Forum: Panorama
Menschen in Seenot: Gefährliche Schieflage
Frank Einar Vatne/ NTB Scanpix/ REUTERS

Ein Schiff voller Touristen havariert, Helfer eilen in Hubschraubern herbei. Ein Schiff voller Migranten havariert, Helfer werden am Helfen gehindert. Darf man das miteinander vergleichen? Man muss.

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velbart 26.03.2019, 01:26
250. Im

ersten Gall ist es eine Havarie, die die Rettung auslöst. Im zweiten Fall ist eine Havarie eher selten. Die Treffpunkte rund 4 km vor der lybischen Küste sind vor in See stechen der Schlauchboote vereinbart. Mithin ist der Vergleich eine Herabwürdigung der Retter, die ihr Leven riskieren.

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pterodactylus 26.03.2019, 01:27
251. Also der Vergleich hinkt doch gewaltig

Es ist eben dich ein riesiger Unterschied, wenn Menschen fast schon absichtlich in Seenot gebracht werden, damit diese abgeholt werden und über das Meer transportiert, oder ob ein Schiff im Sturm fast kentert und die Reisenden wenige Kilometer weiter an die nächste Landestelle gebracht werden. Im ersten Fall spekulieren die "Opfer" schon darauf, "gerettet" zu werden, im zweiten jedoch wollen die Opfer gar nicht mal entfernt mit dem Gedanken spielen müssen, dass da was passieren kann.

Rettung ja, erweiterter Transport nein. Damit bin ich einverstanden.

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LinsLiss 26.03.2019, 01:28
252. Nicht ganz einfach

@tokruse: Bei Migranten, vor allem aus dem nordafrikanischen Raum, davon zu sprechen, dass diese sich "vorsätzlich in Seenot" brächten, ist an Zynismus kaum zu überbieten. Erstens sind die Fluchtursachen meist Armut (an der wir Europäer durch unseren Konsum mehr oder weniger mittelbar beteiligt sind) oder Verfolgung im Heimatland aus welchen Gründen auch immer, da einen Vorsatz zu unterstellen ist einfach falsch. Und auch in Seenot bringen werden sich freiwillig mit Sicherheit wenige der Migranten, zumal ein Gutteil oftmals nicht schwimmen kann. Überladene Bote, extreme Verzweiflung und menschenverachtende Schlepper sind dagegen recht einleuchtende Ursachen für Seenot.

Aber fahren wir Europäer mal weiter auf unsere Kreuzfahrten, belasten das Klima dadurch immens und schimpfen auf die bösen Migranten, die es wagen, in unsere schöne heile Welt einzudringen.
Und am besten starten wir noch heute ein Crowdfunding, um die armen Senioren von der "Viking Sky" für ihre Angst zu entschädigen.

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zausi 26.03.2019, 02:02
253. Ist schon ein Unterschied...

ob ich meinen Arsch auf ein Schiff Pflanze, mit Ende Heimat oder auf eine herrunter gekommene Nussschale um mich anschließend absichtlich in Seenot zu begeben weil ich Gesetzt ausnutzen will...

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Schusters-Bernd 26.03.2019, 04:45
254. @bstaendig Eintrag 212

"...Und nehmen dann gleich alle zu sich mit nach Hause. Und wenn Sie dann die Bude brechend voll haben, melden Sie sich bitte. Dann können wir vielleicht ohne ideologische Einfärbung über die Sachlage diskutieren, z.B. über Begriffe wie "Obergrenze", "machbar" usw..."

Hahaha da merkt man wieder wie wenig Wissen ihrer Meinung zu Grunde liegt...
Wenn Sie die Zahlen von 2018 (https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/zahlen-fakten/zahlen-mittelmeer-2018/) der Menschen, welche über das Mittelmeer gekommen sind, als Grundlage nehmen. Diese sehr sehr sehr sehr aufrunden und diese die nächsten reichlich 20 Jahre relativ konstant bleiben sollten, dann müsste in diesen 20 Jahren von 100 EU Bürgern ein einziger einen Geflüchteten aufnehmen...
Selbst bei krassen Schwankungen mit absoluten Rekordzahlen wie 2015 verändern das Ergebnis bei der sehr großzügigen Rechnung in Ihrem Sinne nicht!

