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Spahns Organspende-Konzept: Sterben und sterben lassen
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Geht es nach Jens Spahn, sollen jedem nach dem Tod Organe entnommen werden dürfen, wenn er nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat. Das ist absurd, totalitär-paternalistisch und dazu unehrlich.

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dirk.resuehr 10.11.2018, 09:40
350. Besitzstand

Pseudowissenschaft ahoi, hier erfahren Sie die Ursachen von Karriere. Lassen wir das. Offenbar gibts es ein scherwiegendes Problem. Dafür gibts Lösungsvorschläge, die natürlich juristische Fragen aufwerfen. Wem z.B. gehört ein Toter? Spahn sagt, er hat als Lebender nicht bestimmt, was a posteriori mit ihm passiert, ergo gehört er dem Staat. Das ist eine Idee, was daran paternalistisch, autoritär und unethisch ist, was denn? Der Tote ist einer Empfindung nicht mehr mächtig, seine Mitmenschen bestimmen also ohne jeden Anspruch über ihn, je nach individuellen Moralvorstllungen. Das ist auch keine "Lösung"! Das sind kesse, moralheuchelnde Behauptungen, die wahrscheinlich noch durch christliche Ethik
beeinflußt wurden. Ein Toter war mal irgendwas- ist nur noch Materie.
Man sieht, daß über dieses Thema schwer zu diskutieren ist. Die vorliegende "Kritik" ist zu gefärbt, um ernsthaft berücksichtigt zu werden.Da gefällt die nüchterne, scheinbar "kalte" Betrachtungsweise schon besser. Vielleicht hilft dem Juristen die schlichte Überlegung,
was er wohl täte, wenn ein kranker, sehr lieber Mensch, nur durch eine Transplantation überleben kann, nach seiner Facon könnte er wohl gehen, dann heult er bestimmt. Die Sache ist komplex und Juristen haben keinen Anspruch auf alleinige Wahrheit in allen Fragen!

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Kiesch 10.11.2018, 09:44
351. Interessant

Frankreich und Spanien (wo eine Widerspruchslösung gilt) sind also totalitäre Staaten, sehr interessant.

Ich persönlich tendiere grundsätzlich dazu eventuell meine Organe zu spenden. Trotzdem habe ich keinen Spenderausweis, sondern diese Ansicht lediglich meinen Angehörigen gegenüber schonmal geäußert. Ich würde allerdings auch nicht widersprechen wenn eine Widerspruchslösung kommt.
Das Thema ist einfach schwierig - und auch mit Vorbehalten beladen. "Nimmt der Arzt einen Organspender in der Intensiv nur noch als Ersatzteillager wahr? Oder als Geldquelle für die Klinik?"

Für viele zu schwierig um zu einer aktiven Entscheidung zu kommen. Also Status quo. Was man machen will ist einfach nur die "Standardentscheidung" zu verschieben. Das würde in jedem Fall zu mehr Spendern führen - weil sich das Groß der Menschen nicht mit dem Thema beschäftigen / beschäftigen wollen.
Und an diejenigen die sagen "Ich habe einen Ausweis und bin Spender - aber wenn das kommt, widerspreche ich": Sie sind eine Minderheit. Das ist ja nett das Sie ein Signal setzen wollen, aber relevant sind die hinzukommenden Spender aus den 80 Millionen Deutschen die keinen Organspendeausweis haben und nicht die verlorenen aus der einen Million die sowas hat.

Übrigens: Ich finde es extrem irritieren, dass der Autor gegen Organempfänger Stimmung macht mit "die sind doch alle selbst schuld, weil Raucher, Alkoholiker, Fett gefressen etc." Meines Wissens bringen einem alle diese Dinge ein, dass man auf der Empfängerliste gar nicht erst aufgenommen wird. Aber selbst wenn doch: Es gibt immer noch zahllose Menschen deren Organe ohne eigenes Verschulden versagen, die ein neues Organ brauchen. Das kann Aufgrund von Krankheiten sein, Aufgrund von Unfällen etc. Aber klar, es ist einfach über Menschen zu richten die krank sind, wenn man der Statistik folgend davon ausgehen kann, dass man selbst vorraussichtlich nicht betroffen sein wird - es braucht ja nur ein verschwindend geringer Anteil der Deutschen ein Spenderorgan.

