Forum: Panorama
Tätowierungen und Piercings für Minderjährige verbieten?

Vor allem Jugendliche zieht es in Tattoo- und Piercingstudios. Doch der Grat zwischen Körperkunst und Körperverletzung ist schmal, warnen Kinderärzte - und fordern ein Verbot für unter 18-Jährige. Ein richtiger Vorstoß?

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soma 23.04.2008, 10:37
10.

Ich war auch der Meinung, dass es unter 18 der Unterschrift der Eltern bedarf, um sich piercen bzw tätowieren zu lassen... In Belgien folgen die, die ich kenne, diese Regel, leider ist es aber nicht die grosse Masse.

Einerseits geht es um die Entscheidungskraft eines U18 - wobei wahrscheinlich einige Ü18 unreifer sind als gewisse U18, aber das steht hier nicht zur Debatte - sondern eher um die Wahl des PIercing- oder Tattoostudios, in das sich sehr junge Leute begeben. Andererseits wird meist auch nicht nach Hygienestandards sondern nach Preisstandards entschieden, was natürlich der falsche Weg ist.
Dazu kommt, dass Piercings und Tattoos gepflegt werden müssen, was die Jugendlichen vielleicht auch nicht unbedingt 'à la lettre' folgen. Das kann dann natürlich zu Infektionen uä führen (allerdings kann das auch bei guter Pflege passieren: ein Piercing ist ein Fremdkörper der per se vom Körper ausgestossen werden kann.)

Meine Piercer und Tätowierer würden keine Jugendlichen 'behandeln' ohne Erlaubnis der Eltern; sie rufen die Eltern sogar an und schicken alles was unter 16 ist von vornerein nach Hause.

Abgesehen von dieser Reglementierung, würde ich noch weiter gehen, und endlich ein Gesetzt vorschlagen, das Scharlatenen und andern Quacksalbern das Handwerk legt. Meines Erachtens liegt die Wurzel des grössten Übels nämlich bei denjenigen, die auf gut Glück Nadeln durch Körper jagen, ohne auch nur einen Funken Ahnung von der Materie zu haben.
Allerdings weiss ich nicht, wie die Gesetzeslage in Deutschland ist...

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Rasmuss 23.04.2008, 10:45
11.

Wir kommen immer mehr in einer Gesellschaft der Verbote an.
Ob Trinkverbot auf der Reeperbahn, Sonnenbank erst ab 18, Rauchverbot in Kneipen ec..
Schafft man sich hier nicht auf Dauer ein dummes Volk, eine Herde von TV- Glotzern die außer konsumieren und malochen zu nichts zu gebrauchen sind?
Eine Gesellschaft die nicht mehr wählen geht, weil die da oben ja doch machen was sie wollen, die verfettet weil für kochen und gemeinsam essen die Zeit fehlt, die motorisch vergammelt weil der Schulsport gestrichen und für Freizeitsport jeglicher Antrieb fehlt..
Das ist eine Gesellschaft die sich glaub ich die Wirtschaft wünscht und sie auch außerhalb von Amerika immer mehr bekommt, danach erfindet sie Produkte die den "Opfern" dieser Gesellschaft das Leben "erleichtern" wie Shopper für Dicke und zum guten Schluss noch XXL Särge.

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loeweneule 23.04.2008, 11:23
12.

Zitat von Rasmuss
Wir kommen immer mehr in einer Gesellschaft der Verbote an. [...].
In der tat. es ist die Gesellschaft à la: "Du bist ein kompletter Idiot, weißt nicht, was gut für dich ist, aber wir werden dir von der Wiege bis zur Bahre beistehen, du magst wollen oder nicht." In meiner Kindheit kletterten wir auf Bäume, ab und zu fiel mal einer runter, und im schlimmsten Falle gab es einen Knochenbruch. Damals fprderte niemand, sämtliche Bäume zu fällen oder wenigstens einzuzäunen. Diese Behütungsmentalität ist langsam nur noch lächerlich, und die Jungen Leute nervt es, weil sie das Gefühl haben, in Vorschriften zu ersticken. Meine Güte, dann soll sich ein Piercing halt mal infizieren. Ist ein Lernprozeß, genau wie sich zum ersten Mal an einem Streichholz zu verbrennen. Danach ist man vorsichtiger. In Erwartung großen Elterngeschreis grüßt herzlichst

