Forum: Panorama
Love Parade in Duisburg - fataler Fehler?

Die Entscheidung war umstritten, es gab Zweifel am Konzept, dann kam es zur Katastrophe - war es ein Fehler, die Love Parade auf diesem Gelände in Duisburg abzuhalten?

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Ökopit 26.07.2010, 20:02
2050. Also, auch wenn ich kein "Duisburger" bin ...

... sondern nur dort arbeite!


Die Bezeichnung "mittlere Großstadt" in einem Ihrer bereichte finde ich schon eine Frechheit!

Wir reden hier (habe mich gerade auf Wikipedia vergewissert) immerhin über die 15. größte Stadt Deutschland's, da Duisburg gleichzeitig "fünftgrößte" Stadt in NRW ist, kann es außerhalb "unseres Bundeslandes" (in dem alles etwas größer ist - außer der Fläche, da sind uns Bayern, B-W und Niedersachsen voraus) doch wohl rechnerisch nur noch 10 größere Metropolen geben, oder mit anderen Worten einige Landeshauptstädte sind "deutlich mehr Provinz" als die "Stadt Montan" und der größte Binnenhafen der Welt!

Schade nur, dass der "Versuch", das Image dieser ehemaligen Industriestadt durch die "Love-Parade" aufzupolieren, in so einer Katastrophe endete!

Duisburg hatte in der Vergangenheit viel zu erleiden

- Krupp Rheinhausen 1989
- der "6-fach-Mafiamord 2007"
- Bandidos versus Hell's Angels (Mordprozess läuft noch)
- Schließung der Zeche Walsum 2009

und und und, natürlich nur so als Beispiel!

Duisburg (Innenhafen, City-Palais, Forum usw.) ist trotzdem ein empfehlenswertes Ausflugsziel!

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mgaul 26.07.2010, 20:04
2051. Fragen zum Ablauf

Ich habe mir gerade die Rekonstruktionsvideos des Unglücks auf SpOn angesehen, ebenso wie einige Handy-Videos auf YouTube, und habe zwei Fragen.

Zum einen sehe ich auf den Videos jemanden in schwarzer Uniform - Polizist? -, Helm in der Hand, auf der Treppe stehen. Er winkt andere Besucher hoch auf die Treppe.

Zum anderen erwecken einige der Besucher in den Interviews den Eindruck, als hätten sie gedacht, über diese Treppe gehen zu müssen - "Es gab nur diese eine schmale Treppe".

Mein erster Eindruck nach dem Anschauen der Videos war, dass irgendwann eine grössere Masse von Menschen diese Treppe als einzigen Ausweg aus einer bedrohlich werdenden Enge gesehen hat. Möglicherweise einschliesslich der Polizisten, die, nachdem die Besucher dann schon mal auf der Treppe waren, diese auch nicht mehr zurück in ein lebensbedrohliches Gedränge schicken konnten. Also schickt man die Leute weiter die Treppe herauf. Was für die wartenden Massen in Sichtweite der Treppe ein Signal ist, dass es dort weitergeht, also setzt man sich dorthin in Bewegung und verstärkt damit leider sogar den Druck.

Ich hab aber beileibe nicht alle Infos zu dem Vorfall gelesen und kann da auch völlig falsch liegen, insbesondere bin ich bei der zeitlichen einordnung der Abläufe unsicher. Deswegen möchte ich die Foristen, die einen besseren Überblick haben, gerne fragen, ob mein Eindruck sich mit den vorliegenden Fakten deckt oder nicht.

Es wäre übrigens nett, wenn die Antwort ohne die hier bereits wild umherfliegenden Schuldzuweisungen auskäme. Wer sich trotz der lückenhaften und teils widersprüchlichen Informationen jetzt schon _sicher_ ist, wer die Schuld an dem Unglück trägt, macht es m.E. nicht viel besser als die bayerische Ministerin, die vor ein paar Tagen sofort Killerspiele als Verursacher der Vergewaltigungen in Ameland ausgemacht hatte. Die gute Frau hat da schlicht angesichts furchtbarer Vorgänge auf den nächstbesten Sündenbock gezeigt, der ihr eh schon ein Dorn im Auge war. Und wenn ich mir ansehe, wie bereitwillig der ein oder andere Kommentar davon ausgeht, dass "vollgedröhnte Halbstarke" oder "prügelnde Polizisten" für die Toten in Duisburg verantwortlich seien, dann kommt mir diese Vorgehensweise doch sehr ähnlich vor. Den Opfern wird sie allerdings in keiner Weise gerecht.

