Forum: Panorama
Rassismus-Vorwürfe: Tönnies, Wurst und Wahn
Axel Heimken/ DPA

Sommermärchen 2019: Clemens Tönnies hat das Edelste in den Deutschen geweckt. Den Rassismus, über den sich so viele empören, schöpfen manche aus sich selbst. So viel Moral war selten.

Seite 58 von 63
570. Schlusswort

des Kolumnisten (für diesmal):

Ganz interessante Diskussion, fand ich. Vor allem auch sehr (!) interessant: Ungefähr 99 Prozent aller Kommentare befassten sich mit der Frage, ob, wie und wie schlimm die Äüßerung von Tönnies "offen", "subtil", im "Subtext", ausdrücklich, "offensichtlich", klar usw. "rassistisch" war und wie schlimm sein "Alltagsrassismus" sei.

Die Kolumne bestand allerdings zu etwa 95 Prozent aus Beispielen, HInweisen und Anspielungen auf den Alltagsrassimus derjenigen, die sich so über die Maßen über Tönnies erregen. Es ging nicht um Schweinezucht, das "Versagen der Presse" oder um die Symbolik in Clemens Tönnies, sondern um die Symbolik in seinen Kritikern, also in uns. Praktisch kein Kommentar hat das bermerkt oder aufgegriffen.

Das Ganze erinnert recht stark an die ganz große Empörung nach Gaulands "Nachbar Boateng"-Äußerung. Denn selbstverständlich wären 99 Prozent der Deutschen gern die Nachbarn von Herrn Boateng. Sie möchten nur nicht so gern Nachbarn von schlecht integrierten jungen Männern aus Ghana sein. Aber das hat mit Alltagsrassismus ebenso wenig zu tun wie die Liebe der alten weißen Frauen und der breitbeinigen deutschen Weltenbummler zum Afrikaner oder Brasilianer an sich, dem der Fußball, die Körpereleganz, das Tanzen und der Rhythmus einfach im Blut liegen.

Faszinierend ist es, eine Moral-Armee in voller Rüstung zum Marktplatz ziehen zu sehen, wo sie einen unter sich an die höchste Carbon-Rahe knüpft, weil er sich herablassend in das ökologische und populationssoziologische Verhalten der Afrikaner eingemischt hat statt aufzuhören, die deutschen Veganer des herzens zum Fressen von 20 Millionen Schweinen zu zwingen.

Denn statt nach Gutsherrnart zwanzig große Kraftwerke nach Arika zu "spendieren", würde es UNS unsere Verantwortung für Afrika und die Welt nämlich gebieten, sofort eine Abwrack-PRÄMIE für Ölheizungen einzuführen. Dann ändert sich das Klima, und dann klappt's auch mit Afrika.

Insoweit ist es ganz erhellend, aber auch lustig, zu lesen, welche zum Äußersten gesteigerte Bestrafungs-Wut und Entschlossenheit zur Verachtung sich über den ostwestfäligen "Alltagsrassisten" ergießt, der öffentlich ungefähr dasselben getan hat, was der Rest spätestens (!) dann tut, wenn's dunkel ist.

Wie gesagt: Interessant, dass davon in praktisch keinem Leserkommentar die Rede war, obwohl es sich offenkundig ums Hauptthema der Kolumne handelte.

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fotobiene 18.08.2019, 13:23
571. Publikumsbeschimpfung

Zitat von Thomas Fischer (SPON-Kolumnist)
Die Kolumne bestand allerdings zu etwa 95 Prozent aus Beispielen, HInweisen und Anspielungen auf den Alltagsrassimus derjenigen, die sich so über die Maßen über Tönnies erregen.
Zwar ziehe ich mir den Schuh ihrer Kritik an den Kommentaren nicht an, jedoch fand ich genau DAS, diese lustige Sammlung von mal mehr, mal weniger passenden Beispielen, die angeblich auf der Höhe der rassistischen Äußerung von Tönnies liegen, eher schwach, zumal Sie ja versuchen, Tönnies zu "exkulpieren", was dann ja auch auf diese Beispiele zuträfe.
Sie sind jedenfalls, wenn man über "den Fall Tönnies" sprechen möchte, schlichter - und schlechter - Whataboutism.

