Forum: Panorama
Terrorwarnung in Braunschweig: Was der Informant sagte - und was nicht
AP/dpa

Aus Angst vor einem Terroranschlag hat die Polizei den Karnevalsumzug in Braunschweig abgesagt. Die Behörden sprechen von einer konkreten Gefahr - doch besonders umfangreich waren die Informationen nicht.

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sl2014 16.02.2015, 16:40
80.

Zitat von daminoh
Können wir jetzt auch sagen, der Islam und die Terrorangst vor dem Islam gehören zu Deutschland? Aber ich denke dies wäre zu weitgehend, ein paar abgesagte Veranstaltungen wegen Terrorgefahr sollte doch unsere Tolleranz nicht überstrapazieren!
Das muss die tolerante, offene Gesellschaft aushalten. Nur gut, dass die deutschen Behörden so hervorragend arbeiten, dass bisher alles verhindert werden konnte.
Die Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland ist nicht nur Bereicherung, sie fordert auch Entgegenkommen und Verständnis. Das geht über den Bau einiger kleiner Moscheen hinaus, da ist mehr erforderlich.
Irgendwann wird es dann keine derartigen Zwischenfälle mehr geben, Karneval kann auch interkulturell angepasst gefeiert werden.

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hubertrudnick1 16.02.2015, 16:41
81. Wie weit darf man gehen?

Welche Entscheidung ist als richtig und akzeptabel anzusehen, kann man ein Risiko eingehen, hat man zu schnell und zu übertroffen gehandelt, oder war es im Interesse der Sicherheit der Menschen angebracht?
Viele Fragen, aber ich bin der Auffassung, dass die notwendige Sicherheit immer oberste Priorität haben muss, nur sollte man das auch hinterher belegen können, dazu wird sicherlich das staatsanwaltliche Verfahren dienen.

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justin57 16.02.2015, 16:42
82. Welche Reaktionsweisen sind noch denkbar?

Gibt es wirklich keine anderen Möglichkeiten, zu reagieren als ein Komplettverbot? Wäre nicht etwa auch eine öffentliche Warnung mit freiwilliger Teilnahme auf eigene Gefahr möglich, wo es jedem freigestellt ist, an der Veranstaltung auf eigene Gefahr teilzunehmen? Die Mutigen können dann trotzdem hingehen, nach dem Motto: " jetzt erst recht! " und die Ängstlichen bleiben zuhause?

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benito22 16.02.2015, 16:46
83. @ sherlock

Zitat von thsherlok
Es knallt jeden Tag mindestens 10 mal und jedesmal gibt es dort (Straßenverkehrs)tote. Die ganzen schwer verletzten lassen wir mal außen vor. Jeden Tag sterben 150 Menschen in Deutschland aufgrund falscher Medikamente. Davon steht (fast) nichts in der Zeitung. Aber ein möglicher Terroranschlag mit möglichen Opfern führt zu einer Hysterie und einem Sicherheitsbedürfnis ohne Grenzen (Supergrundrecht Sicherheit). Gehts noch? Einfach irrational wovor man sich fürchtet. Selbst im Haushalt sterben jedes Jahr mehr Menschen durch Unfälle als in den letzten 50 Jahren durch Terroranschläge ums Leben gekommen sind. In den USA sind nach dem Anschlag aufs WTC mehr Leute mit dem Auto gefahren statt geflogen, dadurch gab es deutlich mehr Straßenverkehrstote (war AFAIR bei Quarks & Co).
Aha sehr sinnhaft Ihre Vergleiche mit Straßenverkehrstoten und Opfern von Falschmedikamentation. Im Jahre sterben in der BRD etwa 230.000 Menschen an Krebs, also was soll die Hysterie wegen ein paar Verkehrstoter oder gar wegen der Opfer aufgrund von Behandlungsfehlern. Stellen wir doch gleich gleich Bemühungen deswegen ein, lohnt ja den Aufwand kaum. Das ist die Fortsetzung Ihres Gedankens. Das ist absoluter Zahlenbullshit, was Sie hier von sich geben. Ich will Sie und alle die anderen selbsternannten "Freiheitskämpfer" hier sehen, wenn der eigene Partner oder das eigenen Kind von einer Bombe in Fetzen gerissen wird und sich hinterher herausstellt, dass es eine konkrete Warnung gab. Dann heult genau der gleiche Chor das Lied vom Versagen der Sicherheitsorgane.

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Listerholm 16.02.2015, 16:49
84. Köln, Mainz, Düsseldorf...

Da feiern Hunderttausende, die vermutlich genau wissen, dass jederzeit irgendwelche Idioten Bomben zünden können. Hat der Staatsschutz außer allgemeinen Warnungen sonst irgendwelche Veranstaltungsverbote herausgegeben? Nein! Natürlich nicht. Wir leben in einer freien Gesellschaft. Und ich halte das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit für ausbalanciert.
Was aber tun, wenn nicht nur eine allgemeine, sondern eine konkrete Warnung Anlass zu einer Entscheidung geben muss?
Dann muss Sicherheit vorgehen.
Wer will für mögliche Opfer verantwortlich sein?
Unsere Demokratie funktioniert.
Und viele Millionen Bürger lassen sich keine Angst machen oder einreden.

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Mister Stone 16.02.2015, 16:49
85.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Hannover den Fall übernommen

Na dann... wird ja wieder alles optimalst ermittelt.

