Forum: Panorama
Norwegens Staatsschützer: "Der Name Breivik war für uns nur Datenabfall"

Jon Fitjes Job ist es, Terroranschläge zu verhindern, er ist der Chefanalyst des Sicherheitsdienstes der norwegischen Polizei. Nach dem Massenmord von Anders Breivik stellt sich der Staatsschützer nun eine Frage immer wieder: "Haben wir etwas übersehen?"

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topas 04.08.2011, 17:27
10.

Zitat von Chris110
interessante Antworten. Stellen Sie sich vor, Sie sind hauptberuflich 24h/Tag dafür zuständig, Terroranschläge zu verhindern. Und dann passiert ein Terroranschlag. Tja, dann haben Sie versagt. So einfach ist das. Es sei denn das läuft bei Staatsschutz wie im Fußball: Die Unhaltbaren darf der Keeper reinlassen?
Ja, da es nirgends 100% gibt (ok, einzig bei der Aussage dass auch Sie, genauso wie ich, irgendwann sterben werden). Alles andere birgt ein Restrisiko, eine Abweichung von den idealen 100%, dass es gegebenenfalls zu minimieren gilt. Einen solchen Anschlag kann man nicht vereiteln, nicht verhindern, sondern nur sein Risiko minimieren. Dieser Anspruch wird im Interview analysiert mit dem Resümee, dass es keinen greifbaren Anhaltspunkt gab, an dem man hätte ansetzen können. Somit hat der Staatsschützer seine Aufgabe erfüllt. Es hätte anders ausgesehen, wenn ihnen z. B. entgangen wäre dass er illegale DumDum-Geschosse erworben hat. Es ausreichende Indizien für seine kranke Phantasiewelt gegeben hätte (Aussagen in Blogs, die einen Zugriff hätten gerechtfertigt). Dies alles war nicht gegeben. Somit hat der Staatsschutz trotz dieses Anschlags seine Aufgabe erfüllt.

Und deshalb ist zu hoffen, dass Norwegen so bleibt wie es ist und sich nicht in einem paranoiden Pseudo-Selbstschutz einigelt. Denn auch in den USA, einem der großen Kotrollstaaten, wäre auch heutzutage ein vergleichbarer Anschlag möglich - trotz Heimatschutz etc.

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straightly 04.08.2011, 17:46
11. b

Zitat von Chris110
Es sei denn das läuft bei Staatsschutz wie im Fußball: Die Unhaltbaren darf der Keeper reinlassen?

Halten Sie dies für einen angemessenen Vergleich?
Und falls wir doch dabei bleiben wollen - wer verhindert denn dann die "Unhaltbaren"?

Das wäre dann ja nur ein (günstiger) Zufall oder (für die die daran glauben) der liebe Gott.
Ansonsten schließe ich mich meinem Vorredner an.

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polygraph 04.08.2011, 17:52
12. es ist doch komplizierter...

Zitat von topas
[...]Somit hat der Staatsschützer seine Aufgabe erfüllt. [...]
Genau dass wollen die Staatsschützer der Öffentlichkeit mitteilen... Hätten sie aber ihre Aufgabe erfüllt gäbe es keinen Bombenanschlag im Regierungsviertel.

Zitat von topas
[...]Denn auch in den USA, einem der großen Kotrollstaaten, wäre auch heutzutage ein vergleichbarer Anschlag möglich - trotz Heimatschutz etc.
Denken Sie? Vor dem Weißen Haus? Zum Geburtstag von Obama? Kann ich mir nicht vorstellen. Irgendwo in Amerika - ja. Aber nicht im Regierungsviertel.

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reahl 04.08.2011, 17:56
13. Hat man etwas übersehen?

Zitat von sysop
Jon Fitjes Job ist es, Terroranschläge zu verhindern, er ist der Chefanalyst des Sicherheitsdienstes der norwegischen Polizei. Nach dem Massenmord von Anders Breivik stellt sich der Staatsschützer nun eine Frage immer wieder: "Haben wir etwas übersehen?"
Ja, sie haben etwas übersehen! Sie haben die Gefahr, die von rechtsextremen Gruppen und rechten Ideologien ausgeht übersehen. Immerhin war dieser Mensch zehn Jahre Mitglied einer rechten Organisation.


