Forum: Panorama
Staatenlos: Flucht ohne Ausweg

Nach zwölf Jahren in Deutschland wurde der Hamburger Wadim S. als Teenager nach Lettland abgeschoben - allein, ohne Sprachkenntnisse, ohne Pass. Immer wieder versuchte er, in die Heimat, die ihn nicht wollte, zurückzukehren. Bis er keinen Ausweg mehr sah.

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JustinSullivan 20.04.2010, 14:00
10. wirklich ein Einzelschicksal?

Die Tatsache, dass die Abschiebung rechtens war, zeigt doch, dass der Fehler im System liegt.

1. Warum wird der Junge erst nach 12 Jahren abgeschoben und nicht sofort? Ist das rechtens, dass deutsche Behörden so lange warten dürfen? Wie kommt das, dass sie erst handeln, wenn die Asylbewerber sich bereits ein Leben aufgebaut haben, dass man ihnen dann wieder zerstört? Warum wird der Junge erst 12 Jahre geduldet - und dann, als er die deutsche Sprache spricht, eine deutsche Schule besucht, deutsche Freunde hat, ein deutsches Leben lebt - duldet man ihn nicht mehr?

2. Warum wird nur der Junge abgeschoben, während die Eltern bleiben dürfen? Weil sie sich absichtlich verletzt haben beim "Abtransport"? Warum darf man einen jungen Menschen überhaupt allein und ohne Pass in ein anderes Land schicken?

3. Warum beantworten die Behörden die Frage "Warum tut Ihr das?" mit einem "Weil wir es können!"? Rechtfertigt das jedes Handeln, ist die einzige Moral das Gesetz? Die Frage hätte lauten müssen: "Was spricht dagegen, sie weiter hier leben zu lassen?"

4. Hat die Kirchengemeinde sich eigentlich irgendwie bemüht, zu vermitteln oder eine Lösung zu finden? Als moralische Instanz und Institution wäre es doch ihre Pflicht gewesen, in Not geratenen Menschen zu helfen...

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Neinsowas 20.04.2010, 14:00
11. Sammelbecken

Zitat von suum.cuique
Die Entscheidung der Auslaenderbehoerde war richtig, die Abschiebung rechtens. So folgenschwer die die Situation auch fuer den Einzelnen sein mag, es ist Deutschland auch nicht zuzumuten das Sammelbecken aller Gluecksritter und Gestrandeten zu sein. Schliesslich wurde der offensichtliche unbegruendete Asylantrag abgelehnt. Punkt.
Zunächst möchte ich de SPIEGEL-Redaktion für die Veröffentlichung danken. Wie sollte man sonst von solchen Dramen erfahren?
Ich finde es schon lange menschlich einfach ungeheuerlich, was da lt. Gesetz oder Verordnungen passiert! Wenn Menschen in Not sind, muss man helfen, punkt um!
Dass man diese Leute 12 Jahre im Zwischenstatus leben lässt, immer in Angst, perspektivelos, abwartet, bis die ganze Familie kaputt ist und sich dann noch auf Verordnungen berufen, das ist hinterhältig!
Gesetze, Verordnungen sind f ü r Menschen da. Es kommt immer auf den Willen an.
Und da in dieser Familie eine einmalige Konstellation sie weder hier, noch hier zu Hause sein liess, welche Wahl bleibt da?...
Familien 1.Grades auseinanderzureissen geht garnicht. Wieso werden denn die individuellen Gründe nicht ernst genommen?

Und ein "Sammelbecken" von Flüchtigen sind wir schon lange nicht mehr, da hat die Abschiebepraxis ganze Arbeit geleistet...

Ich schäme mich immer öfter Deutscher zu sein.

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Crom 20.04.2010, 14:03
12. ...

Zitat von Hirsch2k
Artikel 15: 1. Jeder hat das Recht auf eine Staatsangehörigkeit. 2. Niemandem darf seine Staatsangehörigkeit willkürlich entzogen noch das Recht versagt werden, seine Staatsangehörigkeit zu wechseln.
Nett, allerdings gibt's keine Sowjetunion mehr. Wenn ein Staat untergeht, hilft dieser Artikel also nicht mehr, wenn's um das Recht auf eine Staatsbürgerschaft gibt.

In diesen Zusammenhang muss man auch wissen, das sich die baltischen Staaten nicht als Nachfolgerestaaten der Sowjetunion sehen sondern als Staaten die von der UdSSR besetzt wurden.

Im Endeffekt ist das also kein deutsches Problem sondern ein lettisches bzw. der GUS-Staaten.

