Forum: Panorama
Prozess im Fall Diren: Ende eines amerikanischen Traums
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Diren Dede suchte die Freiheit. Der Hamburger Schüler ging für ein Austauschjahr in die USA, in die Rocky Mountains. Er fand schnell Freunde, er gewann die Menschen für sich. Dann erschoss ihn Markus Karmaa mit einer Schrotflinte. Nun beginnt der Prozess.

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torrente007 01.12.2014, 22:06
290.

Naja, Herr Kaarma hat ja förmlich gewartet und es darauf angelegt. Dieser Mann hat nicht zufällig einen Einbrecher erwischt sondern wollte Töten. Scheinbar hat er es sogar angekündigt.

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Zeitwesen 01.12.2014, 22:08
291.

Zitat von Immerandersdenker
oder versammelt sich im Forum von Spiegel Online fast ausschließlich der konservative Bodensatz der Deutschen, denen ein Menschenleben weniger wert ist als die Einhaltung des Gesetzes? Selbst Schuld, wer in den USA ein Privatgrundstück bei Nacht betritt, darf ruhig abgeknallt werden, denn es ist ja legal?! Meine Güte, wenn ich mich hier über die Ignoranz gewisser Menschen so auslassen würde, wie es nötig wäre, würde mein SPON-Profil gesperrt werden. Wahrscheinlich kennen hier die meisten nichtmal die ganze Story, sonst würden diejenigen nämlich keinen solchen Stuss reden, vonwegen "selbst schuld".
...bei dem Mann wurde nunmal mehrfach eingebrochen zuvor.
Woher sollte er wissen dass Diren ein multitalentierter, unbewaffneter Austausschüler ist, der ihm nur ein paar Bierflaschen klauen wollte, aber ansonsten ein ganz lieber ist der nur spielen wollte?
Natürlich ist es im Nachhinein absolut unverhältnismäßig, da Diren nur klauen wollte.
Ob es im Ort bekannt war dass Jugendliche Garage-Hopping betreiben wage ich zu bezweifeln, wahrscheinlich eher nur ein unter jugendlichen teilweise bekannter "kick".
Diren war auch nicht zum ersten mal auf "Lausbuben-Streich-Tour", sondern es hatte wohl schon eine gewisse Regelmässigkeit laut Aussagen seiner "Freunde".
In den USA, in denen fast jeder eine Waffe hat, nachts in fremden Garagen rumzuwühlen ist daher genauso dämlich wie in Saudi-Arabien FKK zu betreiben.
Dass er nachts in fremden Garagen eventuell als Einbrecher angesehen werden könnte, sollte ihm mit 17 Jahren bewußt gewesen sein.
Natürlich ist es tragisch, dass er erschossen wurde.

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fab64 01.12.2014, 22:11
292. Um es vorweg zu nehmen..

..ich will hier den Täter auf keinen Fall in Schutz nehmen. Ich sehe seine Tat nicht durch die Castle Doktrin gerechtfertigt, da er sich meines Erachtens auf die Lauer legte um zu schießen.
Dennoch ist die Castle Doktrin geltendes Recht in Teilen der USA, auch wenn das nach dt. Rechtsverständnis Unrecht scheint. Die Argumentation "wegen ein paar Flaschen Alk" beruht auf der nachträglichen Erkenntnis des möglichen (!) Motives, warum er die Garage betrat. Zum fraglichen Zeitpunkt dem Grundstücksbesitzer womöglich unbekannt, er muss da nicht zwangsläufig einen Terroristen vermutet haben, aber ob der Eindringling unbewaffnet / harmlos ist konnte er auch nicht wissen.

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middleearth 01.12.2014, 22:12
293. Es hat sich heute vieles geaendert.....

besonders hier in USA. Offene Garagen sieht man kaum noch, selbst im 'wilden Westen' nicht, wo viele das Gewehr oder den colt noch griffbereit haben. Missoula
ist eine Universitaetsstadt, wo man Sohn sich wie zu hause fuehlte, eine Kleinstadt wo ich ihn gerne besuchte
obwohl ich ueber tausend meilen weg im Mittelwesten
wohnte, direct an Lake Michigan. Jedenfall,
es scheint wie eine Falle fuer Jugentliche Auspropierer
oder solche die ueberrasch eine Garagentuere offen finden. Nur mal gucken gehen ist verlockend und fuer
den innerlich brutalen Haudegen oder Moerderer eine
erwartete Gelegenheit. Ein ansessiger Farmer war dieser Schiesser nicht, bestimmet nicht, ein solcher
haette gerufen: stop, wer bist dU?

