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Soll der Staat Einwanderer zur Integration zwingen?

Seit der Veröffentlichung von Thilo Sarrazins Buch steht der Streit um die Integration von Einwanderern in Deutschland im Mittelpunkt der gesellschaftlichen und politischen Debatte. Soll der Staat Einwanderer zur Integration zwingen?

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coriolanus 12.09.2010, 23:02
130. Grenzgang

Zitat von 0817
Irgendwie sind einige einfach unwillig oder unfähig die Realität zu akzeptieren. Wenn ich nicht von irgendwo her komme kann ich auch da nicht wieder hin. Für mich ist die Kultur des Türken nicht fremd, aber mir ist die.....
Zunächst einmal sollte nur der Mensch zählen und nicht die Kategorie. Und jede Ausgrenzung ist auch eine empfindliche Kränkung. Daß Sie in dieser Erfahrung Ihre originäre Staatsbürgerschaft beibehalten haben - wer könnte das verübeln? Mit Ihrer Biographie könnten Sie sich ohne weiteres einbürgern lassen, aber Sie verzichten darauf. Respekt. Daß das Heimatland Ihnen fremd geworden ist, ist die Erfahrung jedes Menschen, der sich in die Fremde begibt und dort lange lebt.
Daß die Deutschen in ihrer Mehrheit nicht mit offenen Armen dastehen, um Menschen aus aller Herren Länder bei sich zu empfangen, hat zunächst einmal einen ganz einfachen Grund: Man hat sie nie gefragt. Man hat über ihre Köpfe hinweg entschieden und gehandelt - und: Man hat sie mit den Problemen allein gelassen. Als die Schwarzen in den 60ern in die Städte im Norden der USA einrückten, da machten sich die Weißen langsam auf die Socken. Als die Migranten in den Quartieren der Städte mehr wurden, da verschwanden die Autochthonen, sofern die Viertel nicht schon zum Abriß bestimmt und geräumt waren.
Versagt hat die Politik: Sie war willfährig gegenüber den Entsendeländern, die ihren Menschenüberschuß an Arbeitslosen und Landflüchtigen loswerden wollten. Beteiligt war in der Bundesrepublik nur das Auswärtige Amt. Weder der Arbeitsminister noch die Gewerkschaften wurden einbezogen oder auch nur gefragt. Es wäre ihre Stunde gewesen. Daß Teile der Wirtschaft scharf auf billige Arbeitskräfte waren, hat den Prozeß der Anwerbung angetrieben. Aber seit 1973 gibt es den Anwerbestop. Dennoch hat sich der Bevölkerungsanteil der "Problem"immigranten vervielfacht! Wie das? - Das Geheimnis ist Familiennachzug und eine hohe Kinderrate. Und jetzt kommt etwas hinzu, was die ganze Geschichte unanständig macht: Wenn diese Immigranten erklären, wir leben im Land der Ungläubigen und mit denen geht man aus Gründen der Religion keine Ehe ein, überdies ist deren Lebensstil und Kultur für uns verwerflich, dann fühlt sich dieses Volk, das man nie gefragt hat, nun wirklich an den Ohren hin und her gezogen.
Das Ganze mündet endlich ein in eine Debatte wie jetzt im Falle Sarazzin.

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ewsz 12.09.2010, 23:09
131. Wie man Statistiken fasch ließt ...

Zitat von weissich
Den Sarrazinschen Tabellen hat bisher noch niemand ernsthaft wiedersprochen. Dass es bisher keine muslim-migrantenbezogenen Statistiken AUFBEREITET von der Politik gab hatte.....
Ich wollte noch einen wichtigen Punkte nachtragen:
Ein Messen der Erwerbstätigen an der Gesamtpolulation ist nur keine sehr sinnvolle Größe. Denn heiratet eine Polulation häufiger oder bekommt mehr Kinder, steht sie automatisch schlechter da, ohne etwas falsches zu tun.

Nimmt man etwa eine Population, die sich mit dem Faktor 1,4 pro Frau reproduziert und eine die sich mit dem Faktor 2.0 reproduziert (was immer noch nicht ausreicht die Polulation zu erhalten), dann sinkt der Anteil der Erwerbstätigen automatisch um ca. (2,0-1,4)/2,0*20/80=7,5% - und tut dabei nicht schlimmeres als nur leicht und nicht um 30% pro Generation zu schrumpfen.

