Forum: Panorama
Somalia: Britische Spezialeinheit stürmt gekapertes Schiff

Überraschungsangriff vor der Küste Somalias: Britische Spezialtruppen haben einen italienischen Frachter gestürmt, der von Piraten entführt worden war. Die Besatzung konnte befreit werden, ersten Berichten zufolge ist sie wohlauf.

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kanonenkugel 11.10.2011, 19:07
90. @ der Dodga

Zitat von DerDodga
Ahja, die Fischgründe vor Somalia sind also leergefischt und deshalb werden die Fischer da alle Piraten. Dann habe ich nur eine Frage: Warum sollte man die Küsten schützen, wenn sie eh leergefischt ist? Wenn auch nur noch ein einziges ausländisches Schiff dort fischen fährt, ist dieses Argument jedenfalls als Lüge entlarvt. Das könnten dann die Piraten logischerweise genau so.
Das ist so nicht richtig, denn:
1. Die Fischgründe sind inzwischen weitgehend leergefischt.
2. Wo kleine Boote nichts mehr holen können, können große Schiffe mit den entsprechenden (meist recht brachialen Methoden) noch immer etwas holen.

Damit will ich die Piraten übrigens nicht entschuldigen, aber es ist nur fair und richtig, das ganze im Kontext zu sehen und ALLE Arten von Piraterie anzugehen, also auch die illegale Befischung der somalischen Gewässer durch ausländische Flotten.

Wenn Sie es wirklich wissen wollen, lesen Sie bitte diesen Artikel, der näher auf das Thema eingeht:

http://www.saarbreaker.com/2009/04/d...lt-die-zweite/

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DerDodga 11.10.2011, 19:08
91. Intressant vor allem

Zitat von uinen_osse
Und die Touristen die an Land entführt wurden die haben die Strassen abgenutzt, oder? Man, man, das muss aber wirklich weh tun ... die armen somalischen Fischer ... kommen mit Raketenwerfern, Schnellbooten ... man könnte richtig Mitleid mit den armen Fischern haben, gelle? Wissen Sie welche Meinung hier idiotisch und verlogen ist? Ihre!
das die Piraten sich primär auf Fischereischiffe konzentrieren, um auf das Unrecht aufmerksam zu machen.

Ach ne, stimmt ja, Tanker sind ja eher begehrt - na dann scheints wohl doch eher ums schnelle Geld zu gehen.

Wobei so oder so der Zweck nicht die Mittel heiligt und somit der Einsatz vollkommen rechtmässig ist.

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arrow64 11.10.2011, 19:13
92.

Zitat von moliebste
Bei der versuchten Erstürmung von Sirte sind 44 SAS-Kampfroboter getötet und 16 verhaftet worden. Damit sind in diesem Falle Ausbildungskosten von 60 Mio EUR flöten. Quelle: nsnbc.wordpress.com
Die Quelle ist ja wohl 'ne Lachnummer.
Haben Sie nicht einen gesicherteren Link als den Blog von einem linken Propagandisten?

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Hesekiel 11.10.2011, 19:16
93.

Zitat von kanonenkugel
Wer Piraterei verurteilt, sollte sie in jedem Fall verurteilen - nicht nur, wenn man selbst das Opfer ist. Die Fischgründe vor Somalien sind von ausländischen Flotten leergefischt worden. Das ist der Hauptgrund für die Zunahme der Piraterei; die meisten Piraten waren früher Fischer. Das ganze Gebrüll von wegen "Aufhängen, Kielholen, an den Masten aufhängen wie früher" empfinde ich darum als idiotisch und verlogen. Das heißt natürlich nicht, daß die Piratenangriffe gerechtfertigt sind. Aber im gleichen Maße, in dem man die Piraten bekämpft, sollte man auch die illegale Fischerei bekämpfen. Das passiert aber nicht, weil große internationale Betriebe davon profitieren. Wenn schon "aufhängen, kielholen, an den Masten aufhängen" etc, dann bitteschön ALLE Arten von Piraten.
Das sind die Ursachen für die im kleinen Maße betriebene ursprüngliche Piraterie während der 90er gegen Fischereischiffe, die haben mit dem heutigen Problem leider garnichts mehr zutun. Seit die ersten Skipper, später kleine Handelsschiffe aufgebracht wurden haben sich warlords das Geschäft angeeignet, wenn überhaupt finden Sie die ehemaligen Fischer, die es im Übrigen auch nur in ganz geringem Maß gegeben hat, noch als schlecht bezahlten Heuerpiraten einer mafiaähnlichen Struktur, deren Hintermänner mit den Lösegeldern außer Landes gehen.

Ich verstehe auch die Intention hinter dem Beitrag nur teilweise, sicherlich hätte man damals gegen illegale Fischerei stärker vorgehen sollen, nur welche konkrete Bedeutung hat das für die aktuelle Lage? Glauben Sie wirklich, der heute im Skiff sitzende Pirat war dieses Leben mal Fischer und kapert nur aus Protest und Ausweglosigkeit, auf eigene Rechnung? Die Piraterie ist eine Industrie geworden, schon vor Beginn der Angriffe auf Handelsschiffe, kontrolliert von Clans und Mafias. Und entsprechend sollte die Problematik auch behandelt werden.

Was das Aufhängen oder kielholen angeht bin ich allerdings ihrer Meinung.

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teacher20 11.10.2011, 19:18
94. "Glaubwürdige" Quelle

Zitat von kanonenkugel
Quelle:
Die von Ihnen zitierte Quelle ist sicher (betrachtet man sich die dort sonst abgehandelten Themen) ein Paradebeispiel journalistischer "Ausgewogenheit"...

