Forum: Panorama
Prozess um No-Angels-Sängerin: "Ich hatte einfach tierische Angst"

Warum verschwieg sie ihren Sex-Partnern, dass sie HIV hat? Gleich am ersten Verhandlungstag im Prozess gegen Nadja Benaissa kreiste alles um die entscheidende Frage. Die No-Angels-Sängerin zeigte Reue und versuchte, ihr Verhalten zu erklären - in den Augen ihres mutmaßlichen Opfers eine Farce.

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JaySm 16.08.2010, 19:55
60. aha.

Zitat von ilomego
Und ich als Mann frage mich, warum das Bundesgesundheitsministerium bei der Kampagne "Gib AIDS keine Chance" nicht endlich die Wahrheit sagt. Oder warum weiß heute in Deutschland so gut wie niemand, was UNAIDS bereits vor über 6 Jahren (S. 15 unten in ) als gute Zusammenfassung der wichtigsten Studien veröffentlicht hat, dass nämlich Kondome die Ansteckungswahrscheinlichkeit lediglich um 90% senken. Das bedeutet übersetzt, die Zeit bis zu einer Infektion wird bei unveränderter Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs statistisch gesehen um den Faktor 10 verlängert. Oder bei 10 Paaren mit Kondom ist die Ansteckungswahrscheinlichkeit für eines der zehn Paare statistisch gesehen genauso hoch, wie bei einem Paar mit ungeschütztem Verkehr. Wer den Slogan "Gib AIDS keine Chance" verbreitet und dabei den Stand der Wissenschaft verschweigt, macht sich gegenüber denen schuldig, die glaubten, sie gäben AIDS tatsächlich keine Chance.
Die "Uebersetzung" ist so nicht aufzustellen.
Und im Uebrigen ist die "Gib' AIDS keine Chance" Kampagne relativ einfach zu vermitteln - was glauben Sie welchen Erfolg eine "Kondome bieten nur 90% Schutz, aber benutz' sie trotzdem - besser als nix" Kampagne haette: Rein gar keinen.

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vHayekFan 16.08.2010, 19:55
61. ein Vollprofi

Alle Achtung!
Zumindest weiss der Mann, wie man sich vor Gericht in Szene setzt.
Hat wohl aufn Rechtsbeistand verzichtet, der ihn vorher ein bisschen einstimmt, bzw. vor allzu grobem Unfug warnt.
Fehlte aber leider noch n richtiger Knaller, wie z.B. "Herr Richter, stellen Sie sich mal vor, ich hätte danach Ihre Tochter getroffen."

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coolcalmcollected 16.08.2010, 19:55
62. Zunehmende Sorglosigkeit

Wie "aufgeklärt" und verantwortungsbewusst deutsche Männer sind, kann man leicht nachprüfen: Einfach mal nach Bordellen in der eigenen Stadt googlen. Mit ziemlicher Sicherheit wird so ziemlich jeder hier eine Überraschung erleben. Von "Flatrate-Puff" bis "FKK-Club" gibt es jeder größeren Stadt mehr Puffs als Kinos.

Und in großen Städten machen diese dreckigen AIDS-Verteilstationen sogar auf Taxis oder Werbetafeln in Wohngebieten Werbung für sich.

Bei der Gelegenheit kann man auch mal nachsehen, was sich in Bezug auf Syphilis- und ähnlichen Infektionskrankheiten hier bei uns in den letzten Jahrzehnten getan hat: Die Infiziertenraten explodieren!

