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Spahns Organspende-Konzept: Sterben und sterben lassen
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Geht es nach Jens Spahn, sollen jedem nach dem Tod Organe entnommen werden dürfen, wenn er nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat. Das ist absurd, totalitär-paternalistisch und dazu unehrlich.

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moev 09.11.2018, 22:15
280.

Zitat von ds10
Sie wollen keinen Entscheidungsprozess auslösen, sondern Menschen mittelbar zwingen. Haben Sie so schlechte Argumente auf Ihrer Seite, dass Sie glauben Menschen zwingen zu müssen?
Es geht, hoffentlich, eher darum eben den Entscheidungsprozess zu erzwingen.

Würde man jeden Bundesbürger zum 18. anschreiben, dann wäre das schlimmstenfalls trotzdem nur eine kurzzeitige Erinnerung, aber das Anschreiben könnte dann immer noch schlicht im Papierkorb laden ohne das über den Inhalt nachgedacht wird.

Um den Entscheidungsprozess wirklich zu erzwingen, muss also irgendeine Form der Sanktion oder Belohnung damit verbunden werden.

Solange der Entscheidungsprozess über den Opt-in angeregt/erzwungen werden soll ist mir das egal wie das geschieht, nur den Opt-in als Standardfall zu erklären und das Opt-out zu verlangen lehne ich aus tiefsten Herzen ab.

Ich spende Blut (sogar umsonst beim DRK für eine Tasse wässrigen Kaffee und ein labriges halbes belegtes Brötchen als "Lohn", das lehnen ja viele schon weil der Blutspendedienst des DRK es wagt damit Gewinn zu machen), bin beim DKMS registriert und habe derzeit einen Organspendeausweis.

Aber das war alles meine Entscheidung, das hat niemand anderes für mich zu entscheiden und ich muss dann aktiv widersprechen. Genauso wenig wie ein Unternehmen mir einfach so einen Karton mit Produkten schicken darf und wenn ich nicht widerspreche gilt es als von mir gekauft.

Der Forist "derHamlet" formuliert es sehr treffend:

"Die Widerspruchslösung bedeutet im Klartext, dass der Körper und dessen Inhalt von Geburt an einen anderen Eigentümer/Besitzer hat, bis ich dem widerspreche.

Ich muss also etwas widersprechen und zurückfordern, was im Grunde mir gehört."

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e_rybin 09.11.2018, 22:16
281. ein höchst lebensverachtender artikel

in fast jedem land funktioniert diese regelung, nur die deutschen haben angst, dass ihnen geldgierige ärzte die organe noch vom lebenden leib weg verkaufen... und wegen dieser germanAngst müssen dann zehntausende sterben... bin ich froh Österreicher zu sein...

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die-metapha 09.11.2018, 22:17
282.

Zitat von Phlegias
Ohne je geraucht zu haben oder irgend einem anderen Laster gefrönt zu haben welches meine Krankheit hätte begünstigen oder auslösen können, bräuchte ich eine neue Lunge. Ich habe mich bewusst nicht auf die Liste setzten lassen, lebe mein Leben intensiv und bewusst. Einen würdigen Tod werde ich ohne "Sterbehilfe" wohl kaum haben, es wird wohl ein eher jämmerliches Ersticken werden, da die Lungenkapazität immer kleiner wird.
Es ist gut, dass Sie Ihre persönliche Entscheidung gefunden haben und so auch tragen können.
Erwartet wird rein gar nichts - weder von Empfänger- noch von Spenderseite.
Es ist eigentlich erstrebenswert, das jeder das - so wie Sie - von beiden Richtungen aus betrachtet und nur für sich selbst entscheidet. Darum geht es.

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Fred the Frog 09.11.2018, 22:25
283.

