischen Unglück sprechen, was in meinen Augen einfach nicht der Wahrheit entspricht. Daß bei der Pressekonferenz keiner die Eier hat, Verantwortung zu übernehmen rundet das ganze Bild nicht gerade positiv ab. Hoffen wir, daß die Staatsanwaltschaft anhand der tausenden Augenzeugenberichte "die Wahrheit", so es denn eine gibt, herausfindet und die Verantwortlichen dafür bestraft werden (inklusive der Polizei!).
Mein Beileid gilt den Angehörigen der Opfer und ich hoffe, daß die Verletzten schnell genesen (auch wenn einige wohl bleibende Schäden davontragen werden).

Ein trauernder und wütend/enttäuschter Loveparadebesucher 2010 aus Hamburg

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Petra_Pan 26.07.2010, 01:02
1283. Teil 1 von 2

die schuldfrage treibt doch uns alle hier um. wer kann für das geschehene verantwortlich gemacht werden?

- die partykonsumenten
- die organisatoren
- die einsatzkräfte vor ort
- die gesellschaft

letztlich war es ein unfall - eine aneinanderreihung von tragischen ereignissen.

ich denke, dass es richtig ist, dass die voraussetzungen für ein solches unheil hier größer war, als bei vielen veranstaltungen. trotzdem gibt es auch solche fälle, in denen es trotzdem gut geht.

mit sicherheit wollte niemand, dass passiert, was passiert ist. sicher hat es auch niemand eingeplant oder billigend in kauf genommen.

wenn ich nun versuche die zusammenhänge aufzudröseln, denke ich zu allererst an ruhr 2010 - man brauchte aushängeschilder - die loveparade war eines. das auf grund von bedenken die loveparade abgesagt werden kann, hat man ja an bochum gesehen. sicher hatte der veranstalter keine lust, sie nochmal abzusagen. sicher hat die stadt nach den negativen schlagzeilen in bochum und den vorhergegangenen erfolgsmeldungen aus essen und dortmund kein interesse daran, die veranstaltung abzusagen. zudem noch die einbettung in ruhr 2010 - was die entscheider nicht mehr rauskommen ließ. ich kann mir nicht vorstellen, dass es keine gedanken über die absage gab.

wenn also ein überregionales, von der landespolitik unterstütztes projekt wie die ruhr 2010, die veranstalter und die stadt sich hinter ein projekt stellen, ist es nur eine frage, wie und nicht ob es durchgeführt wird.

was für mich unbegreiflich bleibt - wenn feuerwehr und polizei bedenken angemeldet und ein alternatives konzept vorgelegt haben - wieso man dann nicht versucht hat, dass risiko zu verringern? (ich kenne das konzept nicht - aber das ist für mich ein knackpunkt)

sagen wir also - die entscheider kamen gegenseitig nicht mehr wirklich da raus - es hat möglicherweise das prinzip hoffnung regiert. (was verantwortungslos ist - aber viele menschen haben im leben situationen, in denen sie nach diesem prinzip handeln - auch wenn sie dann selten so viel verantwortung zu tragen haben)

durch die entscheidung die veranstaltung wirklich genau so durchzuführen - mit nur einem ein-ausgang wurde die wahrscheinlichkeit für ein unglück also erhöht. es musste also nur einen anstoß geben (feuer, gewalt...), damit eine gruppendynamik - eine massen"psychose" aufkommt, die panik auslöst und die menschen komplett auf überlebenstrieb umschaltet. niemand wollte jemand anderen verletzen oder gar töten. dabei bin ich mir auch sicher, dass der grund in keinem fall die "klientel" der besucher gewesen sein werden. es wäre allen anderen menschen in dieser situation genauso gegangen - ein großer teil der besucher ist ohnehin "touristisch" ambitioniert. die personen hatten ja keine andere fluchtmöglichkeit als auf das gelände, da sie nicht zurückkamen - es waren sicher viele dabei, die einfach nur aus der enge wollten, weil sie panik hatten und sicher nicht weil sie sich schlicht vordrängeln wollten.

und plötzlich kommt es zu der lokalen tragödie. so wie ich es bisher verstanden habe hat die polizei die kleine treppe (die wahrscheinlich besser zuvor gesprengt worden wäre) dafür nutzen wollen, um geschwächte menschen aus der masse herauszuziehen.

