Forum: Panorama
Notfallseelsorger Rieske: "Es gibt keine Antwort"
Sergej Lepke/ Evangelische Kirche im Rheinland

Der Flugzeugabsturz in Südfrankreich bedeutet für Angehörige der Opfer einen unfassbaren Schmerz. Notfallseelsorger Uwe Rieske erklärt, wie Helfer Trost spenden - und warum es manchmal gut ist, einfach zu schweigen.

Seite 1 von 2
stefan.p1 26.03.2015, 07:50
1. Seelsorge / Berichterstattung

Ich stelle mir die ganze Zeit vor ich hätte bei dem Ünglück ebenfalls einen Bekannten ,Freund ,Frau , Kind oder ähnliches verloren und wollte einfach nur kurz abschalten. Das ist leider bei der permanenten Präsenz des Themas in den Medien leider nicht möglich.Muß den über jeden "Furz" berichtet werden ,müssen Scharen von Reportern nach Haltern zur der Schule fahren und irgendwelche Unwichtigkeiten ins Mikropfon quatschen? Okay,die Unfall-Ursache sollte schon ermittelt werdem aber ,liebe Medien lasst doch die Angehörigen und Freunde der Opfer in Ruhe,was erwartet Ihr davon
wenn ihr die vors Mikro zerrt?
Das letzte was diese Menschen brauchen sind irgendwelche Reporter die versuchen eine Story
zu bekommen und das ohne Rücksicht auf díe Gefühle der Betroffenen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nord1icht 26.03.2015, 08:54
2. Sorry, aber ...

... gibt es irgendeinen Grund, warum man hier Theologen und nicht Paychologen zurate zieht? Haben die Seele oder der Unfall irgendwas mit Gott zu tun? Ich meine das nicht persönlich, es mögen ja sehr einfühlsame Helfer sein, aber mich stört die Vereinnahmung. Wer in dieser verzweifelten Lage in die Kirche gehen will, geht nicht zum Flughafen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
a.usemann 26.03.2015, 09:57
3. Schutzräume

Kann denn nicht endlich wieder Ruhe einkehren? Selbst so ein Ereignis zu Medienhype zu machen , gehört das zu "Brot und Spiele" wirklich dazu? Alles, was ist hat Verantwortung, auch Institutionen wie Medien.Auch sich selbst gegenüber.
Es scheint zu reiche, dass ein Ereignis real ist, sich fast jeder mit allen Beteiligten Rollen identifizieren kann und los geht´s.
Erbärmlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Newspeak 26.03.2015, 10:00
4. ...

Die tiefergehende Frage, etwa nach einem Gott, der das zulässt, kommt meist später.

SPIEGEL ONLINE: Was antworten Sie darauf?

Rieske: Wir können diese Frage nur aushalten. Es gibt darauf keine Antwort. Und das sagen wir auch.


Es gäbe schon eine, aber dieser Antwort will sich erst recht niemand stellen, zugegeben, von einem Theologen kann man das auch nicht erwarten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
parresia 26.03.2015, 10:01
5. ja, sorry

Zitat von nord1icht
... gibt es irgendeinen Grund, warum man hier Theologen und nicht Paychologen zurate zieht?
Sie haben keine Ahnung, was Theologen und Pfarrer so machen, nicht wahr, außer, natürlich, was sonst, "vereinnahmen". So ist das mit den Kirchen in D, die rennen durch die Gegend und taufen alles kurz und klein, missionieren, wo sie gehen und stehen, und so ein Unglück, ja, da sind sie richtig froh, denn sie können Trauernde und daher Willensschwache schnell unter Vorhaltung eines Kirchenbeitrittsformulars billigen Trost geben. Aber ja, Sie haben ja gesagt, es können durchaus "einfühlsame" Helfer sein. Aber Psychologen (die haben natürlich alle kein Weltbild) sind halt besser...
Ja, die kosten aber auch mehr.
(Kirchliche) Notfallseelsorger verfügen über eine hochprofessionelle Weiterbildung, sonst dürfen sie sich nicht so nennen. Sie machen das ehrenamtlich und aus einem christlichen Verständnis heraus (Leid (er)tragen) - oh, voran, all ihr Missionsierungsaufspürer. Theologen in der Praxis irrlichtern eher selten mit Kreationismus herum (eine Behauptung, die in D für die deutsche Theologie eh nur Ungebildete machen können), sondern verfügen über langjährige Berufserfahrung in der Begleitung und BEtreuung von Menschen, die sie hier überkonfessionell zur Verfügung stellen.
Auch freiwillige Feuerwehrleute sind übrigens gut ausgebildet, oft, zumindest auf dem Land, sogar mit christlichen Hintergrund (oh Gott, sogar GOTTESDIENSTE!), man sollte ganz schnell verbieten, dass so ein christlicher freiwilliger Feuerwehrspinner einen Hofbrand für sich und seine missionarischen Zwecke vereinnahmt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
stoffi 26.03.2015, 10:13
6.

