Forum: Panorama
Sterbehilfe: "Schneiden Sie den Schlauch durch!"

Fünf Jahre lang lag Erika Küllmer im Wachkoma, dann durchtrennten ihre Kinder den Schlauch der Magensonde - auf Anraten eines Anwalts. Der Jurist wurde daraufhin wegen versuchten Totschlags verurteilt. Nun berät der Bundesgerichtshof über den Fall. Und könnte ein bahnbrechendes Urteil fällen.

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cine 02.06.2010, 10:23
1. Sterbehilfe sollte kein Tabuthema sein

Leben verlängern um jeden Preis ist nicht unbedingt das Beste. Auch Komapatienten haben ein Recht auf Lebensqualität und Würde. Wenn beides unter den gegebenen Umständen nicht mehr gewährleistet ist, sollten sie ein Recht auf Sterbehilfe haben.

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andkathjajo 02.06.2010, 10:29
2. Blick in die Zukunft

Zitat von sysop
Fünf Jahre lang lag Erika Küllmer im Wachkoma, dann durchtrennten ihre Kinder den Schlauch der Magensonde - auf Anraten eines Anwalts. Der Jurist wurde daraufhin wegen versuchten Totschlags verurteilt. Nun berät der Bundesgerichtshof über den Fall. Und könnte ein bahnbrechendes Urteil fällen.
In 20-30 Jahren wird man über unsere heutige Diskussion nur noch den Kopf schütteln können, denn es wird eine ganz normale Sache sein, daß man selbst oder ein beauftragtes Familienmitglied bzw. da bin ich mir ganz sicher, Ärzte und staatliche Organe entscheiden wann man "geht".
Jeder Kranke, zu Pflegende, erst recht Totkranke wird eine nicht zumutbare Belastung für die Gesellschaft sein.
Leider!

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gerthans 02.06.2010, 10:30
3. Herrschaft über Leben und Tod

Die Staatsanwaltschaft bezeichnet Putz als Überzeugungstäter und wirft ihm vor, sich zum Herren über Leben und Tod zu machen. Doch es ist genau umgekehrt. Lebensschützer vom Schlage der Staatsanwaltschaft, die einen Sterbewilligen nicht sterben lassen, sondern sein Leben auf Teufel-komm-raus verlängern, auch wenn Selbstbestimmung und Würde dabei auf der Strecke bleiben, gleichen Feldherren, die die Front gegen das Sterben, das doch zur Natur gehört, bis zum letzten halten, ohne Rücksicht auf Verluste, und verdienen Überzeugungstäter genannt zu werden. Dr. Frankenstein als Staatsanwalt - gruselig!

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mi7ke 02.06.2010, 10:35
4. Ganz Einfach

Religionen verbieten und das Problem ist gelöst. Nur durchgedrehte Christen kommen aus solch verrückte Ideen alten Menschen über Jahre hin Magensonden einzuführen.

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Scathe 02.06.2010, 10:38
5. Erschreckend

Es ist schon erschreckend wie man Gefahr läuft, die eigene Würde und den eigenen Willen zu verlieren, wenn man sich selbst nicht mehr äußern kann.

Insbesondere bei solch meiner Meinung nach sehr eindeutigen Fällen, wo eine Lebenserhaltung vorgenommen wird, obwohl keine Hoffnung mehr auf ein "erfülltes" Leben besteht, sollte man doch wieder aufwachen.

Eigentlich erschreckend, dass ich mich schon jetzt, als jemand der statistisch noch locker 40, 50 Lebensjahre vor sich hat, mit einer Patientenverfügung befassen muss. Genau genommen müsste man das wohl schon zum 18. Geburtstag erledigt haben (Führerschein!).

Ich bin auch Befürworter der aktiven Sterbehilfe. Hier sehe ich besonderen Klärungsbedarf, denn es kann zugegebenermaßen zu Missbrauchsfällen kommen. Hier könnte eventuell eine Art Behörde oder gemeinnütziger Verein gebildet werden, dem man selber die Entscheidung über aktive Sterbehilfe übertragen kann. Also jemand, der keine persönlichen Beziehungen zu einem hat.