Wichtig ist welcher Anteil Hartz bezieht, wobei wirklich jeder der Bedarfsgemeinschaft (Mann, Frau, Kinder) gezählt wird. Und hier bestätigen Ihre Zahlen meine Angaben. Etwa 1-(0,6/4,0)=85% leben von eigenen Einkünften. Die reale Zahl ist wahrscheinlich niedriger - reicht aber wohl bei weitem die 15-20% Hartz-Empfänger zu finanzieren. Der Saldo für Rentenkasse dürfte noch erheblich positiver ausfallen.

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Flie 12.09.2010, 23:22
132.

Zitat von 0817
So vergingen die Jahre und mir wurde Jahr um Jahr deutlicher gemacht, daß ich hier nicht wirklich erwünscht bin.
Wenn Sie sich in den vergangenen 40 Jahren Ihrem "Aufnahmeland" und seinen Bewohnern gegenüber so benommen haben, wie in den wenigen Posts, die hier von Ihnen zu lesen sind, wundert mich das nicht.
Was mich wundert, ist, dass jemand, dem so übel mitgespielt wurde, wie Sie es behaupten (was bedauerlich wäre),der das Land, in dem er 40 Jahre lebt so hasst- dem Duktus Ihrer Postings nach, dass der noch hier ist/sein soll.
Ich glaube da eher- beim Duktus Ihrer Postings- an einen "Agent Provocateur", der die Autonomenmaske mal kurz mit der Tastatur vertauscht hat, um die "Rechten" mal so richtig aufzumischen/aufzuregen.

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Snowfox 12.09.2010, 23:23
133. Leid

Es schmerzt wirklich sehr solche Beiträge, wie die von 0817 lesen zu müssen. Dabei bin ich keine "Kartoffel", wie er oder andere "benachteiligte Migranten" laut aufschreien würden.
Ich bin sino-vietnamesischer Herkunft. Meine Eltern sind selber in Vietnam Migrantenkinder gewesen und da war das Resentiment wirklich extrem. Aber ich schweife aus.

Es hängt, wie Sarrazin in seinem Buch angemerkt hat vom kulturellen Umfeld ab. Was er meiner Ansicht nach vollkommen falsch gemacht hat, ist Gene, Vererbung zu erwähnen ohne überhaupt wirklich Ahnung zu haben. Aber ansonsten hat er bezüglich seiner Schlussfolgerung seiner aufgestellten Statistiken einfach recht.
Wenn man schon Eltern hat, die extrem konservativ sind und der Ansicht sind, dass die Deutschen alle minderwertig, arrogant und nicht wert sind respektiert zu werden. Wie können dann die Kinder, die ja oft ihre Eltern nachahmen, als auch ihrem sozialen Umfeld, jemals integrieren.

Was passiert mit Kindern, die lernen, dass es reicht auch ohne zu Arbeiten, vernünftig zu leben?

Es geht um die Vorbildfunktion.

Man kann auch ohne gutes Deutsch ein gutes Vorbild sein, wenn man auf gewisse Ideale pocht. Die Vietnamesen und Chinesen sind konfuzianisch geprägt. Es wird das Prinzip der Bildung hochgehalten und auch als Mittel gesehen seinen Stand und Leben zu verbessern. Daher bemüht man sich über den Bildungsweg etwas zu bewirken und dies auch den Kindern zu vermitteln.

Meine persönliche Meinung ist, dass den Anti-Sarrazin Plärrern einfach die Grundlage weggenommen wurde, weil nicht alle Migranten als negatives Beispiel in seinem Buch dargestellt werden.

Ich sehe, dass es bei mir und meinen Eltern gut geklappt hat. Auch wenn es einige kleinere Quereleien gibt mit typisch asiatischen Werten. Aber im Ganzen behaupten kann, dass wir zwar anfangs nur wenige Monate Geld bezogen haben, aber so schnell wie möglich versucht haben, was aufzubauen. Es kann doch dem Selbstwertgefühl nicht gut tun von anderen abhängig zu sein. Es sei denn man ist daran gewohnt....