Was die Gefahrenlage angeht: Der Entscheidungsträger macht nie einen Fehler, wenn er eine Drohung ernst nimmt. Und das macht er immer dann, wenn keine tatsächlichen Anhaltspunkte dafür erkennbar sind, dass eine Drohung nicht ernst oder eine Gefahr nicht konkret ist.

Nach Paris und Kopenhagen will natürlich keiner einen Fehler machen. Hauptaufgabe der Polizei ist die Gefahrenabwehr (neben der Strafverfolgung), nicht die Verteidigung einer Freiheit.

Meine Sorge ist der Umgang mit den Ankündigungen von Nachahmern (Trittbrettfahrern).

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voliant 16.02.2015, 16:53
86.

Zitat von querollo
Die beste Verbrechensbekämpfung ist die, die Opfer gar nicht erst entstehen lässt. Natürlich muss es da Grenzen geben. Aber wenn es, wie hier, Hinweise gibt, die man als glaubwürdig einschätzt, geht Sicherheit vor Spaß. Im gegenteiligen Fall hätten wir ihr die Toten und Verletzen der Polizei nie verziehen.
verbrechen erst gar nicht entstehen lassen... ?
und wie ?

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neanderspezi 16.02.2015, 17:03
87. Vielleicht sollte der niedersächsische Verfassungsschutz doch noch etwas mitteilsamer sein

Ein V-Mann innerhalb der Salafisten-Szene tut dem niedersächsischen Verfassungsschutz kund und zu wissen, dass auf den Karnevalsumzug in Braunschweig ein Anschlag geplant sei, weitere Erkenntnisse sind nicht zu haben, Namen möglicher Täter und deren Vorgehensweise nennt der Informant nicht. Die Auswirkung dieser Information lässt nicht auf sich warten, der Umzug wird von der Polizei abgesagt. Der Informant sei ein besonders zuverlässiger Mitarbeiter der Behörde, aber die Information die er rüberbringt ist so vage und vieldeutig wie die Prophezeiung eines Sehers, der den Flug einer Schwalbe auf kommende Ereignisse auszulegen versucht. Was wäre eigentlich geschehen, wenn dieser Informant nicht ein zuverlässiger V-Mann gewesen wäre, sondern irgendein salafistischer Spruchbeutel und Heilsverkünder, der mit einer derartigen Botschaft allgemeine Alarmbereitschaft auszulösen beabsichtigte? Welche Argumente kann eigentlich der V-Mann jetzt noch ins Feld führen, die Quelle seiner Information geheim halten zu müssen, da er durch seine Mitteilung ohnehin schon ein verbrannter V-Mann in der Szene darstellen dürfte? Hatte möglicherweise nur ein Prediger in seiner Schmährede auf das unislamische Tun eines Karnevalsumzugs ganz allgemein Gewalt anregende Drohungen hinausposaunt um seine Salafistenbrüder zu einem gottgefälligen Anschlag aufzuhetzen? Vermutlich werden die Braunschweiger Närrinnen und Narren nie erfahren, welche Brisanz letztendlich dem Verbot des Umzugs zugrunde lag.

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robertelee 16.02.2015, 17:06
88. Da gibt's nur eine Antwort!

Liebe Leute, es ist doch völlig klar, was hier geboten ist:

Aufstehen, Zivilcourage, "Gesicht zeigen", "wir lassen uns nicht einschüchtern". Und zwar am besten organisiert von einem "breiten Bündnis aus Kirchen, Gewerkschaften und gesellschaftlich relevanten Gruppen".

Schlage deshalb vor:

1. Priorität: Ein Großdemonstration "Braunschweig ist bunt - für Weltoffenheit und Toleranz!" Vorneweg am besten Claudia Roth. (Sollte politisches Spitzenpersonal sich an die Spitze stellen wollen, kann man das ja in einer abgesperrten Nebenstraße aufnehmen, oder einfach Photoshop, oder so).

2. Priorität: Ein "runder Tisch gegen rechts". Wenn die Salafisten nicht immer so von den Dumpfdeutschen mit ihrem Rechtspopulismus aus der Mitte der Gesellschaft provoziert würden, wär das alles nicht passiert. (Das ist übrigens alternativlos).

Braunschweig helau. Leute, lacht doch mal. Es ist schließlich Karneval.

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Das Pferd 16.02.2015, 17:07
89.

Zitat von justin57
Gibt es wirklich keine anderen Möglichkeiten, zu reagieren als ein Komplettverbot? Wäre nicht etwa auch eine öffentliche Warnung mit freiwilliger Teilnahme auf eigene Gefahr möglich, wo es jedem freigestellt ist, an der Veranstaltung auf eigene Gefahr teilzunehmen? Die Mutigen können dann trotzdem hingehen, nach dem Motto: " jetzt erst recht! " und die Ängstlichen bleiben zuhause?
Und im Erstfall hätte es tote Kinder gegeben, obwohl die noch gar nicht so eine Entscheidung fällen können.

Nein, das macht doch die Polizei auch nicht gern. Wenn aber die Lageeinschätzung so ist, wird der Zug abgesagt.
An eine einsturzgefährdete Bücke kommt ja ja auch ein absolutes Verbot und nicht ein Zettel, daß die Mutigen sich auch den Umweg sparen können.

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