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unterländer 16.08.2010, 19:56
63. Ach ja, der Titel

Zitat von SteveFfm
Eigenartig, wie in diesem Artikel die Rollen vertauscht werden. Die Täterin wird als bemitleidenswertes Opfer dargestellt, das Opfer dagegen als verantwortungslos und selbst Schuld an seinem Schicksal.
Diese Art der "Berichterstattung" ist bei Frau Friedrichsen in letzter Zeit häufiger zu beobachten. Frau Friedrichsen berichtet nicht. Sie kommentiert. Aber irgendjemand, sie selbst oder evtl. ein anderer Redakteur, hat nicht die Traute, den Artikel als Kommentar zu überschreiben. Schon die Wortwahl, mit der sie den Nebenkläger und seine Reaktionen beschreibt, lässt erkennen, wo ihre Sympathien liegen. Passt nicht zu einer Gerichtsreportage, sondern wie gesagt, zu einem Kommentar.

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frank2222 16.08.2010, 19:58
64. Vaterschaftstest bei Viren

Zitat von Walther Kempinski
Achja? Das sehe ich komplett anders. Ein Virus hat zwar eine DNA, jedoch ist es die DNA des Virus. Es ist eine Fremd-DNA und kann somit nicht einem Menschen zugeordnet werden. ... Ich bin kein Genetiker, aber aber ich denke mal der Virus befiehlt der Zelle nicht eine "History" anzulegen. Was kopiert wird ist ja zudem die DNA des Virus. Das Virus hat kein Interesse daran die DNA der Wirtszelle zu vermehren, sondern nur sich selbst. Wo soll da die Information sein vom vorherigen Wirts"tier"?
Der Virus ist ein "Lebewesen", wenn auch der minimalsten From, und hat somit eine unabänderliche DNA. Bei der Vermehrung können durch Mutationen natürlich leichte Abänderungen der DNA passieren. Aber trotzdem kann man feststellen, wie nahe die Viren in den Körpern von Täterin und Opfer verwandt sind. Das ist wie beim Vaterschaftstest. Da sagt ein Virus zum anderen: laut Gutachten bist zu 99.999% mein Vater.

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5Minute 16.08.2010, 19:59
65. ..

Zitat von p.s.eudonym
Schuldfrage? Naja, es war Fahrlässigkeit und kein Vorsatz, aber das war's auch schon mit den mildernden Umständen.
Wieso kein Vorsatz? Das müssen Sie mal erklären.
Weil Sie zu dumm war?

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holjanger 16.08.2010, 20:00
66. ...komisches Rechtsverständnis

@klicker: Ich fände es schon komisch, wenn man für mutwillig oder grob fahrlässig angerichtete Schäden nicht aufkommen müsste. Das gilt genauso für Schäden an der Gesundheit eines Menschen und wir dim Übrigen auch so gehandhabt. Wenn ich einen Menschen im Straßenverkehr anfahre, habe ich neben den Schmerzensgeldforderungen auch die Behandlung und evtl. Ansprüche der Sozialversicherungträger zu tragen.

Es ist doch ganz einfach: Wir dmir eine Pflichtverletzung nachgewiesen, soll ich den Schaden tragen.. und nicht die Allgemienheit. Wieso sollte das in diesem auch noch strafrechtlich relevanten Fall anders sein. Eine viel krassere PPflichtverletzug gibt es doch kaum.

Und zu Ihrem Beispiel mit dem Infizierer der Sängerin: Wenn dieser nicht wusste oder hätte wissen müssen, dass er infiziert ist, kann es sich auch nicht um Körperverletzung oder eine andere Pflichtverletzung handeln. Ergo: kein Schadenersatz.

Also bitte etwas differenzieren!

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Michael Giertz 16.08.2010, 20:01
67. Politisch unkorrekt gedacht

Zitat von frank2222
Super, wenn das euer Rechtsverständnis ist. Die Frau soll frei kommen. Habt Ihr euch überlegt was das für Konsequenzen hätte. Andere Infizierte könnten alle Vorsicht beim Sex fahren lassen, mit unabsehbaren Folgen für die Gesellschaft. Manche Menschen könnte sogar auf die Idee kommen, dass man statt eines Auftragskillers besser eine/n gutaussehende Infizierte/en losschickt, um jemanden auszuschalten. Das Risiko für den Auftraggeber und für den Auftragsmörder wäre gleich Null. Falls so eine Tat ungestraft bleibt, wäre das die ideale risikolose Variante für Rache. Überlegt euch das mal!
Eine Vermutung hätte ich da noch:

Was würde wohl passieren, wenn ein MANN einer Frau seine Infektion verschweigt und mit ihr ungeschützten Geschlechtsverkehr hat?