Dieser zitierte Zusammenhang zwischen Piraterie und leergefischten Gewässern ist nicht zwingend.
Weil ich keine Lust habe, das noch einmal in extenso darzustellen, zitiere ich mich selbst aus einer früheren Diskussion zum Piraterie-Thema:

Was Sie hier runterbeten ist eines der zählebigsten und vermutlich letztlich unausrottbaren Märchen im Bezug auf die somalische "Gesellschaft" (die es ob ihrer Clan-Strukturen im europäischen Sinne gar nicht gibt) und den (vermeintlichen) sozialen Hintergrund der Piraterie. Diese Vorstellung scheint auf den ersten Blick (und wenn es nur der auf die Karte ist) durchaus plausibel, hat doch Somalia am Horn von Afrika eine sehr lange Küstenlinie, liegen vor dieser Küste zudem sehr ergiebige Fanggründe im Indischen Ozean. Gemäß der treuherzigen Maxime "Gib' einem Hungernden einen Fisch, so wird er einen Tag lang satt, lehre ihn zu fischen, so wird er sein Leben lang satt", glaubten die professionellen Gutmenschen aus der konfessionellen und nicht konfessionsgebundenen Entwicklungshilfebranche mit der Förderung des Fischfangs den Königsweg zur Überwindung der Hungerproblematik in Somalia gefunden zu haben (zumindest zu einem Zeitpunkt, bevor es in dem ostafrikanischen Staat noch so etwas wie geordnete Staatlichkeit gab). Das Projekt scheiterte mit Pauken und Trompeten. Was man nämlich nicht bedacht hatte war, dass die somalische Kultur, weitgehend klein- und großviehnomadisch (allerdings keine SEEKühe!) geprägt, überhaupt keine Fischfangtradition ausgebildet hatte (was aus europäischer Sicht ja völlig absurd war). Fisch hatte in der Ernährung (die sich weitgehend auf Fleisch und Milchprodukte und landwirtschaftliche Anbauprodukte stützte), nie eine Rolle gespielt. Fisch zu essen war für die Nomaden eine geradezu abartige Vorstellung und sie weigerten sich, sich zu Fischern "umschulen" zu lassen.
Da man sich von westlicher Seite in seinem Enthusiasmus (Klotzen, nicht kleckern") aber nicht lumpen ließ, baute man auch noch eine veritable Fischverarbeitungsindustrie auf, die in der Zwischenzeit wohl weitgehen verrottet ist - aber eben nicht aus Mangel an Nachschub, weil böse westliche (und andere) Fangfabrikschiffe die Gewässer leergefischt hätten. Nur die (für die damalige Zeit) High-Tech-Boote dürften noch einem maritimen Zweck zugeführt worden sein - als Erstausstattung der Piraten für ihre etwas anders gearteten "Fischzüge".
Sorry, was Sie hier schreiben, ist Quatsch mit Soße.

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arrow64 11.10.2011, 19:21
95. Lerneffekt

Zitat von kanonenkugel
Wer Piraterei verurteilt, sollte sie in jedem Fall verurteilen - nicht nur, wenn man selbst das Opfer ist. Die Fischgründe vor Somalien sind von ausländischen Flotten leergefischt worden.
Da wär' ich mir nicht so sicher:
http://seefahrer.blog.de/2010/12/05/...hern-10116247/

Summary:
Der Fischbestand da unten steigt seit JAHREN schon wieder an. Die Piraterie aber auch. Komisch oder?
Könnte es sein, dass da der Lerneffekt eingetreten ist, dass Piraterie lukrativer ist als Fischfang?

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DerDodga 11.10.2011, 19:23
96. Es stimmt natürlich schon

Zitat von kanonenkugel
Das ist so nicht richtig, denn: 1. Die Fischgründe sind inzwischen weitgehend leergefischt. 2. Wo kleine Boote nichts mehr holen können, können große Schiffe mit den entsprechenden (meist recht brachialen Methoden) noch immer etwas holen.
das die illegale Fischerei ein Problem ist. Das allerdings als reine Ursache für die Piraterie herzunehmen halte ich für ein wenig vorschnell, gerade da dieses Land ja an sich nicht gerade als Hort von Recht und Ordnung bekannt ist.

Ich habe zudem schon mehrere Berichte gesehen, die letztlich alle darauf hinausliefen, dass die Piraten in aller Regel finanziell von "Warlords/Terroristen" unterstützt und gefördert werden und diese zudem die Hauptnutzniesser sind - letztlich sind die Piraten also nur die üblichen Handlanger von Kriminellen, wie etwa die Drogenbauern in Kolumbien.

Deswegen wäre es auch sicher sinnig, zu versuchen die Hintermänner in die Hand zu kriegen - da dies aber nur mit Hilfe der somalischen Regierung möglich wäre, kann man da vermutlich noch 100 Jahre drauf warten.

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DerDodga 11.10.2011, 19:30
97. Wer die Mission verurteilt

sollte sich auch vor allem eins vor Augen halten: Das erklärte Hauptziel der EU-Mission ist der Schutz der humanitären Hilfslieferungen.

Anders ausgedrückt: Weil die Piraten Hilfsschiffe aufhalten / entführen, verhungern in ihrem Land / auf ihrem Kontinent dadurch Tausende.

Tut mir Leid, da tu ich mich schwer mit Verständniss.

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arrow64 11.10.2011, 19:42
99. Nachtrag

Noch ein Nachtrag zu meinem Post #96 - bevor auch von mir die Nennung einer valideren Quelle eingefordert wird:
http://www.deepwave-blog.de/2010/01/...ische-7781927/

Zwar auch ein Blog, aber in dem Text sind sowohl Texte als auch Links zu einem Spiegel- und einem Focus-Artikel.

Sollten somit valide genug sein, um das "Märchen von den Fischern, die Piraten werden mussten" mal richtig zu stellen.

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