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Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs: "Meine Eltern haben mir viele Folgen ihrer Trau
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Was hat der Zweite Weltkrieg noch mit den Nachkriegsgenerationen zu tun? Der Autor Matthias Lohre hat seine Biografie und Familiengeschichte erforscht - und festgestellt: sehr viel.

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Emil Peisker 08.05.2016, 13:06
1. Vererbte Traumata...?

Ich bin 1944 geboren. Damit bin ich ein Nachkomme der Kriegsgeneration. Mit Ursprung in Köln.
Meine 1968 geborene Tochter hat keinerlei Nachwirkungen
wegen der Traumata der Kriegsgeneration gezeigt.

Ich glaube, da bastelt jemand an persönlichen Strukturen
um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Wenn überhaupt ist der Autor auf die Idee gekommen,
individuelle, ihn störende Eigenschaften, den Eltern/Großeltern zuzuschreiben.

Meine Generation ist zwischen den Ruinen aufgewachsen, hat die schlechte Versorgung und die schwierigen Wohnverhältnisse erlebt, aber ein 1976 in Münster Geborener schreibt hier vom Hörensagen, nicht von persönlichen Eindrücken.

Was ihm seine Eltern ihm vererbt haben ist unklar, sicher aber keine Traumata.

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lilsue66 08.05.2016, 13:10
2. meine Eltern...

...haben beide den Krieg erlebt und mussten Fürchterliches sehen. sie wurden als Kinder schwer traumatisiert. Ich hab mich in diesem Artikel wiedererkannt, sodass mir die Tränen kamen. die Last meiner Eltern hat mir mein Leben genommen und ich Versuche seit langem, endlich davon und den Depressionen frei zu werden. das Buch interessiert mich auf jeden Fall. Danke!

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christophmeier 08.05.2016, 13:10
3. Wahr

Dem kann ich leider vorbehaltlos zustimmen. Es ist so traurig, aber leider war......

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boguspomp 08.05.2016, 13:27
4. Der Krieg ist noch nicht zu Ende...

Mutter 1927 in Danzig geboren. 1945 von der Roten Armee nach Sverdlovsk (heute Ekaterinburg) verschleppt. 1948 nach Westdeutschland entlassen. Niemand wollte in den Aufbaujahren von der Kriegstraumata anderer hören. Alles wurde verdrängt. Die Mutter hat dann ihrer Tochter (geb Anfang der 1960er Jahre) als Kind ihre ganzen Ängste und Traumata erzählt. Zuviel Barbarei und Gewalt für eine Kinderseele. Ergebnis: Seit 30 Jahren Therapie und kein Ende abzusehen. In unserer Familie tobt der 2. Weltkrieg immer noch...

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vhn 08.05.2016, 13:37
5. @1 (Emil Peisker)

Das sog. transgenerationale Trauma ist ein nachgewiesener Fakt. Natürlich kennt der Nachkomme diese Dinge nur vom Hörensagen. Aber die Geschehnisse prägten das Verhalten seiner Vorfahren. Und dieses Verhalten wirkt sich doch sehr deutlich auf die folgenden Generationen aus. Das hat der Autor doch sehr gut beschrieben. Und böse gesagt, seine Eltern wären bestimmt genau Ihrer Meinung: der hat doch nichts weil er die Dinge nur vom Hörensagen kennt...

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sabine2901 08.05.2016, 13:39
6. Jahrgang 1957

Die Aussagen von Herrn Lohre habe ich mit sehr großem Interesse gelesen. Überrascht hat mich, dass selbst die Enkelgeneration unter den Kriegstraumata noch zu leiden hat.
Danke dafür, dass Sie dieses so wichtige und oft verkannte Thema endlich einmal aufgreifen. Mein Vater war als 20jähriger Soldat in Russland, was er dort erlebt hat, hat sein ganzes Leben- und das seiner Kinder- unter einen tiefdunklen Schatten gestellt. In Familienaufstellungen erlebt man, wie viele Menschen davon betroffen sind.

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shardan 08.05.2016, 13:39
7. Mit Sicherheit...

.. haben meine Eltern Spuren bei mir hinterlassen. Mein Vater wurde mit 17 im "Volkssturm" verheizt, zum Krüppel geschossen. Natürlich hat das bleibende Spuren hinterlassen, auch bei mir. Aber ich muss meinem Vater eines sehr zu Gute halten: Er hat seine Konsequenzen gezogen, sein Motto: "So etwas darf sich nicht wiederholen". Er war stets darauf bedacht, dass seine Kinder engen Kontakt mit Ausländern hatten. Lange Zeit war bei uns ein Studentenzimmer im Haus und es wohnten stets ausländische Studenten mit "Familienanschluss" bei uns. Das erste mal im Ausland war ich schon lange vor der Schule. Ja. Es hat Spuren hinterlassen, auch Traumata. Aber es hat, dank der Weitsicht meines Vaters, auch viele positive Spuren hinterlassen.

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heinz.murken 08.05.2016, 13:44
8. Unser heutiges Glück ist,

mehr an Informationen zu besitzen als jede Generation vor uns. Das hilft ungemein beim Verarbeiten der eigenen Familiengeschichte.
Unser Nachteil ist, dass kaum noch jemand lebt, der uns aus der Kriegsgeneration Antworten geben kann auf Fragen, die sich selbst heute nicht alle trauen zu stellen.
Auf jeden Fall ist weder das Buch, noch der Artikel überflüssig.

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huelin 08.05.2016, 13:44
9. Ungewöhnlich...

...dass die Eltern eines 1976 geborenen noch den Krieg miterlebt haben. Sie müssen bei seiner Geburt ja schon 40 gewesen sein - ziemlich untypisch für die damalige Zeit.

Ich selbst, Jahrgang 1955, habe meine Eltern (beide Jahrgang 1933) eigentlich immer offen und unverkrampft über ihre Erlebnisse während des Krieges erzählen hören. Da sie auf dem Dorf wohnten, war es bei ihnen wohl auch nicht ganz so traumatisch mit den Bombardements.

Eine größere Rolle spielte in unserem Verhältnis eher die Nachkriegszeit, in der sie es unter großen Entbehrungen "zu was gebracht" hatten. Vor allem mein Vater machte mir häufig ein schlechtes Gewissen, ich hätte es doch so leicht heute, und konnte mir das "ausschweifende" Leben in den 70ern nicht gönnen. Wenn überhaupt, habe ich also wegen der moralischen Vorwürfe "gelitten", die man mir ständig machte.

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