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Spahns Organspende-Konzept: Sterben und sterben lassen
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Geht es nach Jens Spahn, sollen jedem nach dem Tod Organe entnommen werden dürfen, wenn er nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat. Das ist absurd, totalitär-paternalistisch und dazu unehrlich.

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grafroland 09.11.2018, 21:22
250. Nächstenliebe: eine informierte Zustimmung ermöglich

Zitat von thorben78
Aus christlicher Sicht sollte an dieser Stelle klar sein, wie man sich zu verhalten hätte, Stichpunkt Nächstenliebe.
Bevor man die christliche Nächstenliebe bemüht, müssen die potenziellen Organspender und Organempfänger umfassend informiert werden. Die Nächstenliebe der DSO, der Intensiv- und Transplantationsmediziner und der Pharmaindustrie ist zuerst gefordert. Die Hirntoddiagnose ist nicht über alle Zweifel erhaben. Mit der Einnahme der Immunsupressiva sind gravierende Nebenwirkungen (erhöhte Krebsrate, psychische Probleme wie Angstzustände, Depressionen, Halluzinationen etc.) verbunden. Es ist ein gravierender Irrtum zu meinen, mit dem Erhalt eines Organs seien alle Probleme erledigt. Organtransplantationen sind für die Gesundheitsindustrie ein einträgliches Geschäft.

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pirx64 09.11.2018, 21:22
251.

Zitat von may4th_be_with_u
Transplantationsindustrie? In der viele gut verdienen? Woher haben Sie das denn? Es werden zur Zeit viele Organentnahmen nicht durchgeführt, weil es für die Kliniken oft ein zu hoher Aufwand ist.
Ich bin zwar nicht der Autor, dem Sie antworten, aber ich möchte trotzdem Ihnen antworten: Wenn die Kliniken heute schon wegen Aufwand die Entnahmen nicht durchführen, dann wird es besser wenn noch mehr zur Entnahme anstehen? Das erschliesst sich mir nicht, aber Sie wissen bestimtm die Antwort

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wilam 09.11.2018, 21:25
252.

Zitat von phthalo
... für die Widerspruchregel. Funktioniert auch in andere Ländern und ich selbst habe ohnehin einen Organspendeausweis. Ich bin sogar eher dafür, dass niemand meine Organe bekommen soll, der nicht selbst Spender ist, sofern medizinisch nichts dagegen spricht.
das wärs: Spende kriegt nur, wer selbst Spender ist!

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may4th_be_with_u 09.11.2018, 21:25
253.

Zitat von Thomas Fischer (SPON-Autor)
Ich verstehe nicht wirklich, was Sie sagen wollen. Es geht im Text ja nicht um Moral oder um "Schuld", sondern um Bürgerrechte - dies nur für den Fall, dass Sie das nicht verstanden haben. Dass die Diskussion darüber sich (gefälligst) am Standard vion "Polen, Portugal, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Türkei, Ungarn und Zypern" orientieren soll, ist eine sympathische These, allerdings nicht wirklich zwuingend, so lange kein Wort zur inhaltlichen.(materiellen, substanziellen) Begründung gesagt wird. Da könnte man ja glatt fragen, warum sich die Beurteilung nicht an der Praxis 8in Bangladesh oder China orientieren soll, die ja insgesamt deutlich längere Wartelisten in jeder Richtung aufweisen als Berlin Mitte. Anders gesagt: Geht es evtl. auch mit ein wenig weniger Schaum? Könnte man nicht erst einmal ein Stündchen nachdenken, bevor man losschlägt?
Ich zitiere Sie gerne, Herr Fischer:
'Umgekehrt und leider etwas störend: Könnte man nicht sagen, dass von den 1000 versterbenden Personen pro Jahr, die eine Ersatzlunge, -leber oder eine -niere benötigen, fast alle deshalb sterben, weil sie chronische Raucher, chronische Alkoholiker, fettleibige Zuckerkranke oder alles zugleich waren?'
Für mich sieht das so aus, dass Sie die 1000 potenziellen Empfänger für ihre Situtation selbst verantwortlich machen. Sie benutzen dann solche faktisch falschen Aussagen um Bürgerrechte zu verteidigen, die keinem genommen werden. Die aufgezählten Länder taugen dabei sehr gut als Beispiel, da sie - die Türkei mal außen vorgelassen - durchaus vergleichbare Bürgerrechte mit den unsrigen haben - im Gegensatz zu China und Bangladesh.

