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Studie über Urteile: Wo Deutschlands strengste Richter sind
SPIEGEL ONLINE

Welche Strafe ein Täter bekommt, hängt auch davon ab, wo er verurteilt wird. Ein Wissenschaftler hat analysiert, wie groß die Unterschiede in Deutschland sind - mit frappierenden Ergebnissen.

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multiknife 20.10.2018, 14:54
1. schlechte Zusammenfassung

auf der Karte Gewalt und Beleidigung zusammenfassen ist extrem unsinnig, da diese beiden Straftaten sehr verschieden sind.

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AlternativeMeinung 20.10.2018, 14:56
2. Zusammenhang zur Anzahl der Straftaten wäre interessant

Wenn man die Anzahl der Straftaten zur Bevölkerungsanzahl und der Strafhärte zusammenbringen würde, könnte man erkennen, ob die Höhe der Strafe überhaupt was bringt.

Dann hätte man eine stabilere Diskussionsgrundlage.

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Pixelpu 20.10.2018, 15:12
3. Eigentumsdelikte werden in Bayern

besonders hoch bestraft. Außer natürlich bei Straftaten, die sich gegen das Eigentum des Staates in Form von Steuern richten. Da darf man bei bayrischen Richtern natürlich mit größter Milde rechnen und auch mit bevorzugter Behandlung beim eventuell nicht vermeidbarem Strafvollzug. Allerdings muss man natürlich zur sogenannten bayrischen Elite gehören. Idealerweise aus dem Bereich der Wurtsfabrikation und des Sport, oder auch beides. Da drückt der bayrische Richter doch gerne ein Auge zu. Mia san ja mia

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trolland_dump 20.10.2018, 15:15
4. Interessant

wäre auch eine ähnliche Studie über Familienrichter.Insbesondere das Umgangsrecht für Väter nach der Trennung scheint mir sehr willkürlich ausgelegt zu werden.

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andiwe 20.10.2018, 15:15
5. Vergleich mit Opferzahl?

Es wäre interessant, wenn man in der Grafik auch die Wahrscheinlichkeit einblenden könnte, wie viele von 100.000 Einwohnern im jeweiligen Bezirk dem genannten Delikt zum Opfer fallen. Ich lebe z.B. in einem Bezirk mit deutlich überdurchschnittlichen Strafmaßen, bei sehr geringer Kriminalität.

Zufall oder System? Diese Frage sollte sich ein Journalist bei diesen Daten eigentlich angesichts der deutlichen regionalen Unterschiede stellen und sich die öffentlich verfügbaren Vergleichszahlen besorgen und mit darstellen. Aber das könnte vom Spiegel politisch nicht gewünschte Ergebnisse haben.

Es gab mal so etwas wie Journalismus. Heute gibt es nur noch "Meinungsmacher"...

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at.engel 20.10.2018, 15:20
6.

Ehrlich gesagt verstehe ich den Titel nicht ganz - zumindest so, wie er formuliert wurde. Ob jemand schuldig oder nicht ist, entscheidet ja die Justiz. Und je nach Urteil gibt es da ein entsprechendes Strafmaß. Das ja so vom Gesetzgeber als angemessen vorgesehen wurde. Jedem Richter ist es natürlich überlassen, "mildernde Umstände" zu finden, aber ansonsten gibt es doch keinen nachvollziehbaren Grund, nicht das volle Strafmaß auszuschöpfen. Und das würde ich in diesem Fall nicht als "streng" bezeichnen;
Tatsache ist nur, dass die Gesellschaft bei bestimmten Vergehen sensibler ist - und der Druck auf die Justiz ist eben bei manchen Dingen eben entsprechend höher, und bei anderen eben weniger.
Entsprechend urteilen auch Richter aus ihrer eigenen soziokulturellen Sozialisierung heraus: So etwas wie Steuerhinterziehung (oder andere Dinge*) wird z.B. immer noch eher als Kavaliersdelikt verurteilt, während ein Kassiererin, die einen Einkaufsgutschein für 50 Cent in die Tasche steckt, ihren Arbeitsplatz verlieren kann - ohne dass das sanktioniert wird.
*Wenn man da manche Urteile als Vorbild nimmt (Vertrauensbruch, usw.), müsste in der Automobilindustrie bei manchen Herstellern schon der komplette Vorstand im Gefängnis sein.

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a.knieling 20.10.2018, 15:24
7. Recht und Gerechtigkeit

Ich habe selbst Juristerei "Durchaus studiert, mit heißem Bemühn". Und Strafrecht war bei Prof. Thoss, ein ganz exelenter Hochschullehrer, nicht nur mein "Lieblingsthema".
Der Artikel dürfte nicht nur die Fachoffentlichkeit nachdenklich stimmen, sondern auch bei dem Gesetzgeber eine kleine Revolution auslöen, da die Ergebnisse der äußerst interessanten Untersuchung im Widerspruch zur Verfassung, genauer Art. 3 GG steht. Ich bin wirklich gespannt, wie die Lehre und vor allen die Strafrechtsanwender das Problem lösen.

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tuvalu2004 20.10.2018, 15:30
8. Regionale Unterschiede ...

... können auch das Problem in der Gesellschaft reflektieren. So kann ich mir gut vorstellen, das Drogendelikte in Brennpunkten härter bestraft werden, da sie größeren gesellschaftlichen Schaden anrichten als in Normalumgebung. Aber ich denke dem ist nicht so, sonst wäre Bayer ja nicht führend.

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beat126 20.10.2018, 15:31
9. Die Höhe einer Strafe ...

... liegt im freien richterlichen Ermessen und der Beweis in der freien richterlichen Beweiswürdigung. Darum ist weder das Urteil noch die Höhe einer Strafe interessant. Selbst dann nicht, wenn sie sich unterscheiden.

Was aber wichtig und interessant ist, bleibt, ob die juristischen Verfahren eingehalten worden sind und ob die Begründung zu einem Urteil geltendem Recht entspricht. Das kann aber niemand wissen, weil keine Gerichtsberichterstattung stattfindet.

Dazu kommt, dass die meisten Strafdelikte von der Staatsanwaltschaft erledigt werden und das Recht gar nicht vollstreckt wird. Das neuste und schönste Beispiel sind wohl die 800 Mio. die Audi bezahlt hat. Nicht nur das Faktum, dass eine juristische Person wie ein Unternehmen gar nicht betrügen kann, sondern nur natürliche Personen wie Menschen können betrügen, fällt unter den Tisch. Auch der Betrag von 800 Mio. ist reinste Willkür.

Eine jährliche Expertise von KPMG ergibt immer das gleiche Bild, dass 80% aller Wirtschaftskriminalitätsdelikte gar nicht bekannt werden. Und keiner hat das Gesetz zu fürchten, weil man mit dem nötigen Kleingeld die Wege mit Schiedsgerichten oder der Staatsanwaltschaft kennt.

Aber genau über das wird nicht berichtet. Die meisten Menschen glauben vermutlich tatsächlich, es werde das umgesetzt was in Gesetzbüchern steht. Und man stelle sich einmal die Frage, warum gar niemand getraut die Arbeit eines Richters zu hinterfragen - nicht das Urteil, sondern die Begründung. Oder auch, warum hinter der Rechtslehre die vermutlich mächtigste und erfolgreichste Industrie steckt - die Justizindustrie.

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