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Spahns Organspende-Konzept: Sterben und sterben lassen
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Geht es nach Jens Spahn, sollen jedem nach dem Tod Organe entnommen werden dürfen, wenn er nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat. Das ist absurd, totalitär-paternalistisch und dazu unehrlich.

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Steve4567 09.11.2018, 21:30
260. Entscheidung von jedem Einfordern

Das geht nur mit der Vorgeschlagenen Lösung, doch würde ich weiter gehen:
Wer spendet darf empfangen
Wer nicht spendet darf nicht empfangen

Das mag sich totaliär anhören, wird aber in jedem einen Entscheidungsprozess auslösen.

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Margaretefan 09.11.2018, 21:31
261. @ #249 von wilam

Da mögen Sie durchaus Recht haben! Nur ändert das nichts an dem Grundproblem. Die Verlogenheit kommt dazu. Mein Haus kann ich meistbietend verkaufen, aber meine Organe nicht? Wow.

...und morgen segnen Sie die killende Drohne ab - schon klar...

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Luemgi 09.11.2018, 21:34
262.

Ach, und wer meint, nur ein potentieller Organspender solle ein Organ erhalten: ich würde lieber einem herzensguten Menschen spenden als einem, der wegen Mord im Knast sitzt oder auch einem, der sich die Leber selber kaputtgesoffen hat. Das können wir uns aber nicht aussuchen. Und so lange das so ist: ohne mich. Meine Angehörigen müssen mit der Art meines Todes klarkommen und deren seelisches Wohlergehen ist mir wichtiger. Und es ist auch nicht so, dass ein Organempfänger damit "gerettet" ist. So ein Organ hält nicht ewig.

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Freier.Buerger 09.11.2018, 21:37
263. Warten

Zitat von irobot
Moral ist ein Wertekanon, der sich ständig ändert. Früher wurden unverheiratete Paare als unmoralisch angesehen. Schwule und Lesben waren direkt des Teufels. Es gibt zig Beispiele für den Wandel der Moral. Aber eines hat sich nie geändert. Die Einstellung zu Menschen, die anderen das Leben retteten. Sei es nun, indem sie das eigene riskierten, es sogar opferten oder durch den eigenen Tod jemandes erhalten konnten. Das Problem ist nicht Moral, sondern die Faulheit der Menschen, sich mit diesem unangenehmen Thema auseinanderzusetzen. Und wenn wir den Mangel an Organen nur durch staatlichen Zwang reduzieren können, so muss das geschehen. Das JS-Modell mag vielleicht nicht das Richtige sein, es geht aber in die Richtung, die wir brauchen, um anderen Menschen das Leben zu retten. Und seien es auch nur 100.
Ok, stellen wir uns vor, ich habe mich mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich habe entschieden nichts zu entscheiden. Vor allem möchte ich nirgends weder als Spender noch als Nichtspender erkannt werden.
Bin ich jetzt moralisch zu verurteilen wie früher in unehelicher Gemeinschaft? Ich werde warten, bis mich die Moral wieder lieb hat.

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ds10 09.11.2018, 21:38
264.

Zitat von moev
Darum sollte halt jeder einfach bei Volljährigkeit die Bereitschaft zu Organspende zwingend erklären müssen oder er scheidet automatisch aus dem Kreis potentieller Empfänger aus. Damit hat man genau den gleichen Zwang sich damit zu beschäftigen. Wer U18 leider bereits so Krank sein sollte, dass er auf ein Spenderorgan angewiesen ist wäre geschützt und wer eben als gesunder 18-jähriger sich gegen Spendebereitschaft ausgesprochen hat, der halt als kranker 40-jähriger dann eventuell Pech.
Auch Ihnen sei gesagt, dass Sie sich auf einem Holzweg befinden. Aber vielleicht können Sie mir erklären warum nur die Bereitschaft zur Spende als Kriterium beim Empfang dienen soll und nichts sonst, was ein Empfänger bereits für die Gesellschaft oder gar die Menschheit getan hat?

Ich habe schon in anderen Beiträgen ausgeführt, dass das komplett ungerecht wäre, da man genug Fälle konstruieren kann, wo durch diese Regelung der Falsche das Organ erhält. Daher würde das dann auch zu weiteren Kriterien führen, die Ihnen dann wahrscheinlich auch nicht zusagen würden, ganz abgesehen davon, dass eine solche Regelung wohl klar gegen die Verfassung verstoßen würde.