Ich selbst weiss jedenfalls nicht genug über die Vorfälle, um jetzt schon Schuldige ausmachen zu können. Ich habe einfach Fragen, die mich beschäftigen, und ich würde gerne verstehen, was da im einzelnen passiert ist. Danke an jeden, der sich die Mühe macht, dieses Posting aus der Menge zu fischen, zu lesen und zu antworten.

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kimm100 26.07.2010, 20:05
2052.

Zitat von bauern-cop
Gern wiederhole ich meine Frage, auch ganz konkret an Sie: Was glauben Sie wohl, wieviel sich zugedopte, vollgealkte, partygeile junge Menschen von unseren NRW-Deeskalations-Polizisten, von denen vergleichsweise nur eine Handvoll aufgeboten werden kann, sagen lassen, wenn sie nur noch ein 120m-Tunnel von der ersehnten Party-Meile trennt? Die Behauptung, bei den LP-Besuchern handele es sich ausschließlich um friedliebende, dem Alk & Drogenmissbrauch abgewandte junge Leute, die nur ein wenig feiern wollen, ist längst als frommes Märchen widerlegt! Glauben Sie nicht? Fragen Sie mal bei der Duisburger Feuerwehr nach, wie oft die Kräfte der Feuerwehr und Hilfsdienste konkret von diesen "überhaupt nicht" zugedröhnten oder besoffenen friedliebenden LP-Ravern angegriffen wurden - und zwar lange dem Unglück!
Wissen Sie was ich glaube, sie haben irgendwie ein Problem, bauern-schlau. Aber ich glaube nach allem was ich bereits von ihnen gelesen habe, sie bekommen das nicht in den Griff. Schade. Selbst bekiffte, besoffene und sonstwie zugedröhnte Menschen haben ein Recht darauf, dass Veranstalter ihrer Sorgfaltspflicht gerecht werden.

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peter-falk 26.07.2010, 20:05
2053. So Taurig wie es ist,...............

Es gibt jede Sekunde TOTE auf unseren tollen Welt, Wir sollten alle Menschen beklagen und nicht nur Schuldige suchen.
Wer ohne Suende ist werfe den ersten Stein..........


Man sollte lieber mal ein wirkliches Zeichen setzen und unseren Herrn Politkern und Politerrinnen, mal zeigen das wir ein Volk sind. Und damit meine ich die gesamte Menscheit.

Am 31.07.2010 gehe ich um mitternacht vor meine Haustuer und zuende eine Kerze an, und Gedenke allen Toten, wer ist denn von Euch dabei?

LG

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Toerpe Schweiz 26.07.2010, 20:05
2054.

Zitat von onecomment
Die Fragen die auch dieses Video nicht beantwortet sind, ob die Menschen zur Treppe gestürmt sind weil es tatsächlich Panik aus Platzgründen in diesem Bereich gab, sind die Menschen deshalb vor der Treppe erdrückt worden,oder hat die Masse probiert die Treppe zu erreichen weil Sie auf diesen Weg auf das Gelände wollten weil der reguläre Weg abgesperrt war.
In beiden Fällen wäre die Sperrung des Zugangs mindestens eine Ursache des Desasters ...

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matthias schwalbe 26.07.2010, 20:05
2055. ...

Zitat von Arthi
Vielleicht einer dieser Duisburger "Verwaltungs-und Planungsamateure", die durch Unfähigkeit mitverantwortlich sind für die Toten und Verletzten, schließlich kann er ja aus internen Quellen zitieren: Da wird jetzt natürlich hier auch versucht zu vertuschen und abzuwiegeln. Sind natürlich nur Vermutungen meinerseits. ;)
Sie und auch dieser feine Herr Bernhard Fischer gehen von Theorien aus, welche-wenn auch Vermutungen- trotzdem unseriös sind !

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eishockeyoma 26.07.2010, 20:06
2056. also bei dem ganzen gerede hier

dürfte es in keiner kleineren oder gr´ßeren Stadt Deutschlands noch schützenfeste mit umzug geben!