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ferion 23.04.2008, 11:35
13. Gradwanderung

Unter der Begründung "nicht alles überreglementieren" kann man Beschneidungen und brandmarken ja auch ganz gut durchsetzen.
Genauso die Aussage "Aber ich will dass mein Kind Texas Chainsawmassaker sehen kann. Er ist schliesslich zwölf und hat schon schlimmeres gesehen"
Es gibt nuneinmal Erziehungberechtigte die Das Wort berechtigt eigendlich nicht verdient haben.
Zum Schutze der Kinder haben wir soetwas wie Alkoholverbot, Pornoverbot und ähnliches.
Eine Tätöwierung oder ein Piercing sind eingriffe ind den Körper - und dazu unnötige. Es sagt niemand etwas gegen Hennatatoos oder magnetische Piercings, denn diese sind vertretbar und ausserdem reversiebel.
Ein Piercing birgt zudem mehr gefahr als nur "eine kleine Narbe". Ein Zungepiercing kann Nerven verletzen, eine Infektion eines Bauchnabelpiercings kann die Bauchspeicheldrüse zerstören und den "Patienten" zum Diabetiker machen.

Hier gilt, meiner Meinung nach, die Vürsorgepflicht des Staates vor der sozialen Akzeptanz. Mit 18 können die lieben mit ihrem Körper tun und lassen was sie wollen, sei es Brustvergrößerung, Alkoholexesse oder Piercings durch alle Körperteile.
Bis dahin halte ich ein Verbot für durchaus sinnvoll.

my 2cent
Ferion

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Astir01 23.04.2008, 11:36
14.

Worin, bitte, soll der Unterschied bestehen, ob ein Stück Altmetall den Körper eines 6-, 16,- oder 96- Jährigen "ziert"?
Im Grunde spricht man mit solchen und ähnlichen Verboten einem Großteil der Bevölkerung die Intelligenz und Reife ab, Entscheidungen, die nur sie allein etwas angehen, eigenverantwortlich zu zu treffen.

Dann aber, nach Überschreiten einer völlig willkürlich gewählten Altersgrenze, sollen ja müssen die selben Personen, die Tags zuvor wie debile Kleinkinder behandelt wurden, alle Entscheidungen, gleich welcher Tragweite, selbst treffen, und alle Übrigen müssen sie akzeptieren.
Ein Verbot hat noch nie einen Jugendlichen von etwas abgehalten hat, was er wirklich wollte. Nicht vom Kiffen, nicht vom Saufen, nicht vom .... , davon erst recht nicht.

Was qualifiziert uns Erwachsene dazu, so über die Köpfe Heranwachsender zu entscheiden, wenn wir nicht mal in der Lage sind, diese eine Lektion zu lernen?

Beschränken wir uns lieber auf unsere Vorbildfunktion und kümmern wir uns um unseren eigenen Kram.

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Bre-Men 23.04.2008, 11:54
15. Und schon wieder

Zitat von sysop
Vor allem Jugendliche zieht es in Tattoo- und Piercingstudios. Doch der Grat zwischen Körperkunst und Körperverletzung ist schmal, warnen Kinderärzte - und fordern ein Verbot für unter 18-Jährige. Ein richtiger Vorstoß?
Schön, dass es doch immer wieder etwas gibt, das verboten werden kann.
Diese Regelwut in Deutschland ist nur noch ätzend.

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Polycrux 23.04.2008, 12:06
16. Es geht um Körperverletzung ...

Auch wenn ich mich prinzipiell gegen weitere staatliche Eingriffe in unsere Selbstbestimmung wehre, in diesem Falle stimme ich den Kinderärzten zu:

Minderjährige sollten davor geschützt werden, einen - wie nachgewiesen - oftmals mit medizinischen Komplikationen einhergehenden "Verschönerungseingriff" an sich vornehmen zu lassen. Ganz besonders gilt das für "Körperschmuck"-Variationen wie Piercings oder Tätowierungen, ich beziehe allerdings auch sonstige Schönheits-OPs mit ein.

Es ist müßig darüber zu streiten, ob ein Jugendlicher mit 16 anders entscheiden würde als mit 18. Wir haben in Deutschland nun mal als gesetzliche Altersgrenze zur Volljährigkeit das 18. Lebensjahr, bei Überschreitung dieser Grenze fallen automatisch etliche Schutzvorschriften für Minderjährige weg.

