Forum: Panorama
Mordurteil gegen Ku'damm-Raser: Vollgas mit bedingtem Tötungsvorsatz
Britta Pedersen/DPA

Können Raser Mörder sein, obwohl sie niemanden umbringen wollen? Ja, urteilt das Berliner Landgericht. "Was geschah, hatte nichts mit Fahrlässigkeit zu tun", sagt der Richter über den tödlichen Unfall am Ku'damm.

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Schlauch 26.03.2019, 18:55
10.

@super-m: Wenn ich mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit über ne rote Ampel fahre und dabei billigend in Kauf nehme, Menschen zu töten (andere Autofahrer wie geschehen, zum Glück keine weiteren Beteiligten wie Fußgänger oder Radfahrer) dann ist das keine fahrlässige Tötung. Was bitte ist daran fahrlässig, wenn ich bewusst über eine rote Ampel fahre? Bitte erklären Sie es mir. Oder sind Sie ein Troll von Herrn Scheuer?

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claus7447 26.03.2019, 18:55
11.

Zitat von super-m
Wird hoffentlich wieder kassiert werden. Nichts gegen die Härte des Urteils, aber die Merkmale für Mord sind doch arg weit hergeholt. Da hätte man lieber das Strafmaß für fahrlässige Tötung ausreizen sollen oder gar über die Möglichkeit nachdenken, das höchst mögliche Strafmaß für fahrlässige Tötung zu erhöhen. Dieses Urteil hingegen ist wieder nur eines unter vielen, das unsere Gerichtsbarkeit ins Willkürliche und Abstruse abdriften lässt.
Wirklich? Die zwei wussten was sie taten. Und der Richter wird sich die Zurückweisung des Bundesgerichtshofs genauestens durchgelesen haben. Vielleicht zur Erinnerung: es ging nicht um das Strafmass, es ging lediglich um die Begründung. Eine Revision halte ich für aussichtslos.

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schmuella 26.03.2019, 18:55
12. Strafe

Knast ist eine Maßnahme, aber nicht ausreichend. Für manche ist Knast sogar ein Prädikat, das sie "cooler" macht.
Es muss ans Geld gehen. Die gesamten Behandlungskosten plus Schmerzensgeld sollten vom Ursacher gezahlt werden. Das kann schon mal schnell in den 5-stelligen Bereich gehen.
Dazu noch eine saftige Strafe, abhängig vom Vermögenstatus und den Einkommenverhältnissen. 6 - 12 Monatsgehälter sollte das Minimum sein. Und zu guter Letzt lebenslanges Fahrverbot.

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ancoats 26.03.2019, 18:57
13.

Zunächst einmal: ich habe keine Probleme damit, solche unbelehrbaren und potentiell gefährlichen Missbraucher von Autos empfindlich zu bestrafen, und zwar durchaus mit einer mehrjährigen Haftstrafe, und ohne die Aussicht, jemals wieder ein Fahrzeug führen zu dürfen. Auch bin ich sehr dafür, dass die ps-starken Poserkarossen solcher Zeitgenossen generell sofort und endgültig beschlagnahmt werden (und zwar unabhängig davon, wem sie tatsächlich gehören, sorry Sixt und Co), sobald ein substanzieller Geschwindigkeitsverstoß oder auch das bewusste Überfahren einer roten Ampel o.ä. vorliegt. Das ist in diversen anderen europäischen Staaten bereits ggf. möglich, und es gibt keinen Grund, dies hierzulande 'kulanter' zu handhaben. Im vorliegenen Fall bin ich allerdings mindestens im Zweifel, ob der Mordvorwurf und auch der 'bedingte Vorsatz' hier tatsächlich argumentierbar sind; ich habe Thomas Fischers Erläuterungen gelesen und bin als Ergebnis zu dem Schluss gekommen, dass wir entweder eine Neufassung dieser Paragrafen brauchen (wobei ich nicht weiß, welche, aber ich bin ja auch kein Jurist) oder aber einen völlig neuen, der solche Straftatbestände gesondert erfasst. In der vorliegenden Form bleiben immer Interpretationsspielräume, und das ist nicht gut, u.a. weil dies die Verfahren mächtig in die Länge zieht. Fazit: der Bürger in mir freut sich persönlich über das Urteil, rational-objektiv hat er hingegen durchaus Bedenken. Schwierige Sache.

