Forum: Panorama
Personalmangel: Kita in Berlin wirft 113 Kinder raus
DPA

Mehr als hundert Eltern in Berlin haben ab Ende Februar keinen Betreuungsplatz mehr für ihr Kind. Eine Kita kündigte aus Personalmangel massenhaft Verträge.

Seite 3 von 3
cassi77 30.01.2019, 22:35
20. ...

Zitat von wookie13
...bei den Foristen hier.... Oder eben auch nicht. Als Insider möchte ich folgendes anmerken: Das Problem, dass uns heute auf die Füße fällt, sind die drastischen Kürzungen Ende der 90er Anfang der 2000er Jahre. Es gab einen Geburtenknick und so wurden reihenweise zuerst Kitas, dann Grundschulen, Jugendfreizeiteinrichtubgen, usw. geschlossen (oder sogar komplett abgerissen) oder in freie Trägerschaft überführt. Diese Träger erhalten 99,9% ihrer Finanzierung aus der öffentlichen Hand, sollten aber weniger kosten als die Angestellten im ÖD. Wie konnte das erreicht werden? Durch Senkung der Personalkosten, die im sozialen Bereich immer der Hauptkostenfaktor sind. Das heißt, dass Erzieher*innen und SozPäds im ÖD nach Tarif bezahlt werden, während bei freien Trägern für die gleiche Arbeit deutlich weniger bezahlt wird. Hinzu kommen eine, ebenfalls aus Gründen der Unterbesetzung, in der Regel völlig überforderte Verwaltung/Buchhaltung, die das Arbeiten und Planen zusätzlich erschweren. Klar geht es auch um Anerkennung, gibt es nervige Eltern, Kolleg*innen und Kinder und gerade im Kitabereich viele Regularien, die es zusätzlich verkomplizieren - am Ende ist es aber die Frage, was uns die Erziehung und Bildung unserer Kinder wert ist. Und zu denjenigen, die meinen, Kita sollte bezahlt werden müssen, oder dass diejenigen mit Arbeit bevorzugt werden sollten, möchte ich sagen, dass sie offensichtlich keinerlei pädagogisches Wissen besitzen. Es geht hier nicht um Betreuung, damit Mutti und Vati brav das BSP hochtreiben können, sondern um Bildung - ja, auch bei Kleinkindern ist das möglich UND nötig. Insbesondere bei denen, die sozial eh schon abgehängt sind, Stichwort Hartz IV. Es ist immer wieder erschreckend zu sehen, wie wenig solidarisch diese Gesellschaft gegenüber den Schwächsten ist.
Keine weiteren Fragen, Euer Ehren, Sie bestätigen gerade haarklein all die Vorurteile, bspw.,:arm = ungebildet.

Danke für das anschauliche praktische Beispiel meiner Theorie!

*kopfschüttel*

cassi

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cave68 30.01.2019, 22:36
21.

Zitat von wookie13
...bei den Foristen hier.... Oder eben auch nicht. Als Insider möchte ich folgendes anmerken: Das Problem, dass uns heute auf die Füße fällt, sind die drastischen Kürzungen Ende der 90er Anfang der 2000er Jahre. Es gab einen Geburtenknick und so wurden reihenweise zuerst Kitas, dann Grundschulen, Jugendfreizeiteinrichtubgen, usw. geschlossen (oder sogar komplett abgerissen) oder in freie Trägerschaft überführt. Diese Träger erhalten 99,9% ihrer Finanzierung aus der öffentlichen Hand, sollten aber weniger kosten als die Angestellten im ÖD. Wie konnte das erreicht werden? Durch Senkung der Personalkosten, die im sozialen Bereich immer der Hauptkostenfaktor sind. Das heißt, dass Erzieher*innen und SozPäds im ÖD nach Tarif bezahlt werden, während bei freien Trägern für die gleiche Arbeit deutlich weniger bezahlt wird. Hinzu kommen eine, ebenfalls aus Gründen der Unterbesetzung, in der Regel völlig überforderte Verwaltung/Buchhaltung, die das Arbeiten und Planen zusätzlich erschweren. Klar geht es auch um Anerkennung, gibt es nervige Eltern, Kolleg*innen und Kinder und gerade im Kitabereich viele Regularien, die es zusätzlich verkomplizieren - am Ende ist es aber die Frage, was uns die Erziehung und Bildung unserer Kinder wert ist. Und zu denjenigen, die meinen, Kita sollte bezahlt werden müssen, oder dass diejenigen mit Arbeit bevorzugt werden sollten, möchte ich sagen, dass sie offensichtlich keinerlei pädagogisches Wissen besitzen. Es geht hier nicht um Betreuung, damit Mutti und Vati brav das BSP hochtreiben können, sondern um Bildung - ja, auch bei Kleinkindern ist das möglich UND nötig. Insbesondere bei denen, die sozial eh schon abgehängt sind, Stichwort Hartz IV. Es ist immer wieder erschreckend zu sehen, wie wenig solidarisch diese Gesellschaft gegenüber den Schwächsten ist.
Solidarität ist aber keine Einbahnstrasse!
Eine gewisse Solidarität oder Empathie gegenüber Erziehern oder auch später Lehrkräften ist ebenfalls wünschenswert wird aber heutzutage wohl immer mehr vernachlässigt.
Sei es dadurch,dass Eltern immer wieder meinen den Fachkräften reinreden oder gar verklagen zu müssen (Schule) oder dass Eltern eben den Kindern keinerlei Sozialkompetenzen wie Respekt beibringen und meinen Kindergarten und Schule müssten dies eben übernehmen.
Wenn ich diverse Berichte über den völlig fehlenden Respekt von Schülern gegenüber Lehrkräften sehe kann ich mir vorstellen,dass dies auch schon früher im Kindergarten eine gewisse Rolle spielt...und da sind Kinder aus sozialen Brennpunktfamilien nun mal überrepräsentiert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
KlausMeucht 30.01.2019, 22:41
22. Länderfinanzausgleich