Denn auch dort sind überduchschnittlich viele Betrunkene dabei.....was für eine Logik



Zitat von puter70
Das ist eine vernünftige, vorbildliche Einstellung, mit der man zweifellos bessere Chancen hat, im Chaos der Massenpanik zu überleben. Jeder einigermaßen intelligente Mensch kann sich ausrechnen, was bei diesen verrückten Massenspektakeln mit tausenden bekiffter, betrunkener Leute passieren kann. Warum verantwortliche Stadtoberhäupter diese unsinnigen, umweltschädlichen Veranstaltungen zulassen, ist mir ein Rätsel. An der Schuld der für Planung und Durchführung des Duisburger Desasters Verantwortlichen gibt es nach den bisher bekannten Fakten wohl keinen Zweifel. Dass es keine weiteren Love-Parades mehr gibt, wird sicher durch die meisten Mitbürger begrüßt.

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Cabin106 26.07.2010, 20:07
2057. Kalkül

Die häufig gestellte Frage, warum man die Menschen durch den entfernten Karl-Lehr-Tunnel zum Veranstaltungsgelände geführt hat und nicht etwa direkt über den Zugang am Mercatorverteiler, neben dem BIFUNDA-Haus, bzw. über die Koloniestraße-Brücke am Bahnhof oder über die ohnehin gesperrte A59, die am Güterbahnhofsgelände fast niveaugleich verläuft und nicht, wie vom Polizeivizepräsidenten behauptet, in einer Tieflage, ist für den ortskundigen Anwohner einfach zu beantworten.
Den Verantwortlichen war von Anfang an bewusst, dass das Güterbahnhofsgelände für die zu erwartenden Besucher zu klein sein würde. Man hat daher, in der Hoffnung die Menschenmassen zu entzerren, den relativ langen Anmarschweg von ca. 2-3Km Länge zum Karl-Lehr-Tunnel gewählt.
Hätte man dies nicht gemacht, wäre das Gelände zu schnell befüllt worden und die vom nahen Hbf nachdrängenden Besucher hätten in kurzer Zeit den gesamten Bereich zwischen Hbf und altem Güterbahnhof verstopft.
So aber hoffte man, dass genügend Zeit bleiben würde, die Massen gesteuert und entzerrt auf das Gelände und von dort weg führen zu können, verbunden mit dem Risiko der Tunneldurchführung. Hier glaubte man, nicht zuletzt gestützt auf das Schreckenbergsche Gutachten, durch temporäre Sperrungen, die Lage im Tunnel und auf der Rampe im Griff behalten zu können. Leider gab es ausgerechnet an diesem Punkt schwerwiegende Koordinierungsstörungen.
Die Verantwortlichen wollten das Event und sind daher volles Risiko gefahren. Die Planer sind nicht naiv vom Ansturm der Besucher überrascht worden. Man wußte, dass ca. 1.000.000 Menschen kommen würden und man dachte, dass durch die erwähnten Lenkungsmaßnahmen und das relativ unwegsame Veranstaltungsgelände, die Verweildauer des einzelnen Besucher auf dem Gelände zu minimieren gewesen wäre. Langer Anmarschweg, entsprechende Ermüdung, holpriges Terrain, verringerte Verweildauer, langer Rückmarsch, so das Kalkül. Wie sich gezeigt hat, war dies ein Trugschluss.

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bauern-cop 26.07.2010, 20:07
2058.

Zitat von Kning
@bauern-cop Sie verweigern sich allen öffentlich zugänglichen Beweisen. Auf keinem der Videos wirken die Menschen vor der Treppe betrunken oder zugedröhnt. Im gegenteil sind die Gesichter dieser Kids voller Angst. Es ist ein Hohn, wie sie die Opfer hier verunglimpfen um ihren Berufsstand zu retten.
Ich verweigere mich nicht "allen öffentlich zugänglichen Beweisen", sondern sehe sie mir genau an, stelle die (richtige) Chronologie her und bewerte sie nicht so emotional, sondern rational.

Und es gibt keinerlei Anlaß, "meinen Berufsstand retten" zu müssen - allenfalls, ihn gegen ungerechtfertigte Anwürfe zu verteidigen.

