Forum: Panorama
Staatenlos: Flucht ohne Ausweg

Nach zwölf Jahren in Deutschland wurde der Hamburger Wadim S. als Teenager nach Lettland abgeschoben - allein, ohne Sprachkenntnisse, ohne Pass. Immer wieder versuchte er, in die Heimat, die ihn nicht wollte, zurückzukehren. Bis er keinen Ausweg mehr sah.

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Fischkopp-Cop 20.04.2010, 17:08
130. 2

Zitat von Madmo
Während der ausführlich und als überfallartig geschilderten Abschiebung durch deutsche Behörden, verletzen sich die Eltern offenbar massiv selbst -und lassen ihren Sohn in den .....
Scheint so. Irgendwo menschlich verständlich und nachvollziehbar, wenn auch tragisch.

Zitat von
Es fragt sich, worin die Gründe für den späteren Suizid des Sohnes zu suchen sind und ob vor diesen familiären Hintergrund nicht auch das Verhalten der Eltern schon vor der eigentlichen Abschiebeodyssee fragwürdig war.
Die Gründe dürften im Individuum zu suchen sein. Ich persönlich sehe für den Suizid keine Mitverantwortlichkeit des deutschen Staates, wenn auch die Abschiebung einen Mitanlass für dieses Einzelschicksal dargestellt haben dürfte.
Zitat von
Darüber erfahren wir freilich nichts. Stattdessen: Jede Menge rührseelige Details, die mehr zur Verschleierung der Umstände beitragen, als zu deren Aufklärung. Der Artikel ist für mich ein.....
Möglich, Business as usual, nicht nur bei den Print- oder Onlinemedien. Trotzdem geignet, über Auswirkungen gesetzlicher Bestimmungen generell diskutieren zu können.
Ach, soviele Fragen waren das doch überhaupt nicht ;-)

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derletztdemokrat 20.04.2010, 17:09
131. pleite

Eine Familie aus dem Kosovo. Vater, Mutter, 2 Töchter beim Asylantrag ca. 8-10 Jahre alt und 1 Sohn auch um 12 Jahre alt. Der Sohn hat später in meiner Firma gearbeitet.
Ohne Probleme, auch der Vater.
Der Vater hat 10 Jahre einem Anwalt jeden Monat 200-300 Euro gegeben, weil er glaubte der würde ihm helfen. Als ich einmal nach der Akte fragte, war keine da.
Also hat der RA die Kohle einfach eingesteckt und die Akte schlummerte im Amt, der Beamte hat wohl mit kassiert.
Nach zehn Jahren wurde die Familie über Nacht aus dem Bett geholt und zurück in den Kosovo in ein Haus ohne Dach gebracht. Der Sohn durfte hierbleiben, weil er eine Arbeitsstelle hatte. 10 Jahre mit dem Schicksal von Menschen spielen das ist die Katastrophe. Mein Gruß geht an den gierigen Anwalt und den gierigen Beamten. Die ganze Angelegenhei war auch in der Regionalpresse. Ohne den Hintergrund, warum die Mensch 10 Jahre verschaukelt wurden.

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#Nachgedacht 20.04.2010, 17:11
132. Leben wir in einem Rechts-und Sozialstaat?

Eindeutig NEIN! Es ist ein Fall von vielen der die Wahrheit über diesen Staat aufzeigt.
Von Politikern und Vertretern des öffentlichen Lebens, von Behörden und von als Experten gepriesenen Psychologen wird permanent bestritten das es a) einen Zusammenhang zwischen Selbstmord und gesellschaftlicher Situation gibt und b) bestritten das dafür Entscheidungen irgend einer Behörde oder eines Amtes ursächlich verantwortlich sind.

Mängel die in Folge von Gesetzen auftreten werden ignoriert, es wird nicht nur bei Ausländern in kauf genommen das Betroffene in Folge von Behördenentscheidungen zu Kriminellen werden. Und es ist super einfach weil jeder mit dem Finger auf den Anderen zeigen kann und jeder tut nur seine Pflicht.

Opfer sind zu vernachlässigen, prozentual kaum gewichtig.
Opfer als Täter dieser Politik aber an den Pranger zu stellen, denn § 1 dieses Rechtsstaates ist Politiker / Beamte und angehörige des öffentlichen Dienstes machen keine Fehler! § 2 Sollte es doch einmal so sein, sind sie in keiner Weise Schuld, diese ist alleinig den Betroffenen zuzuordnen!

Leider stellen bisher nicht nur viel zu wenig Anwälte das bestehende Recht und vor allem die Umsetzung in Frage. Leider ist diese vorsätzliche Kriminalisierung von Bürgern, zum beispiel durch Leistungsstreichung bei H IV, bei Steuerproblemen etc selten ein Medienthema und wenn verhallt der Effekt, weil zu viele die Augen verschließen, so lange sie nicht betroffen sind.