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serdna 20.04.2010, 14:09
13. Schon mal da gewesen

Gab es nicht mal eine Zeit, wo man aufgrund höchst theoretischer, wirklichkeitsfremder und skurriler Systematiken beschlossen hat, wer jemand ist und wo er hingehört und wo man die, die nicht da hingehörten, wo man meinte, dass sie sein sollten, auch gleich umbrachte?

Wenn er nur Deutsch spricht und in Hamburg aufgewachsen ist, dann gehört er nach Deutschland und nicht nach Lettland, so einfach ist das.

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echo167 20.04.2010, 14:12
14. unverhältnismäßig

Zitat von suum.cuique
Die Entscheidung der Auslaenderbehoerde war richtig, die Abschiebung rechtens. So folgenschwer die die Situation auch fuer den Einzelnen sein mag, es ist Deutschland auch nicht zuzumuten das Sammelbecken aller Gluecksritter und Gestrandeten zu sein. Schliesslich wurde der offensichtliche unbegruendete Asylantrag abgelehnt. Punkt.
Was heißt hier "aller Gluecksritter und Gestrandeten"?
Der Mann war gerade 18 und lebte seit 12 Jahren in Deutschland. Er war also nie in einem anderen Land wirklich heimisch, kannte praktisch nur das Leben in Deutschland. Wie zum Teufel kommt das Amt nach 12 Jahren auf den Trichter ihn nun abschieben zu müssen? Wenn solche schwerwiegenden Entscheidungen auch teilweise nötig sind, so müssen sie doch unbedingt zeitnah getroffen werden. Durch das lange Zögern der Behörde ist es imho unzumutbar zu verlangen von jetzt auf gleich die "Heimreise" anzutreten. Noch dazu in einem so jugendlichen Alter ohne jeglichen Beistand und dann noch in ein Land, dessen Pass der Abgeschobene überhaupt nicht besitzt. Wer könnte schon von sich behaupten in einer solchen Situation klar zu kommen?

"Entscheidend ist, ob der Zielstaat zu der Aufnahme bereit ist, auf die Staatsangehörigkeit oder ethnische Zugehörigkeit kommt es dabei nicht an"

Das ist doch Bullshit. Politisch Verfolgte werden auch regelmäßig bereitwillig zurückgenommen, um ihnen dann den Prozess zu machen. Die reine Aufnahmebereitschaft, teilweise vermutlich auch politisch erzwungen, darf mit Sicherheit nicht das entscheidende Kriterium sein. Die Behörden haben hier in hohem Maße unsensibel gehandelt.

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exdave 20.04.2010, 14:14
15. Eiskalt

Zitat von suum.cuique
Die Entscheidung der Auslaenderbehoerde war richtig, die Abschiebung rechtens. So folgenschwer die die Situation auch fuer den Einzelnen sein mag, es ist Deutschland auch nicht zuzumuten das Sammelbecken aller Gluecksritter und Gestrandeten zu sein. Schliesslich wurde der offensichtliche unbegruendete Asylantrag abgelehnt. Punkt.
Hast du doch kein Mitgefühl? Er war ein Kind.

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Mulharste 20.04.2010, 14:14
16. --

Zitat von Anna Konda
Ich kenn ähnliche Fälle.... Kongolesischer Bengel, 16, seit 2 Jahren auf der Flucht, nachdem er mit seinen jüngeren Brüdern zusehen durfte, wie seine Eltern erschossen wurden. Von den Brüdern wurde er unterwegs getrennt und hat keine Ahnung wo/ob sie .......
aber wir können doch nicht alle aufnehmen. Ferner wird sowas auch gern missbraucht.

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Babaji 20.04.2010, 14:16
17. Bitter

Immer wieder wird der Eindruck erweckt: Einzelschicksale interessieren einen Dreck. Nächstenliebe ist ein Mythos! Leben wir denn in einer nur noch völlig destruktiven Welt? Altbacken aber ich muss hier mal wieder darauf hinweisen: "Die Würde des Menschen ist unanstastbar." Welche Würde?

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shadowhawk 20.04.2010, 14:16
18. Von wegen

Zitat von HariboHunter
Was ist es eigentlich wert Deutscher zu sein.
Als ich eingebürgert wurde, musste ich 500 Euro zahlen.
Soviel dazu.

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DerUngläubigeThomas84 20.04.2010, 14:16
19. Wer braucht Titel?

Zitat von exdave
Hast du doch kein Mitgefühl? Er war ein Kind.
Er war volljährig. Werden Sie mal erwachsen!

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