Zitat von Kning
Hier wieder ein Video. in HD Qualität. Setzen sie sich doch damit einmal auseinander.
Von "Panik" oder "tödlichem Gedränge" ist in dem Video nix zu sehen. Wohl aber davon, dass Leute einen Container und den Zaun erklimmen, um auf dem Wege schneller aufs Gelände zu kommen.

Zitat von Kning
Im Übrigen ist ihr Hinweis auf die ordnungsbehördliche Zuständigkeit völliger Quatsch. In dem Moment, a gab es ausschließlich eine polizeiliche Zuständigkeit.
Hat niemand bestritten.
Die Ordnungsbehörde wäre aber im Rahmen Ihrer Aufgabenerfüllung "Gefahrenabwehr" originär zuständig gewesen, durch entsprechende Planung/Genehmigung/Auflagen etc. diese Situation bereits im Vorfeld zu verhüten.

Setzen sie sich doch damit einmal auseinander.

Zitat von Kning
Hören Sie auf, Kritiker des Einsatzes als dumme, kleine Idioten und die Opfer als Drogensüchtige darzustellen. das ist widerlich.
Ich bin ebenso Kritiker dieser Veranstaltung. Meine Kritik richtet sich aber primär an die, die es "verbockt" haben. Und das ist nicht "die Polizei", auch wenn es im Chaos vor Ort zu teilweise nicht (mehr) zielführendem Agieren einzelner PolizistInnen gekommen sein sollte, was ich nicht ausschliesse.

Auch stelle ich keinesfalls "die Opfer als Drogensüchtige" dar. Aber auch Sie müssen sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass Alkohol und Drogen eine gewichtige Rolle im Gesamtgeschehen gespielt haben könnte. Und dafür gibt es reichlich Hinweise.

Zitat von Kning
Im Übrigen gab es bei der LP lediglich 15 Festnahmen ! Bei 1 Million Zuschauer. Da haben sie in der Düsseldorfer Altstadt jeden Samstag die dreifache Menge
Dann nennen Sie doch bitte nicht nur die Zahl der Festnahmen, sondern auch die Zahl der Ingewahrsamnahmen und sagen mir dann, ob es auch dabei "in der Düsseldorfer Altstadt jeden Samstag die dreifache Menge" gibt.

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zynik 26.07.2010, 20:08
2059.

Zitat von Julian Bachert
Sie werfen dem von Ihnen zitierten Poster Autoritätshörigkeit vor, legen aber im nächsten Absatz dann ganz großen Wert darauf, dass diese Autorität sich um die "Jugendlichen"(wieso nur Jugendliche?) kümmert. Irgendwie verquer. Ich gebe Ihnen Recht, wenn es darum geht, dass keiner dieser Menschen den Tod verdient hat oder gar selbst Schuld daran war. Dennoch: Legt man mit der Teilnahme an einem solchen Event seine eigene soziale Verantwortung ab? Ich war selbst schon auf diversen Festivals und halte solches Gedrängel für asozial. von daher ist es aber dennoch korrekt, dass die Behörden mit diesem asozialen Verhalten hätten rechnen müssen. Das ist zwar traurig, aber eine Tatsache.
Autoritätshörigkeit bezog sich darauf, den Veranstalter und die Stadt Duisburg sowie die beiteiligenten Einsatzkräfte zu verteidigen, indem man die "Schuld" den Jugendlichen zuschiebt. "Die waren auf Drogen." ist für mich ein ähnliches Argument, wie "Killerspiele" als Ursache von Amokläufen auszumachen. Hauptsache man muss den Status Quo nicht in Frage stellen.

Wenn man allerdings in dem Zusammenhang von Heranwachsenden redet, sollte man vielleicht auch bedenken, dass dort nicht immer die geistige Reife eines älteren Erwachsenen vorrausgesetzt werden darf. Es ist das Privileg der Jugend auch mal aus dem Alltagstrott auszubrechen und im Rahmen über die Stränge zu schlagen, ohne anderen dabei zu schaden.
Dieser Raum für junge Menschen wird immer enger. Die eingezäunte "Drogenjugend" in Duisburg ist dafür ein Sinnbild.

Ich war übrigens auch auf diversen Festivals und habe mich stets aus größeren Menschenmengen rausgehalten. Allerdings habe ich den Veranstaltern insoweit vertraut, dass ich nicht um mein Leben fürchten muss.

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