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Love-Parade-Katastrophe: Jemand ist schuld

Ein warmer Juli-Abend, SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Jörg Diehl ist auf dem Weg nach Hause, da hört er: Bei der Love Parade ist es zu einer Katastrophe gekommen. Er hält, zückt sein Telefon und beginnt zu fragen. Was ist passiert? Wer ist schuld? Warum konnte das geschehen?

quader 26.12.2010, 15:01
1. Aus dem Geschehen lernen

Zitat von sysop
Ein warmer Juli-Abend, SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Jörg Diehl ist auf dem Weg nach Hause, da hört er: Bei der Love Parade ist es zu einer Katastrophe gekommen. Er hält, zückt sein Telefon und beginnt zu fragen. Was ist passiert? Wer ist schuld? Warum konnte das geschehen?
Leider hat anscheinend noch immer niemand diese Katastrophe aufgearbeitet.
Alles wartet, dass Gras über das Ganze wächst.

Dabei ist klar, dass die Polizeiführung die Hauptschuld trägt.

Es hätte niemals die Polizeikette kurz hinter den Eingangsschleusen geben dürfen.
So eine Sperre muss VOR den Eingangsschleusen gemacht werden.

Diese Kette ist kurz danach NATÜRLICH gebrochen und hat den Stau ermöglicht,
der zu den Toten führte.

Wenn man erst einmal eine Menge Menschen durch die Schleusen durchlässt, um sie
dann auf ewig im Tunnel vor einer Sperre aufzuhalten, diesen Fehler sollte man erkennen,
um für später daraus zu lernen.

Aber da alle Beteiligten nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben, wird man
keinen Schuldigen bestrafen können. Die Polizei ist eben die letzte Instanz, wenn
alles andere nicht hilft, da kann man nicht mehr erwarten, dass niemals Fehler geschehen.
Man kann aber für die Zukunft Erkenntnisse gewinnen.
Wenn die Schleusen gesperrt worden wären, wäre diese Katastrophe nicht geschehen.

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GyrosPita 26.12.2010, 19:24
2.

Zitat von quader
Leider hat anscheinend noch immer niemand diese Katastrophe aufgearbeitet. Alles wartet, dass Gras über das Ganze wächst. Dabei ist klar, dass die Polizeiführung die Hauptschuld trägt.
Warum ist das klar?

Weil Sie das gerne hätten?

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quader 28.12.2010, 14:49
3. Jemand ist Schuld

Zitat von GyrosPita
Warum ist das klar? Weil Sie das gerne hätten?
Nein, ich habe nichts gegen die Polizei, sie ist unendlich wichtig für das Funktionieren einer Gesellschaft.
Sie ist die letzte Instanz die hier noch versucht hat zu helfen, als alle anderen Beteiligten schon versagt hatten.
Und sie hat sicher mit den besten Absichten agiert, aber trotzdem ist es offensichtlich, dass diese Katastrophe nicht passiert wäre, hätte die Polizei die Zugänge VOR den Schleusen gesperrt.
Es war einfach überheblich, anzunehmen, dass eine Kette hinter den Schleusen halten würde. Es war den Besuchern gegenüber auch nicht fair, diese in der Tunnelfalle aufstauen zu wollen, bis sich die Lage entspannt, da ja niemand mehr vom Gelände wegkam, konnte sich auch nichts entspannen.
Ich bin auch nicht dafür einzelne Personen an irgendeine Art von Pranger zu stellen. Ich fände es angebracht, wenn eine Prüfungskommision erkennen würde, dass man besser hätte handeln können. Es wird sicher nicht das letzte Fest gewesen sein, das durch Polizei zu schützen ist.
Das ganze ist ein Lehrstück für die Ausbildung von Planungskräften.

