Forum: Panorama
Middelhoff-Beschwerde: Schlafentzug in deutscher Haft - gibt es das wirklich?
DPA

Die Anwälte von Thomas Middelhoff behaupten: Ihr Mandant sei in der U-Haft alle 15 Minuten geweckt geworden. Folter? Tatsächlich ist diese Art der Überwachung in deutschen Gefängnissen üblich.

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klarafall 05.04.2015, 22:08
30. unklare Darstellung

Im Artikel steht, es wurde in regelmässigen Abständen das Licht eingeschaltet und der Insasse beobachtet. Das kann aber nur nachts gewesen sein. Am Tag müsste man kein Licht einschalten, also kann man so ungestört nach dem Insassen sehen. Dann hätte Herr M. ja tagsüber schlafen können. Ganz abgesehen davon daß sich der menschliche Körper den nötigen Schlaf holt, ausser man greift massiv ein. Nach zwei durchwachten Nächten reicht Lichteinschalten definitiv nicht mehr, um jemanden zu wecken. Die Darstellung des Anwaltes ist also sehr unglaubwürdig.

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Pascal Meister 05.04.2015, 22:10
31. Schlafentzug ist Folter. Punkt.

Und vor allem gibt es heute ganz simple Überwachungsgeräte - kein Insasse hätte wohl etwas dagegen, an ein Kabel angeschlossen zu werden, das den Herzschlag online meldet, wenn er dafür in Ruhe schlafen kann!

Wenn ein Insasse das Teil wegnimmt oder eben sein Herz nicht mehr schlägt, könnte sogar rascher Alarm ausgelöst werden als die Entdeckung in einem 15Minuten-Rhythmus sicherstellen könnte.

An seiner Stelle würde ich Anzeige erstatten wegen FOLTER! Egal was er verbrochen hat - dafür muss er natürlich gerade stehen.

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markus.pfeiffer@gmx.com 05.04.2015, 22:12
32. Einfache technische Möglichkeiten

Egal was seine Anwälte meinen: ein gefallener Narzisst gehört absolut zur Risikogruppe der Suizidgefährdeten.
Was mich verwundert bis entsetzt ist aber die Überwachungspraxis. Heutzutage gibt es doch genug (einfache) technische Möglichkeiten, die Vitalfunktionen eines Gefangenen auch ohne laufendes Lichteinschalten zu überprüfen; um nur zwei zu nennen, die mir als Laien einfallen: Pulsmessgerät und Infrarotkamera.

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franz.urbanek 05.04.2015, 22:15
33. Technik hilft..

Statt teures Personal alle 15 Minuten Herrn M. Auf Lebenszeichen zu testen, wäre es viel sinnvoller, Puls und Sauerstoffsättigung per Sensor zu erfassen. Dann hat der Häftling abends seine Ruhe. Diese Sensoren sind in jedem Krankenhaus der Welt im Einsatz und erprobt. Die mittelalterliche Methode Schlafentzug sollte sofort unter Strafe gestellt werden. Auch wenn sich mein Mitleid für Herrn M. In engen Grenzen hält.

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rugall70 05.04.2015, 22:15
34. Wie leuchten Sie die Zelle aus?

Zitat von ogroman83
Ich für meinen Teil , trage nachts immer eine Taschenlampe bei mir, damit ich nicht das Licht anschalten muss. Viele JVAen haben sogenannte beobachtungsklappen, dadurch braucht man nicht den Haftraum zu öffnen.
Darf ich fragen, wie Sie das mit der Taschenlampe machen? Leuchten Sie dann auf den Bauch, um zu sehen, ob sich der noch bewegt? Oder leuchten Sie auch ins Gesicht? Und macht die Beobachtungsklappe beim Öffnen kein Geräusch?

Ich finde das ganze Vorgehen im höchsten Maße unmenschlich, erniedrigend und quälend. Ich verstehe, dass eine Justizvollzugsanstalt sicherstellen will, dass Menschen sich nicht selbst in Gefangenschaft töten. Aber dazu muss es andere Möglichkeiten geben.

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matteo51 05.04.2015, 22:17
35. verblüffend,

dass solche eine Maßnahme zur Verhinderung von Suizid eingesetzt wird. Ich stelle mir vor, dass dadurch Suizidalität eher verstärkt wird.
Wie hier im Forum bereits mehrheitlich angemerkt wird, ist dies eine "klassische" Foltermethode.