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Phlegias 09.11.2018, 21:43
265. Genau so

Zitat von kayakclc
Spahn und andere sind moralisch völlig fehlgeleitet. Anstelle der Menschenwürde und der Selbstbestimmung jedes einzelnen auch nach dem Tod, will Herr Spahn jeden zwangsweise als menschliches Ersatzteillager verwenden, der sich nicht "Nein heist Nein" auf die Brust tätovieren läßt. Es ist die Verdrängung des Todes in der Modernen Gesellschaft, das beängstigt. Kein Mensch hat das Recht auf Organe anderen Menschen! Jeder muss damit klarkommen, das unser Darsein endlich ist. Auch in der moderen Zeit der Apparatemedzin muss ein würdiger Tod möglich sein. Er ist sogar wichtiger, als eine Lebensverlängerung um ein paar Jahre.
Exakt so sieht es aus. Ich finde es gruselig was da geplant ist.
Ich musste mich zum ersten mal mit dem Thema auseinandersetzten als eins meiner Kinder mit schwerer Fehlbildung und massiven Organstörungen geboren wurde. Während wir auf "Spender"-organe vergebes warteten ist mir bewusst geworden wie pervers das ist: Wir warten darauf das ein anderes Kind stirbt damit unser Kind eine Überlebenschance hat.
Jetzt bin ich selbst betroffen: Ohne je geraucht zu haben oder irgend einem anderen Laster gefrönt zu haben welches meine Krankheit hätte begünstigen oder auslösen können, bräuchte ich eine neue Lunge. Ich habe mich bewusst nicht auf die Liste setzten lassen, lebe mein Leben intensiv und bewusst. Einen würdigen Tod werde ich ohne "Sterbehilfe" wohl kaum haben, es wird wohl ein eher jämmerliches Ersticken werden, da die Lungenkapazität immer kleiner wird.
Ich denke Organspende sollte zwingend von Unfallverursacher auf Unfallopfer vorgeschrieben werden (schon klar das das aus einer Vielzahl von Gründen nicht gehen wird), aber das anspruchsdenken ist schon etwas seltsam. Wie kann man ersthaft eine solche "Leistung" von fremden Menschen erwarten können? Lebt euer Leben anständig im Sinne des Kant'schen Imperativ, bleibt euern Kinder in guter Erinnerung und versucht in Würde abzutreten.
Ein schönes Leben allen noch!

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moev 09.11.2018, 21:45
266.

Zitat von ds10
Aber vielleicht können Sie mir erklären warum nur die Bereitschaft zur Spende als Kriterium beim Empfang dienen soll
Weil einige das hier halt so fordern. Mir ist das völlig schnuppe, ich lehne nur die Opt-Out-Variante aus tiefstem Herzen ab und werde im Falle das die kommt einfach nur bangen das wenigstens das Verfassungsgericht die wieder kippt.

Das andere Argument ist da, dass die Beschäftigung mit dem Thema ansonsten zu unangenehm ist schlicht verdrängt wird.

Wenn es nur darum geht, dann muss eben etwas anderes gefunden werden um diesen Entscheidungsprozess zu erzwingen. Wenn die mögliche Sanktion als "Motivationshilfe" geeignet wäre, von mir aus bitteschön.

Das einzige was zählt ist das der Opt-in erklärt werden muss während ansonsten das "draußen sein" als Standardfall besteht.

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Menschundrecht 09.11.2018, 21:45
267. Spahnferkel

Ja, richtig, Herr Fischer. Wenn man dann noch versucht, sich vozustellen, dass diesem Ding Organe entnommen werden, um sie jemandem anderes einzupflanzen, dann ist das doch schon fast denkunmöglich, eigentlich unvorstellbar.

Wenn der oder die wüsste, der würde bestimmt lieber sterben.

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may4th_be_with_u 09.11.2018, 21:47
268.

Zitat von pirx64
Ich bin zwar nicht der Autor, dem Sie antworten, aber ich möchte trotzdem Ihnen antworten: Wenn die Kliniken heute schon wegen Aufwand die Entnahmen nicht durchführen, dann wird es besser wenn noch mehr zur Entnahme anstehen? Das erschliesst sich mir nicht, aber Sie wissen bestimtm die Antwort
Ja, ich kann Ihnen die Antwort geben. Sie steht gleich im ersten Satz der Kolumne. Das Reformgesetz zur Organspende soll helfen, dass Kliniken wieder mehr transplantieren: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/97545/Gesetzentwurf-zur-Organspende-Mehr-Geld-und-klarere-Strukturen

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biofri 09.11.2018, 21:47
269. Höchste Zeit für diesen Kurswechsel

Was soll diese sinnlose Aufregung über die Einführung einer Widerspruchslösung - andere Länder haben sie doch schon lange! Nur in Deutschland besteht anscheinend die Angst, dass man bei der Widerauferstehung plötzlich ohne Leber u. a. dasteht. Man braucht die Organe nach dem Tod nicht mehr! Das tiefe Mißtrauen gegen den Staat und gegen das Gesundheitswesen gipfelt in der Angst, dass man für tot erklärt wird, weil man die Organe für jemand anderes braucht. Da hat man anscheinend zu viele Horrorfilme gesehen! Was für eine Ethik soll denn für einen Toten wirksam werden? Sollte die Ethik nicht auf den Kranken angewendet werden, der den sicheren Tod vor Augen hat, weil in Deutschland keiner seine Organe spenden will. Spahn ist für mich ein totaler Unsympath, aber in dieser Hinsicht hat er recht. Es gibt übrigens eine Petition bei "open petition" für diese Widerspruchslösung, die schon von Tausenden unterzeichnet wurde.

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