Zitat von wincel
Ich finde den Beitrag daneben. Es ist ganz klar dass jeder als Bürger Verantwortung für das Allgemeinwohl hat und jeder will eine Organspende als Empfänger. Und da ist es wirklich nicht zu viel verlangt, sich mal fünf Minuten hinzusetzen und zu sagen "Ich stimme zu oder nicht". Ich würde sogar weiter gehen und sagen "Nur wer alle zehn Jahre zustimmt, darf in dem Zeitraum überhaupt ein Organ erhalten. Ist doch eine Frechheit, von den Spenden anderer profitieren zu wollen aber selbst nicht bereit sein??
Worin begründet sich ihre postulierte Verantwortung für das Gemeinwohl? Die Menschen sterben nicht, weil kein passendes Organ gefunden wird, sondern an Nierenversagen, Herzschwäche oder Lungenausfall.
Ist es nicht gnädiger, einem solchen Menschen reinen Wein einzuschenken und ihn auf sein Ende vorzubereiten, als falsche Hoffnungen auf ein Spenderorgan zu wecken? Wie geschrieben, sterben täglich viele Menschen, die meisten davon, weil es mit Hygiene, Ernährung oder medizinischer Grundversorgung nicht geklappt hat.
Die Vorstellung, die Organe Sterbender seien eine Art Volksvermögen, zu dem jeder beizutragen hat, entmündigt uns als Menschen in unserer unteilbaren Integrität und entwürdigt jeden einzelnen.
Mir scheint, da hat sich eine Lobby von Transplanteuren, Herstellern von Anti-Abstoßungsmedikamenten und karrieregeilen Medizinern kräftig Gehör verschafft. Das Geld für Spezialisten zur Gewinnung von Spenderorganen und Operateuren für die Lebensverlängerung von ein paar tausend Kranken wäre wesentlich besser angelegt zu Verhinderung von 20000 Toten durch Krankenhauskeime.

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interjector 09.11.2018, 22:27
284. Neu: es ist auch eine Sache der Würde und Selbstbestimmung

Ich möchte darüber bestimmen können, was mit Teilen von mir passiert (auch nach meinem Tod):
Ich möchte nicht dass meine Tochter/Frau/Vater von mir kein lebensrettendes Organ erhält, weil Leute im Konsens mit anderen Leuten festgelegt haben, dass Andere das Organ nötiger haben als sie. Oder dass ich von Vorschriften, Fachspezialisten oder durch eine Mehrheit für zu krank erklärt werde, um noch ein Organ zu erhalten, aber nach meinem Tod ausgeräumt werde.

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moev 09.11.2018, 22:28
285.

Zitat von opar
hat er wieder einen Ort gefunden, wo er sich ereifern kann. Paternalistisch ist es, wenn die Politik über 50% unseres Verdienstes für das Verteilen nach was auch immer für Ideen einkassiert. Eine Widerspruchslösung, die systematisch wie geplant bei der Übergabe eines Ausweises notiert wird, ist keine, für die man extra seinen Hintern aus dem Sofa schleppen muss.
Für Sie vielleicht nicht, für mich und viele andere offenbar schon (also für mich auf jeden Fall, für die anderen halt offenbar).

Es geht nicht darum das man heraus kommt, es geht nicht darum das man kinderleicht heraus kommt. Es geht darum das man niemals automatisch hätte drin sein sollen.

Der Forist "derHamlet" formuliert es sehr treffend:

"Die Widerspruchslösung bedeutet im Klartext, dass der Körper und dessen Inhalt von Geburt an einen anderen Eigentümer/Besitzer hat, bis ich dem widerspreche.

Ich muss also etwas widersprechen und zurückfordern, was im Grunde mir gehört."

Dann soll sich der Staat halt irgendeinen, wie auch immer gestalteten, andere Weg ausdenken damit auch wirklich jeder Bundesbürger einmal im leben ganz konkret sein persönliches Statement abgeben muss.

Aber diese Statement muss einfach dazu dienen vom Nein zum Ja zu wechseln und darf niemals dazu nötig sein den umgekehrten Fall zu beenden.

Ganz einfach weil hinter dieser simplen Umkehr das vom Foristen "der Hamlet" formulierte Weltbild hinter steht.

Es spielt keine Rolle das Nein-zu-Ja und Ja-zu-Nein gleich einfach und aufwandlos ausgezogen werden könnten, das hinter dem Ja-zu-Nein stehende Weltbild ist mit aller Kraft und bis zum letzten zu bekämpfen.