Zitat von ralf_maier
würde Norwegen jetzt auf diese schändliche Tat so reagieren, wie die Vereinigten Staaten nach dem 11. September - mit Repressalien gegen ganze Bevölkerungsgruppen, mit übersteigertem Argwohn und einem grenzenlosen Überwachungsdrang. Norwegens Ministerpräsident Stoltenberg hat vollkommen recht, wenn er sagt, dass Norwegen auf diesen feigen Anschlag nicht durch eine Einschränkung der Freiheitsrechte reagieren darf, dann hätte, so Stoltenberg, am Ende doch Anders Brevik das erreicht, was er wollte. Dieser Anschlag wäre durch kein Antiterrorgesetz der Welt verhinderbar gewesen, keine Vorratsdatenspeicherung hätte ihn verhindert und kein großer Lauschangriff!
Mit Hilfe von Brevik wurde erreicht, was erreicht werden sollte u.a. Publicity für rechte Ideologien, Verbreitung von Angst und Schrecken, möglicherweise auch die Einschüchterung von Menschen mit einer sozialistischen Gesinnung .

Dieser Anschlag wäre zumindest weniger wahrscheinlich gewesen, wenn rechtsradikale Gruppen (und somit auch ihre Propaganda und ihre Aufmärsche) verboten wären und der Zugang zu Waffen (auch in Schützenvereinen) endlich mal erschwert würde! Das Thema wurde doch schon nach den letzten Amokläufen diskutiert.

Hat sich inzwischen etwas geändert? Passiert da mal was? Oder wird die rechte Gefahr eher klein geredet?

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Michael O. 04.08.2011, 18:35
14. Seltsamer Vergleich !

Zitat von No_Name
Hoffentlich bleiben die Norweger weiter gefasst und verfallen nicht in blinden Aktionismus wie die USA im September 2001.
Beleuchten Sie doch mal den Aspekt WIEDERHOLUNGSGEFAHR bei Ihrem seltsamen Vergleich...da könnte Ihnen in Sachen "blinder Aktionismus" eventuell ein kleines Licht aufgehen...

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No_Name 04.08.2011, 18:36
15. -

Zitat von reahl
... Dieser Anschlag wäre zumindest weniger wahrscheinlich gewesen, wenn rechtsradikale Gruppen (und somit auch ihre Propaganda und ihre Aufmärsche) verboten wären und der Zugang zu Waffen (auch in Schützenvereinen) endlich mal erschwert würde! Das Thema wurde doch schon nach den letzten Amokläufen diskutiert....
Können Sie nicht mal aufhören abstruse Forderungen nach absoluter Sicherheit zu stellen? Die GdP hat Bereits in "Deutsche Polizei Mai 2009" dazu eindeutig Stellung bezogen:

Ein Verschärfung des Waffenrechts ist nicht wegweisend. Vielmerh müsste Prävention durch bedeutend teurer Maßnahmen (Schulpsychologen etc.) betrieben werden.
Mit Verboten können Sie solche Wahnsinnstaten nicht verhindern.

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No_Name 04.08.2011, 18:53
16. -

Zitat von Michael O.
Beleuchten Sie doch mal den Aspekt WIEDERHOLUNGSGEFAHR bei Ihrem seltsamen Vergleich...da könnte Ihnen in Sachen "blinder Aktionismus" eventuell ein kleines Licht aufgehen...
Die USA haben die Rechte Ihrer Bürger massivst beschnitten. Ein "Erfolg" ist nicht nachweisbar. Mich weit aus dem Fenster lehnend behaupte ich: Wer heute eine vernichtenden Anschlag nach dem Muster "Oklahoma City) in den USA plant wird, so er denn verdeckt operiert, diesen auch durchführen.