Ich werde dann mal nach "Patentenverügung" googlen...

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syd_ 02.06.2010, 10:39
6. Jedem Hund wird mehr Lebensqualität zugesprochen

Ich finde man sollte Sterbehilfe endlich legalisieren, wenn
in einer Patientenverfügung etwas derartiges steht oder auch wenn es nur noch ein dahin vegitieren ist.
Bei jedem Haustier wird das so gemacht um das Leid zu lindern nur der Mensch muss mit allen Mitteln am Leben erhalten werden.

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frubi 02.06.2010, 10:39
7. .

Zitat von sysop
Fünf Jahre lang lag Erika Küllmer im Wachkoma, dann durchtrennten ihre Kinder den Schlauch der Magensonde - auf Anraten eines Anwalts. Der Jurist wurde daraufhin wegen versuchten Totschlags verurteilt. Nun berät der Bundesgerichtshof über den Fall. Und könnte ein bahnbrechendes Urteil fällen.
Den Juristen wollen die nun wegen versuchten Totschlags einer Hirntoten verurteilen und manch Gassenschläger, der Menschen wirklich tot geschlagen hat, bekommt Bewährung oder im schlimmsten Fall einen Freispruch. Unglaublich.

Ich habe mit meinen Eltern (beide um die 50) abgemacht, dass wir ab dem 60ten Lebensjahr alle 2-3 Jahre über das Thema ausführlich sprechen werden und Patientenverfügungen verfassen. In eine solche Situation, so wie oben beschrieben, möchte ich allerdings niemals persönlich kommen.

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My2Cents 02.06.2010, 10:43
8. Widerlich

Es will mir einfach nicht einleuchten, warum nach Jahrzehnten der Auseinandersetzung die passive Sterbehilfe noch immer keine Selbstverständlichkeit in unserer Gesellschaft ist.

Niemand, wirklich niemand, möchte einer ausschließlich lebenserhaltenden, dauerhaften Maßnahme hilflos ausgesetzt sein. Man nenne mir einen - nur einen - Menschen, der sich wünscht, den Rest seines Lebens dauerhaft bewegungsunfähig, angeschlossen an eine Magensonde und ohne Aussicht auf Wiederherstellung seiner Selbständigkeit am Leben zu bleiben. Niemand will das... Und trotzdem zwingen die aktuellen Gesetze Pfleger dazu, ebendiese Foltermaßnahmen kompromisslos durchzuführen.

So viele kompetente Stimmen befürworten die Einführung der passiven Sterbehilfe, unter bestimmten Voraussetzungen (mit Einverständnis des Sterbenden) auch die aktive Sterbehilfe. Wer hat hier eigentlich die Entscheidungskompetenz?

Wer selbst einmal einen Angehörigen auf diese Art verloren hat, fragt sich, welche Inkompetenz und Ignoranz bei der aktuellen Rechtsprechung herrscht, welch blinde "Erhaltung von Zellteilung um jeden Preis"-Mentalität. Widerlich.

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gaga007 02.06.2010, 10:45
9. Es wird kein Urteil im Sinne der Betroffenen geben

... die Staatsanwaltschaft sah in Putz einen "Überzeugungstäter". Er habe sich "zum Herrn über Leben und Tod gemacht", hieß es im Plädoyer der Staatsanwältin ...
http://www.spiegel.de/panorama/gesel...698069,00.html

Nichts anderes macht die Justiz - nur mit einer anderen Intention.

Es ist aber zubezweifeln, dass der BGH ein Urteil fällen wird, dass jedem Menschen ein grundsätzliches Selbstbestimmungsrecht über seinen Tod gestattet.

In der Vergangenheit ist die Politik und auch die Justiz immer vor der Ethik der Kirchen eingeknickt - warum sollte es heute anders sein ?

So wird allen Betroffenen der Weg ins Ausland nicht erspart bleiben.

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