Forum: Panorama
Pflege in Deutschland: 140.000 Heimbewohner werden festgehalten
DPA

Deutschlands Krankenkassen schlagen Alarm. Zehntausende alte Menschen werden in Pflegeheimen mit Gittern oder Gurten festgehalten, viele ohne richterliche Anordnung. Fast der Hälfte aller Heimbewohner droht das Wundliegen.

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summsi50 24.04.2012, 16:51
30.

man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen...
Pfleger fesseln zehntausende Alte ans Bett.....
wer diesen Artikel verfasst hat gehört mal für einen Monat in ein Pflegeheim. Was glaubt man denn wie es uns als Pflegekräfte mit solchen Kommentaren geht? Damit werden auch die letzten verprellt, die evtl. in diesen Beruf eingestiegen werden! Es ist eine bodenlose Frechheit was man da so loslassen kann! Wir als Pflegepersonal tun unser Bestes und werden dargestellt als wären wir Sadisten und Menschenschinder. Arbeiten für Hungerlöhne, springen ständig ein u. u. u. Ich verbitte mir solche Anmaßungen! Es ist eine Schande!

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unllenker 24.04.2012, 16:56
31.

Zitat von summsi50
man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen... Pfleger fesseln zehntausende Alte ans Bett..... wer diesen .....
genau so sieht es aus !

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RudolfHege 24.04.2012, 16:57
32.

Die geschilderten Zustände sind eine Folge des gesellschaftlichen Wandels: Immer mehr alleinlebende Alte, immer weniger Familien, die bereit sind, Alte zu pflegen. Klar, mit Geld kann man vieles verbessern. Sparpolitik ist schlicht die Folge fehlender Mittel. Wir alle müssten dann nur bereit sein, immer mehr in die Kassen einzuzahlen. Nur, wie viele sind zu dieser Solidarität bereit, wenn es an den eigenen Geldbeutel geht. Noch dazu für Alte, die man selbst gar nicht kennt?

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nebenjobber 24.04.2012, 16:57
33. Sie wehrt sich

Zitat von Querspass
Nein so was? Leider hat Oma aber keine Chance den Rechtsweg zu beschreiten. Dagegen helfen bestimmt irgendwelche Pillen. Und wenn ich hier sonst noch von "fliehen" lese - dagegen gibt es Armbänder und Sensoren am Eingang.
solch einen Kommentar können Sie sich sparen, zeugt er doch nur vo mangeldem Textverständnis beim Lesen anderer Kommentare.

Zum Thema Pillen finden Sie bspw. eine Aussage die mit Ihrer ironischen Bemerkung nichts zu tun hat. Und wenn ich etwas von "wehren" schreibe, haißt das nicht, sie wehrt sich vor der letztendlichen Fixierung sondern bei normalen Tätigkeiten, die mit ihr oder für sie durchgeführt werden.

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beutzemann 24.04.2012, 16:59
34. >|-)

Zitat von holgermesle@web.de
Das sogenannte Fixieren einzelner Heimbewohner geschieht zu derem Schutz! Oder was wollen sie tun wenn sie einen Heimbewohner haben der derart wackelig auf den Beinen ist das er beim aufstehen aus dem Bett sofort stürzen würde? Er aber ....
Die helleren Foristen hier sehen schon was läuft/notwendig ist...

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ow2011 24.04.2012, 17:00
35.

Prüft man die Geschäftspläne von Pflegeheimen und anderen Einrichtungen mit gleichem Geschäftszweck erkennt man, dass das Betreiben solcher Einrichtungen hoch profitabel ist. Warum Pflegekräfte schlecht bezahlt werden, an der Pflege im Bereich Personal und sonstige Aufwand gespart wird, hat sich mir nach Prüfung der Zahlen nie ergeben. Aber irgendwann kann es jeden treffen, genau dann, wenn man sich nicht mehr wehren kann. Richtlinien und Vorschriften zur Pflege gibt es genügend, sie müssten nur eingehalten werden. Statt zu agieren, diskutieren Verbände und Politik, damit diskutiert ist. Nur hilft es niemandem.

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kennybln 24.04.2012, 17:01
36. Nicht nur ältere Menschen

Dieser unwürdige Zustand betrifft nicht nur ältere Menschen und Demenzkranke. In vielen Bundesländern werden schwerstpflegebdürftige Menschen auch jüngeren Alters in Pflegeheime abgeschoben und verwahrt. Viele dieser Menschen könnten ein selbstorganisiertes Leben mit entsprechender persönlicher Assistenz leben, dieses wird Ihnen aber mit der Begründung der enormen Kosten verwehrt. Das damit sogar gegen geltendes Recht verstossen wird, wird dabei billigend in Kauf genommen.(sieheUN-Behindertenrechtskonvention)

Wenn man aber hinter die Kulissen schaut und sieht warum die Unterbringung in einem Pflegeheim oft kostengünstiger ist, kommt man schnell zu dem Schluss, dass es oftmals an der Unterbesetzung liegt. Wollte ein Heim seinen Insassen (von Bewohnern möchte ich hier nicht spechen) ein wirklich würdiges Leben bieten, müssten es mit viel mehr Personal arbeiten und demnach wäre es um einiges teuere als es derzeit ist und somit eine persönliche Assistenz eine wirklich Alternative.