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Margaretefan 18.08.2019, 14:02
572. @ #506 von Trojan_Hero

Ich vermute, dass Sie noch nicht all zu alt sind. Ihr "Kampf" gegen den Rassismus, würde am Ende Ihres Weges, wenn Sie denn erfolgreich werden würden, dazu führen, dass Sie feststellen müssen, dass alle - außer Ihnen natürlich! - Rassisten sind. Ich verrate Ihnen mal was. Das stimmt wohl sogar. Ich persönlich kenne niemanden näher (im Sinne von sehr lange), der noch nie was gesagt hatte, was als rassistisch angesehen werden kann oder gar muss. Unschön ist auch die Tatsache, dass sich auf Schulhöfen in den 70ern noch üble Judenwitze erzählt wurden. Ob Sie's mir glauben oder nicht, ist mir letzenslich egal, aber mir persönlich liegt sehr viel daran Rassismus wirksam zu bekämpfen. Ich mache mir auch echt Sorgen, dass pünktlich zum 100-Jährigen 2033 wieder Herrenrassedenker die Macht übernehmen könnten. Nur bin ich der Meinung, dass Sie mit Ihrem, zumindest mich an Verfolgungswahn erinnernden Herangehensweise, nichts dazu beitragen können, das zu verhindern. Echte bzw gefährliche Rassisten können sich bei Ihnen wunderbar in der großen Masse der Menschen, die von Ihnen als Rassisten erkannt werden unentdeckt verstecken, denn die gehen einfach im Rassismusvorwurfsgrundrauschen mit unter.

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michiflumm 18.08.2019, 14:17
573. Anerkennung der Realität

Anhand der Kolumne hat man gesehen ,wie Schwierig es ist, die Realität ( Umstände und genauen Inhalt der Tönniesrede) darzustellen + zu rekapitulieren. Realität als Grundlage der Diskussion . Die hier geäußerten Meinungen und Haltungen bilden den Durchschnitt in unserer Gesellschaft ab.
Hier ist es, wie wenn man ein Kunstwerk oder ein Gedicht interpretiert. Der Kolumnist fühlt sich falsch verstanden, oder zeitigt die Kommentatoren als ahnungslos und wenig reflektiert. Nun ja.
Am Ende sagen die Kommentare mehr über die Verfasser selber aus als über das Kommentierte. Ist es nicht daselbe? Auf jeden Fall war auch diese Kolumne nicht sinnlos, auch wenn 99% das Thema verfehlt haben.
Der Begriff Rassismus ist ein "starker" vieles überstrahlender Begriff. Das was damit beschrieben werden soll, muss immerweiter bestimmt, differenziert und kommuniziert werden.

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fotobiene 18.08.2019, 14:33
574. Im Gegenteil!

Zitat von Margaretefan
Ich vermute, dass Sie noch nicht all zu alt sind. Ihr "Kampf" gegen den Rassismus, würde am Ende Ihres Weges, wenn Sie denn erfolgreich werden würden, dazu führen, dass Sie feststellen müssen, dass alle - außer Ihnen natürlich! - Rassisten sind. Ich verrate Ihnen mal was. Das stimmt wohl sogar. Ich persönlich kenne niemanden näher (im Sinne von sehr lange), der noch nie was gesagt hatte, was als rassistisch angesehen werden kann oder gar muss. Unschön ist auch die Tatsache, dass sich auf Schulhöfen in den 70ern noch üble Judenwitze erzählt wurden. Ob Sie's mir glauben oder nicht, ist mir letzenslich egal, aber mir persönlich liegt sehr viel daran Rassismus wirksam zu bekämpfen. Ich mache mir auch echt Sorgen, dass pünktlich zum 100-Jährigen 2033 wieder Herrenrassedenker die Macht übernehmen könnten. Nur bin ich der Meinung, dass Sie mit Ihrem, zumindest mich an Verfolgungswahn erinnernden Herangehensweise, nichts dazu beitragen können, das zu verhindern. Echte bzw gefährliche Rassisten können sich bei Ihnen wunderbar in der großen Masse der Menschen, die von Ihnen als Rassisten erkannt werden unentdeckt verstecken, denn die gehen einfach im Rassismusvorwurfsgrundrauschen mit unter.
Ich möchte den von Ihnen angesprochenen Kommentar nicht verteidigen - vor allem wegen des "Unding, dass Herrn Fischer erlaubt ist", schon völlig inakzeptabel.
Ihre eigene Artumentation erscheint mir jedoch grob unlogisch:
Gerade wenn die "echten bzw. gefährlichen Rassisten" sich derzeit in einem "Rassismusvorwurfsgrundrauschen" "verstecken" können, wäre es hilfreich, den Alltagsrassismus selbst zu minimieren. Wenn sich jeder von uns darum bemüht, fallen diejenigen, die sich nicht bemühen, viel klarer auf.

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Margaretefan 18.08.2019, 15:27
575. Werte Mitforistin...