Richtig. Keine Sau (Sie verzeihen den Ausdruck) würde sich für den Mann einsetzen. In der BILD würde der Mann als "krankes Schwein", als "Seuchenschleuder", "Aids-Verteiler" und was weiß ich nicht alles bezeichnet. Das Opfer würde in allen Instanzen Recht bekommen, niemand käme auch nur auf die Idee, den Tathergang nachzuvollziehen und z.B. rauszufinden, dass die Frau gar nicht erst gefragt hat oder gar ungeschützten Verkehr wollte!

Jetzt haben wir genau den anderen Fall. Eine Frau infiziert wissentlich einen Mann beim ungeschützten Geschlechtsverkehr - und wird am Ende noch zum Opfer umgedeutet. Wieder ist der Mann verantwortlich, er hätte ja ein Kondom nehmen können!

-----

Diese Ungleichheit bei der Täter-Opfer-Behandlung widert mich an. Für mich sind beide Seiten gleich verantwortlich und müssen demnach mit den Konsequenzen leben. Der Sex-Partner, der seine Infektion verschwiegen hat, hat mit ein paar Monaten Haft bestraft zu werden, der Sex-Partner, der infiziert wurde, ist genug gestraft und sollte auch keinen Anspruch auf Schmerzensgeld o.ä. haben.

Wozu auch?
Wer mit wildfremden Menschen ungeschützten Sex hat, weil's "geiler" ist, setzt sich bereitwillig einem unkalkulierbaren Risiko aus, handelt also DUMM.
Warum sollte es dann in irgendeiner Form Geldzahlungen vom "Täter" geben? Das Nichtangeben einer HIV-Infektion vor dem einvernehmlichen Geschlechtsverkehr ist jedenfalls strafbar, dafür gibt's Haft.

So seh' ichs. Mein "Richterspruch" bleibt:

Haftstrafe für Nadja Benaissa
Keine Schadenersatzansprüche für das "Opfer"

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k.koch 16.08.2010, 20:02
68. Kausalität

Frau B. hat zugegeben, mit ihm geschlafen und ihm nichts von der ihr bekannten HIV-Infektion gesagt zu haben. Das wäre wohl der Versuch einer gefährlichen Körperverletzung (bei erheblichem Mitverschulden des Opfers).

Aber was sie nicht zugeben - weil nicht wissen - kann: War sie überhaupt diejenige, die ihn angesteckt hat? Das wird die eigentliche Frage des Prozesses sein. Und da werden sehr schwierige medizinische Fragen zu beantworten sein.

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klicker 16.08.2010, 20:03
69. ich hatte einfach tierische angst

zu dem Beitrag von Redford-fan: Ob Sie nun das Virus so benennen möchten, oder in seiner Auswirkung als von den Medien, der Mehrheit der Mediziner oder der Pharmabranche als übertrieben dargestellt sehen möchten.. Ein Virus, dass derart massiv und schnell die Zellen eines Körpers angreift und fortwährend aggressiv mutiert, ist als gefährlich einzustufen. Menschen, deren Helferzellen-Wert sich in kurzer Zeit derart absinkt bei steigender Viruslast im Körper, sind mitunter starken Einschränkungen und Folgeerkrankungen ausgesetzt. Ich verstehe in diesem Zusammenhang nicht, warum Sie eine Angst vor dem Virus bzw. der Erkrankung als übertrieben einstufen, und empfinde es den Betroffenen gegenüber als befremdlich.

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