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monolithos 05.04.2015, 22:18
36. Babyfon mit Atemkontrolle tuts auch

Zitat von Zaunsfeld
Ich glaube, eine einfache Infrarotkamera hätte es auch getan. Gibt's für wenig Geld im einschlägigen Fachhandel.
Oder das AngelCare-Babyfon mit den Bewegungssensormatten unter der Matratze. Was die Atemfunktion eines Babys überwachen kann, sollte es doch auch bei einem Erwachsenen tun können. Nach 20 Sekunden ohne festgestellte (Atem-)Bewegung auf der Matratze (= Möglichkeit des plötzlichen Kindstods) schlägt das Ding Alarm (an der "Elternstation"). So hätte Herr Middelhoff trotz Permanentüberwachung ruhig schlafen können. Wenn er nachts aufs Klo geht, schlägt das Ding auch Alarm, aber da ist er ja eh wach und der Aufwand für diesen Fehlalarm ist weitaus geringer als alle 15 Minuten nachsehen wie jetzt praktiziert. Und selbst Ökotest hat dem Gerät eine maximale Elektrosmogreduzierung bescheinigt (nicht das noch jemand behauptet, der Häftling hätte davon irgendeine Krankheit bekommen). Es wird sogar diskutiert, ob man die Technik nicht auch an den Hausnotruf koppeln kann, um alte Leute im Schlaf zu "überwachen". Kaum zu glauben, dass die Haftanstalt nicht die ca. 150 Euro für diese einfache Technologie übrig hat, die allen das Leben etwas leichter macht. Da dies sicherlich nicht die einzige Möglichkeit ist, das Leben des Häftlings zu überwachen, ist davon auszugehen, dass die Maßnahme zumindest zur Schikanierung, wenn nicht sogar wirklich zur Folter durchaus erwünscht ist.

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steiger 05.04.2015, 22:22
37. Menschenwürde nicht für Häftlinge?

Wenn das keine grobe Verletzung der Menschenwürde ist. Ich hoffe man kann die Verantwortlichen zumindest vor irgendeinem Gerichtshof belangen. Verstehe auch Grundsätzlich nicht wieso der Staat das Recht haben sollte jemand vom Freitot abzuhalten. Es kann keine Lebenspflicht geben auch nicht für Strafgefangene.

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twistie-at 05.04.2015, 22:29
38.

Zitat von Renee Buergler
In guantanamo kritisieren wir diese Praktik. In unseren Untersuchungshaftanstalten ist sie, wie wie jetzt erfahren, übliche Routine. Unglaublich... Ich dachte, ich lese nicht recht...
tja, das ist in psychiatrischen Kliniken oft ähnlich. Eben um dich selbst zu schützen (auch in psychotherapeutischen Klinken durchaus mal gängig, wenn z.B. gerade eine kritische Phase anstand oder vorliegt).

Es ist eben ein Dilemma: überwacht man, heißt es, es gibt keine Privatsphäre. Überwacht man icht und es passiert etwas, dann ist das eine Katastrophe. Also setzt man auf persönliche Überwachung und die wird dann als Schlafentzug gesehen.
Wenn das so ähnlich läuft wie in psychotherapeutischen Kliniken, dann ist dies aber recht zivil - denn das Personal ist geschult und bemüht sich, leise und möglichst vorsichtig zu sein.
Aber was wäre die Alternative bei wirkich Suizidalen?

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twistie-at 05.04.2015, 22:31
39.

Zitat von rugall70
Das kann doch unmöglich wahr sein! Häftlinge werden alle 15 Minuten geweckt, um zu sehen, ob sie noch atmen?
Nein, so läuft das nicht. Wenn es so läuft, wie in psychotherapeutischen Kliniken, dann wird eine Art Notlicht angeschaltet und der Wärter/(Pfleger) schaut ob sich der Gefangene/(Patient) bewegt, ob sich der Brustkorb hebt und senkt oder nicht, ob derjenige ggf. schnarcht usw. ERst wenn es Anlass zur Besorgnis gibt, wird sich dem Gefangenen(Patienten) genähert und dann dieser ggf. angesprochen. Es wird also nicht jeder alle 15 Minuten mit grellem Licht geweckt.

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