Forum: Panorama
Taser gefährlicher als vermutet?

Harsche Kritik am Einsatz von Elektroschockern: Laut Amnesty International starben in den vergangenen acht Jahren 334 Menschen bei Taser-Einsätzen der US-Polizei. Muss über den Einsatz von Elekroschockern neu nachgedacht werden?

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Parzival v. d. Dräuen 16.12.2008, 09:17
1.

Zitat von sysop
Harsche Kritik am Einsatz von Elektroschockern: Laut Amnesty International starben in den vergangenen acht Jahren 334 Menschen bei Taser-Einsätzen der US-Polizei. Muss über den Einsatz von Elekroschockern neu nachgedacht werden?
Was schlägt denn AI als Alternative vor? Gummi-Geschosse, Giftpfeile oder Wattebäusche gar? Natürlich kommen bei eskalativen Festsetzungen durch nahezu jede Waffe Menschen ums Leben.

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Motorpsycho 16.12.2008, 09:28
2.

Zitat von Parzival v. d. Dräuen
Was schlägt denn AI als Alternative vor? Gummi-Geschosse, Giftpfeile oder Wattebäusche gar? Natürlich kommen bei eskalativen Festsetzungen durch nahezu jede Waffe Menschen ums Leben.
Der Unterschied ist doch, dass die Waffe eine Ungefährlichkeit vorgibt, die sie nicht hat. Jemand der mit einer normalen Waffe schießt, weiß dass dies tödlíche Folgen haben kann und wird dies nur in Extremsituationen nutzen. So ein Taser verspricht aber, Leute ohne Verletzungen ruhig zu stellen und wird daher wohl schon bei eher kleineren Nichtigkeiten angewandt. Anders ausgedrückt: Die Streuung zwischen keiner dauerhaften Verletzung und dem Tod als Folge ist einfach größer als bei einer normalen Waffe, bei der man in jedem Fall mit ernsthaften Verletzungen rechnen muss.

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touri 16.12.2008, 09:45
3.

Zitat von Parzival v. d. Dräuen
Was schlägt denn AI als Alternative vor? Gummi-Geschosse, Giftpfeile oder Wattebäusche gar? Natürlich kommen bei eskalativen Festsetzungen durch nahezu jede Waffe Menschen ums Leben.
eskalative Festsetzung, schönes Wort... Wie dem auch sei, Taser sind eine gefährliche Waffe die oftmals zu leichtsinnig eingesetzt wird, zumal eventueller missbrauch stets straffrei für die Vollzugsbeamten auszugehn scheint. Ich hab schon Berichte gesehn wo junge, unbewaffnete Männer, die auch keine aggresiven Anstalten gemacht haben von mehren Beamten getasered wurden, und man fragt sich warum? Sind Polizeibeamte solche Schwächlinge, dass sie solche Hilfsmittel brauchen? Sind die Gummiknüpel nicht mehr hart genug?

Ich denke, besonders in den USA werden Taser oftmals als Spielzeug benutzt um Frustrationen rauszulasen. Wenn dann mal jemand ernsthaft schaden erleiden sollte, dann hat er sich halt gewehrt oder ist den Anweisungen nicht gefolgt (kunststück wenn man nach dem ersten Treffer bereits gekähmt ist), psychisch krank, dement, betrunken etc. Der Taser wird halt als einfache Lösung verstanden.

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Ahab 16.12.2008, 10:04
4.