Der Glaube und die Hörigkeit hat schon manchem Staat am Ende die Existenz genommen, ganz ohne Terrorismus und Klimawandel.
#Nachgedacht

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JustinSullivan 20.04.2010, 17:11
133. @ Hipster

Zitat von Hipster
Aha! Klasse Vorschlag. Was wäre denn damit gewonnen? Wenn Flüchtlinge - wie häufig - ihre wahre Herkunft verschweigen, können sie die von Ihnen gewünschte Verjährungsfrist (ich nehme an, Sie denken da so an ein bis maximal zwei Jahre) doch locker aussitzen, da die Beschaffung von Passersatzpapieren dann umso schwieriger wird.
Da nehmen Sie falsch an. Es hat schon seinen Grund, dass ich für eine Verjährungsfrist kein Beispiele genannt habe, denn ich bin weder Richter noch Politiker.

Zitat von Hipster
Was passiert in Ihrem Kosmos, wenn im Heimatland des Flüchtlings seit Jahren Krieg und Verfolgung herrscht?
Dasselbe wie in Ihrem Kosmos. Es sei denn, Sie versuchen mit diesem Satz, mich persönlich zu beleidigen. In dem Fall leben wir tatsächlich in verschiedenen Welten.

Zitat von Hipster
Soll man die Dauer der verwaltungsgerichtlichen Verfahren so straffen, daß eine einwandfreie Würdigung des Einzelfalles nicht mehr möglich ist?
Natürlich nicht. Im Gegenteil, ich plädiere sehr für eine Würdigung des Einzelfalls. Glauben Sie denn, dass die überlasteten Behörden das hinbekommen? Das vorliegende Beispiel scheint das Gegenteil zu beweisen.

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tomcatXXX 20.04.2010, 17:12
134. Nach dem Lesen des Artikels

und der Beiträge im Forum, habe ich mich wieder einmal an einen Spruch erinnern müssen, den der alte Rechtsanwalt meines Vaters (beide schon lange verstorben) vor ca. 40 Jahren einmal zu mir gesagt hat. "Bub" sagte er zu mir, "vor Gericht bekommst du keine Gerchtigkeit. Vor Gericht bekommst du ein Urteil". Ich habe das damals nicht verstanden. Nachdem ich nun 40 Jahre Zeit hatte darüber nachzudenken, glaube ich heute zu wissen was er gemeint hat. Der Fall von Wadim hat mich wieder einmal daran erinnert. Möge er in Frieden ruhen, in deutscher Erde.

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Fischkopp-Cop 20.04.2010, 17:14
135. .

Zitat von iiha
Es macht mich traurig zu lesen, dass die Deutschen immer noch so unmenschlich über Migranten reden, als seien sie Tiere, die am besten aussterben würden. Die AUsländerbehörde sollte abgeschafft werden, denn sie alleine führt dazu, dass Menschen unglücklich sind und - in diesem Fall - Selbsmord ....
Na, dies ist ja mal ein unreflektierter und naiver Beitrag aus dem rosa Wolkenkuckucksheim :-)
Schön gemischt mit einfachen und unzutreffenden Vergleichen und einfachsten Pauschalierungen.
Ich hoffe doch, dass Sie als Erwachsene später etwas besser differenzieren können und Sachverhalte in einer etwas tieferen Komplexität zu würdigen wissen.
Glück auf.

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Madmo 20.04.2010, 17:15
136. Das ist...

Zitat von onkel_e
Trotz der Tragik dieser Einzelgeschichte stimme ich Ihnen in allen Punkten zu. Die einzige Frage die sich stellt warum hat es 12 Jahre gedauert bis die Ausweisung durchgeführt wurde / werden konnte. Besser wäre eine umgehende Rückführung gewesen. Vermutlich dann auch mit anderem Verlauf.
..eher eine Frage der Berichterstattung, als der eigentlichen Sachlage.

Im Artikel wird kaum auf die Gründe für den zwölf Jahre langen Aufenthalt der Familie in D eingegangen; allerdings wird der Eindruck erweckt, dass hauptsächlich die deutschen Behörden dafür die Verantwortung trügen.

Mal abgesehen davon, ob dem wirklich so war, ist eine derart lange Zeit zur Klärung der Verhältnisse für alle Beteiligten völlig indiskutabel.

Insofern stellt sich die Frage, ob der Gesetzgeber in D eine zeitliche Obergrenze für derartige Verfahren ansetzen sollte (nach deren Überschreitung der Aufenthalt legalisert würde, da eine Abschiebung unzumutbar und unverhältnismäßig wäre) und den Rechtsweg, zumindest fallweise, d.h. für bestimmte Herkunftsländer, die entgegen anders lautender Beteuerungen der Asylsuchenden, als sicher gelten können, einschränken sollte.

Dieser Artikel jedenfalls, bietet bei weitem nicht die Informationen, die eine sachliche Beurteilung der individuellen Umstände erlaubten.

Alleine die Dauer des Verfahrens halte ich jedoch für einen nicht hinnehmbaren Umstand -zu mehr Einsicht verhilft diese vernebelnde Art der Berichterstattung allerdings nicht. Es wird fast ausschließlich auf die Empathie der Leser abgestellt, Fakten und Zusammenhänge werden nur am Rande geliefert.

