Forum: Panorama
Schriftstellerin Alina Bronsky: "Sich Hausfrau zu nennen, hat etwas Revolutionäres"
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Mütter sollten nach einer Geburt möglichst schnell wieder arbeiten und möglichst lange: Das sei heute die Norm, klagt die Schriftstellerin Alina Bronsky. Hier erklärt sie, warum sie das für frauenfeindlich hält.

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steffmuc 12.03.2016, 10:17
1.

Erstaunlich, ich nehme in Deutschland eine sehr andere Realität war als die von Frau Bronsky geschilderte. Ich lebe im Zentrum einer Großstadt und sogar hier bleiben die meisten Mütter ein bis drei Jahre bei ihren Kindern zu Hause und arbeiten danach auch jahrelang nur Teilzeit. Ich habe das auch so gehandhabt und bin deswegen NIE kritisiert oder angefeindet worden. Wenn es allerdings darum ging, die Stundenzahl bei der Arbeit zu erhöhen oder nebenher zu studieren, kamen sofort die vorwurfsvollen Fragen, ob ich denn da noch genug Zeit fürs Kind hätte, ob das Kind dann nicht zu kurz käme. Vollzeit berufstätige Freundinnen müssen sich da noch ganz andere Sachen anhören...Vor ein paar Tagen gab es hier auf SPON einen Artikel über eine Hausfrau namens von Hutten. In dem dazugehörigen - sehr umfangreichen - Forum ereiferte sich die überwiegende Mehrheit der Kommentatoren über die bösen Karrierefrauen, die ihre Kinder vernachlässigen (Tenor: "Warum kriegt man dann überhaupt Kinder", "kein Wunder, dass es unserer Gesellschaft bald nur noch emotionale Krüppel gibt", "Männer können nicht gebären und nicht stillen, daher ist es natürlich, dass sich die Frau in den ersten Jahren um die Kinder kümmert" usw.). Gerade in Deutschland bekomme ich nichts davon mit, dass Mütter dazu gedrängt werden, bald nach der Geburt wieder zu arbeiten. Daher wundert es mich, dass es auf SPON innerhalb weniger Tage zwei Artikel gibt, die sich dieses "Problems" annehmen...

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christiane_anders 12.03.2016, 10:18
2. Wo bleiben da die Hausmänner?

Mir erschliesst sich nicht, warum kranke Kinder nicht auch von ihren Vätern betreut werden können. Gerade wenn das Kind mehrere Nächte intensive Betreuung braucht, macht es doch Sinn, das Vater und Mutter sich abwechseln. So sind dann eide Eltern halbwegs ausgeschlafen.
Deutschlandweit wurden am 1.3.2015 nur 33% der unter Dreijährigen in einer Krippe betreut. Der größte Anteil der unter Dreijährigen wird als nach wie vor zu Hause betreut.
Der Stress, den kleine Kinder durch eine Frembetreuung erfahren können, hängt stark von der Qualität der Betreuung ab. Mich wundert, dass man nicht sagt, wir wollen genauso gute Kitas wie in Dänemark und Schweden. Dort ist es übrigens auch völlig normal, dass sich die Eltern die Betreuung kranker Kinder teilen.

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marcnu, 12.03.2016, 10:34
3. Erfolg wird heute nur noch an beruflichem Erfolg gemessen.

In vielen Zeitschriften wird immer wieder von scheinbar erfolgreichen Geschäftsfrauen berichtet, die Beruf und Familie "unter einen Hut" bekommen. Die Qualität der Erziehung wird dabei meistens nicht diskutiert. Der eigentliche Erfolg besteht nämlich aus Glück und Zeit für die Familie.

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Melanie K. 12.03.2016, 10:37
4. über den Tellerrand

Niemand stört es, wenn eine Frau ihre Kinder betreut. Wie kommt die Autorin nur auf so einen Unsinn. Es gibt doch nicht nur Kreise in Berlin, die meisten Menschen wohnen immer noch auf dem Land und dort ist dies das vorherrschende Modell. Dort bleiben die Frauen zuhause, der Gatte verdient ordentlich bzw. die Eltern geben. Dank Ehegattensplitting, Erziehungsgeld, Freibeträgen, Kindergeld, günstigen Krediten für den Hausbau, kostenloser Krankenversicherung können Mütter (immer öfter mit Studium auf Kosten der Allgemeinheit) zuhause bleiben. Wenn die Kinder dann in den Kindergarten gehen, haben die Mütter Zeit, morgens zum Yoga zu gehen, zum Friseur, Joggen oder Einkaufen. Alles okay, nur Jammern, dass ja der öffentliche Druck so groß sei, geht gar nicht. Frauen geht es heute sehr gut, vor allem wenn Sie Kinder haben und verheiratet sind. Wer soll denn die Renten bezahlen, wenn die Frauen, die eine lange kostenlose Ausbildung genossen haben, nicht bereit sind zu arbeiten. Denn nach der Kindererziehung (spätestens nach 18! Jahren) sind die wenigsten Frauen bereit wieder Vollzeit einzusteigen. Das wäre ja unbequem und der Yoggakurs morgens müsste ausfallen.

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jakam 12.03.2016, 10:39
5. Tja...