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Petra_Pan 26.07.2010, 01:02
1284. Teil 2 von 2

und dann haben viele die treppe als rettung gesehen - dann wird der druck von hinten so riesig, dass man selbst bei klarem kopf ohne panik, nicht mehr über seine bewegungsrichtung entscheiden kann und ob man über menschen drüberläuft. selbst wenn man es realisiert, wird es keine möglichkeit zur hilfe in diesem moment geben. es wird sicher so einige gegeben haben, die nach eine möglichkeit gesucht haben, diese situation zu beenden, ob einsatzkräfte, oder besucher. es wird schlichtweg keine chance gegeben haben. die treppe, die die rettung sein sollte, wurde zum grab. es ist unendlich traurig! die menschen suchten rettung und wurden verletzt oder getötet. wäre sie nicht geöffnet worden - komplett abgesperrt oder vorher gesprengt worden, wäre vielleicht nichts passiert. vielleicht wäre aber woanders passiert.

für mich bleiben noch zwei fragen offen:
- wieso wurde nicht das von den feuerwehrleuten und polizisten erarbeitete konzept umgesetzt
- wieso wurden die notausgänge nicht geöffnet, als klar war, dass die besucher stundenlang warten müssen (man hat ja gesehen, dass es danach ging - auf welchen anlass hat man gewartet?)

wie gesagt - ich möchte keine schuld einzelnen menschen zuschreiben, da:
- weder die besucher andere besucher töten wollten
- noch die veranstalter eine tragödie verursachen wollten
- sicher die einsatzkräfte da waren, um genau das zu verhindern

-> niemand hatte ein interesse an dieser katastrophe

ich denke aus den mir bisher bekannten informationen, dass geld und image-"zwänge?" auf der organisatorenebene eine situation hervorgerufen haben, durch die dann individuelle fehler (die bei jedem unfall immer irgendwo passieren - sonst würde nie etwas passieren) direkt beim einsatz weitreichendste folgen nach sich gezogen haben.

ich hoffe sehr, dass die einsatzkräfte diesen tag einmal verarbeitet haben werden!!! sie haben alles menschenmögliche versucht und vorwürfe kann man menschen in einer solchen extremsituation nicht machen - vor allem denen vor ort!
wie die angehörigen der opfer damit fertig werden sollen, ist mir schwer vorstellbar. aus respekt ihnen gegenüber und den vielen opfern (alle die es direkt oder indirekt miterlebt haben - auch die vielen, die über die toten und verletzten gelaufen sind) hoffe ich sehr, dass ganz genau analysiert wird, was tatsächlich die gründe waren und hoffe sehr, dass die "geld- und image"zwänge"" die aufklärung nicht unmöglich machen!!! vielleicht würde unsere gesellschaft dadurch ein kleines bischen besser - würde jetzt offen und ehrlich aufgeklärt!! ob sich aber die gesellschaft wirklich verändert, dass weiß ich nicht.

die zeitweise kritik an den partykonsumenten, kann ich so auch nicht nachvollziehen. die menschen, die das kritisieren, haben es wahrscheinlich noch nicht erlebt - und werden es auch nie. mit tausenden menschen zusammen etwas gemeinsam erleben. es ist dabei egal, ob man einem unglaublichen beat folgt, ein tor beim publicviewing bejubelt.. ich denke nicht, dass das die gesellschaft unbedingt schlecht macht. wenn es natürlich nur passiven konsum darstellt, dann ist es sicher nicht gut. aber wer weiß das schon, wenn er nicht einmal soetwas miterlebt hat. passive konsumenten, sollten sicher an ihrem charakter arbeiten. menschen, die über die maßen viele vorurteile mit sich herumschleppen auch!!!

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verdun1916 26.07.2010, 01:08
1285. armes Duisburg... :-(

Eine absolut schlimme Katastrophe! Ich saß gestern den ganzen Abend vor dem Fernseher und habe geweint - zum ersten Mal seit vielen Jahren!

Mir tun die Menschen so leid, die auf so tragische Weise aus dem Leben gerissen wurden und auch diejenigen, die schwer verletzt wurden und nun in den Krankenhäusern teilweise noch um ihr Leben ringen! Hoffen wir, ja beten wir, dass sich die Zahl der Opfer nicht noch weiter erhöhen möge!