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moev 09.11.2018, 21:26
254.

Wenn so viele hier keinen Unterschied zwischen Opt-out und Opt-in, dann können wir doch gleich die DSVO wieder abschaffen und den ganzen Firmen und Plattformen wieder Kaltakquise und das heimliche live schalten neuer Features für alle erlauben die es dann ja in den tiefen der Account-Einstellungen wieder deaktivieren können.

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TheHnglftz 09.11.2018, 21:26
255. abstoßende Argumentation

Also die Behauptung, dass alle welche ein Spendeorgan benötigen dies durch Drogenmißbrauch selbst verschuldet haben ist widerlich. Die daraus resultierende Implikation, dass solche Menschen es verdiehnt hätten zu sterben ist menschenverachtend.
Der Vergleich mit dem Erbrecht ist komplett verfehlt. Die jetzige Organspenderegelung auf das Erbrecht übertragen hieße, dass der komplette Besitz von jedem der kein Testament hat verbrannt wird, damit es auch niemand anderes besitzen darf. Gegen ein solches Gesetz wären vermutlich alle.
Was soll eigentlich der Hinweis darauf das es früher auch keine Organtransplantationen gab. Nach der Logik dürften die Krankenkassen auch keine Operationen an Kindern bezahlen, weil die Kindersterblichkeitsrate im Mittelalter auch viel höher war.
Der Verweis auf die "verhältnismäßig wenig" Todesfälle durch nicht gespendete Organe ist sehr seltsam. Muss einem ein Tod durch eine statistisch häufige Todesart drohen damit man Hilfe verdient hat?
Perfide finde ich, wie Herr Fischer quasi jedem Befürworter von Organspenden böse Absichten unterstellt. Ist es so schwer vorstellbar für Herrn Fischer, dass jemand nichts dagegen hat das anderen geholfen wird, wenn man selber nichts dafür tun muss?
Wieso wird eigentlich jemandem die Würde genommen wenn seine Organe gespendet werden? Ist ja nicht so das die Organentnahme im Internet übertragen werden soll. Ist es nicht umgekehrt eher ein schöner Gedanke, dass man nach dem eigenen Ableben einem anderen Menschen immer noch helfen kann?

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irobot 09.11.2018, 21:28
256.

Zitat von ds10
Also aggressiv finde ich das jetzt nicht, nur gehen Sie nicht im Geringsten auf meine Argumente ein. Ja Sie sind bereit Organe zu spenden, falls sie sterben, das ist aber alles. Sie wollen mir doch hier nicht ernsthaft erzählen, dass Sie gerne Organspender wären oder wollen Sie nicht doch lieber alt werden, was automatisch dazu führt, dass Ihre Organe irgendwann nicht mehr zu gebrauchen sind?
Natürlich möchte ich alt werden, so wie jeder andere auch. Aber wenn ich morgen von einem Auto totgefahren werde, können sich die Ärzte gerne bedienen.
[QUOTE[Meine Aussage zum Ableben ist ja auch nicht ernst gemeint, das hätten Sie doch deutlich erkennen können, an der absurden Ausführung.[/QUOTE]
Hier im Forum rennen so viele Spinner rum, dass es selbst mir ab und an schwer fällt, ironische Posts als solche zu erkennen. Darum entschuldige ich mich für meine unangebrachten Äußerungen.
{QUOTE]In Wirklichkeit geht es vielen nicht um andere, sondern darum, dass sie oder einer der ihnen nahe steht, im Zweifelsfall ein Organ erhält, wenn eines benötigt wird.[/QUOTE]
Da haben Sie mich wahrscheinlich falsch verstanden. Wenn mich der Knochen-Kalle mit der Sense abholt, ist es mir völlig egal, wer was von mir bekommt.
{QUOTE]Daher auch die Forderung, dass nur die bevorzugt Organe erhalten sollen, die auch selbst zur Spende bereit sind. [/QUOTE]
Das halte ich für eine grundsätzliche Entscheidung, völlig unabhängig von meinem Verhältnis zum Empfänger.
{QUOTE]Das ist nichts anderes als mittelbarer Zwang, um ausreichend Spender sicher zu stellen und wie ich schon früher sagte,
entspricht das der alttestamentarischen Moral von "Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, usw."[/QUOTE]
Nein, das entspricht dem "do ut des". Ihre alttestamentarischen Beispiele beziehen sich auf Rache, meines auf das Solidarprinzip. Wer bereit ist, einzuzahlen, kann auch damit rechnen, etwas zu bekommen. Die Egoisten müssen halt länger warten.

