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Spahns Organspende-Konzept: Sterben und sterben lassen
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Geht es nach Jens Spahn, sollen jedem nach dem Tod Organe entnommen werden dürfen, wenn er nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat. Das ist absurd, totalitär-paternalistisch und dazu unehrlich.

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fotobiene 13.11.2018, 16:39
840. In der Tat...

Zitat von Softship
Denn in beiden Fällen werden Angehörige hinzugezogen. (...) Wenn Sie nicht spenden möchten, warum tragen Sie denn heute keinen Ausweis mit "NEIN" bei sich? Das würde im Fall der Fälle vielen Menschen viel Mühe und Ihren Angehörigen viel Herzschmerz ersparen.
... war mir bisher nicht klar, daß bereits jetzt versucht wird, die Zustimmungslösung durch eine gezielte Bearbeitung der Angehörigen zu unterwandern.
Dies ist mir erst jetzt durch Recherchen anläßlich dieser Kolumne (Dank an Herrn Fischer!!) klar geworden.
Daher - und wegen der Regelungen in Urlaubsländern, die ich besuche - trage ich seit vorgestern einen entsprechenden englischsprachigen Ausweis mit einem "Nein" mit mir, wie ich auch hier schon in der Diskussion mitteilte:
http://www.spiegel.de/forum/panorama/spahns-organspende-konzept-sterben-und-sterben-lassen-thread-825224-78.html#postbit_70019419

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Softship 13.11.2018, 16:41
841.

Zitat von fotobiene
Cotti schrieb ausdrücklich: "So müsste es eigentlich gehandhabt werden, wenn man sagt: "Nur wer AUSDRÜCKLICH zustimmt, wird explantiert". (...) Dem ist zuzustimmen. So müßte es sein, ist aber leider nicht.
In dem Beitrag, auf dem ich reagiert habe, schrieb Cotti "Bei einer "Zustimmungslösung" dürften aber NUR solche Menschen explantiert werden, die auch wirklich nachweislich zugestimmt haben - schriftlich." Ja, ich habe das "t" in "dürften" übersehen. Geht es Ihnen jetzt besser?

Dem ist nicht zuzustimmen, nur weil Sie dem zustimmen.

Dass es so sein "müsste" sehe ich anders. Denn wie schon vielfach festgestellt wurde, haben viele Menschen nix gegen Organspenden, aber sind bisher zu bequem, den Ausweis auszufüllen. Oder sie möchten einfach die Entscheidung anderen überlassen, weil sie wissen, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist (nur ca. 1,2% der Todesfälle können überhaupt Organspender werden), dass es relevant ist.

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fotobiene 13.11.2018, 16:48
842. Danke, marcain

Zitat von marcain
Ich glaube, das nutzt auf Dauer Menschen, die auf ein Organ warten mehr, als das übliche Verschweigen der Probleme., kombiniert mit interessensgeleiter Werbung. Denn das schafft aus meiner Sicht garantiert kein Vertrauen .
Neben meiner "Verweigerung" einer Organ"spende" habe ich meinen Angehörigen auch mitgeteilt, daß ich einen solchen Empfang verweigere, aus genau den Gründen, die Sie anführen.
Ich drücke mir selbst die Daumen, daß ich in dem Fall, daß ich einmal unter Bewußtsein in eine "Empfänger-Situation" gerate, diesen moralischen Anspruch auch mir selbst gegenüber mental durchsetzen kann.

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Bondurant 13.11.2018, 17:08
843. Warum?

Zitat von fotobiene
Ich drücke mir selbst die Daumen, daß ich in dem Fall, daß ich einmal unter Bewußtsein in eine "Empfänger-Situation" gerate, diesen moralischen Anspruch auch mir selbst gegenüber mental durchsetzen kann.
Ich kenne Menschen, die persönlich aufgrund von Vorerkrankungen allenfalls als Organempfänger in Betracht kommen und nicht als -spender und trotzdem prinzipiell gegen die Organentnahme sind, weil sie eben Zweifel haben, dass die Spender wirklich tot sind. Natürlich würden solche Menschen - bereits entnommene - "Spenderorgane" annehmen anstatt zu sterben. Das sind eben menschliche Schwächen. Zum Vergleich: jemand, der sich durch eine Zahlung oder anderen Beziehungen einen Vorrang auf der Warteliste für Spenderorgane verschafft, weil er möglicherweise tot wäre, bevor er an die Reihe käme, würden Sie dem einen persönlichen Vorwurf machen? Not kennt kein Gebot, altes Rechtsprinzip und als "entschuldigender Notstand" heute auch anerkannt.

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die-metapha 13.11.2018, 17:39
844.