PS: Es tut mir leid, falls dieser Text ungeordnet ist. Aber die Emotionen sind bei mir durchgerast. Als ich diesen Text gelesen habe. Oder besser alle seine Posts...

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jackweil 13.09.2010, 00:22
134. Integration

Zitat von sysop
Seit der Veröffentlichung von Thilo Sarrazins Buch steht der Streit um die Integration von Einwanderern in Deutschland im Mittelpunkt der gesellschaftlichen und politischen Debatte. Soll der Staat Einwanderer zur Integration zwingen?
ist nicht die Aufgabe des Staates! Er kann mehr oder weniger günstige Vorrausetzungen für die Integration schaffen. Integration ist eine Leistung der Menschen die zu uns kommen. Wenn wir diesen Menschen klar und deutlich sagen was wir unter Integration verstehen, welche Vorausetzungen wir erwarten, dann können sie sich auch darauf einstellen. Dieses wischiwaschi, dieses "wir müssen alles ertragen" ob unserer Vergangenheit, ist weder für die Menschen die zu uns kommen wollen noch für uns gut. Was ist so verkehrt daran wenn wir erwarten, das Einwanderer unsere Sprache sprechen sollen damit sie hier ohne Hilfe klarkommen oder einen Beruf haben? Und es sollte keine Schande sein dieses fordern zu dürfen.

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kkrauss 13.09.2010, 01:31
135.

Zur Integration "zwingen?" Vorsicht, Leute, in der Formulierung schwingen allerhand bedenkliche Annahmen mit.
Erstens staune ich, dass wir immer noch von einer monolithischen deutschen Kultur ausgehen, obwohl wir seit etwa 40 Jahren starke kulturelle Minderheiten mit deutschem Pass im Land haben. Die gehören doch wohl mittlerweile dazu. Oder sehnt ihr euch wirklich in den--als Resultat des Holocausts--künstlich reindeutschen Kleinbürgermief der Nachkriegszeit zurück?
Zweitens steckt eine gehörige Portion Arroganz in dem Anspruch, das "Deutschsein"-- was immer das heissen soll--als prinzipiell überlegen anzusehen. Der im ganzen Land weit verbreitete und kaum diskutierte Alltagsrassismus ist ja wohl ein Indiz dafür. Vergessen wir mal nicht, dass die meisten der "tradierten deutschen Werte" wie gesellschaftliche Anpassung über alles usw. vor 70 Jahren in diesem Land auch besonders hoch im Kurs standen.
Das Gemaule vom "Gutmenschen" und andere neue Clichés bringen uns da kein Stück weiter.
Gegen frühe Spracherziehung und andere freiwillige Integrationshilfen ist dabei gar nichts einzuwenden.
Vielleicht sollten wir auch in den Schulen die "anderen" Kulturen, mit denen wir in diesem Land zusammenleben, als Unterrichtsstoff ernster nehmen und den Kindern und Müttern das Gefühl vermitteln, dass sie dazu gehören.

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Icki 13.09.2010, 02:20
136. Ergänzung..

Zitat von jury
Unser Land ist aber für Mercedes-Fans attraktiv. Für Fußballer. Für Sozialhilfe-Abstauber. Für Babygeld-Sammler. Für kleine und große Gangster. Für Subventionsbetrüger. Für Lobbyisten. Für Steuerhinterzieher. Für Politiker. Für Titelkäufer. Für Adlige. Für Raser. Für Schläger.
...Drogenhändler und Autoschieber nicht vergessen ;o)

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jassson 13.09.2010, 04:26
137.

Ich möchte mal auf eine Sache hinweise, die Komplett außer Acht gelassen wird, undzwar auch bei allen öffentlichen Diskussionen. Dass es ein Integrationsproblem gibt wurde erst sehr spät erkannt. Dementsprechend wurden auch erst sehr spät Maßnahmen ergriffen. Und genau, dass ist die Ursache des Problems und nicht die Migranten!