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die-metapha 09.11.2018, 21:29
257.

Zitat von Luemgi
@die-metapha: nein, es ist nur weiter gedacht. Es könnten dadurch ja Leben gerettet werden. Und wenn man argumentiert, dass die Rettung eines Lebens quasi alles rechtfertigt, dann auch das.
Die Kosten in diesem Bereich sind enorm hoch - die Limitierung von Transplantaten und passenden Empfängern lässt das von Ihnen geschilderte Szenario nicht zu.
Ich bin selbst im Bereich Humanmedizin tätig - es geht nicht primär darum, mehr Transplantate zu generieren. Es geht um die Entscheidungsfindung zu einer Zeit, die frei von Emotionen und Druck ist.
Die Entscheidung dagegen ist doch jederzeit möglich und revidierbar.
Sollte man persönlich zu der Auffassung kommen, man würde da etwas "falsches" unterstützen, so kann man doch jederzeit von seinem Recht auf Widerspruch Gebrauch machen. Und das ohne Begründung und Diskussion darüber.

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ds10 09.11.2018, 21:29
258.

Zitat von irobot
Mir persönlich geht nur darum, dass man Organspender (genauer gesagt Menschen mit der Bereitschaft zur Organspende) bei der Vergabe von Transplantaten gegenüber Spendeverweigeren eindeutig bevorzugen muss.
Wieso? Eine Begründung sehe ich hier nicht. Ich hatte schon in einem vorigen Beitrag geschrieben, warum ausgerechnet das, das entscheidende Kriterium sein soll?

Wenn man schon wertet, dann sollte die Ganzheit der potentiellen Empfänger betrachtet werden. Nach Ihrem Ansatz bekommt der Massenmörder, der zur Spende bereit ist das Organ, der selbstlose Wohltäter, der in seinem Leben schon 1000den das Leben gerettet hat, der nur in diesem einen Punkt, aus welchen Gründen auch immer, nicht Ihrem Kriterium entspricht, geht leer aus.

Wenn man anfängt ein Bewertungskriterium in die Vergabe einzufügen, das nicht auf medizinischer Implikation beruht, öffnet man damit die Büchse der Pandora und wir finden uns am Ende in einem System wieder in dem wir überall nachweisen müssen, das wir für bestimmte Dinge auch berechtigt sind. Man könnte dann z.B. darüber nachdenken die Organe nicht an die am schwersten Erkrankten zu vergeben, sondern an diejenigen, die die beste Prognose für eine Genesung haben, dann stünden auch mehr Organe zur Verfügung, da es weniger kurzfristige Mehrfachtransplantationen bei einer Person geben würde.

Die einzige wirklich Lösung für das generelle Problem kann nur in künstlichen bzw. nachgezüchteten Organen bestehen. Denn durch jeden Fortschritt in der Medizin, der Sicherheit im Straßenverkehr und in der Rettung Verunfallter, stehen weniger Organspender zur Verfügung, das Problem wird sich also in Zukunft eher noch verschärfen.

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rofaulhaber 09.11.2018, 21:29
259. Was für eine Schwadron..

Herr Fischer benötigt unzählige Worte, um über einen Sachverhalt zu schwadronieren, von dem er offensichtlich nicht die Spur einer Ahnung hat.
Es wäre interessant, zu erfahren, wieviel von diesem schwer verdaulichen Wortbrei noch bliebe, wenn er etwa 8 Jahre Dialyse hinter sich hätte und bisher vergeblich auf eine Spenderniere gewartet hätte, wie so manche unsere Patienten (übrigens nicht die "dicken rauchenden Diabetiker...")
Andere Länder machen es beispielhaft vor. Ich wünsche "JS" hier viel Erfolg mit seinen Bemühungen.

Dr. R. Faulhaber-Walter (Nephrologe)

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