Forum: Panorama
Spaltung der Gesellschaft: "Wo eine Villa ist, da ist meist auch ein Weg"
Henning Kaiser/DPA

Hass und Angst nehmen zu, die Mitte der Gesellschaft scheint zu erodieren: Woran liegt das? Der Politologe Christoph Butterwegge geht von einem gefährlichen Grundmechanismus aus - und warnt vor den Folgen.

Seite 1 von 46
prof.unrat 21.11.2019, 08:57
1. trostlos und aussichtslos

Es bleibt die (bittere) Erkenntnis, dass das existierende Gesellschafts- oder besser Geschäftsmodell nicht auf sozialen oder ökologischen Ausgleich bzw. Nachhaltigkeit ausgelegt ist. Denn das würde auch einen merkbaren Verzicht bedeuteten. Bloß wer verzichtet schon freiwillig? Nein Eigentum und Ressourcen sind heilig und davon kann man nicht genug bekommen. Was ich besonders schlimm finde, ist das die herrschenden politischen Entscheidungsträger überhaupt keine Vorstellung von der Zukunft haben. Soll es immer so weitergehen? Geht es immer um Besitzstandwahrung und Sicherung des Wohlstands? Gibt es überhaupt eine Idee von der Zukunft? Es sind die Phantasielosigkeit verbunden mit Denkfaulheit, ja sogar Denkverbote, die die herrschende Politik prägen und die Menschen einlullen. Diese Politik nennt sich konservativ. Also bleibt möglichst alles so, wie es ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nadennmallos 21.11.2019, 08:57
2. Nicht wirklich was Neues, oder?

Das die Schere zwischen arm und reich sich immer weiter öffnen würde, war Mitte der Neunziger schon in Ansätzen absehbar und manifestierte sich nach 2000 immer weiter. Die Steigerung des Profits ist oberstes Gebot, bei Firmen und ja, auch bei uns selbst! Und wenn man sieht (gut zu beobachten auch bei Staat und Kommunen), dass die Ausgaben für die Verwaltung (pauschal) immer weiter steigen und die notwendige Förderung für die Bildung ausbleiben, na dann kommt es eben zur jetzigen Entwicklung. Jeder ist sich selbst der Nächste.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cyberpommez 21.11.2019, 09:00
3. Sauber

Da hat Butterwegge zu 100% Recht, aber warum fragt der Spiegel, ob seine Massnahmen nicht etwas radikal wären? Radikal kommt von Radix, die Wurzel, und bedeutet ein Problem an der Wurzel packen, die bekanntlich beste Problemlösung. Butterwegge hat die Wurzel des Problems gut erkannt und schlägt brauchbare Lösungen vor. Gut so!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ayco 21.11.2019, 09:00
4. Es gibt in Deutschland keine Armut

Mit Beiträgen wie diesem wird die Spaltung geradezu herbeigeredet und manifestiert. Jeder, ausnahmslos jeder, hat in Deutschland Anspruch auf Unterbringung, Krankenversicherung und nach neuester BGH-Rechtsprechung Anspruch auf ein bedingungsloses Grundeinkommen, nämlich sanktonsfreies H4-Einkommen.
Dieses System wird von Leistungsträgern der industriellen und bürgerlichen Mittelschicht getragen. Wenn die Leistungsbereitschaft immer weiter durch Abgaben und höhere Steuern eingeschränkt wird, erlahmt auch die Einsicht und Bereitschaft für die Gesellschaft zu arbeiten.
Die Folge wären noch mehr Bezieher von staatlichen Transferleistungen.
Hört mit der dauernden Neiddebatte auf!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
CouscousGauthier 21.11.2019, 09:01
5. Mittelschicht

Zitat Butterwegge: "In diesem Weltbild sind die Angehörigen der Mittelschicht die wahren Leistungsträger der Gesellschaft."

Mir fehlt der Beleg dafür, dass es sich bei dieser Annahme um eine Trugvorstellung handelt. Tatsache ist doch, dass die Politik der Groko seit Jahrzehnten darauf abzielt, Einkommensunterschiede zwischen Mittelschicht und Leistungsempfängern zu nivellieren. Um welche Wohltat es sich auch handelt - Kindergeld, Baukindergeld, Bafög, ... - alle sind de facto mit einer Bedürftigkeitsprüfung verbunden und für "Reiche" (Haushaltseinkommen > 50-70 kEUR) nicht vorgesehen. Bezahlt werden sie aber allesamt aus dem Steueraufkommen, das ebendiese Mittelschicht erarbeitet.

Währenddessen lassen die "Hyperreichen" (Butterwegge) ihr Kapital für sich arbeiten und geniessen niedrige Kapitalertragssteueren. Auf die oben genannten Vergünstigungen sind sie natürlich nicht angewiesen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
frank_n_furter 21.11.2019, 09:02
6. Die Mittelschicht als wahrer Leistungsträger

Nun, zumindest ist die Mittelschicht am stärksten belastet durch Steuern und Sozialversicherung, und zieht somit den ganzen sozialpolitischen Karren. Im Alter wird dann das Ersparte für die Pflege verfrühstückt, während die "Mittellosen" wiederum vom Sozialstaat aufgefangen werden müssen. Die sog. Unterschicht trägt finanziell wenig bei, die Reichen vermeiden Steuerzahlungen erfolgreich und beteiligen sich ohnehin nicht angemessen an den Kosten des Staates, obwohl sie überdurchschnittlich profitieren von Infrastruktur, Sicherheit, und dem "besseren Recht", welches sie sich kaufen können. Ein ganz wesentlicher Punkt ist die Bezahlung auskömmlicher Löhne, die nicht automatisch in die Altersarmut führen. Hier muss sich dringendst etwas ändern, und zwar schnell! Die AFD bietet mit ihrem wirtschaftsliberalen Ansatz seit jeher keine Lösungen, und hat sich ohnehin desavouiert mit der Faschistenbande um Höcke. Merke: auch Faschisten arbeiten nur in die eigene Tasche, das lässt sich überall in der Geschichte und auf der Welt anschaulich nachvollziehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jupp78 21.11.2019, 09:03
7.

Das entscheidende Wort heißt wie so oft: Eigenverantwortung!
Dass es eine Eigenverantwortung gibt, ist gut und richtig so, denn Eigenverantwortung ist Freiheit. Und eines ist damit natürlich auch richtig, nimmt man die Eigenverantwortung nicht (ausreichend) wahr, dann wird es einem schlechter gehen, als wenn man dies tut. Gleich das erste Beispiel zeigt das perfekt. Und das ist kein Problem des Staates, das ist ein Problem des Individuums. Und dieser Einflussfaktor geht hier massiv durcheinander mit Faktoren, die tatsächliche Ungleichheit seitens der Gesellschaft sind.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
gemgh 21.11.2019, 09:08
8. Bge

es wird auf lange Sicht kein Weg am BGE vorbeiführen, ansonsten können wir die Demokratie beerdigen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hup 21.11.2019, 09:08
9. es ist wirklich schwierig

Ein Interview zu lesen, in dem man dem Interviewten nach jedem Satz widersprechen will. Butterwegge überzeugt zumindest im Interview überhaupt nicht, vieles ist schlicht beliebig und scheint nicht Fakten- sondern Meinungsgetriggert zu sein. In der Zusammenschau wirkt das schwach und unausgegoren und macht wenig Lust auf sein Buch. "Zeitgeist Surfing" scheint hier die passende Zuschreibung zu sein, im Kern sind die Forderungen aber bereits jahrzehnte alt. Jetzt wird halt mal wieder abgestaubt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 46