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Politikum 24.04.2012, 17:02
37. lächerliche Entschuldigungsversuche

Menschenunwürdige Behandlung damit rechtfertigen zu wollen, dass die Einrichtung am Personal spare, ist nicht zu tolerieren. Was ist das eigentlich für eine lächerliche Moralvorstellung?

Was machen Pflegekräfte denn noch alles so für Geld? Was kostet es denn, dass Arbeitnehmer über die Menschenrechte hinwegsetzen? Wirklich nur den typischen, bekanntermaßen geringen, Lohn von Pflegekräften?

Das ist traurig, dass Menschen anderen Menschen für ein paar Euro Lohn so behandeln. Die Festbinder und Pilleneintrichterer sollten sich was schämen, für Geld so zu handeln ...

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Kanzleramt 24.04.2012, 17:04
38. Pflege- und Betreuungsarbeit nicht anerkannt und nichts wert

Zitat von korbinianbrunner
Nach einem 3-wöchigem Praktikum in einem Altenheim, muss man leider sagen, anders geht es nicht. Man ist leider gezwungen einen dementen Menschen zu fixieren. Fast 2 km konnte einer der Bewohner fliehen, als er es schaffte seine Gurte am Bett zu lösen. Das besonders traurige war, dass er zurück zu seiner Frau wollte, die aber schon seit 13 Jahren verstorben war.
Wäre das nicht mit mehr und motivierterem und besser bezahlten, besser geschulten und besser behandeltem Personal. Aber da kommt ja gleich wieder die Frage: "Wie soll man das finanzieren?" Die Frage ist sicherlich nicht unbedingt unberechtigt. Aber 'uns allen' ist die Pflegearbeit ja nichts wert. Ich denke, dass Pflegearbeit ein körperlich wie psychisch anstrengender und 'dreckiger' Knochenjob ist, mit viel Verantwortung. Man hat den ganzen Tag Umgang mit gebrechlichen, kranken und dementen Menschen, die vielleicht gefüttert und gewaschen werden müssen. Für diese anstrengende Tätigkeit sind die allermeisten Altenpfleger und auch Krankenschwestern und Krankenfpfleger sicherlich völlig unterbezahlt (jedenfalls so weit mir bekannt ist). Dabei üben diese Menschen täglich eine Arbeit aus, die im Grunde wahrscheinlich viel verantwortungsvoller und mindestens genauso anstrengend und dabei viel 'dreckiger' ist als jede Zahlendrehertätigkeit im gehobenen Management einer Bank oder Beraterfirma. Und da sieht man eben daran, dass eigentlich nie nach Leistung gezahlt wird, sondern nach Prestige. In den Augen der Gesellschaft sind solche Pfleger doch gescheiterte "Unqualifizierte", die nichts besseres konnten/gefunden haben ("selbst schuld") oder haben wahlweise möglichst billige(!) (sogenannte) Fachkräfte zu sein. Mit 'unserer' Mentalität stimmt also etwas nicht.

Und weil hier jemand sinngemäß gemeint hat, dass die Alten mal wieder abgeschoben werden, weil sie lästig sind. - Es sind nicht nur die Alten. Es sind auch schon die Kinder. Jeder schreit nach Kindergärten und Kitas - aber in der Nachbarschaft will man die "kleinen Terroristen, die den ganzen Tag nur rumschreien" nicht haben. Die stören einfach.

Also kann man indirekt und abstrahiert sagen, dass eine gute Altenpflege auf der einen Seite und auch eine flächendeckende, gute Kinderbetreuung im Grunde gesellschaftlich nicht gewollt sind. Es ist uns schlicht und einfach zu teuer (teuer ist das definitiv und sollte es uns auch sein) oder es stört uns. Gebrechliche Alte und Kinder sind einfach keine sogenannten Leistungsträger (mehr - bei den Alten) und damit gesamtgesellschaftlich in der Mentalität als unbeherrschte Störenfriede und (noch - bei Kindern) brach liegendes Humankapital angesehen. Das Denken hört auch am eigenen Gartenzaun auf; was interessieren einen die Kinder oder die Eltern der anderen. Das sind doch nur auf irgendeine Weise Konkurrenten.

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andrea.stoerk 24.04.2012, 17:05
39.

mal wieder ein Bericht - toll, toll.
Wer mag, kann sich entsetzen, wer nicht, mag es bleiben lassen.

So lange alte, hilfs- und pflegebedürftige Menschen als Last empfunden werden, so lange werden dumping-Löhne, viel zu wenig (ausgebildetes) Personal und chronische Überforderung aller Beteiligten trauriger Alltag in vielen Pflege-Einrichtungen sein.

Altenpflege hat Zukunft...
Der Preis, den die Beteiligten dafür zu zahlen haben, ist hoch!

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