Ich war heute Abend am Tatort. Nur knapp 4 km von meiner Wohnung entfernt. Überall Meere aus Kerzenlicht, Plüschfiguren und Trauerbekundungen. Die Menschen stehen schweigend vor den Kerzen, dazu zig Fernsehteams und auch der "Todestunnel" ist mittlerweile wieder für Fußgänger frei gegeben. Es war sehr bedrückend dort lang zu laufen, wo Stunden zuvor so viele Unschuldige ihr Leben lassen mussten. Dazu - trotz hunderter Menschen - eine gespenstische Stille. Gruselig und ergreifend zugleich!

Und leid tut es mir auch um meine Heimatstadt, um Duisburg! Diese Stadt, sie ist ohnehin schon gebeutelt durch hohe Arbeitslosigkeit und enorme Verschuldung. Aber Duisburg ist auch eine Stadt der Hoffnung, die sich nicht aufgibt und weitermacht! Wir haben kein Geld, aber wir haben den Glauben an unsere Heimat - an unser Duisburg!

Und wir wollten mit unseren bescheidenen Mitteln dennoch ein guter Gastgeber sein - für die Loveparade und für die Menschen, die mit uns feiern wollten!

Was nun geschehen ist, das hat diese Stadt nicht verdient! Und verdient hat diese Stadt ebenso wenig eine solch dilettantische Verwaltungsspitze, die unserer Stadt ein solches Riesenprojekt aufgebürdet hat, welches die Kapazitäten Duisburgs eindeutig überstieg. Nun saßen die Herrschaften also heute wie ein Häufchen Elend auf der Pressekonferenz im Rathaus und hatten außer heißer Luft und abgedroschener Phrasen nichts zu sagen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Oberbürgermeister, Herr Sauerland, ins Aus schiesst. Nun muss es reichen. Allein die Worte von gestern Abend im Fernsehen, in der er jede Schuld von der Stadtverwaltung abwies und auf die Feierenden schob, weil die nämlich "Absperrungen überklettert und abgestürzt seien", kommt einer peinlichen Farce gleich - vor allen Dingen wen man bedenkt, dass er heute Mittag bei der PK nur darauf verwies, dass man ja erst mal Ermittlungen abwarten müsse. Das hat ihn Stunden vorher auch nicht davon abgehalten, die Schuld von sich und seiner Truppe zu weisen! Weg mit diesem OB! Und seinen Marketing-Chef Gerste und den Sicherheitsdezernenten Rabe kann er gleich mitnehmen! Früher hätte man die geteert und gefedert aus der Stadt gejagt!

Unserer Stadt haben die Herrschaften jedenfalls einen tollen Bären-Dienst erwiesen! Herzlichen Dank! *kotz*

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randhesse 26.07.2010, 01:10
1286. Diddl?

Zitat von Auswahlaxiom
Die Sicherheitsvorkehrungen waren unzureichend, keine Frage. Aber niemand wurde gezwungen, zur Parade zu gehen; meint: In die "Zwangslage" haben sich die Raver selbst gebracht.
Sie "Verkennen" schlicht, daß in einem "Juristenparadies" wie diesem, unseren, Lande, so eine Großveranstaltungs- Geschichte wie die Love- Parade _Genehmigungspflichtig_ ist.

Was wiederum den "Genehmigenden" in die "unbequeme" Lage bringt, _auch das Richtige_ genehmigt zu haben!

Ob man dann "gezwungen oder ungezwungen" auf eine solche _genehmigte_ Veranstaltung latscht, ist im Hinblick auf die "erwartbaren Mindest- Sicherheitsstandards" eher sekundär, es sei denn, man ist mit solchen "Systemversagern" geschlagen, wie im Fall der Duisburger Ordnungsbehörden!

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Opfer 26.07.2010, 01:31
1287.

Zitat von moisdemai
Aha, laut Ihrem Beitrag wurde die Polizei also gezwungen die Bauzäune aufzustellen, zu bewachen um darin die jungen Menschen einzupferchen und hat das auch widerspruchslos gemacht? Wer hat der Polizei denn diesen Befehl gegeben?
Der Polizei ging es wohl primär darum, die Gleisanlagen vor den Massen zu schützen. Ich werde die Idee nicht los, dass die Einpferchung und die Diridierung durch Sicherheitskräfte (insbes. Polizei) wesentliche Ursache für die Panik gewesen sein könnten. Polizisten sind darin geübt, lediglich Befehle zu befolgen. "Hier dürfen Sie nicht durch, Anweisung von oben!"