Frauen, die Kinder bekommen, sind die Idioten der Nation. Nicht nur, dass man keine Karriere mehr machen kann, weil es im deutschen Jobmarkt fast unmöglich ist, wirklich beides effektiv zu vereinen (ausser man hat eh schon viel Geld und kann sich eine Betreuung leisten) - nein, man hat am Ende auch noch deutlich weniger Rente, weil einem diese verlorene Einzahlungszeit keiner ausgleicht.
Und wenn man sein Kind gerne selber betreuen würde statt es in fremde Hände zu geben - woher soll dann der Finanzausgleich kommen, um nicht auf eine unerwünschte Altersarmut zuzusteuern?
Schlimm genug, dass man als Frau wie Arbeiter zweiter Klasse für dieselbe Position bezahlt wird.
Wir haben uns klar gegen eigene Kinder entschieden, die Risiken waren uns schlicht zu groß. Solange kinderkriegende Frauen finanziell als Gebärmschinen ohne angemessene Ausgleichsbezahlung behandelt werden, könnt ihr eure zuküftigen Systemfinanzierer ohne uns kreieren.
Und jetzt auch noch der Nullzins - wie zum Teufel stellt sich die Regierung das eigentlich vor?
Harte Meinung? Absolut, aber wenigstens ehrlich genug, das ohne "ui aber Kinder sind doch sooo schön" Romantikgeseier zuzugeben.
Da leben wir lieber in der Realität.

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analyse 12.03.2016, 10:39
6. Bravo !Frau Bronsky hat sich nicht vom mainstream einschüchtern lassen!n

Studiert man die Hauptrichtung des Feminismus genauer,wird deutlich: Die Mütter stören !Es zählt in erster Linie die "berufstätige" Frau ,interessanterweise im Einklang mit der sonst verteufelten Wirtschaft.Die Leistung der Mutter wird runtergespielt,sogar die in den ersten 3 Lebensjahren des Kindes.Schade ! Umgekehrt sollte man auch nic ht andere "Lebensentwürfe" kritisieren.

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dergrosseonkel 12.03.2016, 10:42
7. Grundsätzlich

Gebe ich der Frau recht. Mit einer klitzekleinen Änderung: Männer können das auch obwohl wir nicht stillen können.
Unser Haushalt war lange Zeit ein Doppelverdienerhaushalt. Seit 3 Monaten geht meine Frau vollzeit arbeiten und ich bin für die nächsten Jahre Vater und Hausmann. Die klassische Rollenverteilung mit einem Part der arbeitet und einem der für die Familie da ist, hat sich für unsere Familie als optimal erwiesen. Kein Stress mehr, wenn jemand krank ist. Gemeinsame Freizeit an Wochentagen ist auch super. Wir werden in Zukunft besseres zu tun haben als zu zweit die Hälfte unserer Lebenzeit mit Arbeit für andere zu verbringen um dann noch die Hälfte des erwirtschafteten Geldes in Form von Steuern und Sozialabgaben, von denen unsere Generation ohnehin nicht mehr profitieren wird abzugeben. Wir werden einfach nur LEBEN!

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fuchsi 12.03.2016, 10:48
8. Ein wichtiger Beitrag

Die Begriffspaar reaktionär vs. fortschrittlich sollte nicht mehr zu den zentralen Axiomen der "Mütterdebatte" gehören. Dazu ist die reale Lebenswelt zu vielfältig. Richtig ist, wie Frau Bronsky schreibt, dass es die echte Wahlfreiheit, wie eine Mutter ihr Leben mit Kind / Kindern gestalten möchte, noch nicht gibt. Die meisten Mütter sind sowohl Hausfrau als auch berufstätig, entweder in abwechselnden Phasen oder parallel. Zu allen Zeiten sollte aber jeder Mutter die größtmögliche Unterstützung gewährt werden (ein Grundrecht nach Art. 6 GG), damit sie sich frei entscheiden kann, und diese Entscheidung sollte respektiert werden. Davon ist die Wirklichkeit noch um einiges entfernt, und es ist gut, wenn Frau Bronsky dies mit ihren Thesen anspricht, so kontrovers sie vielleicht auch aufgenommen werden. Die Abschaffung der Mütter geschieht schleichend, die Diskriminierungen sind heute viel subtiler, weil es inzwischen für jede Entscheidung einen Rechtfertigungszwang gibt. Dies schreibt eine allein erziehende Mutter mit einem chronisch kranken Kind (das inzwischen erwachsen ist) und einem gesunden Noch-Schulkind, die immer berufstätig war und ist (leider keine Wahl) und deshalb die Realität der beiden "Modelle" kennt. So einfach ist es nicht.

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Lion 12.03.2016, 11:00
9. Diese entweder-oder Debatten bin ich gründlich leid!

Was soll der Quatsch, dass man sich als Frau entscheiden müsse zwischen Hausfrauendasein und Beruf. Es müsste endlich selbstverständlich sein, dass beides geht. Wenn das nicht hinhaut liegt es an Männern, die sich bei der Arbeitsteilung nicht beteiligen! Eine Frau, die sich finanziell von einem Mann abhängig macht, trifft keine private Entscheidung: die Sozialversicherungsbeiträge für diese Frau zahlt die Gemeinschaft aller Steuerzahler, also aller Arbeitenden und nicht der Ehemann. Als Teil dieser zahlenden Gemeinschaft bin ich daher gegen die Hausfrauenehe, die auch auf meine Kosten geht. Also geht arbeiten und bringt Eure Männer endlich dazu, sich zu gleichen Teilen, an der Aufzucht Eurer Kinder, am Familienleben, zu beteiligen. Dann muss sich hier auch niemand mehr entscheiden zwischen entweder-oder!

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