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Filsbachlerche 09.11.2018, 22:28
286. An kayakclc Nr.27

Zitat von kayakclc
Korrigiertes Zitat „Auch in der modernen Zeit der Apparatemedizin muss ein würdiger Tod möglich sein. Er ist sogar wichtiger, als eine Lebensverlängerung um ein paar Jahre.“
Sie haben recht. Aber der letzte Bundestag hat, mit Mehrheit, aus „ethischer Verantwortung“ beschlossen, daß kein Mensch in der Bundesrepublik Deutschland das Recht hat, in auswegloser, schmerzhafter, unheilbarer Situation seinem Leben mit ärztlicher Hilfe vorzeitig ein Ende zu setzen.
Religiöse Begründungen hierfür sind für mich irrelevant. In unserem Grundgesetz finde ich nur ein Recht zum Leben, aber nirgendwo eine Bestimmung über eine „Pflicht“ zum Weiterleben…
Ich gestehe auch niemandem zu, über meine Entscheidung bezüglich meines Lebens und meines Todes irgendwelche Regelungen zu treffen. Auch bezüglich der Resteverwertung meines Körpers! Auch nicht dem deutschen Bundestag per Mehrheitsentscheidung.
Das ist mein ureigenes Menschenrecht!
In den vergangenen Jahrhunderten beanspruchten die souveränen Fürstenstaaten und auch die Republiken das Recht, ihren Untertanen respective Staatsbürgern in Kriegen die Pflicht zum Sterben aufzuerlegen.
Das Recht zur selbstbestimmten Beendigung des eigenen Lebens ist Medizinern und Apothekern vorbehalten.
Da ich nicht zu diesen gehöre, bleibe ich auf Hilfe aus deren Reihen angewiesen.
Noch habe ich Freude am Leben, doch auch sehr problematische Krankheiten.
Im Augenblick sehe ich noch keine Notwendigkeit zu einem Suizid.
Doch die derzeitige Rechtslage, die jeden Arzt, der in solchen Fällen Sterbehilfe leistet, zum Verbrecher macht, zwingt mich dazu, gegebenenfalls in die Schweiz zu reisen.
Jedem Tier spricht man das Recht zu, zu unserer Ernährung schmerzlos getötet zu werden.
Dem Menschen gesteht unser Rechtssystem dies nicht zu!
In der griechisch-römischen Antike war man da schon viel weiter!

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kahabe 09.11.2018, 22:33
287. Nu,

Zitat von opar
... Eine Widerspruchslösung, die systematisch wie geplant bei der Übergabe eines Ausweises notiert wird, ist keine, für die man extra seinen Hintern aus dem Sofa schleppen muss.
das wird aber nix. Systematisch?

Da m u s s das BVerfG auf Grundlage des Artikels 2 des Grundgesetzes trotz Gesetzesvorbehalt ein solches Gesetz als verfassungswidrig kassieren.. Was andere Staaten entscheiden, hat es nicht zu interessieren.

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Filsbachlerche 09.11.2018, 22:43
288. Zu Horst Haber Nr. 43 Das Problem am Opt-Out ist ...

Zitat von Horst Haber
... dass das Dokument, dass den Opt-Out belegt, ganz einfach "verloren" gehn kann, insbesondere wenn der Pat. allein stehend ist oder in einem Heim lebt oder einen desinteressierten Betreuer vom Amt hat. Dann werden - da es ja eine gewisse Dringlichkeit bezüglich der Organentnahme gibt - einfach mal die Organe entnommen ohne lange abzuklären, ob ein Widerspruch existiert. ----- Heutzutage muss die Klinik nachweisen und dokumentieren, dass eine Entnahme der Organe vom Pat. erlaubt ist und die Erlaubnis vorlag. In Zukunft kann die Klinik einfach erklären, dass kein dokumentierter OptOut vorlag und kann die Organe entnehmen. Da wird Missbrauch Tür und Tor geöffnet.
Genau deshalb haben viele Deutsche ihre Einwilligung zu einer Organentnahme nach dem Transplantations-Skandal vor einigen Jahren einfach zerrissen!

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sachbloss 09.11.2018, 22:45
289. Kranke verhöhnt

Im Grunde ist der Text vor allem eins : Selbstgefällig und das in kaum erträglichen Maße.
An der Stelle, an der Fischer sich der Patienten annimmt, fällt ihm nichts besseres ein, als ihnen die Schuld an Ihrer Krankheit zu geben, sie mit seiner Argumentation (Alkohol, Rauchen, Fettleibigkeit) geradezu zu verhöhnen und damit aus meiner Sicht auch sein Desinteresse und seine Ignoranz gegenüber Kranken zum Ausdruck bringt.

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