Forum: Panorama
Seenotrettung von Flüchtlingen: Er hat ihn angezeigt. Jetzt sprechen sie miteinander
SPIEGEL ONLINE

Axel Steier rettet Ertrinkende aus dem Mittelmeer, Torsten Küllig zeigte ihn als Schleuser an. Nun haben sie sich die Meinung gesagt. Ein Streitgespräch.

Seite 15 von 48
maschseefest 25.08.2018, 13:00
140. Wer ist der Staat, wenn nicht wir?

Herr Steier meint, dass die Integration nicht seine Aufgabe sei, da das der Staat regeln müsste. Wer ist denn der Staat, wenn nicht wir Bürger? Empfindet sich Herr Steier nicht als Mitglied dieses Staates? Hier werden Aufgaben an den Staat delegiert, die den Staat überfordern. Ohne die Hilfe der Freiwilligen wäre der Staat 2015 zusammengebrochen. Hätten also alle so gedacht wie Herr Steier, dann hätten wir den Kollaps schon erlebt, den er durch das Beihilfe zur Immigration mitverursacht. Mich erinnert die Ignoranz an Frau Merkel, die ohne das Zumachen der Balkanroute nicht mehr Kanzlerin wäre. Anstatt sich bei Kurz und co zu bedanken, wurden die aber in die Rechte Eckte gestellt und beschimpft, da die gegen das Prinzip der Humanität, Freizügigkeit etc. verstoßen hätten.
Kleiner Zusatz: Beim letzten CDU Bundesparteitag hat sich die CDU für die Schließung der Balkanroute selbst gelobt.

Beitrag melden
nadelstich 25.08.2018, 13:00
141. #111

Jaja sie verkappter gutmenschenheuchler....

Als ob Sie so viel besser wären.
Gehen Sie mal besser in sich.

Beitrag melden
jjcamera 25.08.2018, 13:01
142. Graben

Ein guter Beitrag zu diesem Thema. Es zeigt sich aber auch, dass unsere Gesellschaft durch einen tiefen Graben gespalten ist, über den keine Brücken führen. Auch in diesem Gespräch gibt es keinerlei Annäherung an die Argumente des jeweils anderen. Möglicherweise gibt es tatsächlich keinen Kompromiss in dieser Frage.
Wenn man den Vergleich zu anderen Ländern wagt, wird sich wohl auf lange Sicht eher die Seite des Herrn Küllig durchsetzen. Absurd ist, dass gerade die, die es früher nicht immer so genau mit Gesetzen genommen haben (Grüne in der Anfangszeit), jetzt das Grundgesetz wie Gralshüter bewachen.

Beitrag melden
Strichnid 25.08.2018, 13:02
143.

Zitat von brasilpe
SPON erlaubt das Vorbringen sachlicher Argumente gegen die unkontrollierte Immigration - erstmals, soweit ich sehe. Was ist passiert? Weiter so!
Da muss ich wohl was überlesen haben. Gefühlte Kriminalität mit der Seenotrettung in Verbindung zu bringen, ist alles andere - aber nicht sachlich.

Man kann nicht Menschenleben gegeneinander aufrechnen. Ich kann nicht verstehen, warum mittlerweilse so viele in unserem Land stolz darauf sind, inhumane Überzeugungen zu entwickeln.

Beitrag melden
dasfred 25.08.2018, 13:02
144. Ich erkenne nur einen Vorteil in diesem Forum

Solange das übliche Welt und Focus Publikum hier rumtrollt, kann es auf der Straße keine Migranten beschimpfen. Der Dialog hat ja mehr als deutlich gemacht, dass es in dieser Debatte keinen Konsens geben kann. Ich fand es allerdings bezeichnend, dass sich jemand an den äußersten rechten Rand stellt und jemandem der nicht seiner Linie folgt, Spaltung vorwirft. Abgespalten vom Humanismus hat er sich schon selbst. Menschen ertrinken zu lassen, um den eigenen Wohlstand zu sichern ist moralisch nicht weit von Mord aus Habgier entfernt. Bisher musste hier niemand aufgrund von Zuwanderung auf etwas verzichten und wenn wir die Grenzen abschotten, wird auch niemand einen Euro mehr bekommen. Oder sehnen sich hier vielleicht einige Trolle nach der Zeit zurück, als man unter sich bleiben musste. Ohne die Möglichkeit in den Westen zu reisen. Ich kann mich nicht erinnern, dass Leute, die heute von Wohlstandsflüchtlingen reden, damals ihre West-Pakete zurückgeschickt haben. Selbst vom Stamme Nimm, aber andere dafür verurteilen.

Beitrag melden
chocolatefactory 25.08.2018, 13:03
145.

Zitat von gldek
Sie retten nicht Ertrinkende sondern locken Menschen mit untauglichen Booten aufs offene Meer um sie dann abzuholen. Was unterscheidet sie eigentlich von Schleppern ?
Ist diese Frage Ihr Ernst? Reichlich dreist und unverfroren.

Ein Schlepper ist jemand, der gegen Geld Personen entgegen bestehender Gesetze von Ort A nach Ort B bringt und dies zum Zwecke der eigenen Bereicherung.

Ein Seenotretter ist jemand, der auf der Basis bestehender Gesetze sowie allgemeiner humanitärer Grundauffassungen Menschen vor dem sicheren Ertrinken rettet. Im Regelfall auf eigene Kosten.

