Forum: Panorama
Selbstversuch: "Weniger Geld, mehr Freiheit"
Stephan Pramme

Viele klagen über zu wenig Zeit. Auch Greta Taubert war vom Job gestresst - und verweigerte sich ein Jahr lang der Arbeit. Was hat sie dabei gelernt?

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Lesenkönner 14.09.2016, 22:52
60. Nun ja...

...man kann das gut finden oder nicht. Fakt ist aber, dass eben nicht jeder so handeln kann, wie beschrieben: arbeiten, wann man Lust oder es nötig hat. In weiten Bereichen des täglichen Lebens ist Verlässlichkeit auch in die Arbeitszeit der Beschäftigten Grundvoraussetzung für eine funktionietende Gesellschaft. Ich jedenfalls möchte nicht bei der Einlieferung ins Krankenhaus feststellen müssen, dass gerade jetzt kein Arzt oder kein Pfleger/in da ist, weil die es gerade nicht nötig haben. Gleiches gilt im Bereich der öffentlichen Sicherheit und Daseinsfürsorge. Und auch Wirtschaftsbetriebe oder Handwerkerbetriebe sind auf kontinuierliche Mitarbeitr angewiesen. Rs ist dasselbe wie mit den Aissteigern in den 70 er Jahren, die autark in Wagenburgen lebten. Ohne die anderen, die arbeiteten, ging es nicht.

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karsten78 14.09.2016, 23:42
61.

6 Tage sollst du arbeiten und am 7. sollst du ruhen ... steht in einem Buch. Es war nur eine Auszeit für die Dame gewesen, ist bestimmt sinnvoll. Ich würde eine Weltreise vorziehen ...

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jasuly 15.09.2016, 00:17
62.

Sehr schönes Interview mit interessanten Gedanken ("Zeitwohlstand ist eine Idee, wie wir Status auch
definieren können: Wer frei über seine Zeit verfügt, ist reich, wer in einem oder mehreren Hamsterrädern steckt, ist arm."). Und entgegen der hier häufig geäußerten Kritik geht es Frau Taubert nicht darum, prinzipiell nicht zu arbeiten, sondern darum, selbstbestimmt zu leben, was bedeutet, dass sie entscheiden können will, zu arbeiten (und zwar auch wo und wann), es jedoch nicht zu müssen ... Es sollte aufgrund der fortschreitenden Automatisierung völlig selbstverständlich werden, dass sich immer mehr Menschen die Chance bietet, in Phasen ihres Lebens entweder gar nicht oder zumindest deutlich weniger zu arbeiten. Es lässt sich auch an den Kommentaren in diesem Forum gut erkennen, wie tief verankert der Arbeitsethos in den Gehirnen vieler Menschen ist: Nur Arbeit verleiht dem Leben einen Sinn, dem Individuum die Berechtigung zur Teilhabe an der Gesellschaft. Dabei sollte man sich in Erinnerung rufen, dass in der Evolution in der Regel diejenigen Organismen auf die Dauer am erfolgreichsten sind, die ihre Ziele (Nahrungsbeschaffung, Vermehrung ...) mit möglichst geringem Ernegieverbrauch zu realisieren vermögen. Und: Das Faultier ist auch nicht weniger wert als die "fleißige" Ameise. :-)

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arrache-coeur 15.09.2016, 01:15
63.

Zitat von JoMi
Die Autorin arbeitet ein Jahr nicht und macht neue "Erfahrungen" usw. Augenscheinlich hat hatte sie auch kein Einkommen, außer Tantiemen oder so, die eh fließen. Nach dem Jahr schreibt sie ein Buch und macht ihr Geld damit. Faktisch hatte sie keinen Verlust, die sie ihren Gewinn nur verzögert hat. Und die Erkenntnis dass Reiche ihre Zeit besser nutzen können wenn sie nicht noch reicher werden wollen und Leute mit 3- Jobs Arme Schweine sind, hätte ich ihr auch so sagen können. Ohne Geld würde sich den "Luxus" soziales Schrottfloßbauen auch keiner leisten können.
"Faktisch hatte sie keinen Verlust, die sie ihren Gewinn nur verzögert hat." - Das ist nicht ganz korrekt. Fragen Sie mal einen Finanzfachmann nach dem Zusammenhang zwischen Zeit und Geld. Stichworte: Zeitwert, Vorfälligkeitszinsen, etc.