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fredadrett 01.12.2014, 22:13
294. Dikussionslinie Eigentum

Alle die Erfahrungen mit zerkratzten Autos, Opfern von Eigentumsdelikten und ähnlichen sind, denen fehlt das Verständnis für den Garagendiebstahl. Alle anderen schätzungsweise ohne Respekt vor fremden Eigentum und ohne eigenes Eigentum sehen das natürlich lockerer.

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horst.wizemann 01.12.2014, 22:19
295.

Zitat von Annabel
Es ist fürchterlich, was dort passiert ist. Darf man trotzdem die Frage stellen, wie der junge Austauschschüler auf die Idee kam, eine fremde Garage aufzusuchen? Allgemein, und im besonderen im Gastland? Eine Frage, die ein bißchen arg in den Hintergrund gerät. Wie auch immer die Beweggründe, sie rechtfertigen natürlich NICHT den Tod des Jungen. Aber sie gehört mit zu dieser Geschichte.
Soweit ich die Sache verfolgt habe, hattene die Hausbesitzer das Garagentor ueber Nacht offen gelassen.
Sie hatten vorher schon Diebstahl probleme und haben dadurch eine Falle gestellt. Tor offen Bewegungsalarmanlage und dann sofort losgeschossen.
Meiner Meinung nach ist das nicht richtig und muss bestraft werden. Deren hat den Fehler gemacht, dass er in die Falle (Garage) ging.

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sierrabravofour 01.12.2014, 22:24
296.

Zitat von DerAlteSchwede
Es ist schon erstaunlich, wieviele anwesende Foristen sich auf das Gesetz berufen und die Tötung dieses Jungen als rechtlich legitim bezeichnen - genau das gilt es schließlich im Prozess erst noch festzustellen. Schwerwiegender und erschreckender ist jedoch, wieviele Leute hier der Meinung sind, der Junge sei 'eben selbst Schuld'. Ich kann mich nicht erinnern, unter einem Artikel über Ehebruch und eine anschließende Steinigung in einem muslimisch geprägten Land mal etwas gelesen zu haben wie: 'Da ist die Frau aber auch wirklich selbst Schuld, wenn sie in so einem Land Ehebruch begeht. Geschieht ihr doch Recht! Da hätte sie wirklich mit rechnen müssen...'.
Es ist schön (und bezeichnend?) das Sie nicht zwischen einer durch das Justizsystem eines Staates ausgesprochenen Strafe und der (vermutlich) durch Gesetz gedeckten Handlung einer Privatperson unterscheiden können. Das sind zwei total unterschiedliche Dinge.

Das "defense of habitation law" gibt es in Montana nun einmal her das jede Privatperson die sich der drohenden Gefahr des Todes oder schwerer Verletzung ausgesetzt sieht diese mit tödlicher Gewalt beantworten kann. Auch das deutsche Notwehrgesetz erlaubt unter gewissen Umständen den Einsatz tödlicher Gewalt. Bei genauer Betrachtung der Umstände, nachts in einer dunklen Garage, ein mit Taschenlampe (Schlagwaffe!) bewaffneter Täter der Kaarma unter Umständen auch noch ins Gesicht leuchtet und ihn dadurch blendet? Sorry, Kaarma konnte nicht sehen was Diren sonst noch so rumschleppt und hat geschossen.

Die Frage ob Diren "selbst Schuld" ist erübrigt sich. Es gibt meines Wissens keinen Zwang in fremdes Eigentum einzubrechen und obendrauf noch andere Straftaten wie Diebstahl zu setzen.
Wer kann weiterhin garantieren das Diren Kaarma nicht mit der Taschenlampe bearbeitet hätte um einem kleinen Plausch mit den ortsansässigen Coppern zu entgehen?

Bei aller Sympathie für den Jungen, er hat von Anfang an falsch gehandelt und die Situation ist zum worst-case eskaliert.

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*HuHa* 01.12.2014, 22:31
297. Prozess abwarten

Es ist schon komisch, wie eine Netz-Community wie diese hier, die sich für so unsäglich weise, tolerant und weltoffen hält, derart USA-Bashing betreibt gegen die Sitten des Landes, gegen die Waffengesetze, die Waffenkultur, die Castle-Doktrin, das amerikanische Verständnis von Freiheit und Respekt vor dem Eigentum anderer.

Vorurteile, das ist immer das, was stets nur die anderen haben - die Unwissenden, die nicht wie die heilige Gemeinschaft der Foristen die Weisheit mit Löffeln gefressen haben.