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jüttemann 28.12.2010, 15:36
4. Indiz

Zitat von GyrosPita
Warum ist das klar? Weil Sie das gerne hätten?
Wer die Ereignisse verfolgt hat, macht sich schon seine Gedanken, warum der Abschlussbericht der Essener Polizei zum Unglück bei der Loveparade vorerst unter Verschluss bleibt und selbst dem Landtagsausschuss vorenthalten wird.
Alle anderen Beteiligten hatten offenbar nichts zu verbergen.

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Loewe_78 28.12.2010, 23:39
5. Nichts genaues weiß man nicht...

Zitat von quader
[...]aber trotzdem ist es offensichtlich, dass diese Katastrophe nicht passiert wäre, hätte die Polizei die Zugänge VOR den Schleusen gesperrt. [...]
Das Absperren VOR der Schleuse sollten die Ordner des Veranstalters übernehmen: Diese wurden von den Menschen überrannt, da schon VOR der Schleuse zu viele Menschen waren, für die es bedrohlich eng wurde.
Fazit: Hätte die Polizei nicht so gehandelt wie sie gehandelt hat, wäre das vorliegende Unglück nicht geschehen, dafür eventuell ein anderes - vielleicht ein schlimmeres.
Nichts genaues wissen wir nicht: Den "Wenn-der-Hund-net-gschissa-hätt"-Alternativversionenknopf gibt es leider nur für das Ende von Filmen. Im echten Leben ist das ein bisschen anders.

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jüttemann 29.12.2010, 14:12
6. Fragen

Zitat von Loewe_78
Das Absperren VOR der Schleuse sollten die Ordner des Veranstalters übernehmen: Diese wurden von den Menschen überrannt, da schon VOR der Schleuse zu viele Menschen waren, für die es bedrohlich eng wurde. Fazit: Hätte die Polizei nicht so....
Es gibt da tatsächlich eine Menge offener Fragen.
Warum die Polizei beispielsweise entgegen der Sicherheitsauflagen von Stadt und Feuerwehr die Rampe durch parkende Einsatzwagen noch zusätzlich verengte?
Oder warum der Verbindungsbeamte der Polizei zum Veranstalter nicht einmal ein Funkgerät oder anderse Nachrichtenmittel zur Verfügung hatte?
Warum sichteten Duisburger Polizeiverantwortliche, gegen die immerhin Tatverdacht besteht, illegal Videos des Veranstalters, die dieser der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellte?
Warum behaupteten sichtlich genervte Ordner an den Sperren schon Stunden vor der Katastrophe vor laufenden Fernsehkameras, das sich die Polizei angeblich einen Dreck um die vereinbarten Kompetenzen schert und längst eigenmächtig das Kommando an den Sperren übernommen hat?
Warum hielt sich die Polizei nicht an das Sicherheitskonzept und öffnete bei zu großem Andrang vor den Schleusen nicht die dafür vorgesehenen Seitenstraßen, sondern die Schleusen selbst?
Was ist mit dem Einsatzleiter, der kurz vor der Krise angeblich abberufen wurde, weil seine Frau im Krankenhaus ein Kind erwartete? Alles zunächst von Polizeisprechern eingeräumt und dann später als Unsinn abgestritten.
Und überhaupt: Was wurde eigentlich aus der schnellen und Lückenlosen Aufklarung, die Innenminister Jäger sofort nach der Katastrophe versprach? Verbunden mit der Beteuerung, alle anderen seien schuld, aber nicht die Polizei.

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photomann11 30.12.2010, 22:56
7. Kein Vergessen

Zitat von sysop
Ein warmer Juli-Abend, SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Jörg Diehl ist auf dem Weg nach Hause, da hört er: Bei der Love Parade ist es zu einer Katastrophe gekommen. Er hält, zückt sein Telefon und beginnt zu fragen. Was ist passiert? Wer ist schuld? Warum konnte das geschehen?
Das Unglück ist nicht vergessen und wird in der Presse im Ruhrgebiet weiter kontrovers diskutiert.
Die Staatsanw. ermittelt weiter.
Die polt. Verantwortlichen ducken sich allerings weiter weg.
Der Oberberbürgermeister meldet sich nicht mehr zum Thema.

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