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radnabe 26.03.2019, 18:59
14. Heimtücke?

Dazu hätten die Täter laut BGH gezielt die Arglosigkeit des Opfers ausnutzen müssen. Das ist in diesem Fall absurd.
Aber es bleiben ja zwei Mordmerkmale, nämlich die niedrigen Beweggründe und das gemeingefährliche Mittel. Da ist nicht dran zu rütteln.

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jamguy 26.03.2019, 19:01
15.

Zitat von super-m
Wird hoffentlich wieder kassiert werden. Nichts gegen die Härte des Urteils, aber die Merkmale für Mord sind doch arg weit hergeholt. Da hätte man lieber das Strafmaß für fahrlässige Tötung ausreizen sollen oder gar über die Möglichkeit nachdenken, das höchst mögliche Strafmaß für fahrlässige Tötung zu erhöhen. Dieses Urteil hingegen ist wieder nur eines unter vielen, das unsere Gerichtsbarkeit ins Willkürliche und Abstruse abdriften lässt.
170km/h in der Stadt is geisteskrank ,egoistisch ,charakterlich ungeeignet als Gericht sollte man sich vorstellen das ein Enkelkind im Auto des Getöteten hätte sitzen können.

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Tingletangle 26.03.2019, 19:04
16. bin kein Jurist

aber nach allem was ich gelesen habe müsste doch Totschlag der passenderee Tatbestand sein. Gefühlt wird hier der Begriff Mord verwässert und aufgeweicht. dennoch grundsätzlich richtig dass hier hart durchgegriffen wird.

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redfish 26.03.2019, 19:04
17. Richtiges Urteil

Ohne wenn und aber. Habe ich bereits bei der ersten Verurteilung wegen Mordes gesagt, und dabei bleibe ich.

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kiso 26.03.2019, 19:07
18. Experte der Rechtswissenschaften

Zitat von super-m
Wird hoffentlich wieder kassiert werden. Nichts gegen die Härte des Urteils, aber die Merkmale für Mord sind doch arg weit hergeholt. Da hätte man lieber das Strafmaß für fahrlässige Tötung ausreizen sollen oder gar über die Möglichkeit nachdenken, das höchst mögliche Strafmaß für fahrlässige Tötung zu erhöhen. Dieses Urteil hingegen ist wieder nur eines unter vielen, das unsere Gerichtsbarkeit ins Willkürliche und Abstruse abdriften lässt.
Schreibt der Experte der Rechtswissenschaft, der meint, das Fehlen eines Mordmerkmales führe hier zu einer fahrlässigen Tötung, was bereits falsch ist, da das Fehlen eines Mordmerkmales zu einem vorsätzlichen Totschlag geführt hätte.

Das Fehlen des Vorsatzes hätte zu einer fahrlässigen Tötung geführt.

Das Vorliegen der Mordmerkmale "gemeingefährliches Mittel" und "niedrige Beweggründe" ist, bei einem Blick auf die Definition dieser Merkmale, recht offenkundig.

Über den Vorsatz lässt sich bestens streiten, weshalb auch der Weg vom LG zum BGH und zurück ging.

Liegt Vorsatz vor, so ist Mord in diesem Sachverhalt nahezu zwangsläufig.

Liegt kein Vorsatz vor, so bleibt nur die fahrlässige Tötung, einen fahrlässigen Mord gibt es nicht.

Die Frage Vorsatz oder nicht wurde mit Gutachtern und Sachverständigen zu beantworten geführt. Da von Willkürlichkeit und Abstrusität zu sprechen, ist doch sehr anmaßend.

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Atheist_Crusader 26.03.2019, 19:08
19.

Merkmale für Mord sehe ich nicht gegeben, "nur" eine komplette Geringschätzung von fremden Leben und willentliches Inkaufnehmen der schweren Gefährdung Anderer.

Das wird mit Mord nicht abgedeckt, aber fahrlässige Tötung scheint dafür ebenso unangemessen wie Totschlag. Vielleicht braucht es eine ganz neu definierte Straftat für diese Art von hochgefährlichem, aoszialem Verhalten um das eigene Ego aufzupolieren.

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