... fotobiene, dass Ihnen meine Argumentation unlogisch erscheint, scheint mir eine Folge dessen zu sein, dass Sie das was Sie Alltagsrassismus nennen, unterschätzen und gleichzeitig die Aussicht aufs Verbannenkönnen überschätzen. Permanent anklagend und niedermachend kriegen Sie den Alltagsrassismus nicht aus den Köpfen der Masse an Menschen, die Sie, so schätze ich zumindest, völlig unterschätzen. Ich bin ganz sicher mit mehr alltäglichem Rassismus aufgewachsen, der sich dann auch in meinem Sprachgebrauch einschlich, als Kinder und junge Erwachsene heutzutage. Gut so! Ich hab'' mir im Laufe von Jahrzehnten abtrainiert. Ich sage nicht mehr Neger oder Negerkuss usw. Nur mache ich Rassisten nicht am Sprachgebrauch (z.B Neger- oder Negerkusssager) fest. Da gibt es auch einfach schlicht ein paar unverbesserliche Holzköpfe, die meinen, dass sie das schon immer gesagt haben, ohne als Rassist verdächtigt worden zu sein. Können auch schon mal die eigenen Eltern, Tanten oder andere ältere Verwandten sein. Rassisten fallen eher selten mit unbedarftem Sprachgebrauch auf. Die kommen gern aus ihren Löchern, wenn ihnen eine Gelegenheit gegeben wird, nicht selten gar recht eloquent, gegen Muslime zu wettern. Die erklären Ihnen auch, warum man Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen lassen sollte, ohne sich eines rassistischen Sprachgebrauchs verdächtig zu machen. Sie hingegen, ziehen sich an Negerkusssagern hoch, so zumindest mein Gefühl.

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sf60 18.08.2019, 15:35
576. Ja, der Text ist lang!

Zitat von politvogel
macht ihn nicht besser. Der Verfasser scheitert mit dem Versuch seiner „Relativitätstheorie“. Es war ein rassistischer Auswurf des Großwildjägers und sein magerer Entschuldigungsversuch verdeutlicht das nur noch.
Und offensichtlich haben Sie ihn weder in Gänze gelesen noch das Gelesene inhaltlich verstanden.

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fotobiene 18.08.2019, 16:30
577. Gefühl

Zitat von Margaretefan
Sie hingegen, ziehen sich an Negerkusssagern hoch, so zumindest mein Gefühl.
So ist das manchmal mit dem Gefühl.
Eine schlechte Basis für eine sachliche Diskussion.
Nicht jeder, der eine rassistische Äußerung macht, ist darum ein Rassist. Das habe ich nirgendwo behauptet und liegt mir fern.
Eine rassistische Äußerung bleibt allerdings eine solche, auch wenn sie von einem Hohlkopf oder Professor geäußert wurde.
Ich kritisierte die innere Logik Ihrer Argumentation des "Sichversteckenkönnens", die Sie nun selbst aufheben.
Ich sehe jedenfalls keinen Sinn darin, Altagsrassismus nicht als solchen zu benennen oder irgendwelche Abstufungen einführen zu wollen, die Abgrenzung zur Volksverhetzung setzt § 130 StGB.
Ich verabschiede mich damit aus dieser Diskussion,
bis irgendwann mal wieder!

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andy70 18.08.2019, 16:44
578. Thema verfehlt?

Dass 95 % der Kommentare sich nicht auf das so energisch provokant vorgegebene Hauptthema des Herrn Fischer beziehen wollten, welches nun zum Abschluss nochmals nahezu trotzig erneut präsentiert wird- wohl um zu zeigen, dass man sich erfolgreich geweigert hat dazuzulernen oder nachzuempfinden, hat für mich nichts mit der attestierten Begriffsstutzigkeit zu tun, sondern vielmehr mit einer individuell autonom gewählten Schwerpunktsetzung. Anscheinend ist es für den Verfasser eine neue Erfahrung, dass man nicht über die von ihm so offensichtlich hingehaltenen Stöckchen springt...

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michiflumm 18.08.2019, 17:52
579. Der Vorhang fällt und...

Bei Tschechow heißt es: Die Nähe geht umher und kommt doch niemals zu sich selbst.
Wenn TF sinngemäß sagt, man solle bei sich selbst schauen und sein eigenes Verhalten betrachten, bevor man auf andere zeigt und sie bewertet , dann können die Schlüsselbegriffe nur lauten: Respekt, Empathie und Wertschätzung
Gegenüber sich selbst, anders denkenden, andersgläubigen usw. Am Ende geht es um Solidarität und die Erkenntnis, dass wir alle in einem Boot sitzen. Begriffsdefinitionen, Gesetze und Ironoe lassen uns am Ende nur , wie die Nähe, umher irren

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