Ich möchte mal Beispielhaft einen für Asylbewerber normalen Ablauf darstellen. Hierbei ist mir schon klar, dass dies für die Türken der Nachkriegseinwanderung nur beschränkt übertragbar ist. Meine Darstellung ist aber Symptomatisch dafür wie mit Migranten in D umgegangen wurde:

Bis vor einigen Jahren hat der deutsche Staat für seine Migranten so gut wie gar nichts gemacht. Im Gegenteil: Wer nach Deutschland kam dem wurde sofort das Gefühl gegeben, dass er nicht erwünscht ist. Wenn er nur eine sog. Duldung hatte war es besonders schlimm. Ihm wurde gar nicht die Möglichkeit gegeben die deutsche Sprache zu lernen. Und arbeiten durfte er auch nicht. Wenn er dann mal irgendwann eine befristete Aufenthaltsgenehmigung bekommen hat, hat er NICHT die Möglichkeit bekommen irgendetwas zu lernen, da er wusste, dass er nur dann hier bleiben darf, wenn er arbeitet, da er wusste, dass er nur eine Chance hat hier bleiben zu dürfte, wenn er arbeitet. Irgendwann dann nach Mindestens 5 Jahren, in denen er höchstwahrscheinlich schon mehrfach abgeschoben werden sollte hat er dann eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Dass diese Menschen eine Tiefe Abneigung gegen dieses Land verspüren kann ich nur zu gut verstehen. Die deutschen können sich gar nicht vorstellen, was es für ein Gefühl ist jahrelang mit einer Duldung zu leben.

INSGESAMT wird das Leben den Migranten schwer gemacht. Man hat das Gefühl, dass einem bewusst Steine in den Weg gelegt werden. Und dies ist nicht nur meine persönliche Erfahrung. Denn ich habe schon sehr viele Geschichten zu diesem Thema gehört...

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Metatagister 13.09.2010, 06:55
138. Zur Integration zwingen?

Zitat von sysop
Seit der Veröffentlichung von Thilo Sarrazins Buch steht der Streit um die Integration von Einwanderern in Deutschland im Mittelpunkt der gesellschaftlichen und politischen Debatte. Soll der Staat Einwanderer zur Integration zwingen?
Was für eine blödsinnige Frage!

Zur Integration zwingen, das klingt für mich wie "zur Liebe zwingen".

Wir haben aus Raffgier einen Vertrag mit der Türkei geschlossen und unbedarfte Türken fast in der Art und Weise "improtiert", wie es die US-Amerikaner seinerzeit mit den Schwarz-Afrikanern (PuC = Neger) gemacht haben.
Wir haben sie wie Maschinen arbeiten lassen und dabei vergessen, daß wir es mit Menschen mit einer Geschichte und mit Gefühlen zu tun haben.

Und nun haben wir das Problem!
Es wird schwer sein, die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen.
Es wird auch keine "einfachen Lösungen" geben.
- Also packen wir's an (!) und hören endlich auf von Multikulti zu träumen.
- Holt die muslemischen Mitbrüder dort ab, wo sie stehen und kümmert euch um sie.
- Und trennen wir uns in Frieden von denen, die uns nicht mögen und eine Integration nicht wollen.

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UdoL 13.09.2010, 07:20
139. Titel

Zitat von sysop
Seit der Veröffentlichung von Thilo Sarrazins Buch steht der Streit um die Integration von Einwanderern in Deutschland im Mittelpunkt der gesellschaftlichen und politischen Debatte. Soll der Staat Einwanderer zur Integration zwingen?

Der Staat sollte alles versuchen, um Einwanderer und deren Nachkommen, die sich nicht integrieren, wieder loszuwerden - so und nicht anders.

Sicherlich ginge von dieser Haltung ein gewisser Zwang zur Integration aus. Grundsätzlich ist aber anzunehmen, dass integrative (Zwangs-)Maßnahmen bei Unwilligen und Unfähigen ähnlich viel bringen wie die Prügelstrafe bei Schülern, die das zu Erlernende nicht begriffen haben.

Mit anderen Worten: Integration kann nicht erzwungen werden.

Der Staat wird an unbequemen Maßnahmen nicht vorbeikommen.

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