Zitat von fotobiene
... war mir bisher nicht klar, daß bereits jetzt versucht wird, die Zustimmungslösung durch eine gezielte Bearbeitung der Angehörigen zu unterwandern.
Da wird nichts unterwandert.
Es ist nur so, dass dies bis zum Zeitpunkt der Einstellung einer Maximaltherapie bei einem ansonsten organisch gesunden Menschen nicht im Fokus der medizinischen Bemühungen steht oder stand.
Bei der Akutbehamdlung z.B. eines jungen Unfallopfers steht die kurative Behandlung im Vordergrund.
Wenn der Patient trotz aller Bemühungen ein solches geschehen nicht überleben wird und sich in eine Bild des Hirntodes manifestiert, dann wird das in vielen Gesprächen mit den Angegörigen auch so kommuniziert.
Am Ende wird man sich auf ein Einstellen, resp. das Beenden der intensivmedizinischen Behandlung(en) verständigen. Erst dann - und tatsächlich erst dann, wenn dieser Point of no Return erreicht ist werden die Angegörigen überhaupt erst angefragt, wie der jeweilige Patient zu Lebzeiten zu dem Thema Organspende stand und ob evtl. sogar ein Organspendeausweis vorhanden ist. In weiteren Gesprächen wird dann besprochen, wie der Patient und auch dessen Angehörige ganz konkret zum Thema Organspende stehen. Beim leisesten Zweifel oder einem klaren Nein wird eine solche Option verworfen und der Wille des Patienten und/oder der Angegörigen respektiert.
Ihre Angegörigen können sich sogar dann gegen eine Organspende aussprechen, wenn Sie das selbst ursprünglich wollten und mittels einem Organspendeausweis zum Ausdruck gebracht haben. Da wird niemand überredet oder unter Druck Gesetz.
Alles Andere sind reine Schauermärchen.
Wer Organspende für sich selbst oder seine Angegörigen ablehnt ist niemandem Rechenschaft schuldig und muss dies auch überhaupt nicht begründen - es bleibt jedem selbst überlassen und spiegelt den freien Willen der jeweiligen Person wieder.
Und als deutscher im Ausland brauchen Sie gar keine sorgen haben -
Für Sie gilt die dortige Regelung nicht.
Ich weiß wirklich nicht, welche Fantasie manche Menschen entwickeln und zu welchen abstrusen Unterstellungen manche sogar zu gehen bereit sind.

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heissSPOrN 13.11.2018, 17:48
845.

Zitat von Softship
Wenn ein Krankenhaus nicht über ein bestimmtes Antibiotikum verfügt, und Sie sterben deswegen an Sepsis... was meinen Sie, sterben Sie weil Sie eine Sepsis hatten, oder weil Sie kein passendes AB erhalten haben?' Genau das können Sie auf Transplantationen übertragen. Es gibt eine Behandlungsmethode, aber das notwendige Behandlungsmittel steht nicht zur Verfügung.
Nein, das kann man nicht übertragen; denn wenn das Antibiotikum nicht vorrätig ist, ist das eine logistische Schlamperei. Ein passendes Organ kann man hingegen gar nicht bevoraten.

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fotobiene 13.11.2018, 17:51
846. Sachlichkeit

Zitat von Softship
Ja, ich habe das "t" in "dürften" übersehen. Geht es Ihnen jetzt besser? (...) Denn wie schon vielfach festgestellt wurde, haben viele Menschen nix gegen Organspenden, aber sind bisher zu bequem, den Ausweis auszufüllen.
Es geht mir dann besser, wenn ich Mißverständnisse ausräumen kann, nicht aber dann, wenn der Betroffene dies als persönlichen Angriff und entsprechende Niederlage empfindet. Entschuldigung!!

Ja, es geht um die "Dunkelziffer".
Sie IST dunkel.

Eine gesetzliche Interpretation dieser Dunkelziffer in eine "zielführende" Richtung ("Wir brauchen Organe!") lehne ich ab und betrachte sie als Verstoß gegen meine Persönlichkeitsrechte und die anderer.
Wir brauchen auch "Spenden für Afrika!"
Ich würde es ebenso ablehnen, per Gesetz das Erbe eines Hirntoten auf Basis einer Widerspruchslösung einem solchen Zweck staatlich geregelt zuzuschreiben und befürworte die Notwendigkeit eines entsprechendes Testaments.

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die-metapha 13.11.2018, 17:56
847.

Zitat von fotobiene
Neben meiner "Verweigerung" einer Organ"spende" habe ich meinen Angehörigen auch mitgeteilt, daß ich einen solchen Empfang verweigere, aus genau den Gründen, die Sie anführen. Ich drücke mir selbst die Daumen, daß ich in dem Fall, daß ich einmal unter Bewußtsein in eine "Empfänger-Situation" gerate, diesen moralischen Anspruch auch mir selbst gegenüber mental durchsetzen kann.
Ich verstehe gar nicht, weshalb Sie hier Ihre Beweggründe für oder gegen eine Organspende so herausarbeiten wollen und sich damit öffentlich beschäftigen. Das ist doch gar nicht der Punkt - niemand muss sich für seine Entscheidung rechtfertigen.
Es geht eigentlich um den Prozess der Zustimmung oder Ablehnung - und wann dieser geeigneter erscheint.
Wenn der von ihnen eingeschlagene Weg für Sie so richtig erscheint, dann gehen Sie diesen. Im Falle einer Erkrankung, die Sie dann als Empfänger erscheinen liesse, wird Organ-spende / empfang erst dann überhaupt thematisiert - Sie treffen erst dann und situativ die Entscheidung und das, was Sie z.B. jetzt gesagt oder geschrieben haben wird überhaupt nicht in diesen Prozess einfließen.
Der einzige, der Sie zu Ihrem früheren Standpunkt befragen könnte sind Sie selbst - und das machen Sie in erster Linie doch mit sich selbst aus.

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