Zitat von muunoy
Tja, in meiner Stadt kostet ein Kita-Platz bei meinem Einkommen monatlich knapp über 500 EUR. Im Crazytown Berlin gibt es den kostenlos. Bezahlen dürfen da auch andere über den Länderfinanzausgleich, was extrem asozial ist. Daher habe ich zumindest für die Eltern, welche die Linkspopulisten gewählt haben, absolut kein Mitleid. Der Sozialismus scheitert halt immer dann, wenn einem das Geld der Anderen ausgeht.
Der Länderfinanhausgleich gleicht Einnahmensunterschiede der Länder aus und ist unabhängig von den Ausgaben.

Eltern in Berlin, die einer Arbeit nachgehen, da die Kinder in der Kita betreut werden, Sorgen dafür dass die Bayern weniger zahlen müssen da Berlin mehr Lohnsteuer kassiert. Der Einnahmeunterschied wird dadurch kleiner.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
eggie 30.01.2019, 22:53
23.

Bevor mal wieder die werte Leserschaft des Spiegel sich das Maul über die bösen Frauen zerreisst, die dran schuld seien, wenn Kindergärten alle Viere von sich strecken: das Problem ist ein Resultat des allgemeinen - in Berlin ganz besonders drastischen -Bildungsnotstands und einer miserablen Bezahlung der Erzieher*innen, die sich von den lumpigen Löhnen nicht mal ein WG-Zimmer leisten können.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
KlausMeucht 30.01.2019, 22:54
24. Finanzierung von Bildung

Zitat von Nordstadtbewohner
Gebührenfreie Kitas sind also ein Irrweg.
Mit Ihrer Begründung sollten wir wieder Schulzeit einführen. Ok es gibt eine Schulpflicht aber keine Kindergartenpflicht.

Die Bildung von Kinder ist sicher eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Ich denke es ist extrem wichtig soziale Kontakte zu Gleichaltrige zu haben

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wookie13 30.01.2019, 23:46
25. Vorurteile und Solidarität

@cassi77: Da machen Ihnen wohl Ihre Vorurteile einen Strich durch die Rechnung. Ich habe von abgehängt gesprochen, nicht von ungebildet.
Kita ist soziales Lernen (oder sollte es sein)
Das brauchen gerade die Kinder, deren Eltern sich die diversen anderen Möglichkeiten zur Teilhabe nicht oder nur schwierig leisten können.
Armut und mangelnde Bildung haben nicht direkt etwas miteinander zu tun, langjährige Erfahrung zeigt mir allerdings, dass es da ziemlich häufig einen Zusammenhang gibt.
Dabei darf man dann wiederum nicht vergessen, dass gebildete Menschen auch nicht unbedingt tolle Eltern sind...
Daher bin ich für freie Kita für alle Kinder (wie Schule, denn... warum nicht?)
Wenn aber eine Auswahl getroffen wird, warum sollten dann die Ärmsten leiden? Zugunsten der Wirtschaft, die Arbeitskräfte braucht? Könnten dann die Arbeitgeber nicht Betriebskitas einrichten? Oder zumindest betriebliche Kinderverwahranstalten, wenn es nur darum geht?

@cave68: Menschen die in sozialen Berufen arbeiten könnten durchaus mehr Solidarität vertragen, da stimme ich als Betroffener natürlich zu.
Ebenso finde ich, dass es grundsätzlich Aufgabe der Eltern ist, ihre Kinder zu erziehen.
Wenn sie dies aber nicht tun, sei es nun weil sie schlechte Menschen sind (unwahrscheinlich) oder weil sie es selbst nie besser gelernt haben (wahrscheinlich), so sollte dies doch nicht den Kindern zum Nachteil gereichen.
Genau deshalb ist Herkunft ist in Deutschland so ausschlaggebend für das spätere Leben (und ja, auch ich kenne Ausnahmen)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kika2012 31.01.2019, 05:11
26. muunoy

Tja und ich lebe ich RLP und zahle ab 2 Jahren - nichts!;-) Gewählt habe ich nicht.
Betreuer sind nicht krank oder streiken. Es läuft einfach nur gut;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kaic 31.01.2019, 06:40
27. frei nach Volker Pispers

Es ist bezeichnend für unsere Gesellschaft, dass wir denen, die unser Geld verwalten z.T. das 100 fache vom dem bezahlen, was die erhalten, die unsere Kinder betreuen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 3