Zitat von Parzival v. d. Dräuen
Was schlägt denn AI als Alternative vor? Gummi-Geschosse, Giftpfeile oder Wattebäusche gar? Natürlich kommen bei eskalativen Festsetzungen durch nahezu jede Waffe Menschen ums Leben.
Hallo Parzival v. d. Dräuen,
ich nehme an, Sie sprechen aus Erfahrung. Vermutlich haben Sie längere Zeit einen Taser am Kopf gehabt, anders kann ich mir die Selbstverständlichkeit nicht erklären, mit der Sie feststellen, dass bei "eskalativen Festsetzungen" durch jede Waffe Menschen ums Leben kämen. Dass Sie diesem Umstand eher tolerant gegenüber stehen, entnehme ich ihrer polemischen Äußerung in den vorangegangenen Sätzen. Ich habe selbst Leute kennengelernt, die ohne eigene Gewaltanwendung bei "eskalativen Festsetzungen", wie sie es euphemistisch nennen, verletzt wurden. Ich würde jetzt aber dennoch behaupten, dass Fäuste, Gummiknüppel oder Tränengas verheerend genug wirken können. Natürlich müssen sich Sicherheitskräfte ausreichend schützen können. Aber in vielen der hervorgerufenen Todesfälle (ich beziehe mich hier auf diverse TV-Berichte)war der Einsatz völlig unangemessen. Jede Waffe hat auch eine eigene psychologische Komponente. Und die unzutreffende Verharmlosung "nicht-tötlich" ruft offensichtlich bei bestimmten Persönlichkeitsstrukturen eine geradezu bedenklich stimmende Sorglosigkeit im Umgang damit hervor. "Ach, es tut nur richtig weh. Na, dann kann ich ja nochmal...und nochmal..und nochmal.... und nochmal...hoppla! " Ich nehmen an, dass Sie das unter einer eskalativen Festsetzung verstehen. (In welcher Ausbildung haben Sie eigentlich diesen Begriff gerlernt? Gibt es da auch "robuste Befragungen"?)

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Ruanes 16.12.2008, 10:06
5.

Zitat von sysop
Harsche Kritik am Einsatz von Elektroschockern: Laut Amnesty International starben in den vergangenen acht Jahren 334 Menschen bei Taser-Einsätzen der US-Polizei. Muss über den Einsatz von Elekroschockern neu nachgedacht werden?
Dass die jemals offiziell zugelassen wurden ist ganz klar ein eklatanter Fehler.
Es ist wie üblich, Gefahren verharmlosen und leugnen.
Nicht nur das immense Missbrauchspotenzial sollte denkenden Menschen Schauder über den Rücken jagen.

Die Polizei muss ausgebildet werden, Gefährdungen durch Personen anders als mit vermeindlich harmlosen Elektroschockern zu begegnen.
Gegebenenfalls Warnschuß, Knieschuß...alles möglich, benötigt aber Fertigkeiten und eine Umsicht, die man halt beherrschen und regelmäßig trainieren muss.

Die Zulassung solcher Comicwaffen gehört sofort rückgänig gemacht. Die Dunkelziffer können Sie locker mal 300 nehmen, zur Zahl von AI.

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wolfi55 16.12.2008, 10:31
6. Jedem klarmachen, was das ist

Und wenn es dann zu Fällen kommt, dann muss halt der Polizist sein Fehlverhalten büßen und er kann vermutlich nicht mal viel dafür, weil seine Vorgesetzten da einfach blöd oder bestechlich oder beides waren.

Ich erinnere nur daran, wie ein Abschiebehäftling im Flugzeug ruhiggestellt wurde und dessen gegenwehr war die Verzweiflung aufgrund des Erstickens, die von den unausgebildeten Polizisten für gegenwehr gegen die Abschiebung gehalten wurde.

Solche Fälle wird es sicherlich öfter geben, aber da muss man mit aller Härte dazwischenschlagen.

Eine Seilschaft zwischen Staatsanwaltschaft und Polizei gehört bei Erkennen mit einer Versetzung des Staatsanwalts auf den Posten eines Personalsachbearbeiters für Pensionäre geahndet.

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Pancho Villa 16.12.2008, 10:34
7. Ruhig Blut...

Zitat von Ruanes
Dass die jemals offiziell zugelassen wurden ist ganz klar ein eklatanter Fehler. ... Die Polizei muss ausgebildet werden, Gefährdungen durch Personen anders als mit vermeindlich harmlosen Elektroschockern zu begegnen. Gegebenenfalls Warnschuß, Knieschuß...alles möglich, benötigt aber Fertigkeiten und eine Umsicht, die man halt beherrschen und regelmäßig trainieren muss. ...
Mir scheint, Sie blenden in der Aufregung ein paar Aspekte aus. Taser sind eine Abstandswaffe. Sie haben gegenüber dem Gummiknüppel den Vorteil, daß Polizeibeamte einen Gegner kampfunfähig machen können, ohne mit ihm auf Tuchfühlung gehen zu müssen. Die Auseinandersetzung mit einem körperlich weit überlegenen Gegner ist m.E. auch z.B. Polizeibeamtinnen nicht zuzumuten.