Vorverurteilung, bevor ein Gericht überhaupt angefangen hat, die Wahrheit herauszufinden - was ist das anderes als die (hinterher) "ich hab's doch gleich gesagt" -Variante von Vorurteilen?
Leute, wartet doch um Himmels Willen ab, wie das Gericht urteilt, bevor ihr dieses Urteil zusammen mit allen daran Beteiligten in der Luft zerreißt!
Weder war Diren ein Unschuldslamm, noch Karmaa ein blutrünstiger Psychopath (und wahrscheinlich genausowenig ein eingeschüchterter Kleinbürger, der sich nur verteidigen wollte), noch sind die Amis alle irre Waffennarren, noch kann man deutsche Verhältnisse einfach auf die USA übertragen (und umgekehrt genausowenig).

Und vielleicht würdigt das alles das Gericht auch entsprechend. Unmöglich? Kaum. Wahrscheinlich? Ich weiß nicht. Aber man kann ja zumindest hoffen.

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GarbageDay 01.12.2014, 22:37
298.

Ich war 2009 in Texas zum Austausch (hatte da nebenbei bemerkt auch eine tolle Zeit und alles war bestens). Mir wurde damals von allen Seiten schon in Deutschland und dann auch bei der Gastfamilie eingetrichtert: Benimm dich, halte dich an die Gesetze und bleib spät abends besser zuhause. Insofern, ja Diren hätte das auch wissen müssen. Dennoch, ich weiß, dass vor Ort die eventuellen Gefahren anders eingeschätzt werden. Ich war auch in einem ruhigen, wohlsituierten Vorort und da fühlte ich mich genauso sicher wie in Deutschland. Insofern würde ich hier nicht arrogant über Diren urteilen wollen und finde das auch nicht angemessen, selbst wenn er etwas klauen wollte und unerlaubt ein Grundstück betreten hat. Niemand hat den Schützen gezwungen die Konfrontation zu suchen. Er hätte auch einfach die Polizei verständigen können - er hatte ja sogar eine Überwachungskamera und somit eine Videoaufnahme. Ich glaube, er wollte tatsächlich einfach jemanden für vergangene Diebstähle büßen lassen, hat deshalb eine Falle gestellt und dann einfach kaltblütig geschossen. Persönlich fände ich es daher richtig, wenn der Schütze verurteilt wird. Ich weiß aber, dass in einigen US Staaten das Notwehrrecht sehr großzügig ausgelegt werden kann. Keine schlechte Sache, wenn man tatsächlich in Gefahr ist, aber zu große Freiheiten werden leider auch missbraucht.

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middleearth 01.12.2014, 22:40
299. Zu einfach, zu einfach diese Ansicht, obwohl

Zitat von katzenheld1
Ihre Argumentation ist in der Tat erschreckend. Ob es sich um einen Diren, Christian, Wladimir oder um einen Ramon handelt - jeder sollte sich tunlichst an die Gesetze seine Gastlandes (und seines eigenen Landes) halten. Stehlen und Einbruch in fremde Häuser gilt zwar weltweit als Straftat, wird aber unterschiedlich geahndet und dem auserkorenen Opfer einer Straftat stehen in den USA eben andere Rechte zu als in Deutschland. Im beschriebenen Fall hätte es genau so gut einen weißen Amerikaner treffen können oder einen urdeutschen Bayern oder einen russischen Austauschschüler. Für alle hätte das gleiche gegolten: keine Straftat begehen, dann wäre nichts passiert.
Da waren viele Garagen offen zu einer Zeit die in der Vergangenheit liegt. Ich hatte ein Haus in Nebraska
auf dem absoluten land wo einstmals die Garagen offen standen. Nicht mehr!!! Eine andere Zeit, Missoula ist
nicht mehr so wie in der Zeit als mein Sohn dort zur Universitaet ging. So, wenn jemand seine Garage offen
haelt und mit Gewehr oder colt schnell bei der Hand ist,
sieht das schon eigenartig aus. Mein sohn und andere Schueler, dann im oestlichen Teil Americas gingen pool-hopping nach High School stunden. Nach hause von einem swimming pool zum anderen. ha, ha, ha, -
die Polizei guckte manchmal zu und die eigentuemer drohten mit dem langen Besen. Aber das waren andere Zeiten damals. Eine offene tuer ist eine Falle, und in die
duerfen unsere Jugend wirklich nicht mehr reinfallen.

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