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wexelweler 10.11.2018, 09:45
352. Die Frage ist doch wie geht das in Deutschland weiter

Zuerst wird die Widerspruchslösung eingeführt, führt die nicht zu einem für die Politik gewünschten Resultat, wird der widersprechende erst zum Paria, hilft das auch nicht wird die Mitbestimmung des Einzelnen abgeschafft. Politiker darf man nicht über den Weg trauen. In einer Demokratie die praktisch keine Volksbefragungen vorsieht erst recht.
Ich bin Organspender (Schweiz), wenn von Zustimmung auf Widerspruch umgestellt wird, bin ich dann keiner mehr. Ich will dann auch keine Organe mehr, denn diese wurden eventuell gegen den Willen eines Sterbenden entnommen.
Ich habe aber in der Schweiz die Möglichkeit auf meinen eigenen Wunsch freiwillig aus dem Leben zu scheiden und muss nicht künstlich am Leben gehalten dahinsiechen, nur damit das Krankenhaus gut verdient und sich der Arzt keine Sorgen um steigende Haftpflichtprämien machen muss.

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spon_4_me 10.11.2018, 09:45
353. @ derHamlet (# 298):

Entschuldigung (Sie schreiben ja oft ganz kluge Beiträge), aber diese Einlassung ist hanebüchen. Die Geschichte unserer Gesellschaft sei nur zu verstehen als eine Ansammlung menschlicher Landwirte mit menschlichen Nutztieren (oder so ähnlich)? Das mit meinen Eiern, die ich jemandem unter Drohung gebe, und der Vergleich mit der Henne - meinen Sie das als lustiges Wortspiel? Selbst wenn Sie die Aufforderung, der Organtransplantation post mortem ausdrücklich zu widersprechen, sonst werde stillschweigende Zustimmung vorausgesetzt, selbst wenn Sie das - wie wohl auch TF - für einen unzumutbaren Eingriff des Staates in Ihre Willens- und Handlungsfreiheit halten: Wie sähe es denn aus, wenn Sie selbst oder eines Ihrer Kinder auf eine Transplantation angewiesen wären und dann ein Organ zur Verfügung stünde, das voraussichtlich nicht vom Körper abgestoßen werde würde (keine kleine Einschränkung) und der Spender pre oder seine Angehörigen post morten sagen: Sorry, Herr Hamlet, wir haben diese und jene Bedenken, aus der Transplantation wird nichts, echt blöd für Sie, aber Sie wären eh irgendwann gestorben? Wie steht es mit unterlassener Hilfeleistung? Würden Sie einen Menschen unter Einsatz Ihres Lebens zu retten versuchen, z.B. einen Ertrinkenden? Und das gleiche gilt dann nicht mehr, wenn Sie tot und soweit wir wissen ohne Willen noch Gewissen noch Empfinden sind? Ich habe große Mühe, Ihre und TFs Argumentation in dieser Sache ethisch nachvollziehen zu können, es sei denn, Sie konstruieren Szenarios von Organhandelsmafia oder verhinderter Seelenwanderung. Wobei die Mafia ja ein kommerzielles Problem hätte, wenn Ihre Ware unentgeltlich zur Verfügung stünde statt Personen in der 3. Welt bei minimaler Betäubung aus dem Leib geschnitten zu werden.

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kakophoniephobie 10.11.2018, 09:55
354. Nichts ist undenkbar

Zitat von vernetzt weiblich denken
Wenn der Kanzler wird fress ich einen Besen. Lokomotivführer eher. Danke Herr Fischer.
Dass der ambitionierte Jungspund Jens Spahn Parteivorsitzender der CDU und in der Folge sogar Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wird, ist meiner Einschätzung nach so wahrscheinlich wie der Rücktritt von Angela Merkel als Kanzlerin bei einem Wahlerfolg von Annegret Kramp-Karrenbauer. Einschränkend möchte ich hinzufügen, dass in diesem Land der unbegrenzten Ver-rückt-heiten so gut wie nichts undenkbar ist und damit grausame Wirklichkeit werden könnte. Rechnen Sie also mit dem Schlimmsten!