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lisa simpson 20.04.2010, 17:16
137. vernünftige Diskussion

Zitat von earthling90
Wie immer wenn auf SPON Artikel zum Thema Migration erscheinen, tauchen sie wieder auf aus ihren Löchern. Die, die Deutschland den Deutschen schreien wollen es sich aber natürlich nicht trauen. Aber auch die andere Fraktion, die erstmal versucht für Integration zu sein aber so unreflektiert argumentiert, dass sie der Sache doch nur schaden! Warum ist es in unserer Gesellschaft nicht möglich vernünftig über Themen wie Integration, Rassismus, Jugendgewalt oder Arbeitslosigkeit zu diskutieren?
Zu 1: Hier wird oft heiß diskutiert, meistens sogar vernünftig. Viele Forenteilnehmer vertreten aber wohl eine andere Meinung zu diesen Themen als Sie. Das mag bitter sein, kommt aber in einer freien Gesellschaft vor. Sehen Sie das doch einfach als Ansporn, statt gleich im ersten Satz die Nazikeule zu schwingen, überzeugende Argumente für einen "freien Einlass" für alle zu bringen (der Nutzen für die Immigranten ist dabei klar, Argumente, warum das für den normalen deutschen Arbeitnehmer toll ist, würden aber sicher viele interessieren).
Zitat von earthling90
Abschiebungen werden nicht vollzogen, wenn die Familien dies noch in ihre Lebensplanung miteinbeziehen können und sich z.B. nach anderen Optionen umschauen können, sondern nach Jahren in denen sie in Deutschland gelebt haben.
Zu 2: Genau das habe ich doch schon in etlichen Posts vor Ihrem gelesen: sofort und konsequent abschieben, nicht erst Monate und Jahre dulden. Da ist doch eine prima Übereinstimmung.

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echo167 20.04.2010, 17:18
138. titel

Zitat von Madmo
Während der ausführlich und als überfallartig geschilderten Abschiebung durch deutsche Behörden, verletzen sich die Eltern offenbar massiv selbst -und lassen ihren Sohn in den Händen der deutschen "Abschiebeschergen". Man kann sagen, ein für Eltern ungewöhnliches Verhalten; es beleuchtet jedoch, wie entschlossen die Eltern waren, in D zu bleiben, wenn sie auch später die -dann illegealen- Besuche des außerdem straffällig gewordenen Sohnes zu unterbinden versuchten, um ihren eigenen Status in D nicht zu gefährden.
Das Verhalten der Eltern ist auch für mich wenig nachvollziehbar und sicherlich weniger fürsorglich, als man sich das hätte wünschen können. Sicherlich hätten sie auch früher eigene Initiative zeigen sollen, um ihren rechtlichen Status zu klären. Tatsächlich wird aus dem Artikel nicht wirklich deutlich, welche Staatsbürgerschaft der in Lettland geborene und in Deutschland aufgewachsene Sohn ukrainischer und aserbaidschanischer Eltern den nach völkerrechtlichen Gesichtspunkten haben müsste. Diese Frage ist vermutlich auch schwierig zu beantworten. Man muss meines Erachtens nach aber bedenken, dass der Betroffene diese Umstände nicht zu verschulden hat und bis kurz vor der Abschiebung noch ein Minderjähriger gewesen ist, dem nicht zuzumuten war, sich selbst um etwaige Angelegenheiten zu kümmern. Alles in allem bleibt für mich der fade Beigeschmack einer behördlichen Entscheidung, die den Umständen des Einzelfalls nicht gerecht geworden ist und das Leben dieses jungen Mannes zerstört hat, während seine Eltern aufgrund ihres Widerstands verschont wurden. Die Tatsache, dass er bereits eine Vorstrafe hatte, finde ich in diesem Zusammenhang übrigens irrelevant, da diese vermutlich nicht in Zusammenhang mit seinem Migrationshintergrund steht und auf in Deutschland geprägtem Verhalten beruht. Ganz gleich, ob der Artikel nun alle Einzelheiten beleuchtet hat oder nicht, das Verhalten der Behörden ist hier zu rügen, auch wenn ich ihnen keine direkte Schuld am Tot des Mannes machen würde.

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Jay's 20.04.2010, 17:26
139. Einbuergerung

Zitat von c++
Wir haben ein vernünftiges Einwanderungsgesetz. Der hier geschilderte Fall hat mit Einwanderung überhaupt nichts zu tun. Einwanderung kann sich doch nicht vollziehen nach dem Muster: hallo, hier bin ich, hier gefällt es mir, hier bleibe ich. Einwanderung kann nur nach festen Regeln vom Ausland aus betrieben werden. Die Regeln legt das Einwanderungsgesetz fest. Der Fall hier betrifft politisches Asyl, wobei die Voraussetzungen nicht vorliegen.
Kinder, die in Deutschland geboren wurden oder von einem bestimmten Alter in Deutschland aufgrund der Eltern waren, sollten das Recht haben, die deutsche Staatsbuergerschaft zu beantragen und auch zu bekommen, wenn sie viele Jahre in Deutschland gelebt haben.

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