Solcher Körperschmuck ist eine reine Modeerscheinung, zu meiner Jugendzeit waren Tätowierungen schwerst alkoholabhängigen Knastbrüdern oder Seeleuten vorbehalten und deren Träger wurden entsprechend diskriminiert. Heute ist diese Modewelle wieder stark abflauend und gerade Tätowierte werden schnell eher einem sozial schwachen Milieu zugeordnet und entsprechend gebrandmarkt.

So kommt dann nicht selten ein weiterer, ebenfalls nicht immer komplikationsfreier Eingriff hinzu: das Entfernen der mittlerweile als störend empfundenen Tätowierungen.

Sicherlich wird man mit einer entsprechenden gesetzlichen Bestimmung nicht alle Minderjährigen davon abhalten können, sich trotzdem mit entsprechendem Permanentkörperschmuck zu ver(un)zieren. Wenn allerdings EU-weit das Durchführen eines Piercings oder einer Tätowierung an einem Minderjährigen mit empfindlichen Strafen belegt werden würde, könnte das durchaus Wirkung zeigen.

Letztlich ist es aber das Versagen der Erziehungsberechtigten, was hier auf der Anklagebank sitzt. Seinen Kindern ein Piercing oder eine Tätowierung zu erlauben oder diese nachgerade zu forcieren, ist einfach ein Unding und zeugt von mangelndem Verantwortungsbewußtsein. Es handelt sich bei diesen Körperschmuckvariationen schließlich um einen permanenten Eingriff, der nicht selten zu einer Art Stigma werden kann.

Prägnante Tätowierungen an sichtbaren Körperstellen stellen zudem bei der beruflichen Karriere einen nicht zu unterschätzenden Makel dar - darüber sollten sich alle im klaren sein, die darüber nachdenken, sich tätowieren zu lassen oder ihren Kindern eine Tätowierung zu gestatten.

==Polycrux==

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tanni95 23.04.2008, 12:15
17. In der Tat...

Zitat von Bre-Men
Schön, dass es doch immer wieder etwas gibt, das verboten werden kann. Diese Regelwut in Deutschland ist nur noch ätzend.
...man könnte bspwe. die ganze StVO abschaffen. Ich weiß doch selbst wo ich hundert fahren kann und wo nicht. Oder diese Ampelanlagen: Von computergesteuerten Lichtanlagen lassen wir uns vorschreiben, wann wir fahren dürfen und wann nicht. Lächerlich! Erwachsene Menschen können sich doch per Handzeichen verständigen und festlegen, wer als erster und wer als letzter fahren darf.
Oder diese unsinnigen DIN-Normen. Überall ist ein DIN à 4- Blatt gleich groß, ist doch langweilig!

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simie 23.04.2008, 12:19
18.

@ ferion
Die Praxis von Beschneidungen mit freiwilligen(!) Piercings gleichzusetzen ist schon etwas hanebüchen.


Es gibt derzeit schon einen Trend in der Politik hin zur totalen Reglementierung. Ein Verbot von Piercings für unter 18jährige würde viel zu weit führen. Was ist daran schlimm wenn eine 16jährige ein Piercing haben will und die Eltern einverstanden sind?
Ein Verbot würde nur dazu führen, dass die Piercings dann nicht mehr in seriösen Studios sondern in irgendwelchen Klitschen gemacht werden - ohne Zustimmung der Eltern und auch mit allen negativen Folgen von nicht sachgemäss durchgeführten Piercings.

Generell kann man sagen, dass die Errichtung eines goldenen Käfigs für die Kinder und Jugendlichen im vollen Gange ist. Ob diese Entwicklung so positiv ist, kann zumindest bezweifelt werden.

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tanni95 23.04.2008, 12:20
19. Richtig: andre Länder, andre Sitten

Zitat von fucus-wakame
Hallo, in Afrika werden Halsringe angelegt, bis der Hals immer länger wird. Körperschmuck ist Körperkultur, und gehört zum Leben dazu. Ihr Deutschen solltet bitte nicht alles überreglementieren.
viele Stammesvölker (ich hoffe der Ausdruck ist pol. korr.)in Afrika waschen/duschen sich mit Rinder-Urin. Nicht weil es an Wasser fehlt, sondern weil sie denken, dass das gesund ist und die Haut schützt. Vielleicht haben sie sogar recht, aber sollen wir das jetzt bei uns auch einführen?

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