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campdavid 26.07.2010, 01:47
1289. Mein Beileid den Angehörigen und Freunden der Opfer.

Ich möchte hier mal kurz was anmerken bezüglich Pietät und Anstand. Das eigentliche Geschehen kann ich noch nicht kommentieren da mir dafür derzeit zuviele Spekulationen durcheinander laufen in den Medien. Nur soviel, dass ich tief betroffen bin als jmd der selbst der "Techno-Szene" aktiv angehört.

Zugleich bin ich jedoch auch verärgert über manche Leute in diesem Forum, die Teile unserer Gesellschaft und die Intoleranz gegenüber meiner Musikrichtung sehr gut widerspiegeln.

Wie verbohrt, verbittert, egozentrisch und intolerant muss man sein um selbst im direkten Nachhall einer solchen Tragödie nur eine weitere Chance zu sehen etwas das man selbst nicht mag, bzw. eher nicht versteht/verstehen will, öffentlich zu diskreditieren?

Ich werde hier Niemandem den Gefallen tun überhaupt eine Diskussion in dieser Richtung vom Zaun zu brechen, da solche kreisrunden Diskussionen sowieso nur dem Zweck dienen seine eigenen Ansichten in rhetorischer Masturbation über die Menschheit zu ergiessen. Ein Umdenken kam dadurch meiner Meinung nach noch nie zum Stande.

Aber Fakt ist, und das wird ihnen jede größere Polizeidienststelle bestätigen: Auf Technoveranstaltungen war es seit jeher so dass nahezu IMMER deutlich weniger Verletzte, Ausschreitungen, Zwischenfälle oder andere Probleme zu verzeichnen waren als bei vergleichbaren Nicht-Technoveranstaltungen. Technoveranstaltungen sind in der Regel immer friedlich abgelaufen, und wie bereits einige hier erwähnt haben gab es solche Paniken bereits bei Fussballspielen, anderen Konzerten, ja einfach allen erdenklichen Großveranstaltungen. Und das mit zum Teil wesentlich mehr Toten bei weniger Teilnehmern. Ich möchte es damit nicht schön reden, es ist eine furchtbare Tragödie. Aber wenn man mit diesem althergebrachten Drogenschwachsinn und der furchtbaren Musik ankommt muss man das Ganze eben zwangsweise mal mit anderen Events mit anderer Musik und anderen Betäubungsmitteln, hauptsächlich Alkohol, in Relation setzen um den Leuten ihre Ignoranz vor Augen zu führen.

Ich frage mich einfach wie wenig man von einer Gesellschaft mit der Möglichkeit zur freien Entfaltung halten muss wenn man, erst recht in einer solchen Situation, die dringend notwendige sachliche Diskussion sowie die Anteilnahme für die Opfer dem eigenen Zorn hintenan stellt.

Für solch ein Verhalten habe ich nur Verachtung übrig und ich schäme mich im selben Forum angemeldet zu sein, gar im selben Land zu leben.

Solche Tragödien zu nutzen um in irgend einer Form die kulturelle Freiheit einschränken zu wollen, sei es nur auf verbalem Wege, ist ein Verhalten dass mir nur aus Geschichtsbüchern bekannt ist die sich mit den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts befassen. Oho, großer Aufschrei, aber ernsthaft: Die einzigen Staatsformen die sich erdreisteten zu urteilen was Musik ist und was nicht waren oder sind Diktaturen, meist fachistischer Natur. Und wenn sich die fachistischen Methoden der Kulturbeschneidung durchgesetzt hätten würden Sie heute sicher auch nicht ihre Lieblingsmusik hören, aber so weit mag man ja gar nicht erst denken, denn sooooo hats mans ja dann doch nicht gemeint.

Einfach nur ekelhaft. Hoffen wir dass das ganze schnell aufgeklärt wird und Leute dafür Verantwortung in strafrechtlicher, moralischer und finanzieller Form übernehmen. Alles andere ist jetzt völlig unwichtig und deplaziert.
mfg,
Ein Techno-Anhänger

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