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arrache-coeur 15.09.2016, 01:20
64.

Zitat von polit
Als Kollege, der dies schon ein paar Mal mitgemacht hat, dass andere ein Sabbatjahr genommen haben, finde ich es nach diesen Erfahrungen immer wieder erstaunlich, wie Faulheit auch noch als großes und gutes Projekt verkauft wird. Alles schön und gut. Man macht ein Jahr lang die Arbeit der/des Kollegen mit und der/die kommt wieder, als ob nichts passiert wäre. Dankeschön.
"Man macht ein Jahr lang die Arbeit der/des Kollegen mit und der/die kommt wieder, als ob nichts passiert wäre." - Wenn Sie ein Jahr lang ohne Kompensation die Arbeit des Kollegen zusätzlich durchführten, sind entweder Sie ansonsten unterbeschäftigt, der Kollege überflüssig, oder die Arbeitsqualität litt darunter;-)

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arrache-coeur 15.09.2016, 01:24
65.

Zitat von carmenstg.
Mh, hat die Autorin wirklich ein Jahr lang in den Tag hineingelebt oder hat sie einfach bloß so getan, als tue sie dies und hat in Wahrheit Erfahrungen für ihr Buch gemacht? Wenn zweiteres stimmt, dann ist es ein Fake, dass ihr Karriere und Geld egal sind. Oder verschenkt sie nun ihr Buch an alle interessierten Leser?
Das Ziel des Projekts war das Buch, welches natürlich verkauft wird. Sie hatte vorher bereits ein nicht ganz unähnlich gelagertes Projekt durchgeführt, Thema 1 Jahr Konsumverzicht, ebenfalls mit dem Ziel, ein Buch darüber zu schreiben.
Letztlich funktioniert so etwas nur, wenn man ohnehin ausgesorgt hat oder von aussen unterstützt wird.

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adversarius 15.09.2016, 01:25
66.

Zitat von mijaps
Mit dieser Masche drücken sich dann ja wohl auch die 6 oder 7 Millionen ALG I und ALD II Leistungsbezieher durchs Leben. Und die Masche zieht jährlich bis zu 1 Million Neubürger aus Afrika und Asien an. Leben auf Kosten der Sozialkassen - das macht Freude, das macht Spaß...
Durchaus interessant, wie bei derartigen Themen immer wieder auf Diskriminierungsstereotype hinsichtlich der vermeintlichen Faul- und Bequemlichkeit verwiesen wird -
Oder auch auf Diskriminierungsstereotype, die auf die Einwanderung vermeintlich fauler "Neubürger", die auf "Kosten der Sozialkasse" leben.
Alles Zuschreibungen, die in Versammlungen wütender Stammtische in jeder Stadt umhergeistern. Zuschreibungen, die der eigenen Unzufriedenheit einen gewissen Trost spenden.

Sind Sie tatsächlich so unreflektiert?
Haben sie die dahinterstehenden Werte und den Entwurf eines andersartigen Lebenkonzept nicht verstanden, der hinter diesem Experiment steht?

Sie als hart-arbeitender loyaler Bürger scheinen sehr zufrieden mit Ihrem gegenwärtigen Leben und den Dingen die sie zun -

Ja - sie sind so im reinen mit sich Selbst, dass sie es nötig haben andere Menschen und ihre Lebensweise vorschnell zu verurteilen, abzuwerten und was noch viel witziger ist -
Menschen nach ökonomischer Wertigkeit zu klassifizieren.

Sie sind selbst nur so verbittert, weil ihr Leben lang gearbeitet haben um den materiellen Reichtum zu erwerben, von dem die Gesellschaft Ihnen erfolgreich eingeflößt hat, dass er sie glücklich macht.

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b0b 15.09.2016, 01:45
67. Realität???

