Forum: Panorama
Sterbehilfe: "Schneiden Sie den Schlauch durch!"

Fünf Jahre lang lag Erika Küllmer im Wachkoma, dann durchtrennten ihre Kinder den Schlauch der Magensonde - auf Anraten eines Anwalts. Der Jurist wurde daraufhin wegen versuchten Totschlags verurteilt. Nun berät der Bundesgerichtshof über den Fall. Und könnte ein bahnbrechendes Urteil fällen.

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krümelmonster 02.06.2010, 10:46
10. Moral?

Schwerstkranke Haustiere ohne Aussicht auf Besserung oder Heilung schläfern wir ein.- Auch ohne Kenntnis dessen Willens.
Wenn ich also den Willen eines Schwerstrkanken sogar schon kenne (nämlich, dass er sterben möchte), warum darf ich ihm nicht die gleiche Gnade zukommen lassen wie meinem Hund? Warum muss ich ihn der "Folter" moderner Medizin aussetzen?

Könnte es sein, dass es hier gar nicht um Moral und Anstand und so wohlklingende Argumente wie die "Würde des Menschen" und sein "Recht auf (selbstbestimmtes) Leben" geht? (Was ist denn an einem Leben, angeschlossen an Schläuche und Maschinen, noch würdevoll?)

Mit Schwerstkranken lässt sich jede Menge Geld verdienen. Schon mal darüber nachgedacht, ob die Zögerlichkeit, hier einfache, klare Regelungen für Sterbehilfe zu schaffen, nicht eher daran liegt?

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virtualtom 02.06.2010, 10:50
11. Freier Wille

"Aber es geht auch um die ganz große Frage, die immer mehr Menschen in Deutschland beantworten müssen: Wie sollen meine Angehörigen sterben?"

Es geht auch um die ganz große Frage: Wie möchte ICH sterben? Nämlich in Würde, und nach meinem Willen (den ich in einer Patientenverfügung festgelegt habe, und den man gefälligst zu respektieren hat).

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danduin 02.06.2010, 10:55
12. Lösung wäre eigentlich einfach

Die einfachste Methode wäre bei jedem Menschen seine Wünsche beim Arzt abzufragen.Also ob dieser Sterbehilfe wünscht und in welchem Stadium, ob er Organe spenden möchte, ob er Blut spenden würde, usw.
Dass sollte regelmäßig gefragt werden, bspw. zum gleichen Zeitpunkt wie die Impfungen, also alle paar Jahre.

Zudem: außerdem sollte der Wachkomazustand etwa nach einem Jahr in die Verantwortung der Nachkommen gestellt werden, oder dem Patientenwunsch falls dieser existiert.

Durch diese Regelungen sehe ich keine moralischen Konflikte mehr.

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Backpacker 02.06.2010, 10:56
13. Artikel ausdrucken

und beim nächsten Besuch der Eltern mitnehmen. Das werde zumindest ich machen, ich bin ziemlich sicher, dass die beiden das noch nicht schriftlich festgelegt haben...

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ferion 02.06.2010, 10:57
14. Herr über Leben und Tod

Ein mündiger Mensch ist Herr seines eigenen Lebens. Somit folglich auch seines eigenen Todes.
Es ist traurig, dass dieses Recht jemanden durch die Rechtslage abgesprochen wird.
Ich kann nur jedem Raten solange er noch in einem "geschäftsfähigem Zustand" ist den Wunsch nach seinem Ableben schriftlich zu dokumentieren.
Das hilft zwar auch nicht zwingend, aber ist zumindest eine Stütze und eine moralische Rechtfertigung.

Lebensschutz darf nicht Leidensschutz bedeuten.

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VorwaertsImmer 02.06.2010, 10:59
15. Euthanasie!!!

Zitat von sysop
Fünf Jahre lang lag Erika Küllmer im Wachkoma, dann durchtrennten ihre Kinder den Schlauch der Magensonde - auf Anraten eines Anwalts. Der Jurist wurde daraufhin wegen versuchten Totschlags verurteilt. Nun berät der Bundesgerichtshof über den Fall. Und könnte ein bahnbrechendes Urteil fällen.
Hier schwingt immer noch das dritte Reich mit. Das dunkle Kapitel deutscher Geschichte führt zu einer Tabuisierung des Themas - selbst wenn der Patientenwille dabei auf der Strecke bleibt.

Stoppt endlich die Regierung Hitler!

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salz63 02.06.2010, 11:01
16. Perverse Situation

Sicher birgt jede Form der Sterbehilfe das Risiko, daß Angehörige ihre Alten und Kranken "entsorgen", um Geld zu sparen oder sich der emotionalen Belastung zu entledigen.

Aber:

Es wäre nicht anders als pervers zu nennen, wenn das Management einer Altenheimkette entscheiden dürfte, wer wann stirbt bzw. wer weiter als Bewohner/Patient also Ennahmequelle zu dienen hat.

Um so mehr, wenn man sich dabei obendrein noch über die Entscheidungen der Angehörigen und des behandelnden Arztes hinwegsetzt, die sich auf den erklärten Willen des Patienten berufen.

Am Ende kommt man dann in Situationen, wo ein Patient so lange vor sich hindämmern muß, bis sich ein Nachmieter mit einer höheren Lebenserwartung gefunden hat, der die Auslastung des Heimes sicherstellt.

Dass man sich dabei darauf beruft, dem eigenen Personal sei es nicht zuzumuten, etwas anderes zu tun, als mit der Zielrichtung der aktivierenden Pflege zu arbeiten ist, angesichts der Situation vieler Patienten in deutschen Pflegeheimen und der Zustände in manchen dieser Heime der blanke Hohn.

Wenn das eigene Personal kein Problem damit hat, einen Patienten, ohne Aussicht auf Heilung/Verbesserung über Jahre leiden zu lassen, dann kann es mit der Empathie des Personals nicht weit her sein.

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jeh1985 02.06.2010, 11:13
17. Heimleitung

Die Heimleitung sieht in so einem vor sich her siechenden "Menschen" nur Profit. Wenn er weg ist, kommt ein neuer, der vllt mehr Pflege braucht, weil er noch fit im Kopf ist.

3 mal am Tag wenden, Flüssignahrung zuführen, einmal kurz feucht abwischen macht 3000 Euro im Monat.

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abogadodeldiablo 02.06.2010, 11:21
18. Ethik

So wichtig die Diskussion über die ethische Seite des Falles ist (und eigentlich sollte es _ausschließlich_ eine ethische Frage sein), sollte man nicht vergessen, daß bei einer Änderung der Rechtslage - sprich Schaffung von Rechtssicherheit beim "Einschlafenlassen" - auch handfeste volkswirtschaftliche Interessen berührt werden, da es sich ja deutschlandweit um hundertausende Fälle handelt.

Auch und besonders diese Interessen werden in der Gesetzgebung möglicherweise eine Rolle spielen.

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haltetdendieb 02.06.2010, 11:28
19. Es braucht die schriftlich festgelegte Verfügung des Patienten

Nur unter dieser Bedingung würde ich ein Abschalten aller Apparate zustimmen.

Ansonsten kann frau/ man gerne mit Moral oder noch etwas argumentieren. Die Fläche, auf der sich das Personal bzw. die Angehörigen bewegen ist zu glatt!

Wo liegt das Problem, seinen Wunsch schriftlich zu verfügen?

Es geht nicht um die Kategorie, ich habe gehört, mir wurde gesagt. Ich kann vieles hören und gesagt gekriegt haben. Aber ob ich es richtig verstanden habe?

Es müssen klarste Regeln her!

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