Pfefferspray/Tränengas erfordern gleichfalls geringe Abstände, werden durch Wind/Niederschlag beeinflußt und beeinträchtigen schlimmstenfalls Unbeteiligte oder die Polizeibeamten selbst. Sie sind auch unzuverlässig gegenüber Personen, die unter dem Einfluß von Rauschmitteln stehen.

Vollends unbegreiflich ist mir aber Ihr Vorschlag, als Alternative Warnschüsse oder Knieschüsse (?!?!) einzusetzen. Mal ganz abgesehen von den rechtlichen Implikationen eines Einsatzes der Schußwaffe - ist Ihnen eigentlich klar, welche Risiken Sie damit heraufbeschwören? Für ALLE Beteiligten? Was ist mit Abprallern, mit Durchschüssen? Der Einsatz der Schußwaffe muß aus guten Gründen letztes Mittel bleiben.

Ein Verbot von Tasern beraubt die Polizei der einzigen, halbwegs zuverlässigen Abstandswaffe unterhalb des Schußwaffeneinsatzes - mit unabsehbaren Folgen.

Ihre Bedenken mögen verständlich sein - Empörung ist aber ein schlechter Ratgeber, und Ihre "Vorschläge" finde ich in hohem Maße unverantwortlich (und realitätsblind).

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Whisp 16.12.2008, 10:39
8. Taser

[QUOTE=Ruanes;3103370]...Gegebenenfalls Warnschuß, Knieschuß...alles möglich, benötigt aber Fertigkeiten und eine Umsicht, die man halt beherrschen und regelmäßig trainieren muss.
QUOTE]

Also, den Knieschuss als angemessenes MIttel. Das ist ne harte Behauptung. Die Destruktion des Kniegelenkes durch ein Projektil macht einen Menschen i.d.r. Arbeitsunfähig. Für einen Warnschuss nicht ganz das was man sich so vorstellt.

Der Taser ist ein relativ gut erforschtes MIttel. Effektiv und harmloser als Gefechtsmunition. Dennoch ist es eine Waffe dessen tödliches Potential nicht unterschätzt werden darf. Und so kommen wir zum Kern. Nicht der Taser ist das Problem, sondern der Mensch, der ihn einsetzt (sie wie es mit eigentlich allen Waffen ist).

Wenn der Taser "indiziert" und in der Richtigen "Dosis" eingesetzt würde (also 1 Schuss und fertig und zwar NUR in gerechtfertigten Fällen, die ansonsten den Einsatz von gefährlicheren Projektilwaffen oder aber stumpfen Hiebwaffen rechtfertigen würden), würden sicher nicht so viele Todesfälle auftreten. Ist klar, wenn ich einen Menschen zehn mal beschieße, kann ich Kammerflimmern und damit eine lebensbedrohliche Situation herbeiführen. Aber das kann ich mit einem Schlagstock auch, wenn ich einem fünfmal auf den Kopf schlage und er dann eine Hirnblutung hat.

Mein Fazit:

1. Aufgabe für AI
Für alle im Gebrauch befindlichen Waffen eine vergleichende Statistik aufstellen, dann kann man besser reden. So sind es nur in den Raum geworfene Zahlen, die wissenschaftlich nicht viel aussagen

2. Aufgabe für die Polizei
Das Personal auswählen (Persönlichkeit!), ausbilden, schulen und regelmäßig aufklären und überprüfen. "Qualitätsmanagement"
Nur dies ist der Weg, egal ob mit Gummistock, Taser oder Pistole.

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cobra77 16.12.2008, 10:39
9. Legale Folter...

ist ja nicht so neu, doch mit dem Taser hat sie einen echten Boom erlebt.

Sollten sie das Pech haben, in den USA einen epileptischen Anfall zu haben, werden sich sofort einige Polizeibeamte mittels Taser um ihre Sicherheit bemühen:

http://www.epilepsyfoundation.org/ep.../beloungea.cfm
http://www.basicthinking.de/blog/200...olizeihaenden/

Es ist natürlich als Widerstand gegen die Staatsgewalt zu werten, wenn sich ein unter Krämpfen windender Mensch außerstande zeigt, eine Frage zu beantworten...

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