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Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs: "Meine Eltern haben mir viele Folgen ihrer Trau
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Was hat der Zweite Weltkrieg noch mit den Nachkriegsgenerationen zu tun? Der Autor Matthias Lohre hat seine Biografie und Familiengeschichte erforscht - und festgestellt: sehr viel.

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mens 08.05.2016, 13:48
10. Stimmt!!!

Gleich der erste Kommentar versucht diese Zusammenhänge vom Tisch zu wischen – typisch. Ja, nicht allen erging es so, aber MILLIONEN Deutschen! Psychische folgen wurden in den Nachkriegsjahren einfach mit Schnäpsen weggetrunken. Mein persönlicher Eindruck deckt sich mit dem Artikel. Die Kriegsteilnehmer schwiegen. Und die Söhne und Töchter gaben ihre "Kindheits-Macken" an ihre Kinder weiter. Wenig lob für die Enkelgeneration. Sehr verbreitet auch extreme Sparsamkeit (als Mission, die im erlebten extremen Mangel geboren wurde) und keine Freude an den positiven Dingen des Lebens, die eigentlich auf die Kinder übertragen werden müssten. Nennen wir es mal "depressive Züge". Der Horror des Krieges kann nicht spurlos an einem vorbeigehen.

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HaraldKönig 08.05.2016, 13:50
11.

Ich bin 1948 geboren. Meine Eltern kamen direkt aus der Kriegsgefangenschaft bzw. Munitionsfabrik um zu heiraten und mich zu zeugen. Ihre Kindheit war in der Weimarer Republik, auf jeden Fall vor dem Krieg. Sie hatten es gut als Kinder. Der Krieg hat ihre gesamte Jugend versaut. Danach 20 Jahre Überstunden kloppen, um sich endlich ein Auto leisten zu können.
'Im Entsagen reich, im Ertragen stark, in der Arbeit unermüdlich!' war das Motto. Was der Autor sagt trifft zu, aber nicht auf seine Generation, sondern auf die 68er , die Nachkriegsgeneration, auf meine Generation.

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horst2000 08.05.2016, 13:53
12. Lange überfällige Aufklärung!

Endlich wird anerkannt, dass der Krieg auch seine generationenübergreifenden seelischen Schatten auf die deutsche Bevölkerung geworfen hat. Daran wird auch die politische Korrektheit in diesem Land nichts ändern können. Und wir Kriegsenkel werden uns von ihr auch nicht länger unsere Gesundung und Akzeptanz nehmen lassen!

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Bleibelieberanonym 08.05.2016, 13:55
13. Ich gehöre auch dazu

Meine Mutter, Jahrgang 1929, ist mit 15 Jahren 1945 in Berlin zusammen mit ihrer großen Schwester Opfer einer Mehrfachvergewaltigung geworden. Ihre eigene Traumatisierung hat sie an ihre Kinder (Sohn, geb. 1957, und mich, Tochter, geb. 1960) weitergegeben.

Es braucht gewiss kein eigenes Erleben, um an den traumatisierenden Erlebnissen der Eltern Schaden zu nehmen.

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iffelsine 08.05.2016, 13:55
14. Unsere Eltern haben ihre Kriegsgeschichten für sich behalten

und das ist gut so. Wir haben als 50er Jahre-Generation nicht nachgefragt. Alle Großeltern haben überlebt und auch diese haben wir nicht gefragt, da wir alle nach vorne gesehen haben. Und auch heute finde ich es gut, da mich der 2. Weltkrieg auch heute nicht interessiert. Man kann auch gut ohne leben !

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zufälligfan 08.05.2016, 13:59
15. Kriegsenkel

Bin ich auch, und ich kenne die Problematik. Es gibt aber noch viel mehr - etwa den Zusammenhang zwischen Magersucht und bei Kriegsende vergewaltigten Großmüttern und Müttern, oder den zwischen Depressionen und Vätern mit posttraumatischem Belastungssyndrom. Nachzulesen auch bei "Die Kinder des Tantalus" von Rüdiger Opelt, der in diesem Buch sehr spannend die Weitergabe von psychischen Traumata anhand des Tantalus-Mythos zeigt!

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kanadasirup 08.05.2016, 14:00
16. 100 Jahre

Ich bin genauso alt wie der Autor und kann mich im Beschriebenen wiederfinden. Interessant wie der Krieg noch Generationen danach negative Auswirkungen hat.

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wolfgangreusch 08.05.2016, 14:01
17. Ein Einzel

... das nicht zur Verallgemeinerung taugt. Meine Eltern (*1928 und 1938) waren anders, trotz der Traumata. Weil Menschen eben Menschen sind. Aber man kann ja aus persönlichem Aufarbeitungs-Antrieb ja mal ein Buch schreiben. Ist erlaubt, juckt aber auch keinen.

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Spiegelwahr 08.05.2016, 14:02
18. Wo ist ihr Trauma

Wo ist ihr Trauma. Sie wollen doch in Ernst nicht sagen, dass sie dadurch erkannt haben, das Krieg was furchtbares ist und sie dadurch den Krieg nicht mehr als Mittel der Wahl zur Durchsetzung von Zielen einsetzen können. Mein Vater war nie wirklich mit sich zufrieden, dass lag aber nicht am Krieg, denn hat er kaum persönliche erlebt. Sondern hat einen Vater gehabt, der seinen Sohn zu seinem Glück zwingen wollte. Der nie zufrieden war und mit Gewalt seine Ansichten durchgesetzt hat. Es hat absolut nichts mit Krieg zu tun, sondern mit den damaligen Umgang mit Kinder, die nur teilweise der damaligen Not und Mangel geschuldet war. Ein Kind hatte Gehorsam zu sein und seine Intressen und Neigung war von geringen Wert.

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MDen 08.05.2016, 14:02
19.

Zitat von Emil Peisker
Ich bin 1944 geboren. Damit bin ich ein Nachkomme der Kriegsgeneration. Mit Ursprung in Köln. Meine 1968 geborene Tochter hat keinerlei Nachwirkungen wegen der Traumata der Kriegsgeneration gezeigt. Ich glaube, da bastelt jemand an persönlichen Strukturen um Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn überhaupt ist der Autor auf die Idee gekommen, individuelle, ihn störende Eigenschaften, den Eltern/Großeltern zuzuschreiben. Meine Generation ist zwischen den Ruinen aufgewachsen, hat die schlechte Versorgung und die schwierigen Wohnverhältnisse erlebt, aber ein 1976 in Münster Geborener schreibt hier vom Hörensagen, nicht von persönlichen Eindrücken. Was ihm seine Eltern ihm vererbt haben ist unklar, sicher aber keine Traumata.
Doch, es gibt epigenetische Forschungsergebnisse, die tatsächliche auf die Fortwirkung traumatischer Erlebnisse in der nächsten Generation hindeuten.
Außerdem ist dies nicht das erste Buch, das sich mit dem Phänomen beschäftigt, dass die Kriegerfahrungen in der Kindheit die Kriegskindergeneration entsprechend geprägt hat, dass sie einen typischen, oft problematischen Erziehungsstandpunkt eingenommen haben.
Auch aus Ihrem Kommentar klingt ja wieder der Vorwurf heraus, dass die Kriegsenkel sich nicht so anstellen sollen, weil sie nie wirklich Schlimmes selbst erlebt haben. Dass sie es viel besser gehabt haben als ihre Eltern, es Ihnen also völlig unverdient gut geht. Dass sie sich in das von ihren Eltern und Großeltern "gemachte Nest" setzen konnten, von dessen Fortbestand man aber nie sicher ausgehen könnte.

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