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wolf1003 10.11.2018, 09:55
355. Zustimmungslösung mit verpflichtender Aufklärung

1. Die Widerspruchslösung ist abzulehnen. Stichhaltige Gründe dafür können anderen Forumsbeiträgen entnommen werden.
2. Jeder deutsche Staatsbürger und jeder hier lebende ausländische Staatsbürger muss an einer Informationsveranstaltung teilnehmen, bei der
a) die Hirntoddiagnostik dargestellt und schlüssig erklärt wird, warum ein Mensch mit nicht mehr messbarer (!) Hirnaktivität tot und nicht sterbend ist, wenn die Organe entnommen werden und
b) der Ablauf der Organentnahme geschildert oder gezeigt wird, insbesondere die Öffnung des Torsos vom Hals bis zum Schambein und die Herbeiführung des Herzstillstandes am Ende (!) der Prozedur.
Wer dann noch zustimmt, meint es wirklich ernst.

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spon-41t-j7h9 10.11.2018, 09:57
356.

Der Verfasser hat klug geschrieben, auch für den Ethik-Lehrer lassen sich gute und neue Gesichtspunkte finden. Das schätze ich am Spiegel.
Was mich allzu oft abstößt ist die Unart, sich zugleich über Andersdenkende lustig zu machen ("... und sich bei jeder Gelegenheit für das Amt des Klassensprechers vorzuschlagen."). Ich mag den Mann auch nicht. Aber wenn man mit dem Anspruch eines Spiegel nicht informieren/diskutieren sondern eine Wirkung erzielen will, indem zu Beginn des Artikels eine Stimmung erzeugt wird, dann kommt bei mir Sehnsucht auf nach amerikanischen Pressestandards, wo Information und Meinung immer noch kenntlich gemacht sind.

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KatjaJohn 10.11.2018, 09:57
357. erschreckend

wie viel Widerspruch dieser Artikel hier hervorruft, der mir total aus der Seele spricht. Ob "hirntot" nun wirklich ganz tot ist nur eine Übergangsphase zum Tod, ist reine Definitions-, also Aansichtssache. Genauso, wie es Ansichtssache ist, ob wir so etwas wie eine Seele haben, die auch ohne Hirn noch alles mögliche mitkriegt, oder ab wir ein reiner Materiehaufen sind, dessen Bewusstsein lediglich eine Funktion des Biocomputers Hirn ist. In asiaischen Kulturkreisen gibt es da sehr interessante Sichtweisen. Ich jedenfalls möchte nicht ausgeweidet werden, sondern in Ruhe sterben, bis ich ganz tot bin. Und ich verzichte auch gerne auf Bio-Ersatzteile von anderen Leuten. Sterben is schließlich total normal.

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die-metapha 10.11.2018, 10:00
358.

Zitat von Maria--Galeria
Ich zieh den Hut vor der Ärzte Kunst Ihr Werk Frankenstein Wirklich multibel Gar nicht übel
Tut mir leid - aber Sie beleidigen ganz bewusst Menschen, deren tägliches Tun nicht das Schaffen eines "Frankenstein" ist sondern darin aufgeht, deren ganze Kraft und das ganze Wissen aufzuwenden evtl. auch einmal Ihre Gesundheit wiederherzustellen.
Gleichzeitig unterstellen Sie hier den betroffenen Organempfängern selbst daran schuld zu sein an einem chronischen oder akutem Organversagen erkrankt zu sein.
Wenn man über einen solch eingeschränkten Horizont verfügt, sollte man sich besser kein Urteil über etwas bilden, was man im Detail nicht erfasst.
Sie sollten sich mal die Zeit nehmen und wirklich seriöse Quellen und Berichte lesen um zu verstehen, dass rund 95% der Betroffenen durch eine Autoimunerkrankung oder an den Folgen eines lapidaren Virusinfekt ernsthaft erkranken, der dann letztlich zum Organverlust führt.

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norberto56 10.11.2018, 10:04
359. Hirntot und Organspende

Wenn Organe entnommen werden sollen, dann dürfen die Organe nicht tot sein, sonnst kann man diese nicht mehr verwenden. Das heißt doch, das wenn ich Hirntot bin, meine Organe noch am Leben erhalten werden müssen. Mein Herz schläg, meine Lunge und meine Organe werden mir Sauerstoff versorgt. Das heißt für mich ich lebe noch, wenn mir meine Organe entnommen werden. Kein Mensch kann sagen ob und was man dabei fühlen kann. Eine Lebendorganspende ist eine bewusste Entscheidung und die einzige, die für mich in Frage kommt.

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