Beitrag melden
nadelstich 25.08.2018, 13:03
146. #109

Keine Sorge.
Die Mauer wird kommen.
Um die Festung Europa.
Und Sie dürfen dann gerne von der anderen Seite aus winken.

Beitrag melden
chocolatefactory 25.08.2018, 13:04
147.

Zitat von khwherrsching
Menschen aus Seenot müssen gerettet werden, auch wenn sie sich mehr oder weniger vorsätzlich in eine solche Situation begeben. Allerdings begeht Steier klaren Rechtsbruch, wenn er nach der Rettung nicht den nächsten Hafen ansteuert. Und es ist m.E. gerade sträflich, wenn nach wie vor ohne Bewilligung versucht wird, italienische Häfen anzusteuern. Steier soll sich bitte fragen, ob er tatsächlich human handelt.
Nach meinem Kenntnisstand werden die Seenotretter, wenn sie die Ertrinkenden aufgenommen haben, von der Leitzentrale angewiesen, welchen Hafen sie anzusteuern haben. Das ist keine originär eigene Entscheidung.

Beitrag melden
locust 25.08.2018, 13:04
148.

Ist doch lehrreich. Herr Küllert bedient sich sämtlicher rassistischer Ressentiments und Verschwörungstheorien. Respekt. Aber ich möchte Herrn Küllert mein Mitgefühl aussprechen. Angst zu haben ist schrecklich. Angst ist etwas diffuses, etwas, was einen bei fehlenden Coping-Strategien wirklich krank machen kann. Das tut mir für Herrn Küllert ernsthaft leid. Aber auf einer Vernunftsebene muss ich ihm leider widersprechen. Herr Küllert, suchen sich sich jemanden, dem Sie vertrauen (kann auch 'bio-deutsch' sein), arbeiten Sie Ihre Geschichte und Biographie auf, lassen Sie sich helfen bei Bewältigungsstrategien und nehmen Sie psychologische Hilfe in Anspruch. Und sei es, damit Ihre Tochter ohne Angst, Hass und Rassismus groß werden kann.

Beitrag melden
Listerholm 25.08.2018, 13:06
149. Gespräch ja, Dialog nein

Ich begrüße jede Form des Gespräches zwischen Parteien, die unterschiedlicher Meinung sind.
Insofern bin ich angenehm überrascht, dass sich Küllig und Steier trafen und miteinander redeten. Ist ja selten genug in einer Atmosphäre der gepflegten Vorurteile.
Meine Sympathien liegen aber eher auf Seiten Külligs.
Warum?
Er rekurriert auf eine "Verantwortungsethik" (Weber), welche die Konsequenzen ihres Tuns mitbedenkt. Und dies kann nur in einem dem politischen Handeln verfügbaren überschaubarem Rahmen umgesetzt werden. (rechtliche, finanzielle, ökonomische Ressourcen.) Wer helfen will, muss sagen, wie er helfen kann ohne selbst hilfsbedürftig zu werden.
Steier ist sympathisch wegen seiner "Gesinnungsethik" (Kant). Es ist unabweisbare menschliche Pflicht, in Not geratenen Menschen mit allen Mittel zu helfen, insbesondere denen Flüchtlingen, die auf dem Mittelmeer in Gefahr für Leib und Leben kommen.
Dies ist ein klassisches Dilemma, welches nicht in einem Streitgespräch behoben werden kann, wenn nicht beide Parteien zuvor versuchen, ihre wohlbegründeten Positionen auszumitteln und sich derer Grenzen bewusst zu werden.
Hier prallen zwei fundamentale Überzeugungen aufeinander, die nicht in Konkurrenz zu erledigen sind, sondern jede für sich ihren gut begründeten Wert hat und dennoch genötigt ist, sich diskursiv zu rechtfertigen.
Das kann nicht geleistet werden in einem vom SPIEGEL arrangiertem Treffen (zumal SPON nicht, wie sichtlich erkennbar, neutral bleibt), sondern nur in einem breiteren Dialog aller Beteiligten, in dem sowohl die Külligs, wie auch die Steiers öffentlich zu Wort kommen. Eine mittlere Position zwischen "Verantwortungsethik" und "Gesinnungsethik" nimmt m.E. die "Situationsethik" (Fletcher) ein. Sie gleicht aus zwischen moralischem Rigorismus und politischem Pragmatismus, indem sie nicht die "Flüchtlinge" instrumentalisiert, sondern den "Flüchtling" in den Blick nimmt. Damit hat Steier jedes Recht und Legitimation auf seiner Seite, dem Hilfs- und Schutzbedürftigen mit allen Mitteln zu helfen (im Extremfall sogar mit illegalen Mitteln). Und Küllig jedes Recht und auch jede Legitimation auf seiner Seite, dem Flüchtling jeden Schutz angedeihen zu lassen, der von der Gemeinschaft gefordert werden darf und geleistet werden kann. Die Herausforderung liegt darin, diese beiden wohlbegründeten konträren Positionen miteinander ins Gespräch zu bringen. Dazu ist die Politik gefordert. Rettung der Flüchtlinge aus Lebensgefahr ja, aber danach Beurteilung (und rechtliche Durchsetzung) der Schutzbedürftigkeit. Und am Letzten fehlt es. Fantasien helfen uns nicht. Nur Fakten. Deshalb meine Zustimmung (zunächst) den von Herrn Küllig vorgebrachten Argumenten.

Beitrag melden
Seite 15 von 48
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!