Für Akademiker mit üppigem Einkommen und/oder Jobs ohne feste Anforderung an Zeit und Ort kann das Modell ja gerade noch klappen, sobald man jedoch in einem der Abermillionen Dienstleistungsjobs steckt sieht die Wirklichkeit genau anders herum aus. Politik und Gewerkschaften tun nichts um die Arbeitnehmer vor den Konzernen zu schützen. Daher schöne Utopie für verwöhnte Gören, Millionäre und Hartzer. Gratulation

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hisch88 15.09.2016, 03:50
68.

Zitat von mthi
Um es kurz zu machen: Die Frau hat sich zwar der Lohnarbeit verweigert, das ganze aber mit einem Buchprojekt verknüpft. Letzten Endes hat sie ihre freie Zeit also in Geld verwandelt.
Korrekt, sehe ich auch so und die Dame arbeitet und arbeitete somit freiberuflich.

Zu denen die ein Sabbatical-Jahr gemacht haben sei gesagt, ihre Arbeit mussten ein Jahr lang die Kollegen mitmachen.

Wer wie ich in der Familie miterleben durfte wie Familienangehörige mit Parkinson und Alzheimer ihre Rente erleben durfte und frühzeitig gestorben sind (den Staat hat das wahnsinnig gefreut), macht sich schon Gedanken wie es bei einem selbst mal wird im Alter.

Habe trotz erfolgreichen 35 Jahren Berufsleben 10 Jahre vor der Rente aufgehört und seit Jahren dies nicht eine Minute bereut.

Finanziert, bis zur späteren (nur noch halben) Rente, wird das alles durch angespartes und durch vernünftige Anlagen. Die Welt ist groß, gibt vieles zu sehen. Kinder sind erwachsen. Dem Staat und den Familienangehörigen wird nicht auf der Tasche gelegen. Jüngerer Mitarbeiter hat sich gefreut meine Stelle zu bekommen.

Man lebt und genießt mit dem was man hat und braucht, aber bei weitem nicht am Existenzminimum.

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Newspeak 15.09.2016, 04:29
69. ,,,

Zitat von beckerher
Wieder einmal ein Beispiel für unser Wohlstandsdenken. Wie kann es sich eine Volkswirtschaft leisten ein bedingungsloses Grundeinkommen zu finanzieren. Wer soll der Dumme sein, der die Gelder zu erwirtschaftet, welche andere ausgeben?
Immer der, der fragt ;).

Mal ehrlich, Geld ist nun wirklich genug da. Einfach mal schauen, was sich die oberen 10% einstecken, die Unternehmer, und wo sie es abgreifen, nämlich z.B. indem sie beim Lohn sparen. Das läppert sich. Und dann die Großkonzerne, die keine Steuern bezahlen. Und die Superreichen. Und dann aber auch das ganze Geld, was sowieso schon vom Staat wie ein bedingungsloses Grundeinkommen verteilt wird, außer daß es nicht bedingungslos ist. Hartz-IV ist Grundeinkommen. Kindergeld ist Grundeinkommen. Rente ist Grundeinkommen. Tausend andere Familienleistungen sind Grundeinkommen. Bafög ist Grundeinkommen. Nur, daß bei all dem abertausende Verwaltungsangestellte bezahlt werden müssen. Die kann man sich sparen. Am Ende wollen die Menschen doch auch arbeiten, es gibt nicht wirklich so viele faule Menschen, weil Arbeit auch mehr sein kann, Bestätigung, Anerkennung, sozialer Zusammenhalt. Aber halt vielleicht nicht 40 h. Sondern vielleicht nur 20. Wie ein anderer Forist schon sagte...die Produktivitätssteigerungen sind da, sind real, Maschinen produzieren heute sehr viel mehr, als wir alle überhaupt brauchen. Wozu also so viel produzieren? Wieso nicht den Menschen mehr Zeit lassen. Ein Grundeinkommen macht die Arbeit nicht überflüssig, aber es verändert die Position der Arbeitnehmer, die dann nicht nur Lohnsklaven sind. Im Grunde ist es heute doch so. Wie werden alle erpresst. Unter Androhung des Existenzverlustes. DAS bringt die Leute dazu, jeden noch so miesen Job zu machen.

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