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fördeanwohner 26.03.2019, 06:28
255. -

Zitat von heissSPOrN
So ein Blödsinn, es ist genau andersrum: Die Migranten fliehen vor Zuständen, in denen Sie keine Woche aushalten würden, und nehmen dafür den einzig möglichen Weg - übers Meer. Die Touristen hingegen bringhen sich zum Vergnügen in Gefahr (wie Bergsteiger auch, denn auf dem Meer ist der Mensch nunmal nicht zu Hause!) und hätten auch in einem Strandbad Erholung suchen können. ...
Mit Verlaub, aber das ist schon differenzierter zu betrachten bzw. an den Haaren herbei gezogen.

Die Antwort darauf, dass über Kreuzfahrtschiffzwischenfälle so intensiv bei uns berichtet wird, liegt doch wohl eher daran, dass sich die allermeisten Menschen sich vorstellen können, selbst im Urlaub in eine solche oder ähnliche Situation zu geraten. Es gilt die alte Regel, dass man sich direkt von einer Nachricht angesprochen fühlen muss.
Man kann es zwar fies, unmenschlich usw. sehen, dass man über Flüchtlingen in Seenot weniger berichtet, Tatsache ist aber, dass Nachrichten nach Relevanz für den Empfänger ausgerichtet sind. Eigentlich sollte der Autor des Artikels das auch wissen. Aber der Aufreger ist natürlich auch eine Beleg dafür ...

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huz6789 26.03.2019, 08:01
256. Seenot als Vorsatz zu unterstellen ist moralisch verkommen

Interssant aber auch unfassbar, wie viele Kommentatoren - so bald SPON mal wieder das Forum zum Thema aufmacht - Rassismus und Egoismus wohlfeil argumentierend waschen und waschen bis das selbstgerechte Weltbild wieder glänzt. Es gibt keine einfache Lösung. Aber man muss auf den Leuten nicht auch noch rumtrampeln. Seenot als Vorsatz zu unterstellen ist moralisch verkommen.

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night-mare 26.03.2019, 08:03
257. @Fuxx81 Die Theorie

Auch die "Rettung" der "Schiffbrüchigen" im Mittelmeer ist eine Selbstverständlichkeit. Das scheint ihnen irgendwie entgangen zu sein. Nur das Verbringen in ein Land einige hundert Seemeilen weiter weg als ein sicherer Hafen wird beanstandet.

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holger.becker 26.03.2019, 08:12
258. Viele Beiträge hier klingen technokratischen und kühl

Dass das durchschnittliche Rettungsboot, das Menschen aus einer Notlage, z. B. in Libyen, besteigen, einer Begutachtung durch den TÜV nicht standhält, ist unstrittig. Aber soll diese Tatsache dafür herhalten, diese Menschen einfach sterben zu lassen? In der Schule und meiner christlichen Erziehung habe ich gelernt, dass Menschen in Notlagen geholfen werden muss. Das zeichnet unsere Gesellschaft aus. Das gilt auch für Menschen, die ihre Notlage selber zu verantworten haben, wie den Krebspatient, der früher geraucht hat, oder den Skifahrer mit gebrochenen Knochen.
Daher laufen viele meiner Vorredner ins Leere. Die Menschen auf dem Mittelmeer werden aufgrund ihrer Abstammung und ihrer Hautfarbe nicht gerettet. Das ist für mich als Christen und humanistisch erzogenen Menschen schwer zu ertragen.

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rgw_ch 26.03.2019, 08:14
259. Zahl

Die ersten in Seenot geratenen Migranten wurden mindestens ebenso engagiert gerettet, wie diese Touristen. Das Problem ist: Wenn sich ein Notstand immer wieder wiederholt, gibt es einen Gewöhnungseffekt, so unmenschlich das auch scheinen mag. Wenn jede Woche ein nicht-seetüchtiges Kreuzfahrtschiff vor Norwegens Fjorden in Seenot geraten würde, würde das Engagement der Rettungsdienste auch langsam nachlassen. Irgendwann würde zweifellos auch dort die Frage laut, ob die Touristen nicht doch selbst eine gewisse Verantwortung für ihre Sicherheit und ihr Leben tragen.

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