Es ist gleich, ob ein kirchlicher Seelsorger oder ein Psychologe für die Angehörigen da ist. Wichtig ist, das er in seelischen Notlagen weiss, was der Angehörige durchmacht, auch wenn er es nicht nachfühlen kann.
Die Menschen nehmen jetzt die Umwelt noch gar nicht wahr. Sie befinden sich in einem Zustand von Leere im Kopf, Schmerz der die Brust zerreißt bis hin zu Erbrechen und das nicht akzeptieren wollen dessen, was aber Realität ist . Immer wieder Bilder des Menschen vor Augen , den man verlor, als man ihn zuletzt sah und mit ihm sprach. Da vergehen Stunden und fühlen sich wie Minuten an.Manche überwinden diese Phase in wenigen Tagen, aber andere bleiben länger in diesem Zustand.
Niemals überwindet man den Verlust eines Kindes und die Erinnerung reisst diese Wunde immer wieder neu auf, wenn ein Unglück wie das gestrige geschieht, auch wenn das eigen schon Jahre zurück liegt. Dann fühlt sich alles wieder so an, als wäre es gerade geschehen.
Wenn die Medien jetzt von den Betroffenen fern gehalten werden, ist ihnen in Moment am meisten geholfen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ometepe 26.03.2015, 10:13
7.

Zitat von nord1icht
... gibt es irgendeinen Grund, warum man hier Theologen und nicht Paychologen zurate zieht? Haben die Seele oder der Unfall irgendwas mit Gott zu tun? Ich meine das nicht persönlich, es mögen ja sehr einfühlsame Helfer sein, aber mich stört die Vereinnahmung. Wer in dieser verzweifelten Lage in die Kirche gehen will, geht nicht zum Flughafen.
Pfarrer sind gut ausgebildet und sehr erfahren im Umgang mit akut Trauernden, da sie häufig Gespräche mit Angehörigen führen, die eine Beerdigung wünschen. Sie stehen unter dem Beichtgeheimnis, das in Seelsorge-Situationen absolute Verschwiegenheit von ihnen fordert. Sie sind einfach da, ohne eigene Interessen, denn sie kosten nichts, während Sie für Psychologen 90 Euro Stundenlohn ansetzen müssen. Trauernde haben zunächst auch kein psychologisches Problem, sondern ihre Existenz ist erschüttert.
Notfallseelsorge ist sehr aufwühlend und belastend. Das Leid anderer Menschen zu teilen oder die Erschütterungen von Helfern mitzutragen, ist schwer. Ein tragendes Netzwerk wie eine Kirchengemeinde, Gebet, Meditation und die Kraftquellen der christlichen Tradition helfen bei der eigenen Verarbeitung.
Aber keine Sorge: Notfallseelsorger drängen sich niemandem auf. Sie sind einfach da. Gott sei Dank.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
karend 26.03.2015, 10:31
8. Seelsorger

Zitat von nord1icht
... gibt es irgendeinen Grund, warum man hier Theologen und nicht Paychologen zurate zieht? Haben die Seele oder der Unfall irgendwas mit Gott zu tun? Ich meine das nicht persönlich, es mögen ja sehr einfühlsame Helfer sein, aber mich stört die Vereinnahmung. Wer in dieser verzweifelten Lage in die Kirche gehen will, geht nicht zum Flughafen.
Psychologen, Traumapsychologen, Seelsorger - sie alle wurden gerufen. Sie mögen kirchliche Seelsorger ablehnen (das ist auch Ihr gutes Recht), anderen mag es aber sehr wichtig und extrem hilfreich sein, dass es diese Menschen gibt. Sie alle leisten wertvolle Arbeit, eine Arbeit, die durchaus belastend ist. Ich glaube nicht, dass ein Seelsorger Hinterbliebene zum Eintritt in die Kirche drängt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mikesch0815 26.03.2015, 10:36
9. Ist doch egal...

...meinetwegen kann auch ein Iman oder Rabbiner die Leute trösten. Wenn die Leute zuhören können und da sind, dann ist es gut.
Solange sie geschult sind im Umgang, ist es doch ok. Und viele Leute glauben nun mal.
Ich tue es nicht, aber ich akzeptiere den Umstand und respektiere die Arbeit der Seelsorger. Wobei ich das Wort Seelsorger etwas merkwürdig finde. Aber das sind Diskussionen, die unabhängig dieses Unglücks stehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2