Ähnliches gilt für Norwegen:
Wer so eine Tat "professionell" plant, im Sinne von verdeckter Beschaffung von den Notwendigen "Zutaten", kann diesen Plan auch in die Tat umsetzten, unabhängig von Internetkontrolle, Vorratsdatenspeicherung (die es in Norwegen ja schon länger gibt), Beschränkungen von Bürgerrechten.
Wo ein Will ist, da ist ein Weg.

Die Bezeichnung "Datenmüll" beschreibt das Problem sehr gut: Bei der Mengen an vorhandenen Daten ist es unmöglich den Überblick zu behalten. Wie soll man, rein aus den Worten, die wahre Gefährlichkeit eines "Autors" erkennen? Den Amerikanern lagen schon vor 9/11 genügend Hinweise bezüglich der Anschläge vor. Allein die schon vor diesem Tag überbrordende Sammelwut der Geheimdienste ließ diese Informationen im Chaos untergehen.

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Flari 04.08.2011, 18:53
17. Und wie soll das gehen?

Zitat von polygraph
Ganz anders sieht es aus mit der Explosion... ja sogar mit der Explosion im Regierungsviertel... vor dem Büro des Ministerpräsidenten... DAS MUSS verhindert werden durch die Geheimdienste. Wenn die Geheimdienste es nicht schafften, so ist es, meines Erachtens, ein Hinweis darauf dass der Attentäter doch nicht allein gehandelt hat, sondern irgendwelche Unterstützung genoss. Wer (Personen oder Vereine) den Attentäter unterstützte wird uns leider nicht verraten.
Der Bau so einer Bombe lässt sich absolut nicht verhindern, wenn der Täter so überlegt vorgeht, wie im Fall Oslo.

Bliebe die Sache mit dem Parken vor dem Regierungsgebäude.
Glauben Sie, wenn diese Möglichkeit nicht bestanden hätte, wäre dem Täter nichts anderes eingefallen?

Schauen Sie nicht zuviele Filme und lesen Sie nicht so viel bei den VTs..

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No_Name 04.08.2011, 19:02
18. -

Zitat von Michael O.
Beleuchten Sie doch mal den Aspekt WIEDERHOLUNGSGEFAHR bei Ihrem seltsamen Vergleich...da könnte Ihnen in Sachen "blinder Aktionismus" eventuell ein kleines Licht aufgehen...
Nachtrag:

In den USA gibt es rund 200 Fluggesellschaften. Es gibt eine starke christlich-fundamentalistische Bevölkerungsschicht. Somit geibt es auch einen (oder mehrere) christlich-fundamentalistische Piloten.
Timothy McVeigh war ein Attentäter aus dem rechten Spektrum, eine Tat mit diesen Vorzeichen ist nicht verhinderbar. Dafür ist dieses Spektrum zu sehr in der Gesellschaft verankert. Niemand kann verhindern dass schon morgen (Gott bewahre!) ein Attentäter aus diesem Spektrum sich mit eine Flugzeug ins weiße Haus (oder wohin auch immer) stürzt.

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cs2001 04.08.2011, 19:31
19. Wenn Sie das so gut wissen:

Zitat von polygraph
Natürlich können die Geheimdienste ein Amoklauf nicht verhindern. Jeder der Zugang zu den Waffen hat ist imstande Blutbad anzurichten, falls irgendwelche Sicherung im Kopf durchbrennt... Ganz anders sieht es aus mit der Explosion... ja sogar mit der Explosion im Regierungsviertel... vor dem Büro des Ministerpräsidenten... DAS MUSS verhindert werden durch die Geheimdienste. Wenn die Geheimdienste es nicht schafften, so ist es, meines Erachtens, ein Hinweis darauf dass der Attentäter doch nicht allein gehandelt hat, sondern irgendwelche Unterstützung genoss. Wer (Personen oder Vereine) den Attentäter unterstützte wird uns leider nicht verraten.
Wie? Autos in besiedelten Gebieten verbieten?

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